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Die Welt · 1911-05-05 · 18 (5.5.1911) · page 19

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 19)
Language
German
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No. 18 DIE3§£ELT 417 i Intertanen sein müssen, ist vom Standpunkte der Türkei ausgesehen, ine weise Maßregel. Hoffentlich beweist sich der Staat aber im :inWanderungsgesetz nicht rigoros und erleichtert ansländischen mmigranten die Annahme der türkischen Untertanenschaft, so daß ieue Menschenkräfte ins Land kommen und neue Gemeinden bilden :önnen. Im übrigen möchten wir hoffen, daß die ganze, im wahren Sinne des Wortes moderne* Reform nicht illusorisch werden möge nfclge der konservativen Tendenzen, die seit der letzten Krise ins Parlament eingezogen zu sein scheinen und die ganz besonders der Jmgestaltung der Wakufgesetzgebung gefährlich werden könnten, la diese das Gebiet der religiösen Überlieferungen berührt. Palästina Stellen für Tierärzte und für einen Arzt Der Viehbestand in den jüdischen Kolonien beginnt sich in Judäa und in Galiläa langsam zu vermehren, und das Bedürfnis nach Tierärzten ist seit einiger Zeit vorhanden. Im vorigen Jahre hat sich der erste jüdische Tierarzt in Haifa niedergelassen, es ist :iber noch für einen Tierarzt in Jaffa und für einen Tierarzt in Galiläa eine Existenzmöglichkeit vorhanden. Einzelne Kolonien, z. B. die Kolonien des Kreises Tiberias, würden bereit sein, einem Tierarzt ein jährliches Fixum zu gewähren, falls sich geeignete Bewerber fänden. Angebote und Referenzen nimmt das Komitee der Kolonie Jemma (Adresse: Comite Jemma, pres Tiberias) entgegen. Ferner ist in der Kolonie Jemma die Stelle eines Arztes mit einem Jahresgehalt von 5000 Frs. und freier Wohnung zu besetzen. Der Arzt ist verpflichtet, zweimal wöchentlich die Kranken der umliegenden Kofonien Milhamie, Mesha und Sedschera unentgeltlich zu besuchen. Bewerbungen sind ebenfalls an die oben angegebene Adresse zu richten. Generalversammlung des Vereins „Esra" Am 23. April hat im Sitzungssäle der Berliner jüdischen Gemeinde die Generalversammlung des Vereins „ Esra" stattgefunden. Anwesend waren vom Zentralkomitee die Herren: Moritz D;orn, Konsul Julius Friede mann, Sanitätsrat Dr. D. Caspari, Rabbiner Dr. Eschelbacher, Dr. Hans Gideon Heymann, Professor Dr. Mittwoch, Professor Dr. Sobern heim und J. Turoff. .Von den Delegierten die Herren: M. Apolant (für Posen), Justizrat Badrian (für Kattowitz), Dr. Biberfeld, Dr. Braun (für Breslau), J. Chaim (für Rawitsch), Dr. Adolf Friedemann (für Hamburg), Eugen Friedmann, Stadtrat Giemkiwicz, Dr. Hantke, Dr. Meier Hildesheimer (für Hannover), Dr. Arthur Kahn (für Chemnitz), Dr. Bernhard Kahn (für München), Ad. Kunz (für Hanau), S. Laqueur (für Breslau), Rechtsanwalt Leszy nski, Rechtsanwalt Dr. Mayer, Fabius Schach (für München und Karlsruhe), Simon Scheye, (Breslau), Karl Schwarz (für Fürth), Spiewkowski, Striemer, Struck, J. H. Wagner und Rechtsanwalt Dr. V^isloch (für Frankfurt a. M.j. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung mit einem warmen Nachruf für die verstorbenen Mitglieder. Er gedachte in erster Reihe des sei. Dr. Hirsch Hildesheimer, dessen große Verdienste um das Judentum im allgemeinen und den Verein „Esra" im besondern er eingehend würdigte. Ferner erwähnte er des verstorbenen Herrn Eduard Cohen in Frankfurt a. M., der dem Verein „Esra" Mk. 2000 hinterlassen hat. Herrn Dr. Paul Schottländer wird für eine Zuwendung von Mk. 3000 der Dank des Vereins ausgesprochen. Hierauf berichtete der Vorsitzende über die Tätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre. Er teilte mit, daß das Central-Comite zur Ansiedlung von 12 Arbeitern in Kafr-Saba der Anglo Palestine Comp. Frs. 22 0OO überwiesen hat. Die noch vorhandenen Schwierigkeiten, die Bauerlaubnis betreffend, dürften binnen kurzem behoben sein. Ferner gedenkt der Verein „Esra" die Kolonie Chederah mit 20 jüdischen Arbeitern zu versehen. Auch sollen die Gesundheitsverhältnisse in dieser großen Kolonie durch den Bau eines Arzthauses und Anlegung einer Wasserleitung weiter verbessert werden. Das ganze Unternehmen dürfte eine Ausgabe von Frs. 60000 beanspruchen. Der Vorsitzende richtet daher einen warmen Appell an die Anwesenden, das ihrige zur Stärkung des Vereins „Esra" und Vermehrung seiner -Mitglieder beizutragen. Im Anschluß daran erstattete Sanitätsrat Dr. D. Caspari, welcher eben in