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Die Welt · 1911-06-30 · 26 (30.6.1911) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
26 (30.6.1911)
Date
1911-06-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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604 die^elt No. 26 gegen die Polen. Wahl 1907: Wahlberechtigt 9449, polnischnational-,, demokratisch" 3935, zionistisch 1231, sozialdemokratisch 551, ruthenisch 1518. Galizische Wahl! Schon 1907 kommen Nachrichten — wie übrigens immer — von schändlichen Wahlgaunereien im größten Stil. Man kennt alle die Praktiken aus den zahllosen Parlamentsreden der Lewakowski, besonders aber Daszynskis und zuletzt auch Dr. Liebermanns. In Westösterreich amüsierte man sich darüber, aber in Galizien floß noch bei jeder Wahl Blut. Kurz vor diesen Wahlen waren galizische Oppositionelle in Wien in Audienz beim Minister des Innern. Er möge doch wenigstens darauf sehen, daß es diesmal nicht wieder eine „Geisterstunde" gibt: ganz einfach! Der Wahlakt wird, wovon das Gesetz nichts weiß, auf 1—2 Stunden unterbrochen, alle „Strichler" und „Verdächtigen" müssen hinaus. Niemand darf die Urnen bewachen. Wozu wäre denn der Gendarm draußen vor dem Tor? Abends bei der Stimrnenzählung siegt der Schlachzizenkandidat mit verblüffender Mehrheit Wahlprotest: „Fünfhundert Wähler hier sind bereit, zu schwören, daß sie den Oppositionellen gewählt haben, aber er hatte nur zweihundert Stimmen." Nützt nichts, die christlichsozial-deutsch-freiheitlich-polnische Koalition verschleppt die Prüfung aller angefochtenen Wahlen bis zur Auflösung des Hauses . . . Der Terrorismus, der Wahllegitimationenraub, (3er Stimmzetteldiebstahl, die stundenlange Aussperrung der Wähler vom Wahllokal, die krasse Parteilichkeit der Behörden für die Fälscher erzeugen rasende Wut. Die kleinste Provokation, ein grinsendes Gesicht hinter dem Rathausfenster glänzt, es hagelt Steine. Militär kommt. Nach der alten Praxis: Ruthenen gegen Polen, Magyaren gegen Slowaken, Deutsche gegen Tschechen.. . Was, Steine gegen die Truppe? Nach unsem Siegen über serbischen Hochmut, nach der Wiederherstellung unsers Großmachtsansehens? Diese Judenbande respektiert den Herrn Oberleutnant nicht. Laden!... fertig!... 18 Tote, 8 Sterbende, 38 Schwerverwundete. Wenn sie gesund werden, Prozeß wegen Aufruhr, schwerer Kerker. % ' Und Dr. Nathan Löwenstein ist gewählt. Die Mehrheit des Herrn v. Bienerth hat eine Stimme mehr. Lange Jahre läuft das Mandat, Ein fernes unbekanntes Land ist Galizien..." Die Wahlen Im Verlaufe der bis zur Stunde noch immer nicht abgeschlossenen Reichsratswahlen wurden für jüdischnationale Kandidaten abgegeben: In Wien für Stri cker 1010, für Dr. Ehrlich 308, in Göding für Brunner 415, in Czernowitz für Dr. Straucher 3299, in Radautz für Brunner (Stichwahl) 2219, in Buczacz für Dr. Ringel 2576, in Stanislau für Dr. Zipper 1152, in Kolomea für Dr. Zipper 1429, in Drohobycz für Dr. Zipper 802, in Zolkiew für Dr. Rappaport 1426, in Brody für Stand 197, in Lemberg für Stand 2214, in Tarnopol für Stand 1543, in Sanok für Dr. Goldberg 1721, in Strij für Dr. Reich 1541, in Tarnow für Dr. Malz 1194, in Buczacz Land für Dr. Salz 1675 Stimmen. — Gewählt erscheint nur Dr. Straucher, in Stichwahl stehen Dr. Ringel und Dr. Reich. Wie verlautet, wird Abg. Breiter, der sowohl in Lemberg als in Zloczow gewählt wurde, in Zloczow zugunsten Stands zurücktreten. — Dr. Löwen stein hat sein Drohobyczer Mandat niedergelegt. In der Stichwahl sind Dr. Ringel und Dr. Reich unterlegen. _ Organisation der jüdischen Ärzte in Palästina Von Dr. Hillel Joffe, Sichron-Jakob Es ist bekannt, wie hinfällig bisher alle Versuche zur Organisierung der Juden in Palästina waren, wohlverstanden mit Ausnahme derjenigen Bemühungen, deren ausgesprochener oder verhüllter Zweck es war, Geldmittel aus der Diaspora in die Taschen palästinensischer „Organisatoren" zu leiten. Diese Erfahrung konnte jedoch diejenigen Männer