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Die Welt · 1911-07-14 · 28 (14.7.1911) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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er der erste jüdische Deputierte sei, antwortete König Ferdinand sichtlich erfreut, daß er stets ein Anhänger des Prinzips der Gleichberechtigung a'ler Bürger Bulgariens ohne Unterschied der Konfession und Nation gewesen sei. Brie! aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Des Sultans Heimkehr Der Einzug Sultan Mehmed Reschads in seine Hauptstadt nach mehrwöchentlicher Abwesenheit war eines der großartigsten Schauspiele, die die Geschichte dieses an Erinnerungen so reichen Erdenwinkels wohl gesehen haben mag. Hunderttausende von Menschen wimmelten auf dem sanften Abhänge von Serail-Burnu, hockten auf den Zinnen der alten Konstaritinsmauer von den Sieben Türmen an bis unter die mächtigen Burgwände des alten Serails, umsäumten die plätschernde Küste des Marmara auf der europäischen wie auf der asiatischen Seite, schwärzten die Dächer der Staatsgebäude, die Kuppeln und Minarets der Moscheen und unzählige Häuserterrassen, füllten hundert Schiffe, die der Sultansflotte entgegenharrten, und zahllose Barken, die ihren Weg durch die gefährliche Brandung der Serailspitze suchten. Es war ein Volksfest ohnegleichen auf der ungeheuerlichsten großartigsten Bühne, dem Marmara-, Bosporus- und Goldenhorn-Becken mit den gewaltigen Hügelemporen Stambuls, Haidar Paschas und Peras in der endlosen Runde. Dann der Anzug des Sultangeschwaders, des Eisenkoloß „Barbarus-HaTraedin" mit dem Monarchen an der Spitze, gefolgt von den ernsten Panzern und Torpedo?, eskortiert, überholt, umspielt von all den hundert schwer aufragenden oder leicht dahinschießenden großen und winzigen Begrüßungsdampfern. Zu diesem Anblicke denke man sich das Heulen und Pfeifen der Sirenen aller dieser wimmelnden Fahrzeuge, die Klänge ihrer Musikkapellen und das frenetische Begrüßungsrufen und Applaudieren der Menschenmassen. Bunt wie niemals war die Zusammensetzung und das Treiben des Volkes auf Serail-Burnu. Alle Rassen und Nationen des ungeheuren Reiches in malerischem Ameisen Wirrwarr, alle Stände und Korporationen der Millionenstadt in ihren farbenleuchtenden Originalkostümen. Ein unvergleichliches Symbol der Einheit und des treu-freudigen Bekenntnisses zum Herrscher und zum Lande. Leider haben die Juden den von ihnen geplanten Anteil an dieser Demonstration der ottomanischen Völkerfamilie nicht nehmen können, da das sie repräsentierende Komitee kein Schiff mehr aufzutreiben vermochte, die sämtlich schon mit Beschlag belegt waren. Und so wäre die jüdische Bevölkerung der Hauptstadt völlig hinter der übrigen Bürgerschaft zurückgeblieben, wenn nicht wieder einmal der Jüdische Turnverein „Makkabi" die Ehre der Gemeinde gerettet hätte. Er tat das durch einen wundervollen und imponierenden Fackelzug, an dem mehrere hundert seiner M;tglieder unter Begleitung einer vieltausendköpfigen Menge teilnahmen. Der Zug formierte sich um 8 Uhr abends vor der Turnhalle und setzte sich unter Führung eines Marineorchesters nach Galata hinunter auf Dolma Bagtsche zu in Bewegung. Nach einer halben Stunde langte die auf den Straßen begeistert begrüßte Schar vor dem Sultanschiosse an, wo ihr die Tore geöffnet und sie in dem am Meeresufer gelegenen Schloßhofe aufgenommen wurden. Ein Adjutant des Sultans erschien, fragte sie nach dem Namen des Vereins und übermittelte ihnen das Ersuchen des Herrschers, eine Zeitlang dort zu verweilen, damit er den Zug beschauen könne. Hierauf stimmten die Turner patriotische türkische und hebräische Gesänge an, die sie mit dem Rufe: „Padischahim tschok jascha", „Lang lebe der Sultan!4* schlössen. Dann stattete der Adjutant ihnen den Dank des Sultans ab, und der Fackelzug verließ den Schloßhof. Zurück ging er die Höhe nach Taxim hinauf und von da die Große Perastraße entlang, deren Verkehr durch ihn für eine Zeillang unterbrochen wurde, um endlich im Stadtgarten „Petit champs" eine letzte vielbewunderte Parade abzuhalten. Um 1/2ll Uhr fand sodann die trefflich gelungene Demonstration in der Turnhalle ihr Ende. Au* der Gemeinde Endlich ist die vollkommene Zusammenstellung des Medschliss dschismani Tatsache geworden. Der letztgewählte neunte Mann hat sich endlich zur Annahme des Ehrenamtes bereit erklärt, und so konnte denn auch im Plenum nunmehr die Wahl des engern Bureaus vorgenommen werden. Präsident des Medschliss wurde der Kabinettschef des Finanzministers Nissim Effendi Russo Vizepräsident der Inspektor am Unterrichtsministerium Isaac Effendi Hamon. Von den