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Die Welt · 1911-07-07 · 27 (7.7.1911) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
27 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nc. 27 DIE3§KELT 631 ein Halber, ein Lauer, ein Opportunist und Kompromißmensch, den wir von uns wiesen. Wir rüsteten uns, nicht zu Vereinen einen Verein, zu Schlagworten ein Schlagwort hinzuzufügen, sondern eine Qeschichtstat zu tun, die ihre Vollbringer aufbraucht, aber dann auch für die Jahrtausende als das Denkmal ihrer Kraft und Tugend dasteht. Wir fanden die neue Bahn, die wir einschlugen, unsagbar mühselig. Die besten unter uns erlagen. Heilige Gräber am Wegesrande tragen die Namen Theodor Herzl, O. Kokesch, Oskar Marrnorek, Bernard Lazare, Marcou Baruch, Leop. Kahn. Manche ermüdeten oder verzagten, blieben zurück, entschwanden aus unserm Gesichtskreise. Viele aber wanderten zwar rüstig weiter, wichen jedoch von der Richtung ab, die uns der Kompaß und der Nordstern wiesen und überredeten sich, sie würden leichter oder rascher ans Ziel gelangen, wenn sie rechts und links Nebenpfade suchten. Unser Ideal war ihnen zu groß .und zu streng. Sie schnitzten an ihm herum, spalteten, drechselten, glätteten es, bis es niedlich und handlich wurde und in kleinen Seelen Platz fand. Die einen wollten die Auswanderung der Mißhandelten aus den Staaten der Peiniger erleichtern, die andern den Juden in ihren Aufenthaltsländern durch Erziehung zur Politik parlamentarische Erfolge erringen, wieder andere kleine Landkäufe in Palästina vollziehen, mehrere hundert neue Kolonistenfamilien ansiedeln, Anfänge eines jüdischen Gewerbelebens in den Städten des Heiligen Landes schaffen, noch andere die hebräische Sprache zu einer lebenden Sprache im Lande Israel und zum Werkzeug einer von dort in die Zerstreuung hinausstrahlenden neuen jüdischen Kultur machen. Die~ einen versicherten, sie wollten dies nur vorläufig tun; die andern gebrauchten auch dieses einschränkende Nebenwort nicht mehr, das immerhin noch die Zukunft vorzubehalten scheint. All diese Bestrebungen, all diese Vorsätze und Pläne sind nützlich und lobenswert; manche von ihnen sind auch in weitem Sinne zionistisch; aber — der Zionismus sind sie nicht. Wir sind jedoch noch immer einige, die an unserm Zionismus festhalten, an dem ganzen, dem ursprünglichen, dem von 1897. Und da er allein uns der befreiende und wiederbelebende scheint, ist es uns ein Trost und eine Freude, wenn ein inzwischen heraufgekommenes junges Geschlecht, befremdet vom heutigen zugestutzten Zionismus, sich seinen Ursprüngen zuwenden, zu seinen Quellen zurückkehren, ihn in seiner echten Gestalt kennen lernen will. Die „Barissia" erwirbt sich ein großes Verdienst durch die Neuherausgabe des unfindbar gewordenen Protokolls des ersten Zionistenkongresses. In diesem Buche glühen alle unsere Hoffnungen; hier steigen alle unsere Ahnungen und Gesichte der Zukunft, unsere Sehnsucht, unsere Zuversicht auf; hier sind unsere Selbstverheißungen und Gelübde in Worte gefaßt. Wem das zionistische Ideal sich getrübt hat, der greife zu diesem Buche — hier strahlt es ihm in der ersten Klarheit entgegen. Skeptiker mögen uns vorhalten, daß wir uns in vierzehn Jahren unserm Ziele nicht merklich genähert haben. Was wissen sie davon? Wir haben in uns den Glauben an das jüdische Volk gefestigt und das ist bereitsein sehr wesentlicher Anfang von Verwirklichung des Zionismus. Herzl hat es lapidarisch gesagt: „Die Rückkehr zum Judentum ist das Postulat der Rückkehr ins Judenland". Dieses Postulat haben wir erfüllt. Wir haben uns zu unserm Volke zurückgefunden, uns wieder mit seiner Geschickte verknüpft, in uns seine Daseinshoffnungen sprießen lassen. Seine Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft sind in unserem Bewußtsein eins geworden, eine einzige lebendige Wirklichkeit. Sie wird