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Die Welt · 1911-06-30 · 26 (30.6.1911) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
26 (30.6.1911)
Date
1911-06-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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606 DlE^foc ELT No. 26 raten, Vorbeugungsniaßregeln gegen Krankheiten usw. Selbstverständlich kann dieses Arbeitsprogramm auch modifiziert werden; ich wollte nur das Wesentlichste hervorheben. Es wäre hoch an der Zeit, daß der Gedanke aus der Phase des pium desiderium herausträte. Vielleicht werden auch unsere Kollegen außerhalb Palästinas die palästinensischen Ärzte zur Arbeit aneifern. In jedem Falle ist es dringend notwendig, daß wir unverzüglich ans Werk gehen. Nationalfonds und Organisation Von Hugo Schachtel, Breslau. Neue Momente für die Berechtigung einer Besteuerung des Nationalfonds will uns Gg. Rothschild-Lübeck in der vorletzten Nummer der Welt geben. Er meint, die Ortsgruppen müßten so viel Porto und andere Spesen für den Nationalfonds und die Ölbaumspende aufwenden, daß diese Belastung allein schon die Besteuerung rechtfertige. Ich möchte mir erlauben, dem verehrten Gg. aus meiner Erfahrung heraus einiges darauf zu erwidern und im Anschluß daran über die Frage der Besteuerung überhaupt ein paar Bemerkungen zu machen. Mir will zunächst scheinen, als ob Gg. Rothschild (und vielleicht auch andere Ortsgruppenleiter und N.-F.-Vertrauensmänner) ganz zu Unrecht die Kassen ihrer Ortsgruppen mit Ausgaben belasten, die sie nicht zu tragen brauchten. Es gibt nämlich Mittel und Wege, sich diese Kosten bezahlen zu lassen, ohne den N. F. oder die Ortsgruppe unnötig zu belasten. Ich will verraten, wie ich es mache: Es gibt hier und wahrscheinlich auch anderwärts Liebhaber anderer als braun getönter N. F.-Marken. Ich kaufe diese andersfarbigen Marken in Köln bei der Zentrale, wo sie zu dem Preise fürs Ausland zu haben sind, der billiger ist als der der deutschen Marken. Ich verkaufe sie aber zum Preise der deutschen Marken. Bleibt pro Heft Herzl-Marken im Durchschnitt 25 Pfennig. Sodann läßt sich bekanntlich an den N. F.-Karten verdienen, seien es die Kölner oder die in meiner Ortsgruppe beliebteren Wiener oder die Hamburger Struck-Karten. Ich lasse die Karten mit 10 Pf das Stück verkaufen und verdiene etwa 30—35 Prozent. Das genügt, um alle Spesen für den N. F., Ölbaumspende usw. zu decken. Ja wir haben sogar auf diese Weise einen kleinen Grundstock erübrigt, aus dem Marken usw., die doch immer im voraus zu bezahlen sind, besorgt werden, ohne daß selbst die Ortsgruppe mit einem Kredit hierfür in Anspruch genommen wird. Was indes die Büchsenleerung anlangt, so sollte es mich wundernehmen, wenn nicht anderwärts auch wie hier die nettesten jungen Damen die begeistertsten Zionistinnen sind und es als ihre Ehrenpflicht betrachten, dem N. F. Kosten hierfür zu ersparen. Entstehen dennoch Kosten durch die vorherige Versendung der Ankündigung der bevorstehenden Leerung» so hat meines Wissens die N. F.¬ Verwaltung nichts dagegen einzuwenden, daß diese Kosten vom Ertrage abgezogen werden. Nun führt Gg. Rothschild weiter an, daß die Arbeit für die Organisation unter der für den N. F. leide. Das scheint mir auch nicht zu stimmen. Tatsache ist natürlich, daß es leichter ist, jemand zur Hergabe einer Spende zu veranlassen, als zum Bekennen des Zionismus (übrigens ist es manchmal fast ebenso schwer, jemand zu einer Spende für den Nationalfonds zu bewegen seines nationalen Namens wegen). Aber wäre vielleicht die Arbeit für den Zionismus leichter, wenn es noch keinen N. F. gäbe? Erleichtert nicht vielmehr gerade die bisherige praktische Arbeit des N. F. die Arbeit für den Zionismus? Anderseits würden denn die Zionisten, die jetzt auch für den N. F. arbeiten, gäbe es diesen nicht, die dann erübrigte Zeit einzig und allein zur Gewinnung weiterer Schekel und neuer Zionisten verwenden, oder würden sie nicht vielleicht, da auch das leichter ist, dann Mitglieder für den Hilfsverein oder Esra oder die Schulen der Chalukkah werben? Könnte man daraufhin dann auch diese besteuern für unsere Organisationszwecke? Es ist mir nicht bekannt, wieweit die Besteuerungsabsicht geht. Beim Kongreß war ich der Meinung, sie betreffe nur den N. F. mit Ölbaumspende und die Banken. Nach Äußerungen bei der A. C.-Sitzung glaube ich aber annehmen zu müssen, daß eine Besteuerung aller Institutionen beabsichtigt wird, für die Zionisten überhaupt arbeiten. Das wäre ja auch nur folgerichtig. Fraglich ist dabei wohl nur, wie sich diese Institutionen dazu stellen werden. So wurde bei der A. C.-Sitzung ausdrücklich genannt der Bezalel. Fraglos ist, daß die Zionisten sehr viel für ihn arbeiten, vielleicht die Hauptarbeit für ihn leisten. Ich bezweifle aber, ob das Komitee, das den Bezalel leitet, in eine solche Besteuerung willigen wird und überhaupt kann, will der Bezalel nicht als zionistische Partei-Institution gelten. Das Komitee wird um so weniger einverstanden sein, als es ohnehin an einige N. F.