Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 18 (5.5.1911)
- Date
- 1911-05-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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zwar in der Weise, daß am Mittwoch Vormittag nach der Eröffnung die Begrüßungen und Bureauwahlen stattfinden, am Nachmittag der Bericht des E. A. C. erstattet wird und die Generaldebatte beginnt. Diese soll dann Donnerstag vormittag fortgesetzt werden, während wir für Donnerstag nachmittag den Bericht des J. N. F., die Berichte der Banken und die anschließende Debatte in Aussicht genommen haben. 2. Der ganze Freitag soll der Beratung über das Organisationsstatut reserviert bleiben. 3. Für Sonntag haben wir die Erstattung von Referaten über Palästina sowie über kulturelle Fragen mit anschließenden Debatten in Aussicht genommen. . 4. Arn Montag sollen keine Kongreßverhandlungen stattfinden; dieser Tag soll vielmehr für Sitzungen der Landsmannschaften, des Permanenzausschusses, der Bank und der Kommissionen frei bleiben. 5. Am Dienstag vormittag sollen die Wahlen vorgenommen und der Kongreß geschlossen werden; am Nachmittag sollen Sitzungen der neugewählten Körperschaften stattfinden. In der anschließenden Debatte regt Herr Dr. Mar'morek an, die Wahlen diesmal schon früher als sonst, etwa am 3. Kongreßtag, vorzunehmen. Herr Dr. Katzenelsöhn weist darauf hin, daß es wünschenswert wäre, die Generalversammlung des I. C. T. so anzusetzen, daß sie dem Bericht über die Banken und der Debatte im Kongreß voraufgeht. Herr Sokolow regt an, daß die Eröffnungsrede eingehend die heutige Lage des jüdischen Volkes behandeln solle und im besondern auch auf die Frage der Naturalisation der Juden in der Türkei eingehe. Er verlangt ferner, daß zur Erstattung der Referate Männer von Ruf aufgefordert werden, und begrüßt den Vorschlag des E. A. C, einen Tag für die Besprechung kultureller Fragen zu reservieren. Herr B. Goldberg bittet, ein Referat „Fünfzehn Jahre politischer Zionismus" auf die Tagesordnung zu setzen, in welchem auch die Begründung der zionistischen Idee gegeben werden soll. Herr Dr. Zweig unterstützt diesen Vorschlag des Herrn Goldberg. Das Actions-Comite beschließt, die vom E. A. C. in ihren Grundlinien vorgeschlagene Tagesordnung für den Kongreß zu genehmigen und die genaue Ausarbeitung derselben dem E. A. C. zu überlassen. Herr Wolffsohn berichtet sodann über die geplante Ausstellung anläßlich des Kongresses und teilt mit, daß sich bisher der Jüdische Nationalfonds, derBezalel, der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, sowie einige palästinensische Privatleute bereit erklärt haben, in Basel auszustellen. Das Actions-Comite nimmt diesen Bericht zur Kenntnis. Betreffs der Errichtung eines Ehrengerichts für die Organisation beschließt das Actions-Comite auf Antrag Gronemann: Das E. A. C. soll für die Zeit bis zum 10. Kongreß ein Ehrengericht nach eigenem Ermessen ernennen, das in dieser Zeit nach einer von ihm selbst zu beschließenden Geschäftsordnung verhandeln soll. Präsi dent Wolffsohn: Ich habe Ihnen noch einige Mitteilungen zu machen. Auf dem im Juli d. J. stattfindenden Rassenkongreß in London wird unsere Organisation durch eine Deputation, hestehend aus den Herren Dr. Gast er, Sir Francis Montefiore und Dr. Zollschan vertreten sein. Es liegt noch ein Antrag unseres Kollegen Sc hei nk in vor: Das A. C. möge jährlich 500 Frs. zur Verfügung stellen, damit ein palästinensisches Mitglied des A. C. die Möglichkeit habe, wenigstens einmal im Jahre an einer Sitzung des A. C. teilzunehmen. - - Meine Herren! Obgleich sicher manches für diesen Antrag spricht, bitte ich Sie doch, von einer Beschlußfassung Abstand nehmen zu wollen, da wir ja vor dem Kongreß keine A. C.