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Die Welt · 1911-06-01 · 22 (1.6.1911) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
22 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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518 DIEMKE LT No. 22 Unter den Arbeitern, deren Zahl mitunter bis 40 Arbeiter beträgt, gibt es Anhänger der verschiedensten Parteien. Am meisten vertreten sind die Mitglieder der Poale Zion und die des Hapooel Häzair. Es gibt auch parteilose Arbeiter, alle aber leben sie in Frieden und in Freundschaft. Es arbeiten noch in Ben Schemen einige Jemeniten, die je eine Wohnung rür jede Familie und ein Zimmer zum Bethaus erhalten haben. Die Jemeniten leben friedlich. Es kommen nie Streitigkeiten zwischen ihnen und den andern Arbeitern vor, und sie freuen sich, so oft sie einen aschkenasischen Arbeiter besuchen. Ebenso sind sie mit ihrem jetzigen Los zufrieden. Wir haben — sagen sie in ihrem hebräischen Dialekt — Parnassa, Wohnungen hat man uns gegeben, der Verwalter ist ein guter Mensch, wir haben nicht zu klagen, baruch haschem! Wenn man von Jerusalem mit der Eisenbahn nach Jaffa fährt, so erblickt man in der Ferne bei der Station Ramieh ein schönes großes Gebäude, dort liegt Ben Schemen._ Eine halbe Stunde von der Station Lydda kommt man an die Öl- und Seifenfabrik, die die Gesellschaft „Athid" vor fünf Jahren erbaut und an drei ihrer Aktionäre verpachtet hat. Die Fabrik arbeitet Tag und Nacht (außer Sabbath und Feiertags) und beschäftigt mehrere Arbeiter. Die wichtigen, verantwortlichen Arbeiten werden von Juden ausgeführt. Für alle andern Arbeiten werden auch Araber herangezogen. Um die Fabrik herum wohnen vier jüdische Familien, die mit den Arbeitern zusammen eine Siedlung bilden. In diesem Kreise herrscht die russische Sprache vor, was von den Arbeitern Ben Schemens sehr unangenehm empfunden wird. Von der Fabrik an beginnt das jüdische Terrain. Man geht etwa zehn Minuten ostwärts zwischen Getreidefeldern und kommt dann zu einer großen Pflanzung von Ölbäumen, die auch mit verschiedenen andern Zierbäumen und Blumen bepflanzt ist. Das ist der Smolensky-Hain. An diesen Hain schließt sich das Wirtschaftsgebäude. Das Gebäude ist von einem großen Hof unigeben. Es befinden sich hier die Wohnungen für Verwalter und Arbeiter, der Laden des Konsumvereins, die Stallungen für Pferde, Kühe, Schafe und Geflügel; ebenso die Scheunen für das Getreide und Schuppen für die Wagen, Mähmaschinen und anderer landwirtschaftlicher Geräte. Man blickt hier überall auf schöne palästinische Landschaften: auf der einen Seite hohe felsige Berge, auf der andern Seite grüne Täler und eine mit Getreidefeldern bedeckte Ebene. Ebenso sieht man von dort aus in weiter Ferne in nördlicher Richtung Jaffa und einige Kolonien, westlich die Stadt Lydda und südlich die Stadt Ramleh. Weiter ostwärts führt ein gepflasterter Weg zu den neuen Häusern des „Bezalel", die am Fuße der judäischen Berge stehen. Palästina Zu dem Unglücksfall in Merön Über das schwere Unglück in Merön bei Saffed, worüber wir in Nr. 20 der „Welt" kurz berichtet haben, werden uns noch folgende Einzelheiten gemeldet: Das Unglück am Lag-Baomer beim Feste zum Andenken an Rabbi Simeon har Jochai geschah durch Einsturz einer baufälligen Mauer. Elf Personen wurden getötet, vierzig verwundet. Eine schreckliche Panik entstand unter der nach vielen Tausenden zählenden Menge. Der Kaimakam, Hussein Effendi Ahadad, der am Schauplatze der Katastrophe weilte, organisierte sofort einen umfassenden Rettungsdienst. Seinem Einschreiten ist es zu verdanken, daß das Unglück keine größern Dimensionen annahm. Die ganze Nacht und den darauffolgenden Morgen überwachte er persönlich den Transport der Verwundeten und sorgte für die Bergung der Leichen. Die jüdische Gemeinde von Saffed ersuchte den Chachambaschi Haim Nahum telegraphisch, der Zentralregierung den Dank der Judenheit von Saffed für die Tätigkeit des Kaimakams auszusprechen. Für die Opfer des Unglücks hat der Hilfsverein der Deutschen Juden eine größere Unterstützung zur Verfügung gestellt, die namentlich für die bedauernswerten verwaisten Kinder verwendet werden soll. Gemeindewahlen in Jerusalem Am 16. d. M. (Lag-Baomer) wählten die Mitglieder aller aschkenasischen Gemeinden Jerusalems in geheimer Abstimmung 78 Wah Im ärmer, deren Aufgabe es sein wird, einen Waad-Hair (Gemeindevorstand) als oberste Verwaltungskörperschaft der hiesigen aschkenasischen Bevölkerung einzusetzen. Die