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Die Welt · 1911-07-14 · 28 (14.7.1911) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 28 DIE^ELT 667 Bei den umfassenden und schwierigen organisatorischen Vorbereitungen, die gerade diese Konkurrenz erforderte, ist der Vorteil einer mehrmaligen Praxis ein so großer, daß ein Vergleich des rein sportlichen Könnens billigerweise nur unter den im Sonderwettbewerbe zusammentreffenden Mannschaften möglich ist. Und da ist denn das Abschneiden des Bar Kochba ein recht erfreuliches. Der Erfolg wird der Mannschaft gewiß viele neue Freunde bringen und sie anspornen, mit verdoppelten Ernst und Eifer ihrem Training obzuliegen- Ihr eigner Sportplatz in Schulzendorf und die Wochentagsübungen im Treptower Park bieten dazu beste Gelegenheit. Adresse für Anmeldungen und Auskünfte: Bureau des Bar Kochba, Berlin C. Alexanderstraße 39. Hamburg. Die zur deutschen Landsmannschaft gehörenden Schekelzahler von Hamburg-Altona hielten am 5. Juli eine von etwa 200 Personen besuchte Wahlversammlung für den Kongreß ab. Als Kandidaten wurden nominiert die Herren Dr. Chwolles, Estermann, Dr. -Halpern, Dr. Huldschiner und Leopold Landau. Die Herren Estermann und Landau ersuchten, von ihrer Wahl Abstand zu nehmen. -Die drei Kandidaten entwickelten ihre Stellungnahme zu den Arbeiten, die voraussichtlich den Kongreß beschäftigen werden, wobei sich in den wichtigsten Fragen der zukünftigen Gestaltung der Leitung cler Organisation sowie der Finanzreform eine weitgehende Obereinstimmung ergab. Namentlich stimmten auch die Kandidaten der von den maßgebenden Körperschaften beantragten Verlegung des Präsidiums von Köln nach Berlin zu. Zu Delegierten gewählt wurden mit großer Majorität die Herren Dr. Halpern und Dr. Huldschiner und zu Ersatzdelegierten die Herren Dr. Chwolles und Landau. Bad Reichenhall. Am 29. Juni fand hier in Bermanns großem Restaurationssaale eine Trauerfeier für die Getöteten von Drohobycz statt. Der Saal war überfüllt. Nach Eröffnung der Versammlung durch Herrn Hofrat Gold Schmidt sprach Herr York-Steiner. In fesselnden Worten führte er den zahlreichen Anwesenden die traurigen Ereignisse zu Herzen. Er gab aber auch in kurzen Zügen ein Bild von der gesamten wirtschaftlichen und politischen Entwicklung und gegenwärtigen Lage der Juden in Galizien mit besonderer Berücksichtigung der zionistischen Strömung, deren er als Freund und Mitarbeiter Theodor Herzls gedachte. Sodann hielt Herr Stein aus Lemberg in althergebrachter Weise ein „El niole rachmim" für die Opfer. Dann fand im Saale eine Sammlung statt, die vorläufig 450 ~M brachte. Das Schlußwort hatte Herr Dr. A. Muskat, Reichenhall, der dem Referenten den Dank für seine Rede aussprach. Österreich Gwozdiec. Hier wurde ein jüdischer Jugendverein „Hatchia" gegründet, der die jüdische und hebräische Literatur pflegen will. Der Vorstand besteht aus den Herren Pinkas Grünberg, Selig Grünberg, Meschulim Dienes, Samuel Reiter und Chaim Drescher. Um die Gründung des Vereins hat sich Herr David Bergmann sehr verdient gemacht. Karlsbad. Die zionistischen Kurgäste treffen sich jeden Mittwoch um 1k9 Uhr abends im Restaurant Kirsch, Haus Linkoln, Eger straße. Wien. Ein provisorisches Komitee hat hier eine Organisation der jüdischen Mediziner unter dem Namen „Akademischer Verein jüdischer Mediziner" ins Leben gerufen und wendet sich in einem Aufruf an die Berufskollegen mit der Aufforderung zum Beitritt. Adresse: Akad. Verein jüdischer Mediziner, Wien, 1. k. k. Universität. Brief aus Saloniki (Von unserm Berichterstatter) Alle Machenschaften und Intrigen der antizionistischen Volksverräter, die sich nicht gescheut haben, die jüdisch-national gesinnten Kreise der ottomanischen Judenheit bei der Regierung anzuschwärzen, haben ihre Wirkung vollständig verfehlt. Vor kurzem berichtete ich Ihnen über eine Rede, die der gewesene Minister des Innern Talaat-Bey im hiesigen jüdischnationalen „Club Nouveau" gehalten hat. Diesmal kann ich von den Worten Kenntnis geben, die der Großwesir Hakki Pascha letzthin in demselben Club anläßlich eines ihm zu Ehren veranstalteten Festabends gesprochen hat. (Vergl. „Welt" Nr. 21.) Anknüpfend an ein Gebet in arabischer Sprache, das unser Großrabbiner Jacob Meir zuvor rezitiert hatte, sagte "der Großwesir: „Die arabische Sprache ist die Sprache unserer Religion und mit Ihrer Muttersprache nahe verwandt." Sodann fuhr er fort: „Wiewohl ich niemals an den tiefen und aufrichtigen patriotischen Gefühlen der ottomanischen Juden zweifelte, haben die Versicherungen Sr. Eminenz des Großrabbiners meinem Herzen dennoch wohlgetan. Wenn die ottomanische Regierung in manchen bangen Augenblicken Zweifel