aus sieb heraus ihre äußere Form schaffen. Alles Lebende schafft sich seine Organe, seine äußere Form. Dieses neugedruckte erste Kwigreßprotokoll ist das Textbuch des unverfälschten Zionismus. Jede Entwicklung, die nicht die hier gezeichneten Richtlinien verlängert, sondern von ihnen wegführt, ist eine Wegentwicklung vom Zionismus. Das weist diesem Buche seinen Platz in der Geschichte unserer Bewegung an. Es gibt dem Schwankenden die Sicherheit; dem Fragenden die zuverlässige Auskunft. Es ist der neue dux perplexorum, „More Nebochüm". Kongreßfragen Von Jakob Hako Iien Der X. Kongreß wird im Zeichen der Reform des Organisationsstatuts stehen. Aus der großen Zahl der auf dem Kongref3 zur Beratung stehenden organisatorischen Einzelfragen haben sich im Laufe der Debatte drei Hauptprobleme herausgehoben, deren Lösung die Organisation vom Kongreß erwartet: das Präsidjalproblem, das Föderationsproblem und das Fiinanzproblem. Das Präsidialproblem, das Problem der zweckmäßigen Umgestaltung unserer leitenden Körperschaften kann in seiner ganzen umfassenden Bedeutung wohl nur wo n denjenigen Gesinnungsgenossen gewürdigt und beurteilt werben, die schon heute der Leitung nahestehen und die Mängel Jer bisherigen Handhabung aus eigener Anschauung kennen. Wir müssen es unsern Führern überlassen, die günstigste Form für ihr Zusammenarbeiten zu finden. Das Föderationsproblem mußte entstehen, weil man durch die bisher geltenden Bestimmungen den Föderationen einen falschen Platz in der Organisation gegeben hat, Ludern man sie neben die Landesorganisationen stellte. Diese Regelung des Verhältnisses zwischen Organisation und Föderationen birgt die Gefahr der Atomisierung der Gesamtorganisation in sich. Das hat man erkannt und der Gefahr vorzubeugen versucht, indem man die Konstituierung einer Föderation von einer Mitgliedschlaft von mindestens 3000 Schekelzahlern abhängig machte. — D.iß diese Bestimmung im Konfliktsfall als Waffe gegen eine Föderation unbedingt versagen muß, daß sie die tatsächliche Konstituierung kleinerer Föderationen nicht verhindern könnte, ist schließlich eon Fehler sekundärer Natur. Das Hauptübel liegt in der gesetzlichen Charakterisierung der Föderationen als offizielle, den Landesorganisationen nebengeordnete Körperschaften. Die Föderationen müssen vielmehr im innerzionistischen Leben die Stellung einnehmen, die im innerpolitischen Leben der Staaten von den politischen Parteien eingenommen wird. Ihre organisatorische Form kann nur die freier, parteimäßiger Körperschaften sein. So aufgefaßt, sind die Föderationen die notwendige Ergänzung und nicht mehr die Konkurrenten der Landesorganisationen. Sie verlieren das gefährliche, zentrifugale Moment, das die Organisationskommission eine Sprengung der Gesanitorganisation durch die Föderationen hat befürchten lassen. Die Landesorga nisationen. müssen demgegenüber immer mehr den Charakter neutraler Verwaltungskörperschaften annehmen, denen natürlich nach wie vor die Inszenierung der allgemein-zionistischen Propaganda obliegt. Je eher wir im Sinne dieser Auffassung zu einer reinlichen Scheidung zwischen Verwaltung und innerzionistischer Politik gelangen, desto eher kommen wir auch heraus aus dem unerquicklichen parlamentarischen Tohuwabohu unserer Kongresse. Die Föderationen mit ihren klar umrissene», programmatischen Forderungen werden an die Stelle der Landsmannschaften treten, die nicht mit Unrecht als die parlamentarische Form des Golus bezeichnet worden sind. Wenn diese Auffassung allgemein werden sollte, wenn man sich entschließen könnte, den Föderationen gegenüber das Prinzip des ,,laisser faire, laisser passer" walten zu lassen, dann brauchen wir im Organisationsstatut nur eine Bestimmung, nach der jeder zionistische Verein und jede Gruppe zionistischer Vereine zu ihrer

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