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Die Welt · 1911-07-14 · 28 (14.7.1911) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 28 DIE^ELT 659 Umfang und ihrer ganzen Tiefe nicht erfassen. Mit dem Verständnis hierfür scheinen nur die „östlichen* Zionisten mit der Gnade Gottes ausgestattet zu sein und deshalb müssen sie Ehifluß auf die Leitung haben, um den Weg nach dem zukünftigen Zentrum! zu weisen. Es steltt sich heraus, daß die zionistische Bewegung bisher keine Organisation hatte, und diejenige, die besteht, Icomnte nur den Prozeß aufhalten! Der ganze Herzische Zionismus geht in die Brüche. Er hatte die reale Arbeit in Palästina «teht anerkannt; wir aber sind jetzt für dieselbe — das ist sein Veirgehen. Wegen dieses Vergehens kann man die ganze brätisentfle Tätigkeit der Epoche der ersten Kongresse, — dank weichet wir noch jetzt leben! — als Nichtstun bezeichnen. Das alles wird geredet und geschrieben von Leuten, die die Tätigkeit der zionistischen Organisation gewiß nicÄt diskreditieren wollen, die vielmehr selbst rege mitarbeiten und iioch jetzt in der Führung stehen. Dies alles geschieht vielmehr, um die Überlegenheit des „östlichen" über den „westlichen" Zionismus zu beweisen. Zu diesem Zweck wird die Theorie von dem „Prozeß der Wiederauferstehung" ersonnen, wird bewiesen, daß den wahren Zionismus, d. h. den Zionismus „des Prozesses" nur die „östlfichen" Zionisten verstehen, und deshalb... müssen ins E. A. C. -wenigstens zwei aus färer Mitte hineinkommen, und diese zwei müssen dort wohnen, wo sich das Zentrum befindet. All dieses Gerede, daß vielleicht nur wir die einzigen guten Zionisten sind und die andern den wahren Zionismus nicht verstehen, hat bisher für den Zionismus nichts als böses gebracht. Wäre am 9. Kongreß nicht der ganz unbegründete östliche Patriotismus gewesen, wäre von der Opposition ein konkretes Programm vorgelegt worden, das sich von dei Tätigkeit der frühern Leitung unterschied, dann wäre der IX Kongreß nicht fruchtlos vorbeigegangen, und es wären nicht die Reibungen gekommen, unter denen in deT Folge unsere Arbeit litt. Jetzt aber, so scheint es, will man das gleiche auf «dem X. Kongreß wiederholen, und es taucht wieder das Märchen uon dem braven östlichen und dem bösen westlichen Zionismus »taf, weil eben in dem Kampf um die Leitung ein prinzipieller Anhaltspunkt sehr schwer zu finden ist. Die praktische Arbeit in Palästina, die einst eine Frage war, hat tatsächlich aufgehört, eine solche zu sein. Nicht nur im Osten, sondern auch im Westen gibt es kaum einen Zionisten,. der ein prinzipieller Gegner dieser Airbeit wäre. Die ganze Frage besteht eigentlich darin, wie diese Arbeit besser geleistet werden soll und wer sie besser leisten kann. Und da genügt nur ein Vergleich der Tätigkeit der A, P. C. und der P. L. D. C mit der der „Geulah", der Tätigkeit des Palästinaanites mit der des Odessaer Komitees usw., um zu Schlüssen zu gelangen, die vorteilhafter für den „westlichen"5 Zionismus 'und besonders für das E. A. C. ausfallen. Nicht in der praktischen Arbeit in Palästina liegt die Ursache des „Kampfes" um die Leitung. Wo denn? In einer lokalen nationalpolitischen Arbeit? Aber im großen und ganzen ist doch solche Arbeit rein örtlich, und weder der Kongreß noch das A. C. körnten sich damit befassen. Welche Personen impier in das A. C. kommen, sie werden diese lokale Arbeit nicht leiten können. Bleibt die Kulturarbeit in Palästina. Auf diesem Gebiete hat die zionistische Organisation tatsächlich wenig geleistet. Es kommt aber darauf an, ob wir dem E. A. C. den Auftrag erteilt haben, auf diesem Gebiet zu arbeiten, und ob wir ihm auch die Mittel dazu gegeben haben. Weder das eine noch das andere. Für die Kolonisationsarbeit in Palästina geben wir Aufträge und Mittel, für die Kulturarbeit — nichts. Es heißt, wir alle sekn daran schuld, die westlichen wie die östlichen. Wieso dann die;Beschuldigungen gegen das E. A. C? Erinnern wir uns an die letzte Sitzung des Großen A.C. Das E. A. C. hatte beschlossen, »dem Jerusalemer Gymnasium J000 Franks anzuweisen, die Misntchi protestierten. Das Große A. C. beschloß, diese 1000 Francs nicht aus unsern Mitteln, sondern bei privaten Personen aufzubringen. Und kein einziger östlicher Zionist war dagegen. Nach alledem fordert man vom E. A. C. Kulturarbeit in Palästina. Was wird sich ändern, wenn in das E. A., C. zwei aus der Mitte der östlichen Zionisten kommen? Niehls, wenn sie die Minderheit bilden werden. Es wird aber schlimmer werden, wenn sie die ganze verantwortliche