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Die Welt · 1911-05-05 · 18 (5.5.1911) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Dr. Bodenheimer: Das ist überflüssig, weil der Beschluß des Direktoriums genügt. Wenn Sie den Gesamtbericht über die gefaßten Beschlüsse anstandslos genehmigen, so ist darin auch die Billigung des Beschlusses bezüglich Nachlath Benjamin mit enthalten. B. Goldberg: In diesem Falle kann ich von einem Spezialantrage absehen und habe dann nur folgenden Antrag zu stellen; Die Generalversammlung nimmt den Bericht des Direktoriums und die Bilanz pro 31. Dezember 1910 mit besonderer Befriedigung entgegen, genehmigt dieselbe und spricht dem Direktorium für seine bisherige Tätigkeit und insbesondere für seine intensive Arbeit in Palästina, die sie mit Freuden begrüßt, ihren aufrichtigen Dank aus. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Dr. Marmorek: Ich möchte meine Frage von vorhin an Herrn Dr. Bodenheimer wiederholen, nämlich ob Sie in bezug auf die Investierung des Kapitals in Palästina bis zur statutengemäß erlaubten Grenze von 75% gehen werden. Dr. Bodenheimer: Selbstverständlich werden wir, wenn sich eine nützliche Verwendungsmöglichkeit in Palästina nicht ergeben sollte, nicht bis zur äußersten Grenze gehen. Wenn sich aber hierfür die Notwendigkeit herausstellen sollte, erkläre ich, daß ich nicht einsehe, welche Bedenken dagegen sprechen würden. Wir haben nunmehr noch die Wahl eines Direktors an Stelle . des ausscheidenden Herrn Dr. Tschlenow vorzunehmen. S. Rosenbaum: Ich möchte den Wunsch aussprechen, daß für Rußland noch ein Direktor zugewählt wird. Dr. Bodenheimer: Das ist nach unsern Statuten nicht möglich, da wir nur sieben Direktoren wählen dürfen und das Direktorium schon vollzählig ist. Es wird nunmehr Herr Dr. Tschlenow per Akklamation als Direktor wiedergewählt. Die bisherigen Revisoren werden wiedergewählt. Dr. Marmorek, unterstützt von Herrn Jean Fischer, stellt den Antrag, den Beamten desJ.N.F. den Dank der Generalversammlung auszusprechen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Der Vorsitzende schließt mit Dankesworten an die Teilnehmer die Versammlung. Achad Haam über die A. J. K. O. In einer der jüngsten Nummer der „fiazefirah" wendet sich der bekannte hebräische Schriftsteller und Publizist Achad-Haam (Ascher Ginsberg) in ungemein scharfen Worten gegen die Tätigkeit der vor einigen Jahren von Herrn Dr. A. Nossig begründeten „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" (A. J. K. O.). Wir entnehmen dem temperamentvollen Aufsatz, der die Überschrift „Wie lange noch?" trägt, folgende Ausführungen: „. . . Wie lange noch wird es jedem, der sich als „Erlöser Israels" aufspielen will, gestattet sein, uns mit seinem „Erlösungswerk'4 zu beglücken? Unsern äußern Feinden gegenüber sind wir machtlos. Sollten wir jedoch nicht imstande sein, uns vor unsein innern Erlösern zu schützen? Vor einigen Jahren faßten einige Leute (oder besser gesagt: ein Mann) den Entschluß, eine neue Organisation zur Rettung des Judentums zu gründen und ihr den hochtrabenden Namen „Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation" zu geben, der wohl etwas lang und schwer auszusprechen ist, aber in der Abbreviatur A. J. IC. O. (welche an den abgekürzten Namen einer andern bekannten jüdischen Organisation erinnert) gar nicht übel klingt . . . Seither spielt sich vor unsern Augen ein Drama ab, von dem ich nicht weiß, ob die Bezeichnung Komödie oder Tragikomödie besser dafür paßt. Es wird eine Organisation mit großem Geräusch ins Leben gerufen, — und gleich darauf entschwindet sie den Blicken, ohne daß irgendjemand wüßte, womit sie sich beschäftigt, welche Mittel ihr zur Verfügung stehen und ob diese Mittel dem Zweck, den der hochtönende Name andeutet, irgendwie