Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 18 (5.5.1911)
- Date
- 1911-05-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Pro I£nde 19C9 betrug das Kapital 1 820 000 Mk. Davon waren in Palästina angelegt zirka 885 000 Mk., d. i. gut 48° o des Kapitals, während an Barmitteln und leicht realisierbaren Effekten in Europa vorhanden war zirka 900 000 Mk. d.i. gut 49°'o des Kapitals- Pro Ende 1910 betrug das Kapital (inklusive das der Siedlungsgenossenschaft) zirka 2450000 Mk. Davon war in Palästina angelegt für zirka 1 500 000 Mk., d.i. zirka 61% des Kapitals, während an Barmitteln und leicht realisierbaren Effekten in Europa wieder vorhanden war zirka 900000Mk., d.i. zirka 37°o des Kapitals. Dabei ist a lerdings in Betracht zu ziehen, daß wir in diesem Jahre die dem N. F. geschenkten, Ihnen bekannten Immobilien mit 207 000 Mk. in die Bilanz aufgenommen haben. Auch wenn wir diese ganz außer Betracht lassen und das Kapital entsprechend reduzieren, so steilen sich die obigen Prozentsätze noch immer auf 58 vo für die Palästinaanlagen gegen 40° o für die Barmittel und Effekten. Es lassen sich an diese Zahlen mit Leichtigkeit vielerlei Betrachtungen über die ganze Politik unserer Institution knüpfen, wofür auch die einzelnen Posten der Bilanz das Material liefern können. Wenn man nun in Betracht zieht, daß mehrere Beschlüsse des Direktoriums uns auch für die Zukunft schon ganz beträchtliche finanzielle Verpflichtungen auferlegt haben, so wird man sich nicht darüber wundern, daß ich mich verpflichtet fühle, Sie an den § 57 unseres. Statuts zu erinnern, der besagt: „Wenigstens ein Viertel des Wertes der Aktiven der Genossenschaft soll stets in der Form von Geld ad depositum oder von Anlagen leicht realisierbarer Art verbleiben." Das Rechenexempel ist einfach. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Frage des Verhältnisses der Kosten unserer Institution zum Ergebnis ihrer Sammlungen. Ich habe mich bei der Vorlegung der vorigen Bilanz darüber ausführlich verbreitet1) und kann mich deshalb jetzt kürzer fassen. Das Direktorium hat auch in diesem Jahre wieder den Grundsatz: „Größte Sparsamkeit in den Verwaltungskosten, angemessene Freigebigkeit in den Propagandakosten" befolgt und, wie Sie schon vor einigen Monaten aus der Jahresstatistik ersehen haben, nicht ohne Erfolg. Trotz mancher Enttäuschung, trotz dem Umstände, daß unsere größte Sammelstelle, die russische, durch die administrativen Maßnahmen der Behörde in der vollen Entfaltung ihrer Tätigkeit gehemmt wurde, daß in den Vereinigten Staaten die N.-F.-Organisation vollständig ins Stocken geraten war und erst durch energisches direktes Eingreifen saniert werden konnte, daß in Ungarn und England die Kommissionen nicht imstande waren, den richtigen Weg zur Entwicklung zu finden, daß wir nebenbei für die Sieilungsgesellschaft hunderttausend Mark zu sammeln hatten und tatsächlich sammelten, daß 1910 nur ca. 28000 Mk. an größern Spenden brachte (Wolffsohnfonds und Kahane-Spende) während 1909 ca. 54 000 Mk. (Klur-Spende und Rumänische Chowewe-Zion-Spende) gebracht hatte; trotzalledem haben wir wieder einen ganz bedeutenden Fortschritt im Endresultat unserer Sammlungen zu verzeichnen. Das hat aber nicht nur Mühe und Energie [gekostet, sondern eben auch Geld. Im übrigen kann ich nur sagen, daß, wie Sie aus der ausführlichen Form der Jahresrechnung, aus den detaillierten Erläuterungen, aus den veröffentlichten Vierteljahresbilanzen, aus den Monats-, Vierteljahres-, Halbjahres- und Jahresstatistiken mit ausführlichen Bemerkungen, Nebenstatistiken und weiteren Tabellen ersehen, die alle immer mehr vervollständigt werden, wir bestrebt sind, all' unsere Einrichtungen immer mehr und vollständiger auszubauen, unsere Arbeit immer planmäßiger zu gestalten, und daß wir auf die Verwendung und Verwaltung unserer Mittel das volle Licht der Öffentlichkeit scheinen lassen." Debatte Znm Punkte der Bilanz nochmals das Wort ergreifend, bemerkt der Vorsitzende, der Versammlung die erfreuliche Mitteilung machen zu können, daß es durch die eifrigen Bemühungen des Londoner Sekretärs, Herrn Neumann, sowie der dortigen Solicitors gelungen ist in der Frage der Einkommensteuer für den N. F. in England einen