Wahlbeteiligung war eine sehr rege. Die Stimmenzählung nahm drei Tage in Anspruch. Es herrscht allgemein große Befriedigung darüber, daß es gelungen ist, der bisherigen Zerfahrenheit in den Jerusalemer Gemeindeverhäitnissen ein Ende zu bereiten, und daß bereits in nächster Zeit ein ordnungsgemäß gewählter Vorstand die Leitung der aschkenasischen Gesamtgemeinde übernehmen wird. Eine arabische Stimme über die jüdische Kolonisation Palästinas Ein angesehener moslemischer Bürger in Jaffa, Selim Effendi El-Salahi, veröffentlichte bereits vor einiger Zeit in der dortigen arabischen Zeitung „Philistin" einen Artikel über die jüdische Kolonisation Palästinas, in dem er sich sehr lobend über die jüdischen Kolonisten und den vielfachen Nutzen, den sie dem Lande bringen, ausspricht Dieser Tage erschien nun auch in der vielgelesenen Jerusalemer arabischen Zeitung „En-Nafir" ein längerer Aufsatz aus der Feder El-Salahis, worin er den Angriffen gegen die jüdische Kolonisation, wie sie neuerdings in einem Teil der christlich-arabischen Presse erhoben worden sind, in sehr energischer Weise entgegentritt. El-Salahi schreibt in dem betreffenden Artikel u. a., wie folgt: „Meine Ausführungen in Nr. 13 des „Philistin" haben gewissen übelwollenden Journalisten unseres Landes nicht gefallen, obwohl sie selbst ganz genau wissen, daß die jüdische Bevölkerung ihre arabische Nachbarschaft weder in politischer noch in wirtschaftlicher Hinsicht beeinträchtigt. Die Beschuldigung, als verfolgten die jüdischen Kolonisten separatistische Bestrebungen, entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage. Die Wahrheit über die jüdische Kolonisation liegt für jeden klar zutage, der sich die Mühe nimmt, einmal jüdischen Kolonien wie Si chron-Jakob, Rosch-Pinah, Milhamie, Jemma usw. einen Besuch abzustatten. Was waren alle diese Ortschaften, bevor die Juden kamen und sie der Kultur erschlossen? Oder mögen doch die judenfeindlichen Herren bei den arabischen Nachbarn der jüdischen Kolonien Pethach-Tikwah und Rischon-Le-Zion Umfrage halten und aus ihrem Munde erfahren, welche großen Vorteile ihnen aus der jüdischen Arbeit erwachsen sind, wie sehr die Rentabilität ihrer landwirtschaftlichen Betriebe gestiegen ist, seitdem sie von den jüdischen Kolonisten europäische Arbeitsmethoden und die Benutzung moderner landwirtschaftlicher Geräte erlernt haben. Es ist auch 'durchaus unrichtig, daß die jüdischen Kolonisten sich weigern, die ottomanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Ich kenne viele unter ihnen, die begeisterte ottomanische Vaterlandsfreunde sind. Würde man den jüdischen Ansiedlern die Naturalisation erleichtern, so würden sie alle freudig Ottomanen werden und noch eifriger als jetzt dem Aufschwung und dem Fortschritt des Landes ihre Kräfte weihen. Denn die Juden sind ja mit uns Arabern stammverwandt, und wenn das Abendland, wo sie Jahrtausende hindurch in der Verbannung lebten, ihnen auch seinen Stempel aufgedrückt hat, so sind sie im Grunde ihres Herzens doch Morgenländer geblieben, die in unserm Lande heimisch sind. Der Orient den Orientalen!" Diese judenfreundliche Äußerung des vornehmen Jaffaer Arabers hat im ganzen Lande großen Eindruck gemacht und wird in der arabischen Presse lebhaft besprochen. Eine Spende für jüdische Arbeiterhäuser Der bekannte jüdische Großkaufmanti Moses Halpern in Kiew hat 30000 Francs für den Bau jüdischer Arbeiterhäuser in den palästinensischen Kolonien gespendet. Ein Reiseführer durch Palästina Das rührige Palästina-Informationsbureau in Wien hat im Selbstverlag einen kleinen Reiseführer durch Palästina herausgegeben, der in handlicher und praktischer Anordnung dem jüdischen Touristen die hauptsächlichsten Fingerzeige bei einem kurzen Aufenthalt gibt. Das Büchelchen stellt die Reiseverbindungen Europas mit Palästina, Winke für die Ausstattung des Reisenden, für Landung, Paßvorschriften, Unterkunft usw. zusammen und verweilt dann ziemlich ausführlich bei den Touren durch das Land und die Kolonien, wobei die jüdischen Institute besondere Berücksichtigung erfahren. Die liebevolle und geschickte Ordnung des Stoffes wird durch einige Tabellen über die Kolonien und statistisches Material, wie es eben jeden Juden interessieren muß sowie durch eine Kartenskizze Palästinas unterstützt. Die Broschüre ist zum Preis von 1 Kr. (80 Pfennige, 1 Franc, 40 Kopeken) beim Iiiformationsbureau Wien, IX, Türkenstraße 9 zu beziehen.

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