Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 26 ■ . ■ ■ - ......1 ■■■ ■ DIE; Wir verweisen bei dieser Gelegenheit a»F den § 13 des Organisationsstatuts, der besagt: „Jeder Schekelzahler hat das aktive Wahlrecht zum Kongresse bei erreichtem 18. und das passive Wahlrecht bei erreichtem 24. Lebensjahr." Zionistisches Zeitralbureau. Heinrich Lederer, Wien. — Rechtsanwalt Dr. B, Tannenwald, Hamburg. — Frau Lina Wagner-Tauber, Berlin. — Rechtsanwalt Dr. H. Epstein, Duisburg. —Frau Dr. Epstein, Duisburg. —ReF^rendar Erich Cohn, Berlin. — Referendar Felix Rosenblüth (V. J. St IWakkabaea), Berlin. —Referendar Isid. Eisberg (V. J. St. Berlin), Köln.—M. Gorsky, Nürnberg. — cand. med. Hugo Eben,Wien (Verein „Theodor Herzl,fc). — Ed. Pool, Hengeloo (0) Holland. — Frl. Fanny Hildesheimer, Berlin. — Dr. Ed. Leszynsky, Berlin. — Frau Betty Leszynsby, Berlin — Max Schatz, Bonn. — D. L. Wolffsohn, Memel.— Isaac Boschwitz, Berlin. —Dr. jur. M. de Jonge, Köln. — Oscar Fischer, Antwerpen. — Frau SalomeFischer, Antwerpen.—WillyNothmann, Gr. S tiehlitz.— Dr. med. EmilSimonson, Westend-Charlottenburg. — Georg Ii epner, Berlin. — Dr. Julius Löwenheim, Berlin. — D.Hamburger, Frankfurt a.M. — Dr. phil. Raphael Straus (V. J. St. MakkabaeO, Berlin. — Bertram Stern, Wiesbaden. — Kurt Nawratzki, Straßbuig i. Eis. — J. Schnelling, Köln. — B. Sanson, Rotterdam. — Dr. S. Schwarzschild, Frankfurt a. Main. — Dr. W. Münk, Berlin, — Dr. S. Hildesheimer, Berlin. — Dr. A. Hildesheimer (V. J. St IMakkabaea), Hamburg. — Abr. Reinhardt, Köln. — Frl. Paula Lo«fcb, Köln. — Karl H. Baer, Köln. — Julius Kaufmann,Eschweiler. — Laszio Fürst, Berlin. — Erna Fürst, Berlin. — Simon Bader, Dukk — Dir. M. Levy, Köln. — A. Hofmann, Köln. — Gaston Brunscbwig, Basel. Josef Perlberger, Lemberg. — Susanna Perlberger, Lemberg, — Willi David, Mannheim. — Apotheker Mamlock, Berlin, — J. Kremenezky, Wien. — Max Wollsteiner, Charlottenburg. — I>r.J. Becker, Berlin. — S. Geis, Frankfurt a. M. — S. H. Goldmann, Fruikfurt a. M. Dr. M. J. Bodenheimer, Köln. — Frau Dr. Bodenheinwrr, Köln. — Siegfried Schmitz, Wien (Verein „Theodor Herzl"). — Dr. Jakob Klatzkin, Lublin. — Adolf Reichenthal, Nagyszombat. — Bruno S. Adler, Antwerpen. — Dr. Adolf Nathan, Aachen. — Max Sokolowski, Obertyn. — Bertrand Hamburg, Berlin. — Frau Recha Hamburg, Berlin. — Gustav Schwabe, Varel. — Frl. IProf. Mirjam Schach, Paris. — Frau Rechtsanwalt Gronemann, Berlin. — Daniel Treu, Essen. — L. Rosenberg, Essen-West. — Referendar Jacob Möller, Altona, (Misrachi). — Dr. S. Franzie-Berenste in, Haag. — Frau Betty Franzie-Berenstein, Haag. — Zahnarzt Curt Block, Ratibor. — N. Torczyner, Antwerpen. — I. H. Wagner, Berlin. — N. Tannenzapf, Berlin. — Gustav Finzi, Troppau. — Dr. Arthur Czeczowiczka, Partschendorf. — Dr. Simon Friedmann, Troppau, — Leo Krieger, Mähr. Ostrau. — Dr. Berthold Oppenheim, Olmütz. — Friedrich Low, Proßnitz. — Prof. Dr. Julius Reach, Gaya. — Prof. Oskar Lieben, Ung. Hradisch. — Prof. H. Stern, Ezrfinn. — Dr. Siegmund Werner, Iglau. — Dr. Michael Berkowicc, Iglau. — Richard Weißenstein, lglau. — Emil Singer, Iglau, — J.ilTiichalowski, Düsseldorf. — Frau Michalowski, Düsseldorf. — J. Karr San-, Enschede. — Dr. A. Friedemann, Berlin. — Prof. Hugo Stera Trautenau. — Ernst Fleischer, Gablonz