Vereinen Die Sektion „Pera" des „Makkabbi", aus dem die ganze Organisation hervorgegangen ist, hat vor kurzem ihre Generalversammlung abgehalten. Es war wiederum ein mächtiges Wachstum zu verzeichnen. Auch die Finanzen nehmen, dank eines guten Inkassosystems, die gewünschte Entwicklung. Da der von der Gesarntorganisation engagierte Turnlehrer für alle Abteilungen bei weitem nicht ausreicht, so hat die Peraabteilung mit ihren Turnwarten dauernd aushelfen müssen. Es stellt sich aber immer mehr die Anstellung eines zweiten Turnlehrers als notwendig heraus. — Die Neuwahl ins Komitee berief zum Präsidenten Herrn Chajim Abraham, zum Vizepräsidenten Herrn Ziffert und zum Turnwart Herrn BarsilaT. — Die in der Peraturnhalle turnende Damensektion sowie die mit ihr verbundene Mädchenriege entwickeln sich ausgezeichnet. Eine wertvolle soziale Tat wurde in den letzten Wochen mit der Neuer weckung des seit einigen Jahren entschlafenen Brudervereins getan, der ersten hiesigen jüdischen Organisation mit großzügigen Wohltätigkeitstendejizen. Er war im Jahre 1875 gegründet und wurde 1886 reorganisiert. Die Wahl des energischen Herrn Max Grünberg zum Präsidenten des nun wieder erneuerten Vereins läßt einen entschiedenen Aufschwung und segensreiche Wirksamkeit erwarten. Die hier vor einigen Monaten begründete Bn6-Berith-Loge hat die Genehmigung der Regierung für ihre Statuten erhalten. Türken und Araber In leitenden türkischen Kreisen ist man sich anscheinend über den tiefen Abgrund klar geworden, der zwischen der türkischen und arabischen Völkerwelt klafft. Man sucht daher nach irgendwelchen Mitteln, um diese Kluft zu überbrücken. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, ist die Gesellschaftsreise von einer gewissen Bedeutung, welche in nächster Zeit, auf Initiative des Saloniker Komitees für Einheit und Fortschritt, nach Syrien und Palästina unternommen werden wird. Der Ausflug wird an Bord eines Spezialschiffes angetreten und hat, Smyrna, Mersina und Adard berührend, zum Ziele insbesondere Beirut, den Libanon, Damaskus, Tripolis, Haifa, Jaffa und Jerusalem, um dann in Ägypten zu endigen. Es ist kein Zweifel, daß eine solche Reise unter Umständen tatsächlich viel zur gegenseitigen Annäherung beitragen kann. Das Beispiel der türkischen Studienreise, im vorigen Jahre nach Ungarn, jetzt nach Deutschland, beweist das deutlich. Aber es müssen doch auf beiden Seiten, der der Besucher und derer, denen der Besuch gilt, vorher günstige Dispositionen für die Annäherung vorhanden sein. Das ist es nun aber gerade, was auf der arabischen Seite zu fehlen scheint. Wenigstens hat sich der Depu ierte von Dam askus, Schükri Bej el Assely, der uns ja von der Parlanentsattacke gegen den Zionismus her wohlbekannt ist, mit Ungestüm gegen die geplante Fahrt und ihre Urheber ausgesprochen. „Eine Salonikische Delegation", so schreibt er, „wird demnächst zwecks einer sogenannten türkisch-arabischen Annäherung in Syrien eintreffen... Alle Welt fragt sich, was der Zweck dessen sein soll?... Will man uns die Macht des Komitees zeigen, so sollte man wissen, daß wir nur eine einzige Macht anerkennen, nämlich die, die der Regierung vom Volke anvertraut ist. Will man etwa „Mißverständnisse" zum Schwinden bringen, so sagen wir frei heraus, daß es zwischen Türken und Arabern keine gibt, sondern daß die letztern nur höchst unzufrieden sind mit dem Vorgehen der gegenwärtigen Leiter, die aus der arabischen. Nation ein unterworfenes Volk machen wollen... Die Araber sind also nur mit den Regierenden unzufrieden, nicht mit den Türken im allgemeinen. J^S gibt also kein Mißverständnis, wie man behaupten will, und unsere Salonikier Besucher könnten ruhig zu Hause bleiben und sich so viel unnütze Mühe sparen. Die Syrier werden künftig kein Spielzeug des Komitees mehr sein." Ein schöner Willkommengruß zum voraus! Aber es ist zu etwas nütze. Dies Verhalten wird den Türken besser die Augen öffnen. Sie werden besser verstehen, daß die syrischen Araber nicht diejenige Bevölkerung sind, auf die sich in jenen Gegenden der Einheitsgedanke der neuen Türkei stützen kann. Sie werden vielleicht auch verstehen lernen, daß dieselben Leute es sind, die ihre eigenen Feinde sind und die auch die jüdische Nation in Syrien und Palästina verfolgen, daß sie keinerlei Freundschaft und keinerlei Brüderlichkeit von den Feinden des Zionismus zu erwarten haben. Es steht natürlich außer Frage, daß die Salonikier jungtürkischen Besucher bei den Juden Palästinas einen ganz andern Empfang finden werden. Bei ihnen werden sie keiner hochfahrenden Eigen-

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