ander Einheit und Einigkeit der ottomanischen Bürgerschaft hegk, so war die jüdische Bevölkerung niemals in diesen Zweifel miteingeschlossen. Bisher haben die ottomanischen Juden ihrem Vatesrlande auf dem Gebiete des Handels und der Industrie ausgezeichnete Dienste geleistet. Heute, wo die Pforten der öffentlichen Ämter ihnen weit geöffnet sind, bin ich fest überzeugt, daß sie sie Ii auch hier rühmlich hervortun werden und daß sie dank ihrer Intelligenz und ihren angeborenen Vorzügen sicherlich unter unsern Politikern die besonnensten, unter unsern Diplomaten die gewandtesten und unter unsern Beamten die fähigsten sein werden." Diese Ausfühtungen unseres Premiers liefern den' untrüglichen Beweis, daß der Same des Argwohns, den unsere eigenen entarteten Brüder ausgestreut haben, in den regierenden Kreisen nicht auf fruchtbaren ß.oden gefallen ist und daß die leitenden Staatsmänner nach wie vor von der Vaterlandsliebe aller ottomanischen Juden durchdrungen sind. Brief aus Sofia Die Wahl unsers Gesinnungsgenossen Farchi zum Deputierten der großen Nationalversammlung hat hier allseits grof3e Befriedigung hervorgerufen. In nichtzionistischen Kreisen will man zwar nicht gelten lassen, daß die Regierung mit der Aufstellung Farchis ein Entgegenkommen für die Zionisten beabsichtigt habe; nach diesen Kreisen ist vielmehr die Aufstellung des jüdischen Kandidaten als zarte Rücksicht auf die Gesamtheit der bulgarischen Juden aufzufassen. Es steht indes fest, daß bei der Regierung ursprünglich die Absicht bestand, den ersten Gemeindevorsteher Davidson n Lewi aufzustellen, Erst nachdem sie die Überzeugung gewonnen hat, daß die Mehrzahl der bulgarischen Juden Zionisten sind, —was auch daraus ersichtlich ist, daß von den 2 0 jüdischen Gemeinden Bulgariens 19 in Händen der Zionisten sind,— konnte als Deputierter nur eim zionistisch gesinnter Jude in Frage kommen, und die Wahl fiel auf Farchi. Wie dem auch sei, die bulgarischen Juden können mit diesen ersten Erfolg ihrer unermüdlichen Arbeit zufrieden sein. Der neue Deputierte entstammt einer alten, streng religiösen sephardischen Familie, gilt als hervorragender Redner, spricht gut Bulgarisch und Französisch, verstellt auch etwas Deutsch, Seit Jahresfrist steht Farchi an der Spitze des Schulvorstandes; ihm ist es zu danken, daß die Alliance bei uns zu regieren aufgehört hat. Die große Nationalversammlung, die nur in ganz besondern Fällen einberufen wird, — seit der Befreiung Bulgariens jetzt zum 5. Male,— unterscheidet sich von der gewöhnlichen Sobranje dadurch, daß für erstere diie Abgeordnetenmandate verdoppelt werden. Während die bulgarische Kammer 213 Abgeordnete zählt, hat die große National Versammlung deren 426. Am 19. Juni fanden, wie schon gemeldet, die Wüllen unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Die Wähler hatten ihr Votum über die künftige Staatsform Bulgariens abzu^oben. Durch den Stimmzettel hatte das Volk darüber zu entscheid««, ob Bulgarien Monarchie verbleiben oder Republik werden solle. Dk Regierung hat einen vollen Sieg auf der ganzen Linie zu verzeichnen. Von 426 Mandaten gehören 352 Abgeordnete der regierenden Partei an. Die regierende Partei setzt sich aus Nationalen und Zankowisten zusammen. Die neuen Minister sind durchweg Männer, die in Rußland studiert haben. Als d e neue Regierung im Miärz dieses Jahres die Regierungsgeschäfte übernommen hatte, hegte man hier allgemein die Befürchtung, Rußland könnte wieder, inehr als für das Land gut Ist, Einfluß auf die Entwicklung des Landes gewinnen. Diese Befürchtung hat sich als grundlos erwiesen, denn die Regierung hat schon so viele Beweise ihrer friedlichen Absichten geliefert, daß zu Befürchtungen solcher Art kein Anlaß vorhanden ist. Am 22. Juni hat Zar Ferdinand in Tirnowo, der alten bulgarischen Zarenresidenz, die große Nationalversammlung erWfnet. Die Stadt Tirnowo hat zum erstenmal einen Juden in ihren dauern beherbergt, und zwar einen Deputierten des jüdischen Volkes. Tirnowo ist in Bulgarien wegen seiner am meisten gefürchteten Messserhelden bekannt. Das bulgarische Räuber- und Banditenwesen, das in Mazedonien den Türken so viel zu schaffen macht, hat in Tirnowo seine Heimat Vor langen Jahren haben diese säubern Gesellen die dort ansässigen Juden ausgewiesen. Die des Ortes Verwiesenen haben jetzt die Genugtuung, ihren Abgeordneten in die heilige Stadt zu entsenden. Auf einem Ausflug, den Zar Ferdinand in die Umgebung Tirnowas unternommen hatle, befand sich unter den zahlreichen Gästen auch Deputierter Farchi. Farchi wurde von Zar Ferdinand in ein längeres Gespräch gezogen, und als er gelegentlich bemerkte, daß

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