Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 20 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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DiE3§K ELT 400 No. 20 vielleicht sogar als selbständige Reisegesellschaft — nach Palästina geschickt werden können, wird der Vorstand mit dem Erfolge seiner Bemühungen zufrieden sein. Nähere Auskünfte erteilt der Schriftführer, Herr Dr. Chwo 11 es, Altona-Bahrenfeld, Mozartstraße 1. Kommerzienrat Benjamin Hirsch gestorben Freitag den 12. d. M. verschied in Karlsruhe plötzlich der bekannte jüdische Großindustrielle Kommerzienrat Benjamin Hirsch aus Halberstadt. Der Verstorbene war eine der markantesten Persönlichkeiten des deutschen Judentums. In seinem persönlichen Lebenswandel von strengster altjüdischer Frömmigkeit, ja einer der führenden Männer der deutsch-jüdischen Orthodoxie, nahm er doch im Gegensatz zu vielen seiner gesetzestreuen Gesinnungsgenossen regen und tätigen Anteil an den Organisationen und Organisationsbestrebungen des deutschen Gesamtjudentums. Er war einer der Vorsitzenden des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, gehörte dem Zentralkomitee des Hilfsvereins der deutschen Juden an und nahm auch in den andern großen jüdischen Verbänden eine leitende Stellung ein. Die Leiche Benjamin Hirsch's wurde Samstag abend nach Haiberstadt übergeführt, wo Sonntag den 14. d. M. das Leichenbegängnis unter großer Teilnahme statlfand. Organisationsbestrebungen unter den Juden von Kairo Die Verhältnisse in der jüdischen Gemeindevon Kairo boten bis vor kurzem ein Bild trostloser Zerfahrenheit. Die Aschkenasim waren \\ unzählige kleine Betgenossenschaften zersplittert, die keinerlei Zusammenhang miteinander hatten. Infolgedessen fehlte es der jüdischen Bewohnerschaft auch an den notwendigsten Gemeindeinstituten und Wohlfahrtseinrichtungen. Seit kurzem macht sich nun in Kairo das erfreuliche Streben bemerkbar, die verschiedenen kleinen Vereinigungen und Zwerginstitute zu einer geordneten Gemeinde zusammenzuschließen und die Verwaltung der einzelnen -Anstalten in die Hände eines gewählten Gemeindevorstande zu legen. Der Erfolg dieser Bestrebungen scheint gesichert zu sein. Im Zusammenhange mit den organisatorischen Bemühungen der dortigen Judenschaft steht auch die vor kurzem erfolgte Gründung eines großen jüdischen Krankenhauses, das gegen Ende dieses Jahres schon in der Lage sein wird, seine Tätigkeit aufzunehmen. Auch ein jüdisches Greisenasyl ist vor kurzem in Alt-Kairo in der Nähe der uralten Synagoge „Esra" (die die bekannte „Genisah" behe bergt) erbaut worden. Großer Unglücksfall in Palästina Aus Jaffa geht uns telegraphisch die Nachricht zu, daß am vergangenen Dienstag in der kleinen Kolonie Meroni bei Safed während einer Lagbeomerfestlichkeit das Dach des Festgebäudes einstürzte. Sieben Fest- :eilnehmer (meistens Juden aus Safed) wurden getötet, dreißig verletzt. _____ Bticherbesprechung Die Palästina-Literatur. Eine internationale Bibliographie in systematischer Ordnung, mit Autoren- und Sachregister. Unter Mitwirkung von Herrn, v. Criegen, Rieh, Hartniann, Sam. Rappaport, Chr. O. Thomsen, Will. Zeitlin und mit Unterstützung des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas, des Palestine Exploration Fund, der Zionistischen Kommission zur Erforschung Palästinas, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, bearbeitet und herausgegeben von Peter Th omsen. Zweiter Band. Die Literatur der Jahre 1905—1909. Le:pzig, J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, 1911 (XX-f 316 Seiten gr. 81). Die Bibliographie, aus bescheidenen Anfängen hervorgegangen, entwickelte sich mit dem riesenhaften Anwachsen des Bücherschatzes zu einer selbständigen wissenschaftlichen Disziplin und ist schließlich zum unentbehrlichen Faktor für jede literarhistorische Forschung geworden. Sie gibt uns nicht nur ein getreues Bild der Fülle und des Umfanges unserer Leistungen auf den verschiedenen Wissensgebieten, sondern reicht zugleich dem Forscher und Gelehrten den Schlüssel dar, um die in aller Welt verstreuten Arbeiten über die ihn beschäftigende Materie zu finden, auf Grund deren er dann weiterbauen kann. Eine wissenschaftliche Arbeit z. B. auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur wäre ohne die hervorragenden bibliographischen Leistungen eines Steinschneider, Neubauer, Zeder, Fürst, Benjakobusw. ungemein erschwert, wenn nicht unmöglich. Wer einmal einen Blick in die Werkstatt des Bibliographen geworfen hat, der weiß, wie schwer und mühevoll seine Arbeit ist, wieviel Schulung und wissenschaftlichen Sinn die Sichtung und Anordnung des zusammenhanglosen Materials erfordert. Und wie schwierig ist es erst, Bibliograph der in das Gebiet der