-Sitzung mehr haben werden und die Sache durch die Neuregelung in der Organisation unserer obersten Behörden sich anders gestalten kann. Das A. C. erklärt sich mit dem Vorschlage des Herrn Wolffsohn einverstanden. Nachdem sodann dem Präsidenten der Dank der Versammlung für die Leitung der Beratungen ausgesprochen worden war, schloß Herr Wo 1 f f s o hn mit einer kurzen Ansprache, in der er den anwesenden Mitgliedern des A.C. für ihre Mitarbeit dankte, die Sitzung. * * * Die zionistische Ortsgruppe hatte für den Abend des 29. April eine öffentliche Versammlung in den Saal der Lesegesellschaft einberufen. Dr. Schemarja Levin, der Redner des Abends, sprach über „Peter Sehlemihl und der verlorene Schatten". Er schloß an eine ausführliche Inhaltsangabe des Chamissoschen Märchens eine geistvolle Parallele zwischen dem tragischen Helden jener Erzählung und dem Judentum. Es sei kein Zufall, sagte Dr. Levin, daß Chamisso, ein Franzose von Geburt, der sich in Deutschland nie recht heimisch fühlte, seinem Peter einen jüdischen Zunamen gegeben habe. Er verkauft seinen Schatten, ein Abstraktum, das nur im sonnigen Morgenlande Wert besitzt. Er landet nach wechselvollen Schicksalen in einem für sein Geld erbauten Siechenhaus als ein langbärtiger, hagerer Jude. Das jüdische Volk hat seinen Schatten, das ist seine reiche Kultur, seine stolze Vergangenheit für Gold verkauft. Es ist unglücklich geworden, fremd, zwiespältig in seinem Wesen und sucht mit zerrissener Seele Ruhe und Frieden. Ihm droht die Gefahr, der Peter Schlemihl in seinem dunkeln Instinkt auswich; es will seine Seele verkaufen. Nur die Schaffung eines jüdischen Kulturzentrums wird ihm die Kraft geben, sein nationales Leben wieder zu beginnen und seine Vergangenheit über eine düstere Gegenwart hinweg mit einer glücklichen Zukunft zu verbinden. Seine Sprache, die ihm abhanden gekommen, muß es wieder lernen. Wenn es durch eigne Anstrengung sich wieder als Volk unter den Völkern wird fühlen können, wird es seinen Künstlern und seinen Wissenschaftlern Raum zur Arbeit für das eigne Volk bieten können, die heute den fremden Völkern zugerechnet werden. Das jüdische Volk wird dann in seiner Jugend neues Leben wiederfinden und nicht in einem Asyl hinsiechen. Dies in knappen Strichen der Inhalt der Rede Dr. Levins, die, mit vollster Beherrschung der Form und schönem Enthusiasmus gesprochen, das Auditorium zu stürmischem Beifall fortriß. Den Vorsitz in der von ungefähr 600 Personen besuchten Versammlung führte der Vorsitzende der Kölner Ortsgruppe, Herr Max Goldreich. Die in Köln anwesenden Mitglieder des A.C. nahmen an der Versammlung teil. Direktoriumssitzung und Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds Über die am 26. April im Zionistischen Zentralbureau in Köln stattgehabte Direktoriumssitzung des Jüdischen Nationalfonds ist bereits in der vorigen Nummer der „Welt" kurz berichtet worden. Von den Angelegenheiten, welche Gegenstand der Verhandlungen und Beschlüsse in dieser Sitzung gebildet haben, seien nachfolgende hervorgehoben: Ausbildung von landwirtschaftlichen Volontären Über diese Angelegenheit, die die maßgebenden Instanzen bereits seit langem beschäftigt hatte, lag der Direktoriumssitzung ein Expose des Herrn Dr. Ruppin vor, in dem u. a. darauf hingewiesen wird, daß sich die Angebote von jungen Leuten häufen, die als Volontäre die Landwirtschaft erlernen möchten. Mit verhältnismäßig geringen Kosten ließe sich diese Sache im Anschluß an die Nationalfondswirtschaft in Ben Schämen durchführen. Es müßten nur für Zubau von Wohnzimmern für die Volontäre 5000 Frcs. und für die erste Einrichtung weitere 5000 Frcs, ferner für Besoldung der Lehrer, Lehrmaterial und dergl. auch zirka 5000 Frcs. jährlich zur Verfügung gestellt werden. Als Lehrkräfte kämen die vorzüglich qualifizierten Agronomen in Betracht, die als Beamte auf unsern Besitzungen praktisch tätig sind. Unsere Wirtschaft in Ben Schämen würde den Schülern Gelegenheit geben, den