Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 20 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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466 DIEÄELT No. 20 *m P Ii lm; Hl '£ M m Phase" noch überhaupt irgend eine „Phase" des Zionismus, und die Folgerungen, die man aus dieser Tätigkeit gezogen hat, können nicht als Argument gegen unsere Bewegung gelten. Ich bin überzeugt, daß alle diejenigen, welche am Zionismus Interesse nehmen, seine friedlichen Intentionen und seine nutzbringendenBestrebungenverstehen werden, sobald sie sich von den verschiedenen phantastischen Legenden freigemacht haben werden, welche man verbreitet hat, um dem Zionismus zu schaden. Unsere Organisation hat in den wenigen Jahren ihrer Tätigkeit in Palästina das kaufmännische und industrielle Leben im Lande schon kräftig gefördert, vornehmlich mittelst unserer Gesellschaften, welche dort tätig sind. Diese Gesellschaften, die Anglo Palestine Company Ltd., der Jewish National Fund Ltd., und die Palestine Land Development Company Ltd., sind alle in London als englische Gesellschaften eingetragen worden. Die Rolle, die sie jetzt in der wirtschaftlichen Verbesserung Palästinas spielen, ist nur eine Probe der großen Arbeit, die dem Zionismus zu leisten bestimmt ist, und die er mit dem Wohlwollen der ottomanischen Regierung durchführen wird. Ihr ganz ergebener gez. D. Wolffsohn Präsident der zionistischen Organisation Köln, den 1. Mai 1911. Die „Fall Mall Gazette", das bekannte vornehme konservative Blatt in London, enthielt in ihrer Nummer vom 25. April einen Artikel aus der Feder von Enoch S cribe über die Intrigen, welche in der Türkei gegen den Zionismus betrieben werden. Der Autor führt aus, daß die Äußerungen des Großveziers in der bekannten Zionistendebatte in der Kammer dadurch zu erklärtn sind, daß Hakki Pascha und seine Kollegen unter dem Eindruck der Ansicht standen, daß die zionistische Bewegung die Gründung eines Judenstaates in Palästina erstrebe. Diese Ansicht sei durchaus unrichtig, da der Ausdruck Judenstaat weder im zionistischen Programm vorkommt, noch den wirklichen Zielen der Bewegung entspricht. Um die Grundprinzipien des Zionismus zu bezeichnen, zitiert Herr Scribe die vom Präsidenten Wolffsohn auf dem Hamburger Kongreß abgegebenen Erklärungen und verweist auf die großen Vorteile, welche die praktische Arbeit der Zionisten in Palästina dem Lande gebracht hat. Wie kommt es also, fragt der Verfasser, daß die türkische Regierung sich gegnerisch oder wenigstens mißtrauisch verhält? Die Antwort findet er in der antizionistischen Tätigkeit, welche von den Kreisen der Alliance Israelite in der Türkei seit den letzten Jahren entfaltet wird. Auch führt er die sonderbare Behauptung an, daß der Zionismus im deutschen Dienste arbeite. Diese Behauptung verwirft er als lächerlich. Eine andere Quelle des Mißtrauens der Jungtürken liege in dem Verdachte, daß sich die Juden in Palästina als Vertreter der russischen Nationalität ansiedeln, wie dies der abgedankte amerikanische Botschafter in der Türkei, Oscar Strauß vor mehreren Monaten berichtet hatte. „Wenn die Jungttirken", schreibt der Artikel, „aufhören würden, den verschiedenen Alarmgeschichten, welche in einem andern Interesse als dem ihren verbreitet werden, willig zuzuhören, und wenn sie den Zionismus einem ernsten Studium unterziehen würden, so würden sie finden, daß die Bewegung von allen ihr unterschobenen Tendenzen vollkommen frei ist. Sie würden einsehen, daß sie eine friedliche, von edlen Beweggründen ausgehende Bewegung ist, welche, indem sie die nationalen Hoffnungen des jüdischen Volkes zu verwirklichen strebt, dem ottomanischen Reiche unzählige Vorteile bringen wird." XII. Delegiertentag der rumänischen Zionisten Am 23. und 24. April hat in Galatz im Handwerkerhaus der 12. Delegiertentag der rumänischen Zionisten stattgefunden. Zu den Beratungen hatten sich über 70 Delegierte eingefunden. Auf Antrag des Vorsitzenden der Föderation, Herrn Schein, wurde beschlossen, an Herrn David Wolffsohn sowie an den Vizepräsidenten der Föderation, Herrn Dr. Moskowitz, der seit einem Jahr als Arzt in Rechoboth ansässig ist, Begrüßungstelegramme zu richten. Aus den erstatteten Berichten geht hervor, daß die Bewegung in Rumänien in stetem Wachsen begriffen ist. Es sind im Jahre 1909 beim Schatzmeister der Föderation für verschiedene zionistische Zwecke über 39000 