Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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yi^^T^^^f^^^ ^t ••.>'•' \'o. 19 DIEE^KE LT 435 schließlich auch „weder eine Religion, noch eine Rasse, -;och ein Volk, noch selbst, wie Heine meint, ein Unglück." : s ist ja nach Herrn Reinach nur eine Tradition des reisinns, die Negation des Qötzenturns und alberner abeleien. Also nichts Positives. Und wegen solcher ieischlosen Negationen . . . Eine andere Frage ist nun, ob die „zurückgebliebenen uden" nicht bei der Wahl erzwingen werden, was •ian ihnen verweigert. Ob sie nicht sehr energisch hr Votum abgeben werden. Freilich ist die Arbeit der D. K. Q. nach Kräften erschwert worden. Man iat in sehr berechtigter Angst vor der erwachenden nisera contribuens plebs die Wahlen Hals über Kopf .inberaumt, jeden Aufschub verweigert und es so den deutschen fast unmöglich gemacht, sich mit den Alliancewählern in entferntem Ländern in Verbindung ii setzen. Paris hat auch natürlich bei der Abhängigkeit, in der Leiter und Lehrer der Alli.anceschulen gehalten werden, bei der wirtschaftlichen Abhängigkeit zahlreicher ungefestigter Existenzen, die man durch _inen Wink auf die Straße setzen kann, viele Wähler ü der Hand. Um so mehr wird man darauf achten nüssen, daß unanfechtbare Wahlen erfolgen und die Angestellten der Alliance diejenige Enthaltsamkeit üben, :li der sie verpflichtet sind. Und zu den 13000 deutschen Wählern wird sich manch einer in Italien und Holland, Belgien und Amerika, vielleicht in Frankreich selbst gesellen. Eine Ehrenpflicht für jeden Zionisten aber ist es, nicht nur seine Stimme der Kandidatenliste der D. K. G. in der Alliance zuzuwenden, sondern auch werbend und agitierend für sie zu wirken, obwohl schwerlich irgendein Zionist zur Wahl stehen wird. Denn nicht unserer Parteisache gilt es, nicht irgendwelchen Sonderinteressen, sondern dem Woh!e der Gesamtjudenheit, das uns doppelt heilig eben deswegen ist, weil wir Zionisten sind; lediglich deshalb, weil wir das Judentum lieben, es nicht zerstört, sondern erhalten sehen wollen, weil vir in einer einigen und verständig geleiteten Alliance eines der wesentlichsten Mittel zur Erhebung unserer armen und leidenden Brüder sehen, interessieren uns die gegenwärtigen Kämpfe. Weil wir so denken, ohne selbstische Hoffnungen sind und erfüllt vom Pflichtgefühl gegenüber der Gesamtheit, dürfen die zionistischen Mitglieder der Alliance nicht tatenlose Zuschauer beim Streite sein. Schon heute aber stellen wir eins fest: es ist eine Verleumdung, wenn man — wie wahrscheinlich — behaupten wird, daß uns andere Beweggründe als die erwähnten treiben. Ohne Rücksicht auf anderes als das, was wir für gut und gerecht halten, werden wir handeln. Wir wollen helfen, daß die Alliance wieder im Sinne ihrer Gründer eine demokratische Vereinigung werde, die gemäß ihrer Statuten dahin strebt, für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt der Juden zu wirken, denen aber, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, wirksame Hilfe angedeihen zu lassen. Ohne Ansehen der Person, ohne partikularistische Instinkte, ohne Feindseligkeit gegen andere, im Geiste wahren dudentums. Und darum muß das System Reinach fallen. Der türkische Minister des Innern und die jüdische Kolonisation Die Märchen von der Staatsgefährlichkeit der zionistischen Ideen und Unternehmungen haben eine scharfe Zurückweisung durch den türkischen Minister des Innern erfahren. Sie tauchten in eiligen neuen Blättern auf, so im „Hakikat" und in dem Hauptblatt; der Kammeropposition, und im „Tansimat", denen der „Stambul" assistierte. Der „El Hakikat", so berichtet der „Stambul" veröffentlicht einen Brief über die Zionisten. Darin heißt es: „Die Zionisten besitzen mehrere Kolonien einige Stunden Entfernung von Jaffa. Sie haben dort Gerichtshöfe eingerichtet und Postbureaus eröffnet, in denen Marken verwendet werden mit dem Bilde zionistischer Führer auf der einen Seite und dem Bibelverse „Wenn ich dein vergesse, Zion, so verdorre meine Rechte." Bei jedem Feste und jeder Versamml n ng hissen sie die Fahne des Zionismus. Sie haben sogar einen eignen Marsch. Sie haben die in ihrem Dienste arbeitenden Dörfler gezwungen, Hosen und Hut zu tragen. Die armen Dörfler haben sich dem fügen müssen, aus Furcht, ihre Dienststelle zu verlieren. Die Regierung scheint von alledem keine Ahnung zu haben, und doch begibt es sich unter ihren Augen". Der „Tansxnat" druckt die schöne Information nach und fügt aus Eigenem hzinzu: Das Kabinett hat zrwar öffentlich erklärt, daß die Zionistenfnuge nichts als Einbildung sei, es kann aber dem Publikum docli micht verbergen, was vorgeht. Der „Jeunee Türe" hat sich die Mühe gegeben, einen Redakteur zum Ministerdes Innern, Halil Bei, zu schicken, um sich zu erkundigen, wasad ie Regierung von diesen absurden Publikationen halte. Der Ministererwiderte: „Das Ganze ist eine bodenlose Behauptung, Die Veröffentlichungen gewisser Blätter und derjenigen, die sie nachdrucken, haben nur den einen Zweci, die Nationalitäten des Landes eine gegen die andere aufzuhetzen. Ein Journalist von gutem Glauben und Selbstachtung muß vor der Aufnahme ähnlicher Verleumdungen die Sache untersuchen und sich bei den zuständigen Behörden informieren. Diese Presse sucht aber leider das Wirken der Regierung mit allen Mittelm durch Erregung des Hasses unter den Nationalitäten des Reiches zu stören." Diese Erklärung des Ministers widerlegt die anti/.ionistischen Märchen besserr, als wenn man feststellen wollte, daß die bewußten Marken die bekannten Nationalfondsmarken und nicht Postmarken sind und daß die Gerichtshöfe wie die Hosen und Hüte der arabischen DörfLer sich auf dem Monde eher finden lassen mögen als auf den jüklischen Kolonien. Die Ministererklärung beweist auch, daß man in hohen jungtürkischen Kreisen endlich eingesehen hat, daß man sich ins eigne Fleisch schnitt, solange man die Verleumdungen gegen den Zionismus ernst nahm, da sich nun klar herausstellt, daU die Angriffe gegen diese Bewegung von reaktionärer Seite ausgehen und in letzter Linie eigentlich gegen die Jungtürken und die Regierung selbst gerichtet sind. Zur Finanzfrage Gegen diejüngst (AVeit" Nr. II vom 17.3.) veröffentlichten Vorschläge den Fiuanzkonimission möchte ich folgende Bedenken zur Erwägung unterbreiten: Meiner Anseht nach wäre die vorgeschlagene Verwendung der als verfallen in erklärenden, bisher unbehobenen Dividende von i. C. T.-Aktienjpro 1902 4, 1906 zur Sanierung unserer Finanzen — kein entsprechendes Mittel, da die 100000 Aktionäre in Rußland, Galizien und Rumänien fast keine Gelegenheit hatten, die Dividende zu beheben. Es wurden in jedem Lande nur eine oder einige Zahlstellen 2*