Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 28 (14.7.1911)
- Date
- 1911-07-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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im Ko. 28 DIETOELT 661 setzung aus, daß Thora und jüdische Religion identisdi sind. Ich stehe seit über 25 Jahren im praktischen jilJischeii Schuldienst und habe in dieser Zeit niemals solchen von Herin Feldmnnn bekämpften Religionsunterricht erteilt, wohl aber lloiaunterricht, und die Schule, an der ich zu wirken die Ehre habe, erfüllt dabei irn Rahmen der gegebenen Verhältnisse recht gut il re Aufgabe, jüdische Kinder zu guten Juden heranzubilden. Mit s einer Ansicht über Reins Stellung zum Religionsunterricht hat Herr Feldmann bös daneben gehauen. Rein ist ein entschiedener Gegner des dogmatischen Religionsunterrichts und derer, die Gltuben lehren wollen. Er will lediglich geschichtlichen Religionsunterricht. Zum Beweis dessen würde ich gerne zitieren, aber das daif ich ja nicht wagen. Verlangte ich wirklich, man solle die Kinder glauben lehren, so würde mich der Vorwurf „unjüdisch" schwer treffen. Aber mein Ideal des Religionsunterrichts, — pardcn der Thorabelehrung, ist ein anderes. Es ist gut jüdisch, galt überall und zu jeder Zeit, von der alleräitesten bis ins russische Cheil w und heißt: mtty1? H-E by TiEbTat, nicht Glauben! Da Herr Feld mann die beiden üymnasien'ziHerte, darf ich es nach der Richtung der Tat hin wohl auch tun, indem ich das von ihm hinsichtlich der K« pfbedeckung Berichtete durch die Mitteilung des Hed-Hasmann ergänze, daß selbst Achad-Haam Kopfbedeckung verlangt hat, die Jaffaer H-e-rren sie aber abgelehnt haben. Herr F. wirft mir gojische Betrachtungsweise vor. Das ist schlimm; aber ich habe gezeigt, daß ich davon frei bin. Ich werfe aber seinen Freunden — und das ist viel schlimmer — gojische Handlungsweise vor. Denn wie anders kann man diese Abschaffung eines uralten jüdischen Gebrauchs (daß er wenigstens das ist, wird doch auch Herr Feldmann nicht bestreiten) bezeichnen, denn als Assimiiatfo-ti an gojische Sitten. Noch dazu in Palästina! Und diese Gojischkdl muß sich als Konsequenz aus einem Programm ergeben, das aus seiner Schule praktisches Judentum ausschließt, in dem «der jüdische Geist sich verkörperlicht hat. Darauf wollte ich hinweisen, angesichts gewisser Zustände in Palästina, die selbst einen Achad-Haam erschrecken, da er bemerken muß, welche Konsequenzen sich aus der Umsetzung seiner Betrachtungsweise in die Tat ergeben. Da ist nicht Zurückhaltung geboten. Vielmehr sollten alle, die es gut meinen mit unserm Volke und unser m Lande, zusammenstehen, um zu verhindern, daß nicht unjüdisches Wesen die aufblühenden Keime vernichtet. Zur Finanzfrage Von Leopold Landau-Hamburg. Ganz zweifellos liegt in dein Gedanken, das Kapital des geplanten Aktionsfonds in palästinensischen Werten werbend anzulegen, etwas Bestrickendes. Gg. Dr. Ch wo lies hat meines Erachtens vollkommen recht, wenn er sich von einer Nebenbestimmung in bezug auf die Verwendung des Kapitals in Palästina eine wesentliche Erleichterung der Verwirklichung der Aktionsfonds-Idee verspricht. Erhebliche Bedenken fordert jedoch der Plan der Gründung wiederum eines neuen Fonds heraus, wenn man die enorme Gefahr e-iner weiteren Zersplitterung unserer Kräfte und der für zionistische Zwecke zur Verfügung stehenden Gelder in Betracht zieht. Ringen wir uns vorerst einmal zu der Aufrichtigkeit durch, zu der uns unsere zionistischen Erfahrungen mahnen, daß für eine Amortisation des Kapitals verschwindend wenig ernsthafte- Aussicht vorhanden ist, Der dann noch verbleibende Grundgedanke, dem E. A. C. zinstragende Werte dergestalt zur Verfügung zu stellen, daß die Zinserträgnisse die Beihilfe zu den Betriebsmitteln darstellen, bedingt nicht eine solche Neugründung mit den großen Gefahren der Zersplitterung und des Mißlingens. Die Organisation hat genügend viele Institutionen für praktische Palästiriaarbeit geschaffen, welche mehr oder weniger das gleiche erstreben, Häuserbau und Kolonisation. Ich