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Die Welt · 1911-06-01 · 22 (1.6.1911) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
22 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 22 DIE^ELT 519 Rußland Aufhebung der Paßbeschränkungen für amerikanische Juden Der Washingtoner Korrespondent der „Times" meldet unter dem 25. Mai: Die Nachricht, daß die russische Regierung von nun m allen amerikanischen Juden ohne Beschränkung Pässe gewähren wird, welche Rußland zu Geschäftszwecken besuchen wollen, ist lier mit der größten Genugtuung aufgenommen worden. Wie es scheint, ist die Maßregel vorläufig auf amerikanische Juden betränkt, doch wird sie später für Juden aller andern Staaten erweitert werden. Die Konzession ist zweifellos die Folge der langährigen Vorstellungen des Staatsdepartements, welche vor kurzem lachdrücklicher geworden sind, da es wahrscheinlich war, daß die beiden Häuser des Kongresses beschließen würden, den Präsidenten zu beauftragen, den Vertrag von 1832 zu kündigen. Ähnliche Beschlüsse sind schon früher gefaßt worden, aber diesmal schienen doch infolge der demokratischen Stimmung des Deputiertenhaitses and bestimmter politischer Rücksichten im Senat ernstere Schritte icvorzustehen. fi Große Brände In dem durch seine große Jeschibah bekannten Städtchen Mir (Gouvernement Minsk) brach am 27. ds. Mts. ein Feuer aus, das in 24 Stunden 400 Häuser einäscherte. Außer den schon früher gemeldeten Feuersbrünsten in Skidel, LJsda und Paleschti sind noch folgende größere Brände im Ansiedlungsrayon zu verzeichnen: Das Städtchen Dewin (Kreis Ivobrin) ist fast vollständig durch Feuer vernichtet worden. Bloß iO—12 Wohnhäuser wurden gerettet. Auch das jüdische Spital wurde ein Raub der Flammen, wobei acht Kranke ums Leben iiarnen. — Im Städtchen IIow bei Sochatschow (Gouv. Warschau) brach dieser Tage ein großer Brand aus, der sich in den dortigen Holzhäuschen mit rapider Schnelligkeit verbreitete. Nahezu die Hälfte des Städtchens ist abgebrannt, darunter die Synagoge, das Gemeindehaus, Beth-Hamidrasch, zahlreiche Läden ind Warenlager. Ober 50 jüdische Familien haben ihre ganze labe verloren. — In Karlin bei Pinsk brannten im Verlaufe von s Stunden 35 Häuser nieder. Die Verheerungen, die das Feuer .iiirichtete, sind sehr groß. Man schätzt den Schaden auf mehrere hunderttausend Rubel. NACHRICHTEN ^f] Sterbefälle In Warschau verschied vorige Woche der älteste und angesehenste der dortigen Gemeinderabbiner, Rabbi Sizchak Feigenbaum, im 80. Lebensjahre. Der Verstorbene gehörte zu den Hervorragendsten Talmudgelehrten unserer Zeit und genoß in weiten Kreisen der russisch-polnischen Judenheit hohes Ansehen. — In Kiew starb im dortigen jüdischen Krankenhause Rabbi Hirsch Direktor, Rabbiner in Anitschislaw, Gouv. Mohilew. Der Verglichene war Leiter einer großen Jeschibah und als ausgezeichneter Talrnudist geschätzt. An der zionistischen Bewegung nahm er lebhaften Anteil und war auf dem ersten Zionistenkongresse in Basel als Delegierter anwesend. Gegen die Missionäre . Die wirtschaftliche Krise, von der die Bewohnerschaft des östlichen Stadtteils New Yorks seit einiger Zeit heimgesucht wird, hat neben der erschreckend hohen Ziffer der jüdischen Arbeitslosen noch ein anderes moralisches Elend gezeitigt. Das jüdische Viertel ist von den' Missionären geradezu belagert. Jeder Tag bringt neue Fälle der Seelenfängerei; und es ist charakteristisch für die Zustände, daß es besonders kleine Kinder sind, deren sich die verschiedensten Abteilungen der katholischen oder evangelischen Mission bemächtigen. Die Arbeit der Missionäre, der im letzten April zweihundert Personen anheimgefallen sind, vollzieht sich äla Pastor Rüssel unter dem Deckmantel der Judenfreundschaft. Gegen diese neueste Plage haben sich die Kehillah, die zionistischen Vereine und die „Young Wornen's Hebrew Association" zu gemeinsamer Abwehr vereinigt. In