a. N. — M. Lewin, Antwerpen. — Max Kannengießer, Antwerpen. — Paul Diamant, Wien. — LeapoldJacoby, Chemnitz. — Dr. Mossinsohn, Jaffa. — Frau B. Pevsner, Baku. -- Frau Steffi Propper, Graslitz. — Dr. Walter Werner, Wien („Kadimah"). — cand. med. Gustav Braun, Basel. — Dr. H. Rosenberg, Ancona. — Alois Natzler, Regensburg. — Jusfaat Dzialoszynski, Berlin. — Dr. H. Graf, Distriktsarzt, Paskau. — Frau Ernestine Spiegel, Troppau. — Dr. Siegfried Steiner, Preßburg (Misrachi). — cand. med. Jacob Tugendreich, Charlottenburg. — Di- A. Jacobsohn, Hannover. — Alfred Salinger, Filehne. — Dr, Emil Mense, Wien. — J. Grunberg, Genf. — E. Torczyner, Wien. — Dr. A.Feigenbaum, Wien. — Dr. A. Chwolles, Altona. — Leo Mctckin, Berlin. — Dr. Arthur Feldmann, Brünn. — Dr. Albert Schculiof, Brünn. — Moritz Levy, Liestal. Wahlen in Oalizien Von David Jehuda, Wien Tiefe Trauer ist in Tausende jüdischer Herzen eingezogen. Der 19. Juni 1911 ist ein schwarzes Datum von traurigstu Bedeutung geworden, das sich den vielen düstern Tagen in de r Geschichte der Juden Österreichs anreiht. Bei den Reichsratswahleo in Galizien ist es zu einer blutigen Katastrophe gekommen. Erschütternd waren die Nachrichten, die aus Droho^ycz kamen, sie haben Trauer und Empörung in der ganzen gesitteten Welt hervorgerufen. Verblüffen konnten sie nur denjenigen, äer von der Theorie und Praxis galizischer Wahlen keine Vorstelln mg hat. Die ^£ELT 601 „Wahlen" beginnen damit, daß den oppositionellen Wählern weder Legitimationen noch Stimmzettel zugestellt werden. Darin werden Gerüchte lanciert, daß der Steuerexekutor in Tätigkeit tritt, die lang vernachlässigte Hygiene fängt an eine Rolle zu spielen. Wo man einen Oppositonellen vermutet, wird ihm sein Laden, seine Wohnung gesperrt. Dann heißt es wieder: „Militär ist konsigniert!" — kurz alle Vorgänge haben nur die eine Tendern, die Aufregung auf das höchste zu steigern und den Boden für das Schreckensregiment vorzubereiten. Ist der Wahltag gekommen, so wird das Wahllokal von dem Wahlmacher des Regierungskandidaten mit Beschlag belegt. Der Einfachheit wegen pflegt man auch dort, wo fünf und mehr tausend Wähler zur Urne gehen, einfach ein Lokal zu fixieren, weil das die Wahlarbeit außerordentlich erleichtert. Wenn nun das Wahllokal von den offiziellen Kortesch in Beschlag genommen und mit handfesten Regierungsmännern, die entsprechend alkoholisiert sind, besetzt ist, läßt man die oppositionelle Wählerschaft sich ruhig draußen ansammeln. Gelingt es einem dieser Wähler, durch einen Zufall oder durch die Unaufmerksamkeit der Wache haltenden Regierungsinstrumente den Kordon zu passieren und einen oppositionellen Stimmzettel mitzubringen, dann hat er ein förmliches Spießrutenlaufen zu überstehen. Die Legitimation und der Stimmzettel, die er nach schweren Kämpfen von der Hauptmannschaft erhalten hat, werden ihm aus der Hand gerissen, und er kann von Glück reden, wenn er mit heiler Haut wieder auf die Straße kommt. Doch das sind kleine Spielereien. Der Hauptcoup ist die „Pause". Von eins bis drei Uhr mittags gewöhnlich wird der Wahlakt unterbrochen. In dieser Zeit werden dann von der Wahlkonnmission, die aus siebenfach geaichten Offiziellen besteht, Hunderte von Stimmzetteln, ja so viele als notwendig sind, ohne weiteres in die Urne