bedeutenden Erfolg zu erzielen. Die Einschätzung von 1910 wurde um mehr als die Hälfte herabgesetzt. Noch erfreulicher aber ist die Tatsache, daß uns ein legaler Weg gewiesen wurde, durch den in Zukunft, dank der weitherzigen Auffassung der englischen Behörden, dem Nationalfonds die Steuer noch weiter verringert werden wird. M Siehe „Welt" 1909, Nr. 20 (Herzlnummer), Seite 499—502. Daran anknüpfend erstattet der Vorsitzende der Versammlung einen Bericht über die Angelegenheiten, welche in der am 26. April stattgefundenen Direktoriumssitzung zum Teil Gegenstand von Beschlüssen wie die eingangs erwähnten gebildet haben. Im Anschluß an den vorstehenden Bericht entspinnt sich nun eine Debatte, aus der nachstehendes hervorgehoben sei: Dr. Alexander Marmorek gibt Aufklärungen über die Lage in Frankreich und führt, indem er zum Bericht das Wort ergreift^ unter anderm folgendes aus: Ich habe aus dem Berichte des Herrn Hoofien entnommen, daß immer mehr vom Kapital des Nationalfonds in Palästina investiert wird. (Zwischenrufe der Herren Ussischkin und B. Goldberg: Sehr erfreulich!) Sie wissen, welchen Standpunkt ich in dieser Frage einnehme. Ich habe es bereits öfter wiederholt, daß ich kein Gegner der praktischen Arbeit in Palästina bin. Mir handelt es sich hauptsächlich um das Prinzip. Ich habe nun aus dem Berichte ersehen, daß 60% des gesamten Kapitals des Nationalfonds bereits in Palästina angelegt sind, und ich möchte an den Präsidenten die Frage richten, ob er auf diesem Wege fortzuschreiten gedenkt. Dr. Bodenheim er: Jawohl! (Lebhafte Zustimmung.) Dr. Marmorek: Ich danke dem Herrn Präsidenten für diese Aufklärung. Meinen Standpunkt in der Frage habe ich bereits in der A. C.-Sitzung auseinandergesetzt. B. Goldberg: Im Gegensatz zu Herrn Dr. Marmorek glaube ich, daß, je mehr der N. F. in Palästina arbeitet, desto mehr seine Kapitalien anwachsen werden. Die Arbeit in Palästina ist für den Nationalfonds die beste Propaganda. Die Tatsache, daß der Nationalfonds schon mit einem so großen Teil seines Kapitals in Palästina arbeitet, wird von allen unsern Freunden mit größter Freude begrüßt werden und sie zu weiterer Arbeit für den N. F. anspornen. (Lebhafte Zustimmung.) Was Nachlath Benjamin anlangt, so bin ich der Ansicht, daß wir den Beschluß des Direktoriums nur durchaus billigen können. Heute steht doch wohl fest, daß Tel- Awiw eine der schönsten Leistungen des J. N. F. darstellt. Jede Unternehmung, die wir in Palästina durch den N. F. schaffen, ist ein gesunder Kern für die weitere Entwicklung. Dr. Zweig: Ich kann nur unterstreichen, was Herr Goldberg gesagt hat. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Palästinaarbeit tatsächlich die beste Propaganda für den N. F. ist. (B. Goldberg: Sehr richtig!) Bezüglich der Ölbaumspende vermisse ich die nähern Details darüber, wie die Anlage gedacht ist. Bezüglich des Bezalel sollte der N. F. durchaus darauf bestehen, daß er einen größern Einfluß erhält. (Zustimmung.) Jean Fischer: Es war ein großer Fehler, daß man die Siedlungsgenossenschaft dem N. F. einverleibt hat. Dr. Boden heim er führt aus, daß diese Auffassung auf einem Irrtum beruhe. Tatsächlich sei doch gerade für die Siedlungsgenossenschaft eine besondere juristische Körperschaft, und zwar eine G. m. b. H. (nach deutschem Recht), gegründet worden. Die N. F.-Verwaltung werde bestrebt sein, entsprechend dem Wunsch der Versammlung größern Einfluß auf die Institute zu gewinnen,, an denen der N. F. kapitalistisch beteiligt sei. Jean Fischer erklärt, daß er Äußerungen von Fachmännern vernommen habe, wonach die Pflanzung eines Ölbaumes beträchtlich weniger als Mk. 6.— zu kosten brauche. Ich kann sowohl das, was Herr Dr. Marmorek gesagt hat, wie auch das, was Herr Goldberg gesagt hat, unterstreichen. Ich möchte nur, daß die Grenze festgehalten wird für das Reservekapital des N. F., das nicht in in Palästina angelegt ist. Dr. Boden heim er teilt mit, daß nach allen vorliegenden Berichten und Berechnungen für die ersten Pflanzungen der Preis von Mk. 6. pro Baum voraussichtlich überschritten werde, dagegen die spätem Pflanzungen entsprechend billiger zu stehen kämen. B. Goldberg: Ich möchte formell beantragen, das Darlehen für Nachlath Benjamin zu genehmigen.