jüdischen Wissenschaft einschlagenden Disziplinen zu sein. Nicht nur daß ein solcher auf alle das Judentum betreffenden, in allen möglichen Kultursprachen erschienenen Arbeiten ein wachsames Auge haben muß, muß er auch den Druckwerken in jenen exotischen Ländern nachspüren, wo bibliographische Aufrechnungen überhaupt nicht gemacht werden. Erst auf vielen Umwegen gelingt es, zur Kenntnis eines Teiles der dort erschienenen Arbeiten zu gelangen. Zu diesen an Erschwerungen reichen bibliographischen Arbeiten gehört insbesondere das Gebiet der Palästina-Bibliographie. Sie soll nicht nur die Arbeiten fast aller monotheistischen Völker auf dem Gebiete religiös-historischer Forschung umfassen, sondern auch, — soweit die neueste Bibliographie in Betracht kommt, — die Fülle der Schriften über die Ausgrabungen, über naturwissenschaftliche Untersuchungen und politisch-soziale Bestrebungen, die auf Palästina Bezug nehmen, registrieren. Es ist ein überaus anerkennenswertes Verdienst Peter Thomsens, daß er sich dieser mühevollen Arbeit, — der Schaffung einer Bibliographie der Palästina-Literatur der Jahre 1895 — 1909, — unterzog, und seiner Aufgabe mit bewunderungswürdiger Hingabe innerhalb der Grenzen der Möglichkeit gerecht zu werden suchte. Kaum drei Jahre sind vorüber, seitdem der erste Band dieser Arbeit erschien (Systematische Bibliographie der Palästina-Literatur, Bd.! [1895—1904! Leipzig 1908,) dem ich in dieser Zeitschrift eine eingehende Besprechung widmete") In dieser Anzeige wies ich auf die speziell für uns Zionisten hochwichtige Bedeutung dieser Arbeit hin. machte aber zugleich auch den Verfasser auf einzelne Mängel aufmerksam, deren Beseitgung im angekündigten zweiten Bande im Interesse dieser bedeutsamen Arbeit erwünscht wäre. Nunmehr liegt der in Form und Inhalt verbesserte und vermehrte zweite Band vor, der die Palästinaliteratur der Jahre 1905—1909 behandelt. Die Arbeit Thoinsens bietet uns eine angenehme Perspektive über die unermeßliche Fülle der Arbeiten, die das Land unserer Väter zum Gegenstand haben. Während der erste Band sich mit der Bibliographie von 10 Jahren beschäftigt und 2915+14 Nummern enthält, umfaßt der zweite Band bei einem Zeitraum von bloß 5 Jahren (1905 — 1909) 3755 Nummern (außer 35 Nummern als Nachtrag zu Band 1). Auch an äußerm Umfang ist er seinem Vorgänger überlegen (336 gegen 220 Seiten). Es ist dies ein schlagender Beweis, wie sehr in den letzten Jahren das Interesse für Palästina in wissenschaftlichen wie literarisch-politischen Kreisen gestiegen ist. Auch der uns Zionisten speziell nahestehenden Materie, der auf Palästina bezugnehmenden zionistischen Literatur, — die ich bei der Besprechung des ersten Bandes vermißte, — ist in diesem zweiten Bande nach Möglichkeit Rechnung getragen worden. Der zweite Band zeigt überhaupt den bedeutenden Fortschritt, den der Verfasser in seinen Studien auf dem Gebiet der bibliographischen Forschung gemacht hat. Ein Glanzpunkt dieses zweiten Bandes ist die klare übersichtliche Gruppierung der verschiedenartigen Gebiete. Das Buch enthält folgende Gruppen: I. Allgemeines. 11. Geschichte. III. Historische Geographie und Topographie. IV. Archäologie. V. Geographie. VI. Das heutige Palästina (darunter die zionistische Literatur, Schulen, Handel, Verkehr usw.). Am Schluß befindet sich ein ausführliches Autoren- und Sachregister, so daß jeder das Gewünschte ohne Zeitverlust schnell auffinden kann. Zu bemerken ist noch, daß sogar Rezensionen vieler Arbeiten bei Erwähnung derselben im Buche Berücksichtigung gefunden haben, natürlich soweit dem Verfasser die Auffindung derselben möglich gewesen ist. Fast sämtliche europäischen Sprachen sind in diesem Buche vertreten. Der Verfasser ist mit unermüdlichem Eifer und wahrem Bienenfleiß fast sämtlichen Erscheinungen der Palästinaliteratur nachgegangen, um sie in seiner Arbeit zu verwerten. Eine bedauernswerte Lücke bildet leider — was auch der Verfasser in der Vorrede beklagt — der Mangel an genügenden bibliographischen Aufzeichnungen der russisch-jüdischen Literatur. Hoffentlich wird bei der künftigen Arbeit des Verfassers — angesichts des Verständnisses unserer Gesinnungsgenossen in Rußland für die Palästinaforschung — auch dieser Mangel beseitigt werden können. Das Thomsensche Werk bildet ein geradezu unentbehrliches Handbuch für jeden, der aus irgendwelchem Gesichtspunkte Interesse für Palästina hat. Mit Genugtuung wird es jeden Zicnisten erfüllen, daß unter denjenigen, die dieses Werk materiell gefördert haben, unsere Zionistische Kommission zur Erforschung Palästinas auf dem Titelblatt genannt wird. Lemberg. Dr. Samuel Rappapo rt *) Zur Palästina Bibliographie. ,,I >ie Welt", Jahrgang XIII, Nr. :!»'>. Schluß des redaktionellen Teiles