Palästina geweilt und die Kolonie Chederah eingehend besichtigt hat, einen kurzen Bericht über die Verhältnisse dieser Kolonie. Chederah ist ein herrlicher, jüdischer Besitz, über 14000 Morgen groß und so schön, daß jeder Europäer daselbst mit Vergnügen wohnen würde. Der Boden ist überaus fruchtbar, und es könnten bei rationeller Bewirtschaftung viele Hunderte jüdischer Familien auf demselben in Frieden und Ruhe ihre Existenz finden. Bei den darauf stattfindenden Wahlen des Zentralkomitees wurde Herr Konsul julius Friedeniann als Schatzmeister per Akklamation wiedergewählt. Ebenso wurden die ausscheidenden Mitglieder des Zentralkomitees, die Herren: Dr. D. Caspari, Berthold Israel, Willibald Löwenthal, Professor Dr. Mittwoch und Professor Dr. Warburg sowie die beiden Revisoren per Akklamation wiedergewählt. An Stelle des sei. Dr. Hirsch Hildesheimer wurde Herr Dr. Eduard Biberfeld auf ein Jahr in das Zentralkomite3 gewählt. Rußland Die Million des Barons Hirsch und Pobjedonoszew Wie erinnerlich, hat der Dumaabgeordnete Graf Uwarow bei der Beratung des Etats des Heiligen Synods die Enthüllung gemacht, daß Baron Hirsch dem verstorbenen allmächtigen Oberprokurator Pobjedonoszew eine Million Rubel zum Geschenk gemacht habe um von ihm die Aufhebung des jüdischen Ansiedlungsrayons zu erlangen. Von einem Eingeweihten erfährt man nun interessante Einzelheiten. Baron Hirsch hatte den Plan gefaßt, große jüdische Voiksmassen aus Rußland nach Argentinien zu befördern, um sie dort zu kolonisieren. Da aber nach den russischen Gesetzen die ohne Erlaubnis der Regierung auswandernden Personen immer als russische Staatsangehörige betrachtet werden, so daß die Militärpflichtigen als Deserteure verfolgt werden, hatte Baron Hirsch, um die in Rußland zurückgebliebenen Angehörigen solcher Emigranten vor Verfolgungen zu schützen, beschlossen, die jüdische Auswanderung zu legalisieren. Zu diesem Zwecke knüpfte sein Vertreterin Petersburg, der bekannte EisenbahnkönigSamuel Poljakow, Unterhandlungen mit der russischen Regierung an. Er riet Baron Hirsch, dem allmächtigen Pobjedonoszew eine Million Rubel zum Geschenk zu inachen, um seine Unterstützung in dieser Sache zu erwirken. Pobjedonoszew nahm auch das Geld an, — wie er sagte, für Kirchen und Schulen, — und sicherte Baron Hirsch seine Unterstützung zu. Er teilte das Anliegen des Barons Hirsch Alexander III. mit, und es wurde beschlossen, das Werk des Philanthropen zu unterstützen. Aber weder Pobjedonoszew, noch Alexander III. haben ihreZusagen eingehalten. Nach Empfang der Million legte die russische Regierung Baron Hirsch die größten Schwierigkeiten in den Weg. Die Regierung verlangte, es mögen nur ganze Familien, auch Greise, Krüppel und Kranke, auswandern, was die Aktion sehr erschwerte. Pobjedonoszew hattedem Baron Hirsch auch versprochen, eswerde den Juden gestattet werden, sich auf dem flachen Lande als Ackerbauer anzusiedeln, nach Empfang des Geldes aber wurde diese Zusage gebrochen; die drakonischen Wohnrechtsbeschränkungen des Grafen Ignatiew blieben zu Recht bestehen. Noch mehr: auf Verlangen der Regierung mußte Baron Hirsch in der Petersburger Reichsbank 200.000 Rubel deponieren, damit die Kosten bestritten werden könnten, falls jüdische Auswanderer die Rückbeförderung nach ihrer Heimat verlangen sollten. Aber keiner der jüdischen Emigranten hat von den russischen Konsulaten in Amerika bei der Rückwanderung nach Rußland irgendwelche Unterstützung erhalten, so daß auch die 200.000 Rubel des Barons Hirsch bei der russischen Regierung verblieben sind. Das ist die wahre, lehrreiche Geschichte der Million des Herrn Pobjedonoszew. . . Massenverhaftungen In ganz Russisch-Polen werden seit einiger Zeit Hausdurchsuchungen in den Wohnungen jüdischer Akademiker und sonstiger Angehörigen der jüdischen Intelligenz vorgenommen. Im Anschluß daran sind in den letzten Tagen mehr als 300 Verhaftungen zu verzeichnen gewesen. Angeblich handelt es sich hierbei um die Ermittlung von Mitgliedern einer über ganz Polen verzweigten jüdisch-revolutionären Vereinigung. (!) Die meisten Verhafteten sind jedoch wieder auf freien Fuß gestellt worden. Die Anzahl der Juden in Warschau Wie die „Gazetta Warschawska" auf Grund amtlicher Ziffern mitteilt, belauft sich gegenwärtig die Zahl der jüdischen Bevölkerung von Warschau auf 306 061 Seelen, gleich 37f) o der Gesamtbevölkerung.

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