der Nachbarschaft aller Missionsquartiere sind „Hebrew Schoois for Children" errichtet worden. Die aus jungen Mädchen bestehende „Altneuland Auxiliary" hält öffentliche Versammlungen im „University Settlemeirt", dein Hauptsitz der Mission ab und klärt die Kinder über die ilinen drohenden Gefahren auf. Bs ist auch bereits gelungen, der Mission zahlreiche Kinder zu entreißen und sie den Eltern wiedeir zuzuführen. Die Rabbiner sind ersucht worden, von der Kanzel herab die jüdischen Mütter zur bessern Beaufsichtigung ihrer Dnder zu ermahnen. Die jüdische Bevölkerung ist zu ihrer Stellung durch die passive Haltung der Behörden gezwungen worden. Vor einigen Monaten führte eine aus fast allen Vereinigungen beschickte Abordnung Beschwerde beim City Mayor. Sie erhielt eine mit vielen Phrasen aufgeputzte Antwort, die in allen europäischen Zeitungen als ein Beweis des Gerechtigkeitssinnes der Amerikaner verkündet wurde. Da es aber bei diesen Worten blieb, so schritten die Juden endlich zur Selbsthilfe. Auch in Torontoin Kanada hat sich eine energische Reaktion der Juden gegen die Missionare gezeigt. Da die Missionäre hier Straßenversammlungen abhalten, so haben die Juden unter zionistischer Führung zu demselben Mittel gegriffen. Überall, wo sich die liedersingenden Heilsbofien aufstellen und ihre Flugschriften verteilen, findet sofort eine jüdiselie Versammlung statt. Da es auch mehrfach zu Zusammenstößen gelornnie=n ist, so ist vorläufig erreicht worden, daß die Missionäre ta ihrer spekulativen Betriebsamkeit nachgelassen haben. Büchereinlauf Die Aschkenasische Kultusgemeinde zu Konstantinopel 1890—1910, Memorandum, vorgelegt der Generalversammlung vom 25. Dezember 1910. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, begründet von Z. Frankel. Herausgegeben von Dr. M. Braun. 54. Jahrgang, Heft 11/12 November/Dezember 1910. 55. Jahrgang, Heft 1/2 Januar/Februar 1911. Breslau, Koebnersche Verlagsbuchhandlung (Barbasch und Riesenfeld). Zur Ehre des Judentums, gesammelte Schriften von Gustav Levinstein, BerlLm 1911- Verlag des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischien Glaubens. Jüdisches Literaturblatt, Jahrgang 33, 1. Heft 1911. Das jüdische Bekenmtnis als Hinderungsgrund bei der Beförderung zum preußischen Reserveoffizier. Von Dr. Max J. Loewentlial, Berlin 1911, Druck von H. S. Hermann. Internationale Ghet-tobilder. Von A. D. Thorn, Prag, Druck und Verlag B. Braindeis, 89 und 108. Die Bedeutung des Judentums für den religiösen Fortschritt der Menschheit. Vortrag von Dr. Hermann Cohen, Berlin- Schöneberg 1910, Protestantischer Schriftenvertrieb, G.m.b.H. The Book of Pain-Struggle. Massada Publishing Company, New York 1911, "von L. Judavics. Im Selbstverlag des Verfassers. Werner Sombart: Die Juden und das Wirtschaftsleben. Leipzig, Verlag vorn Dunker & Humblot, 1911, Dr. Daniel Pasmanik: Die Seele Israels. Zur Psychologie des Diasporajuden tums. Jüdischer Verlag, G.m.b.H., Köln und Leipzig, 191L 29. Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Berlin 1911. XXXVIII. Jahresbericht der Jsraelitischen Allianz zu Wien Wien 1911. Druclk und Verlag von Moritz Waizner & Sohn. Hebräische Mittelschule Tachkemoni in Jaffa (Komitee in Frankfurt a. M.) Bericht über die Schuljahre 1909/10 und 1910 11. Frankfurt a. M. 19»Ll. Mitteilungen zur Jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. M. Grunwahd, Rabbiner der isr. Kultusgemeinde in Wien. 14. Jahrgang, 2. Heft (Der ganzen Reihe 38. Heft) Wien 1911. Die rechtlichen Verhältnisse der Juden in Hamburg. Von Dr. jur. Bruno Tannenwald, Rechtsanwalt in Hamburg. Hamburg 1911. Uerlag von C. Boysen. Die Familie GroßgUick. Komödie von Schalom Asch. S. Fischer, Verlag, Berlin 1909. David Pinsky: Der Schatz. Komödie in vier Akten. Theaterverlag Eduard Bloch, Berlin C2, 1910. Schluß des redaktionellen Teiles

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