Lei, im Jahre 1910 38217 Lei eingegangen. Der geringe Rückgang im Jahre 1910 rührt daher, daß 3500 Lei, die für die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft gesammelt wurden, an den I. C. T. abgeführt wurden. Die Bilanz der Föderation schließt ohne Defizit. Es wurde ein von Herrn Schwartzfeld ausgearbeitetes Organisationsstatut nach einer eingehenden und erschöpfenden Diskussion angenommen. Am zweiten Tag wurden Referate über die Kulturfrage von den Herren Dr. Nacht und Dr. Niernirower erstattet. Beide wiesen auf die Notwendigkeit hin, daß die Zionisten in die Gemeindestuben und Schulen eindringen, damit das jüdische Nationalgefühl und die hebräische Sprache und Kultur eine größere Verbreitung erlange. Es wurde die Schaffung einer Kulturkommission beschlossen, welche die gemachten Vorschläge durchberaten soll. Die abtretende Leitung der Föderation erhielt für ihre Tätigkeit das Dankesvotum. Bei den Wahlen wurde die neue Leitung wie folgt zusammengesetzt: Dr. Lippe und Samuel Pineles als Ehrenpräsidenten, M. H. Schein, Präsident; als Mitglieder die Herren: Dr. Feldmann, Jean Silberstein, Theodor Floehs (Galatzj, I. Agent, I. M. Broeiner(Braila), Dr. Niemirower, M. Schwartzfeld (Bukarest), Dr.Nacht, Noel Bring (Focsani) und Dr. Kaufmann (Jassy). In die Kulturkommission wurden mit Kooptationsrecht gewählt die Herren: Dr. Niemiro wer, M. Schwartzfeld, Horia Karp, M. Schweig, Dr. Nacht, Dr. Braunstei n - Mebassan (Vaslui) und A. L. Lissu (Piatra N.) Die Delegierten aus Piatra überreichten unter lebhaftem Beifall dem aus Rumänien scheidender, Dr. Lippe das Diplom seiner Eintragung in das Goldene Buch. Präsident Schein hielt sodann eine enthusiastische Ansprache an die Delegierten und an das Publikum, welches beide Tage hindurch mit regem Eifer den Diskussionen gefolgt war, und erklärte den Delegiertentag für geschlossen. Die Anwesenden stimmten die „Hatikwah" an. Deutschland Magdeburg. Am 14. Mai er. starb hier nach mehrwöchentlicher Krankheit unser Gesinnungsgenosse Dr. Walter Perlitz im 38. Lebensjahre. Er hat sich große Verdienste um die allgemeine jüdische Sache erworben, wie auch um unsere Bewegung. Er gehörte dem Vorstande des hiesigen Jugendvereins an und war auch 1. Vorsitzender der neugegründeten zionistischen Ortsgruppe. Wir verlieren in ihm einen treuen Kameraden und einen tapfern Kämpfer für unsere Sache. Türkei Saloniki. Der hiesige jüdische Turnverein „Makkabi" beging letzthin den ersten Jahrestag seiner Gründung durch eir. glanzvolles Fest. Am Vormittag fand eine überaus zahlreich besuchte Fest Versammlung statt. Der Sekretär des „Makkabi", Herr Abraham Matarasso, gab einen Überblick über die bisherige Tätigkeit des Vereins, dessen Mitgliederzahl sich gegenwärtig auf 320 beläuft. Nach Herrn Matarasso ergriff der wackere Turnwart des Vereins, Herr A. Pardo, das Wort und würdigte in ausgezeichneter Rede die hohe Bedeutung der Turnbewegung für die körperliche Hebung des jüdischen Volkes und die Stärkung seines Selbstbewußtseins. Die Wirksamkeit der Makkabi-Vereine werde der beklagenswerten Anomalie ein Ende machen, daß das Volk, welches der Welt Helden wie Simson, die Makkabäer, Bar-Kochba, geschenkt hat, heutzutage als eine der körperlich untüchtigsten Rassen angesehen wird. Die Pflege des Körpers, wie sie der „Makkabi*4 anstrebt, werde die Kultur des Geistes nach sich ziehen. Auch sei sie das einzig wirksame Mittel zur Erzeugung eines gesunden jüdischen Selbst gefiihls und zur Hebung unseres Ansehens in den Augen unserer nichtjüdischen Nachbarn. Schließlich wies Herr Pardo auf die Notwendigkeit der Gründung einer Mädchensektion des hiesige:; „Makkabi" hin. — Am Abend durchzogen die Mitglieder des „Makkabi'4 im Turnerkostüm die Hauptstraßen der Stadt, wobei sie unter dem stürmischen Beifall einer großen Menschenmenge, darunter zahlreicher Moslems und Christen, hebräische Gesänge anstimmten. Vor dem Palais des Generalgouverneurs machten sie Halt und sangen eine patriotische Hymne. Vor dem kaiserlich türkischen Lyzeum angelangt, wurde der Festzug der jüdischen Turner von dem Lehrkörper und den Schülern der genannten Anstalt auf das herzlichste begrüßt und eingeladen, im Hofe des Lyzeums Aufstellung zu nehmen. Hier hielt der Vizedirektor des Lyzeums eine schwungvolle Ansprache an die jüdischen Turner und gab seiner Bewunderung über das Werk des „Makkabi" Ausdruck. Ein überaus animiertes