denke da an die P. L. D. C, welche bei ihrem winzigen eingezahlten Kapital schwer genug kämpft, um ihre fraglose Existenzberechtigung den zögernden Zweiflern nachzuweisen; icli denke ganz besonders an die Immobiliengesellschaft „Palästina", welche gerade gegenwärtig An Teilnehmer sucht, denen sie auf Grund ihrer jüngsten Arbeitserfolge gute Dividenden in Aussicht stellen zu können glaubt. Diese Institute sind beide gleich geeignet, für die Erfüllung des Grundgedankens eines Aktionsfonds zu arbeiten, wenn wir uns über die Anlage des Aktionsfonds in jüdischen Kolonialwerten einig sind. Man stelle dem E. A. C. Aktien und Anteile dieser Gesellschaften zur Bildung eines Aktionsfonds zur Verfügung. Wohlhabende Gesinnungsgenossen mögen jene großen Beträge, die si^ dem Aktionsfonds zugedacht haben, zur Erstehung von Aktie« und Anteilen der P. L. D. C. und der Immobiliengesellschafc „Palästina" zugunsten des Aktionsfonds verwenden; unsere weniger bemittelten opferwilligen Gesinnungsgenossen haben ihrer Pflicht Genüge getan, wenn sie dem Aktionsfonds allein oder gemeinsam! mit Freunden eine Aktie der P. L. D. C. zugeführt haben. Die Vorteile einer solchen Bildung des Aktionsfonds liegen auf der Hand; umgangen wird vor allen Dingen die ungeheure Gefahr der Zersplitterung von Kapital und Kräften; vermieden werden jedenfalls die sonst unumgänglich nötig gewordenen sehr erheblichen Kosten einer selbständigen Verwaltung des Aktionsfonds, ganz abgesehen von jenen Kosten, welche durch die Legalisierung und Unterbringung einer Anleihe entstehen. Dagegen lassen die beide« fraglichen Gesellschaften, auch die P. L. D. C. bei möglich gewordenem ausgedehnterem Geschäftsbetriebe, zumindest gleichgünstige Zinserträgnisse als Beihilfe zu den Kosten der Organisation erwarten, wie eine direkte Anlage der Aktionsfondsgelder in eignet Verwaltung. Neben den Vorteilen eines so beträchtlichen Kapitalienzuflusses bei beiden Gesellschaften, wodurch die praktische Palästin aar beft sehr erhebliche Förderung erfahren würde, wäre auch wohl zu beachten, daß die dergestalt in ihrer Position gestärkten Institute mit größeren Kapital- und Dividendenziffern alsdann mit erhöhten Werbekraft auch unter nichtzionistischen Palästinafreunden neue Anhänger suchen dürften und sicher auch finden würden. — Inden ich mich in diesen Plan vertiefe, bin ich mir darüber klar, daü weder eine Anleihe in der Pinkus'schen Form noch das vorliegende Projekt ein derartiges Kapital zu schaffen in der Lage sind, dessen Zinsen die Organisation ein für allemal frei von Sorgen machen würden. Mit Gg. Dr. Nacht steht es auch für mich fest, daß die Finanzfrage hiermit nicht „gelöst" ist. Immerhin jedoch scheint mir oben ausgeführtes Projekt einen Weg zu weisen, auf dem wi:r zu einer dauernden Sicherstellung wenigstens eines beträchtliche» Teils der Organisationskosten gelangen können. Die Organisation stützen, — unsere Institute stärken und — praktische PalästinLarbeit fördern, — mit einer Propaganda, — ich meine, des Nachdenkens ist der Vorschlag wert. O [(□□□□□□ o k>- FEUILLETON □□□□□□ I. DREI HERZL-BILDER Van Hans Klötzel, Ahlem-Hannover Im Hafen ist Mittagspause. Am Schuppen sitzt eine Qruppe von Arbeitern, die bedächtig ihre Mahlzeit aus den großen, emaillierten Töpfen löffeln, die ihre Frauen ihnen auf den Quai gebracht haben. Dann Legen sie die Jacken unter den Kopf, schieben den Hut über die Augen, verschränken die Arme auf der Brust und schlafen. An Bord des riesigen Schiffes, das starr und regungslos an der kleinen Quaimauer liegt, tönt keim Laut. Nur auf dem Hinterdeck hat ein moslemitischer Matrose, den Qott weiß welch abenteuerliches Schicksal auf den Amerikafahrer verschlagen hat, seinen Gebetsteppich ausgebreitet und murmelt die Suren seines Kurans. An den Luken liegen die Stauer im Schlaf, regellos, wie die müden Leiber im Wirrnis von Warenstücken, Ketten umd Brettern grade Platz fanden. Nur einer hockt auf dem Rande der Luke, die Beine baumeln frei über dem viele metertiefen Raum. Fortwährend spielt der Mann mit