-Sammelstellen für die durch diese eingezogenen Gelder bereits zehn Prozent entrichten muß. Sollen von diesen selben Geldern zweite zehn Prozent in Zukunft an die zionistische Organisation entrichtet werden? Oder von allen Einnahmen? Oder von allen Beiträgen der Zionisten? Soll vielleicht ein besonderer Steuerbeamter zur Herausrechnung dieser Beträge angestellt werden? Und was geschieht, wenn das Komitee des Bezalel, für das doch die Beschlüsse des Zionistenkongresses unverbindlich sind, sich weigert? Wird der Bezalel dann boykottiert? Oder was sonst? Und wie ist es mit der Tachkemoni-Schule? Wird deren zum großen Teil aus Antizionisten bestehendes Komitee mit der Besteuerung einverstanden sein? Die Frage stellen, heißt wohl, sie verneinen. Von Institutionen, wie diese, werden wir nichts erhalten, weil wir kein Recht haben, etwas zu fordern. Aber unsere Ölbaumspende soll daran glauben. Sechs Mark, so sagen wir, sichern die Anpflanzung eines Baumes. Es gibt Leute, die auch etwas davon verstehen und behaupten, daß sechs Mark nur knapp reichen werden. Nun ist jetzt die Ölbaumspende mit dem N. F. vereinigt. Die hohen Unkosten, die der N. F. bedauerlicherweise bisher nicht vermindern konnte, sind also auch von den Eingängen für die Ölbaumspende zu kürzen. Jetzt kürze man nur noch die zehn Prozent Steuer, und dann gehe man hin und sage einem: Für jede sechs Mark, die Sie geben, wird ein Ölbaum angepflanzt. Daß von der Kolonialbank zehn Prozent des Gewinnes der Organisation abgegeben werden, dagegen allerdings wird außer dem einen oder andern Direktor der Bank kaum jemand Einspruch erheben. Ob man anstatt 50 Pf. Dividende nur 45 oder gar nur 40 bekommt, wird keinen sehr tangieren. Zu Anlagezwecken oder um von den Zinserträgnissen zu leben, kaufte sich doch keiner und wird sich niemand J. C. T.-Aktien kaufen. Und wenn da jemand neulich vorschlug, (Welt Nr. 23), eine große Aktion in die Wege zu leiten zum Absatz von J. C. T.-Aktien, und dabei der Meinung Ausdruck gab, daß dieselben Kreise, die sich bereit zeigten, für eine zu gründende Agrarbank Shares zu zeichnen, dies auch für den J. C. T. tun würden, der ja dann mit diesen Geldern die Funktionen einer Agrarbank erfüllen könnte . . ., so zeigt das alles eine solche Weltfremdheit in zionistischen Dingen, daß man staunen muß. Die Bank rein vom geschäftlichen Standpunkt aus zu beurteilen, haben wir nie gelernt und werden es wohl auch nicht mehr lernen. Also werden bei ihr wohl alle leichten Herzens in die geforderten zehn Prozent und sogar auch in zwanzig Prozent willigen. Anders liegt die Sache schon bei der A. P. C. Daß von dieser, die mit ihrer Arbeit so viel beiträgt zur Hebung des zionistischen Prestiges, noch zehn Prozent für die Zwecke der Organisation hergegeben werden sollen, wird nicht gut angehen. Die A. P. C. dürfte sich ebenso dagegen sträuben und mit demselben Recht, mit dem es voraussichtlich die A. L. B. C. tun wird. Und nun zurück zum N. F. Ich habe mich schon beim Kongreß dagegen ausgesprochen, daß der N. F. besteuert werde. Ich will meine Gründe von damals hier nicht wiederholen. Wen sie interessieren, der kann sie im Protokoll nachlesen. Was inzwischen weiter dafür ins Feld geführt wurde, konnte meine prinzipiellen Bedenken nicht beseitigen. Fragt man mich nun, wie ich mir die zur Erhaltung und Schaffung einer größern Arbeitsfähigkeit und Leistungsmöglichkeit unserer Organisation notwendigen Gelder herbeigeschafft denke, so verweise ich auf die in der Welt Nr. 4 und 6 von Dibarti und Bato gemachten Vorschläge, die dahingingen: Besteuerung, aber nicht von Organisationen und Institutionen, sondern der Zionisten, Einführung von Schekelklassen nach Selbstbesteuerung gemäß Vermögen und Einkommen. Daß dies durchführbar ist, beweist schon die neulich veröffentlichte erste Liste von der Organisation zugesicherten Jahresbeiträgen. Dieser Anfang kann und muß ausgebaut werden. Dies ist die einzig berechtigte und würdige Art der Besorgung der notwendigen Mittel. Das ist keine „Schnorrpolitik*, wie man das neulich wenig schön in einem Leitartikel der „Jüdischen Rundschau" nannte. Dieses Wort könnte man eher anwenden auf die Besteuerung der Institutionen. Keinesfalls auf die Besteuerung der Zionisten. Schnorren heißt, etwas nicht Gerechtfertigtes verlangen. Gerechtfertigt ist aber nicht, von einer Organisation zu verlangen, einen Teil der ihr für ganz bestimmte Zwecke übergebenen Mittel für andere Zwecke herzugeben, die zudem einem Teil der Spender direkt konträr sind. Sollten sich aber die Schekelklassen nicht so schnell einführen lassen, und sollte durchaus in der Zwischenzeit auch der N. F. daran glauben müssen (und bei der Energie, mit der diese Absicht von verschiedenen Seiten verfolgt wird, fürchte ich ja, daß es so kommen wird), dann sollte man wenigstens einen andern Modus

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