gelegt, und wenn dann aufs neue der Wahlakt beginnt, dann kommen die durch ein Zeichen, gewöhnlich eine kleine Schleife gekennzeichneten „Vertrauensmänner", und jeder wirft fünfzig bis hundert Stimmzettel in die Urne. So kommt es unter Urnständen vor, daß viel mehr Stimmen abgegeben werden, als überhaupt Wahlberechtigte vorhanden sind. Man kann sich leicht vorstellen, welche Stimmung derartige Vorgänge bei der oppositionellen Wählerschaft hervorrufen. Sie sieht sich einfach machtlos betrogen, um ihr Recht gebracht. Die fortwährenden Schikanierungen, die Verweigerung der Legitimationen und der Stimmzettel erzeugen eine Siedehitze, der Hohn der Regierungsleute trägt das seinige dazu bei, die wahnsinnige Erregung zu steigern, — und nun kann man sich die Resultate leicht ausmalen, wie sie sich bei der Drohobyczer Wahl abspielten. Draußen stehen Hunderte und Hunderte von Wählern, die nicht zur Urne zugelassen werden. Inzwischen sieht man durch eine Hintertüre Leute mit gefälschten Legitimationen ein- und ausgehen. Die Menge drängt zum Eingang. Da läßt der Wahlleiter das längst bereitgehaltene Militär requirieren und zugleich vor dem Wahllokal die Gendarmerie aufmarschieren. Man drängt die Menge zurück, nimmt Verhaftungen vor. Und es sind immer betrunkene Bauern oder Arbeiter da, denen jeder Lärm ein Feiertagsvergnügen ist. Irgendwo entsteht eine Rauferei, irgend jemand wirft plötzlich einen Stein, und nun kommt im Laufschritt, manchmal mit Sturmsignalen das Militär. Die Truppe hat stundenlang im Hofe irgendeines Gasthauses gestanden, hat schlecht geschlafen, nicht gegessen, ist müde und nervös. Sie sieht sich einer bis aufs äußerste erregten Volksmenge gegenüber. Neben dem kommandierenden Offizier stehen die Polizeibeamten, die heute nicht für die Aufrechterhaltung der Gesetzlichkeit tätig sind, sondern für den polnischen Kandidaten. Der Lärrn steigert sich angesichts des Militärs, das drei- oder viermal den Eingang zum Wahllokal frei zu machen versucht. Die Menscher drängen immer näher heran, und da wird eben geschossen. Ein wahnsinniges nervenpeitschendes Auseinanderrennen der Menge, Schmerzensrufe der Verwundeten. Das Militär geht wieder vor, räumt den Platz und die Straßen. Die Ordnung ist hergestellt, und die Wahl geht weiter vor sich. Der Offizier versorgt den Säbel und kommandiert Mannschaften ab, den Ärzten zu helfen . . . Solche Vorgänge sind leider für jeden, der Galizien kennt, selbstverständliche Begleiterscheinungen dessen, was für Galizien hohnvoll „allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht" heißt. Es ist müßig, darüber zu streiten, ob der befehlhabende Offizier wirklich „Feuer!" kommandiert hat, ob Warnungen ergangen sind oder nicht. Darüber sich in Debatten einlassen, heißt den Streitpunkt nur verschieben. Die einzig Schuldtragenden sind jene Agenten der Korruptionswahlen, die durch ihr schamloses Vorgehen, durch ihre Verhöhnung aller staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechte, durch die offene Gewaltanwendung bei der jüdischen Bevölkerung diese Atmosphäre von Aufregung und Erbitterung künstlich gezüchtet haben, die zu diesen Ereignissen führte. Gewiß soll niemand freigesprochen werden, gewiß trifft die militärischen Behörden, trifft die eben zufällig amtierenden Korn-