Arbeit führen werden. Wir wissen ja, wie die Führer des östlichen Zionismus die Arbeit: bei sich zuhause leiten. Und wenn der Kongreß auch die zweite Forderung, daß kein Präsident der Organisation gewählt werde, erfüllen wird, dann wird die Organisation enthauptet. Es wird uns gesagt, daß der Kongreß einen Präsidenten wählen könnte, wenn wir einen genialen Mann hätten, „in dessen Geist sich die gesamte Renaissancebewegung widerspiegelt", und einen solchen Mann haben wir jetzt nicht. Merkwürdig, daß alle Organisationen, auch Staaten, es für notwendig halten, ihren Präsidenten zu wählen. W&nn keine genialen Persönlichkeiten, — die ja überhaupt sehr selten sind — vorhanden sind, so wählt man einfach talentvolle. Wir aber müssen unbedingt Genies haben. Gebt uns einen Herzl oder überhaupt niemanden! Kann man unter solchen Umständen fragen, ob alles im Zionismus in Ordnung ist? Es ist nichts in Ordnung. Dieser Kampf ist auch deshalb entstanden, weil die Entwicklung des Zionismus dem Tempo unserer'Bestrebungen nicht entspricht. Wir wünschen 'e rascher die greifbaren Resultate unserer Arbeit zu sehen, indessen aber ist nicht alles von unseren Wünschen abhängig. Es gibt innere Hindernisse — die ungenügende Vorbereitung des Volkes, — es gibt aber auch äußere Hindernisse, in der Diaspora ebensosehr wie in Palästina. Alle diese Hindernisse können durch langsame, aber unbeirrte Arbeit überwunden werden. Man muß nur den Mut haben, sich diese Hindernisse zu gestehen, und den festen Glauben an die Kraft des Volkes, um auf die Beseitigung der Hindernisse zu hoffen. Und doch werden wir nicht umsonst „amo pesisa"'(„Das voreilige Volk") genannt. Manche von uns, die Mutiosen, haben uns, als sie das zu langsame Tempo des Zionismus sahen, verlassen, um zu einer gönstigern Zeit wiederzukommen. Andere suchten nach den „Schuldigen" und haben sie gefunden: Den Präsidenten, die Mitglieder des E. A. C. und überhaupt die westlichen Zionisten. Es gibt aber gar keine Schuldigen. Wie im Osten so sind auch im Westen diejenigen Zionisten, die arbeiten, — gute Zionisten, diejenigen, die nichts tun, — schlechte Zionisten. Es ist hoch an der Zeit, diesen sinnlosen Kampf einzustellen. Bei der Zusammenstellung der Liste der Mitglieder des A. C. auf dem X. Kongreß soll der Wohnort der Zionisten keine Rolle spielen. Die Hauptsache bleibt, daß man sich dem Beschluß der Mehrheit fügt, wie immer er ausfallen mag. Auf dem IX. Kongreß hat die Opposition in ihrem Kampfeseifer die Notwendigkeit vergessen, sich der Mehrheit zu fügen, und hat durch Drohungen die Mehrheit zu Konzessionen gezwungen. Möge der X. Kongreß dem IX. nicht ähnlich sein und möge die Frage der Leitung auf dem Kongreß den ihr gebührenden Platz, — einen untergeordneten einnehmen." Die Drohobyczer Juden und der Frankfurter „Israelit" Unsere Feststellung, daß der „Israelit" in Frankfurt gemeinsam mit der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" und der „Deutschen Israelitischen Zeitung" den Zionismus für die blutigen Ereignisse von Drohobycz intellektuell verantwortlich zu machen versuchte, hat gewirkt. Der „Israelita verteidigt sich. Er habe nicht den Zionismus, sondern die österreichisch-galizischen Parteigäriger des Zionismus gemeint, die jungen Feuerköpfe, „die im Namen des Zionismus die polnischen Wahlfälschungen ihrerseits mit etwas Wahlterrorismus* beantworten". Auch das ist aber nicht wahr. Die Zionisten haben keinen Wahlterrorismus geübt. Der „zionistische Sturm auf das Wahllokal", von dem die polnisch-amtlichen Berichte sprachen, ist sofort als eine Lüge erkannt worden. ^Ebenso hat sowohl die Untersuchung wie der Bericht des Malers Jehudo Epstein in der Wiener „Neuen Freien Presse" zur Genüge erkennen lassen, daß die mörderischen Salven ohne äußere Ursachen abgegeben wurden. Wir könnten es dabei bewenden lassen und einfach sagen, daß die Rechtfertigung des „Israelit" mißlungen ist. Aber der „Israelit" geht noch weiter. Hat er in Nr. 25 nur den besagten jungen Feuerköpfen eine „Lektion" erteilen wollen, so dehnt er seine Anklage jetzt auch schon auf die „Welt" aus. Es gefällt ihm nicht, daß wir den armen Opfern der Schlachta die Treue halten und sie durchaus nicht verleugnen wollen. Darin entdeckt der „Israelit" eine Entfernung vom Baseler Programm, das er nun einmal in Schutz nehmen muß. Hält der „Israelit" dies für seine journalistische Pflicht, so mag er sie tun. Soweit und so oft er will. Wir nehmen es niemanden übel, der sich mit unserm Pro-

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