angepaßt sind. Bloß von Zeit zu Zeit, nach langen Intervallen tiefen Schlafs, erwacht die sonderbare Organisation plötzlich und beginnt sogleich, alle ihr erreichbaren Glocken mit großem Getöse zu schwingen. Dann werden uns in marktschreierischer Weise Wunderdinge erzählt: wie gewaltig die Kraft der A. J. K. O. sei, wie groß ihr Werk, wie verdienstvoll ihre Führer ... All dem Lärm und Getöse folgt jedoch alsbald wieder tiefe Stille, sanfter Schlummer; man sieht weder von der Organisation, noch von ihren Leitern und Mitarbeitern auch nur das geringste. Die jüdische Öffentlichkeit aber betrachtet dieses Schauspiel in voller Seelenruhe, als würde es sie gar nichts angehen. Unsere Presse ist diesem sonderbaren Geschöpf behilflich, zur Zeit seines periodischen Erwachens die Glocke zu schwingen, und stört im übrigen seine Ruhe zur Zeit des Schlummers nicht — als wäre nichts Ungewöhnliches an dieser ganzen grotesken Erscheinung . . . Wir könnten dieses Verhalten der jüdischen Öffentlichkeit noch verstehen, wenn man es auPGrund des bei uns so beliebten Spruches: „Wenn's nicht nützt, so kann es doch nicht schaden" rechtfertigen könnte. Allein auch diese Ausflucht ist hier ganz und gar nicht angebracht. Ganz allgemein betrachtet, kann ja eine Organisation mit großen nationalen Zielen, wenn sie einmal geschaffen ist, nicht einfach als nichtexistent angesehen werden; sie muß entweder eine positive oder eine negative Wirkung haben, und wenn sie keinen Nutzen bringt, so schadet sie eben durch ihr bloßes Vorhandensein, wie jedes abgestorbene Glied eines Körpers, das seine Zweckbestimmung nicht erfüllt. Irn vorliegenden Falle haben wir es aber nicht einmal nötig, aligemeine Erwägungen zu Hilfe zu nehmen, um die Schädlichkeit festzustellen, denn sie liegt klar zutage. Diese Organisation hat nämlich, wie gesagt, auch Augenblicke des Erwachens, in denen sie allerdings auch nichts tut, aber doch den Anschein einer gewissen Tätigkeit erwecken möchte. Zu diesem Zwecke bedient sie sich eigentümlicher Mittel, die ich nicht näher kennzeichnen will. In aller Erinnerung sind noch die „frohen Nachrichten", die sie vor zwei Jahren laut verkündete, — von ihren Bemühungen in Konstantinopel und den glänzenden Versprechungen, die sie seitens der türkischen Regierung erlangt habe, die sich jedoch einstweilen nicht zur Veröffentlichung eigneten. Man entsinnt sich wohl auch noch der Debatte auf dem letzten Zionistenkongreß über die Art und Weis e der Verhandlungen der A. J. K. O. in Konstantinopel. Zwar war die Beschuldigung, die A. J. K. O. hätte die zionistische Organisation bei der türkischen Regierung denunziert, ohne Zweifel ein wenig übertrieben. Sie hat sicherlich nicht direkt andere Organisationen angeschwärzt, sondern betreffs ihrer eigenen Bestrebungen betont, daß diese keinen politischen Charakter trügen. Allein aus dieser negativen Versicherung konnte die Regierung allerdings positive Schlüsse ziehen hinsichtlich einer andern Organisation, die in gleicher Richtung tätig war. Außerdem hatte die türkische Regierung keinerlei Veranlassung, der neuen Organisation aufs Wort zu glauben, daß sie keine politischen Ziele verfolge. Das Ergebnis war demnach, daß das Vorhandensein gefährlicher politischer Tendenzen bei den andern als erwiesen angenommen, das Nichtvorhandensein gleicher Aspirationen bei der A. J. K. 0. aber bezweifelt wurde. . . Inzwischen trat die A. J. K. O. wieder in die Periode des tiefen Schlafes ein. und man hörte lange nichts mehr von den großartigen Versprechungen, die sie in Konstantinopei erlangt haben wollte und von denen man absolut nicht wußte, wann sie endlich zur Veröffentlichung reif sein würden. Bis die Bombe vor einigen Wochen plötzlich an einem Orte platzte, wo man sie

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