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Die Welt · 1911-05-12 · 19 (12.5.1911) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
19 (12.5.1911)
Date
1911-05-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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so. 19 DIE3^ELT 433 : d wohlwollendem Brwägen" der Wünsche der israelichen Konfession die Wählerschaft dieser Gruppe I m — deutschen Kataster zugewiesen wissen wollte, In der Bukowina herrschte lähmendes Entsetzen, ie Deutschnationalen und deutschen Christlichsozialen ahen die Gefahr kommen, daß die Juden sich einfach, icht de iure, aber de facto ihre Mandate nehmen erden. Von allen Seiten wurde die Regierung gewarnt, ber weil eine österreichische Behörde nichts widerufen darf, was sie gesagt hat, so mußte sich der .andtag beugen. Den 50000 Deutschen wurden 7 Mandate zugebilligt und die 100000 Juden in den kutschen Kataster eingezwängt. In zwei großen Parteien, die durch persönliche, Keineswegs aber prinzipielle Fragen geschieden waren, nahmen die Jüdischnationalen den Kampf auf. Beiden Parteien, der Nationalpartei und der Volksratspartei, war das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum gemeinsam. Die beiden Parteien operierten anfangs gegeneinander, und in ihrer Uneinigkeit ereignete sich der :ur Heiterkeit stimmende Fall, daß sie den Deutschen .in von diesen für sicher gehaltenes Mandat nahmen. )ie Ironie der Geschichte änderte da den Kosaken- Scherz „Haust du meinen Juden, hau' ich deinen Juden" n ausgleichender Gerechtigkeit ab. Hofrat Skedl, der;ührer der Deutschnationalen, dem man die strafweise 'Zersetzung zionistischer Mittelschullehrer in Radautz zuschreibt, mußte die Zeche zahlen, und erst nach sechsmaligem Wahlgang konnte er als Minoritätsvertreter gewählt werden. Von jüdischnationalen Kandidaten sind bisher vier Mitglieder der Nationalpartei, und zwar Dr. Katz (5064 Stimmen), Dr. Straucher (1335), Dr. Weisselberger (4731) und Dr. Wender (1437), und zwei Mitglieder der Volksratspartei, und zwar Dr. Leo Kellner (4672) und Dr. Fokschaner (Stimmenzahl noch unbekannt) gewählt worden. Da die Wahlen noch nicht abgeschlossen sind, ist es möglich, daß die Anzahl der jüdischnationalen Abgeordneten sich noch steigert. Die Freude, mit der jeder gutjüdisch Gesinnte diese Wendung der Dinge begrüßt, würde sich noch verstärken, wenn die jüdischen Parteien der Bukowina sich nunmehr zu einiger Arbeit im Dienst des Judentums zusammenschließen würden. Wir haben .überall Feinde, und diese abzuwehren bedarf es nur der Einigkeit und der Entschlossenheit des Handelns. Daß die letztere Eigenschaft bei ihnen vorhanden ist, haben die Juden nunmehr bewiesen. Möge auch die erstere sich bald zeigen! Das wäre der herrlichste Abschluß der Wahlkampagne. Dies wäre um so inniger zu wünschen, als ja die Reichsratswahlen, die in genau vier Wochen beginnen werden, wieder die Anspannung alier Kräfte im österreichischen Judentum gegen den gemeinsamen Feind, das mit dem Antisemitismus verbündete Assimilantentum, nötig machen werden. HERR REINACH UND DIE ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE Von Ben Aron „Denn jede Schuld rächt sich auf Erden." Unwillkürlich denkt man der Worte, wenn man den soeben versandten Bericht der deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance liest und sich darüber klar wird, was er bedeutet. Die Konferenzgemeinschaft ist am 25. April ■n Berlin zusammengetreten und hat nach ausführlichen Referaten der beiden Vorsitzenden, des Geheimrats Landau und des Rabbiners Dr. Werner in München einhellig den Wunsch ausgesprochen, das Pariser Zentralkomitee möge an Stelle des Herrn Rein ach einen andern in Paris domizilierenden Kandidaten aufstellen. Sie hat weiter eine eigene Wahlliste anzufertigen beschlossen, es den Vorsitzenden der Lokalkomitees zur Pflicht gemacht, sich für diese Liste zu interessieren, und einen besondern Appell an diefranzösischenRabbiner imZentralkomitee gerichtet, als geistige Führer der französischen Judenheit, Anschauungen, wie sie Herr Reinach mit seiner ganzen Persönlichkeit vertritt, energisch zu bekämpfen. Dieses scharfe Vorgehen gegen Herrn Reinach entspringt keinerlei persönlichen Verstimmungen. Es ist der Ausdruck allmählich angesammelter ehrlicher Entrüstung guter Juden und aufrechter Männer gegen den geistigen Urheber des gegenwärtigen Systems der Pariser Alliance, der in Büchern und Aufsätzen, in Reden und Handlungen einen Standpunkt vertritt, der das Judentum in der öffentlichen Meinung schwer schädigen, seine Bekenner herabwürdigen und in Tausenden von Männern ein Gefühl unendlicher Bitterkeit und Verlassenheit erzeugen muß. Uns allen sind diese Ansichten nichts Neues. Wir lasen sie im„Echo sioniste", im „Frankfurter Isr. Familienblatt", im famosen „Orpheus". Wir haben gestaunt und den Kopf geschüttelt, aber geschwiegen, wie wir es stets tun, wenn es sich um Interna anderer Verbände handelt, solange nicht die Öffentlichkeit direkt gezwungen wird, sich mit ihren führenden Persönlichkeiten zu beschäftigen. Wie die Verhältnisse liegen, würden wir ja oft genug sonst nur den von uns Angegriffenen nützen. Denn wenn die bösen Zionisten einen Mißstand rügen, so greift man gerne zu dem bequemen Auskunftsmittel, zu behaupten, daß wir lediglich aus politischen Gründen, aus Eroberungstaktik in den Kampf gehen. Deshalb haben wir uns stets auf die Abwehr von Angriffen beschränkt. Nun aber haben sich die Verhältnisse geändert. Den deutschen Führern der Alliance, den Fuchs, Landau, Werner, Vogelstein (!) wird man ja schwerlich Zionismus vorwerfen können, und wenn sie heute in die Öffentlichkeit flüchten, nachdem Paris ihre sehr gerechtfertigten Bitten und Wünsche mit derselben kaltblütigen Nichtachtung abgewiesen hat, der sich andere jüdische Organisationen stets im Verkehr mit Paris zu erwehren haben, so muß es wahrlich weit gekommen sein! Und darum wäre es für uns ein großes Unrecht, auch heute zu schweigen. Die Alliance ist der schönste und reinste Ausdruck der Verbrüderung des Judentums. Sie betreibt eines der großartigsten humanitären Werke, welche es in der Geschichte gegeben hat. „Alle Juden bürgen für einander" ist ihr Wahlspruch, und sie will allen, die als Juden leiden, ihren kraftvollen Arm leihen. Deshalb haben wir stets freudig dem großen Einheitsgedanken

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