nicht abschrecken, die sich weder durch die geringen greifbaren Erfolge unserer meisten Organisationsbestrebungen, noch durch die gehässige Haltung gewisser Volksverräter, noch auch durch die tadelnswerte Taktik mancher jüdischer Organisationen entmutigen ließen. Und wenn wir auch im gegenwärtigen Zeitpunkte an eine allgemeine Organisation der palästinensischen Judenheit noch nicht denken können, so sehen wir doch schon jetzt den Erfolg verschiedener partieller Organisationsbestrebungen lokalen oder beruflichen Charakters. Die Bemühungen, die jüdischen Ärzte in Palästina zu organisieren, sind bis jetzt nicht geglückt, teils wegen unserer Trägheit und unseres Mangels an Solidaritätsgefühl, teils wegen des unglückseligen Zusammentreffens verschiedener ungünstiger Umstände. Allein die Angelegenheit ist nunmehr vollständig spruchreif: noch eine kleine Willensanstrengung, noch eine tatkräftige und wohldurchdachte Aktion seitens der Personen, die die Sache angeregt haben, — und die Organisation wird zustande kommen. In der Tat, abgesehen von dem unbestreitbaren Nutzen eines jeden Zusammenschlusses intellektueller Kräfte in diesem Lande, ist eine Organisation der Ärzte in Palästina noch aus andern Gründen eine Notwendigkeit. Ich will versuchen, diese Gründe hier darzulegen. Vor allen Dingen: Wenn das palästinensische Klima vom Gesichtspunkt der Sterblichkeit auch als recht gut bezeichnet werden kann, so steht es doch fest, daß die Häufigkeit der Krankheitserscheinungen in manchen Gegenden ein gewisses Hindernis für die Entwicklung europäischer Lebensformen, insbesondere für die jüdische Kolonisation bildet. Manche verwerten diese Tatsache als Argument gegen die Kolonisationsbestrebungen in unserm Lande. Nun denn, hier gibt es für uns ein weites Feld gemeinsamer Arbeit, Gelegenheit zur Entfaltung einer ersprießlichen Tätigkeit, die wie kaum eine andere edel menschenfreundlich und in wissenschaftlicher Hinsicht interessant, zugleich aber auch für unsere jüdischen Bestrebungen von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Was speziell die Malaria betrifft, die an und für sich manchen palästinensischen Gegenden den eigenartigen klimatischen Charakter aufprägt, so hat die Wissenschaft in jüngster Zeit auf diesem Gebiet derartige Fortschritte zu verzeichnen, daß wir mit aller Bestimmtheit behaupten können: es gibt kein Malariagebiet mehr, das eine intensive Kolonisationstätigkeit nicht zuläßt, wenn die gebotenen hygienischen Vorschriften befolgt und gewisse vorbeugende Maßregeln getroffen werden, wenn der gute Wille der Bevölkerung Hand in Hand geht mit zweckdienlichen ärztlichen Anweisungen und mit verhältnismäßig bescheidenen Aufwendungen der lokalen Behörden oder (falls diese es an der nötigen Unterstützung fehlen lassen) einzelner Gesellschaften und Privatpersonen, die an dem betreffendem Kolonisationswerk interessiert sind. Ist es nun nicht tief betrübend, hierzulande von dieser wohltätigen Einwirkung ärztlicher Kreise so wenig wahrzunehmen, ja einer großen Anzahl von Ärzten zu begegnen, die von den letzten Errungenschaften auf dem Gebiet der Malariabekämpfimg nur eine sehr vage Kenntnis besitzen? Es gibt auch noch andere Krankheiten, die unsere Aufmerksamkeit, wenn auch nicht in dem Maße wie die Malaria, in Anspruch nehmen. Es werden ja erfreulicherweise große Opfer gebracht, um Palästina in landwirtschaftlicher, geologischer, botanischer und archäologischer Hinsicht zu erforschen. Wenn nun für derartige Untersuchungen gewaltige Geldmittel aufgewandt werden, haben wir Mediziner dann nicht die Pflicht, die Kenntnis der Krankheiten und der klimatischen Erscheinungen dieses Landes aus eignem Antrieb zu fördern, ohne erst an die Freigebigkeit ausländischer Philanthropen zu appellieren? Aber das ist noch nicht alles. Mit der öffentlichen Wohlfahrts- GESINNUNGSGENOSSEN! VERBREITET IN ALLEN JUDISCHEN KREISEN DIE KONGRESS AUSGABE!

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