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Die Welt · 1911-05-12 · 19 (12.5.1911) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
19 (12.5.1911)
Date
1911-05-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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432 ......- - OIE^ELT .....'t-------------- -....... t =? Mo. 19 Der X. Kongreß Der X.Kongreß findet vom 9. bis 15. August 1911 (15. bis 21. Ab 5671) in Basel in den Räumen des Stadtkasinos statt. Die gesammelten Schekelgelder müssen bis zum 30. Juni 1911 nach Köln oder an die Zahlstellen des J. C. T. überwiesen worden sein. Für die Wahlen zum Kongreß ist nur die Zahl der bis zu diesem Termin in Köln oder beim J. C. T. eingegangenen Schekelgelder maßgebend. < Die Wahlen zum Kongreß sollen in der Zeit vom 3. bis 8. Juli 1911 stattfinden. Die Protokolle über die erfolgten Wahlen müssen spätestens bis zum 15. Juli 1911 in den Besitz des Zionistischen Zentralbureaus in Köln gelangt sein. Proteste gegen vorgenommene Wahlen sind sofort nach der Wahl gleichzeitig bei dem Bureau der Landesorganisation (Föderation) und bei uns mit ausführlicher Begründung einzureichen. Nach dem 15. Juli einlaufende Proteste können nicht berücksichtigt werden. Die Protokolle über die Wahlhandlungen sind ordnungsgemäß aufzunehmen. Formulare können von uns in beliebiger Anzahl bezogen werden. Zionistisches Zentralbureau, Köln. DIE JÜDISCHEN SIEGE IN DER BUKOWINA Von Julius Löwy Der Kampf, den die Juden in der Bukowina jetzt eben durchgefochten haben, ist in der jüdischen Öffentlichkeit nicht mit der Aufmerksamkeit begleitet worden, die ihm gebührt. Was sich in dem kleinen Buchenland vollzogen hat, besitzt eine weit über die lokalen Interessen hinausgreifende Bedeutung für das ganze Judentum. Es sind nicht ein paar tausend Stimmen für ein paar Kandidaten abgegeben worden, sondern der jüdische Volksstamm im ganzen Land hat ein vernichtendes Urteil über Verrat und Hinterlist gefällt, das in der politischen Entwicklung des national aufstrebenden Judentums in der Donaumonarchie seine bleibenden Spuren hinterlassen wird. Hatte es im Mai 1907 gegen die schlachzizische Blutsaugerpolitik sich erhoben, so rechnete es jetzt mit den feigen und verächtlichen Schutzjuden ab, die vor zwei Jahren die Entstehung der jüdischen Kurie vereitelt hatten. Nun ist die jüdische Kurie nicht Gesetz, sondernTat geworden. Die Regierung hat die Kurie verweigert, das sieghafte jüdische Volksempfinden hat sich sie selbst geschaffen, und weil sich das Judentum einmütig zu seinen nationalenForderungen stellte, sind sie stärker gesichert, als wenn sie von papiernen Paragraphenzäunen umhegt wären. Die Juden in der Bukowina zählen bei einer Gesamtbevölkerung von 800 000 Menschen fast genau 100 000 Seelen. Mehr als 80 °/o stehen in produktiven Berufen. Sie lassen die deutsche Bevölkerung an Zahl um die Hälfte, an Steuerkraft um das Zehnfache hinter sich. Es war also ihr Verlangen nur zu berechtigt, ihre nationalen Angelegenheiten selbst verwalten zu dürfen und bei der Reform der Landtagswahlordnung einen eigenen gesonderten Wahlkataster zu erhalten. Alle Parteien des Landtages schlössen sich diesem Verlangen an. Und es schien, als ob diese berechtigte Forderung ohne weitere Hindernisse zur Erfüllung kommen werde, weil sie ja im Lande selbst nirgends auf Widerspruch stieß. Das letzte Wort hatte die Wiener Zentralregierung zu sprechen. Da machten sich die Feinde der jüdischen Entwicklung ans Werk. Kur an da, der Reichsratsvertreter des Wiener Kaiviertels, hatte sich von der Behandlung bereits erholt, die man seinem Gesuch um Aufnahme in den Deutschen Verband hatte angedeihen lassen. Dort hatte man ihn nicht aufgenommen. Kuranda etablierte sich selbständig als deutsche Nation. In seiner segensvollen Tätigkeit störten ihn aber die Postulate, die die Juden der Bukowina formuliert hatten. Er rannte also zum Ministerpräsidenten und beschwor ihn bei allen Bewohnern des germanischen Walhall, doch um Gotteswillen keine jüdische Vertretung zu schaffen. Baron Bienerth, der der Ansicht gewesen war, daß die Juden Österreichs doch nichts gegen ihre östlichen Konnationalen oder Glaubensgenossen unternehmen würden, wurde stutzig. Sein Befremden wuchs, als gleich hinter Kuranda Herr Löwenstein kam, dazumal noch Schutzjude des Polenklubs. Dieser Herr aus dem Osten bewies dem Minister gleichfalls mit dem Anstand, den er hatte, als er's Licht noch sah, — inzwischen ist's ja einsam um ihn geworden — daß die jüdische Kurie eine schwere Schädigung der israelitischen Konfession darstelle. Ein Politiker also aus dem Westen, einer aus dem Osten. Zwischen die jammernden Propheten setzte sich ein Weltkind: der Philologe Gomperz. Der hatte ein Buch über die griechischen Denker geschrieben, ein Werk „Philodemi de ira über" und zwei Bände „Herkulanäische Studien". Die österreichischen Assimilantenkreise hielten diese Beschäftigung mit der hellenischen und römischen Antike für eine ausreichende Vorbildung zur Kenntnis der Lage der Bukowinaer Juden. Und so schrieb Theodor Gomperz, Mitglied des Herrenhauses, in der „Neuen Freien Presse" einen zornigen Artikel über das „Wahlghetto", das die Zionisten in dem östlichen Herzogtum einrichten wollen. Baron Bienerth verfügte nun über die nötigen Beweisgründe, die ihm meist heimlich bei Nacht und Nebel zugetragen worden waren. Er verweigerte dem Beschluß des Czernowitzer Landtages die Sanktion und ordnete eine neuerliche Beratung an. Zugleich teilte er die Ansichten der Regierung mit, die in „gerechtem

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