Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 18 (5.5.1911)
- Date
- 1911-05-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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402 DIE3§KELT No. 18 Banken. (Dr. Katzenelsohn: „Nein!" Heiterkeit). Sie begreifen nicht, daß ich die Bank schonen will. Ich bin nicht dafür, daß man die Bank überlastet. Ich will sie ja durch die Besteuerung der andern Institutionen schonen. Wenn der Nationalfonds, die Sammlungen für den „Bezalel" und alle übrigen Einrichtungen besteuert werden, dann habe ich die Garantie, daß die Bank nicht mehr besteuert wird, als notwendig ist. Ich bin also der Ansicht, daß die Organisation dazu wird übergehen müssen, von den Sammlungen für die Institutionen, die sie geschaffen hat und für die sie die Arbeitskräfte zur Verfügung stellt, einen Prozentsatz für sich zu nehmen. Wenn sie sich dazu nicht entschließen können, dann verweise ich Sie auf die Gefahren, die sich ergeben werden. Vergessen Sie nicht, daß die Ausgaben von Jahr zu Jahr steigen und steigen müssen, wenn wir steigen sollen. Es werden wieder allerlei Vorschläge gemacht und Projekte unterbreitet werden. Das hat alles nur wenig Wert. Die Institutionen wollen Sie nicht besteuern. Die nötigen Gelder können Sie auf eine andere Weise nicht schaffen. Was ist also zu tun? (Kessler: „Zentralfonds". Dr. Bodenheimer: „Jahresbeiträge".) Die Erfahrungen, die wir gemacht haben, sprechen doch dagegen. Ich bedaure aufrichtig, daß ich seinerzeit die Leitung mit Schulden übernommen habe. Eine neue Leitung wird diesen Fehler vermeiden müssen. Sie müssen sich aber auch darüber klar sein, daß Sie keine neue Leitung einsetzen können, bevor Sie die Finanzfrage erledigt haben. Ich persönlich bin davon überzeugt, daß das Bureau nach Berlin kommt. Ich will aber für einen Moment davon absehen, und nehme an, es kommt nach Paris. Ich möchte also Herrn Dr. Marmorek fragen: wenn wie eine Leitung zusammensetzen würden, in welcher Herr Dr. Marrnorek sitzt, ob er die Leitung mit Schulden übernehmen wird? (Dr. Marmorek : „Nein!") Herr Dr. Marmorek sagt „Nein" und dasselbe „Nein" hat man mir aus Berlin und London zugerufen. Wohin soll das führen? Wir sprechen fortwährend von großen Unternehmungen und haben nicht die Mittel, unsere laufenden Ausgaben zu bestreiten. Wir bewilligen anderswo Millionen für Projekte und sind als Organisation Bettler. Ich habe die Gewißheit, daß wir, wenn die Mehrheit des A. C. hier für die Besteuerung eintritt, die Finanzen auf den Kongreß werden ordnen können. Der Vorteil für uns wäre, daß wir dann sofort die Mittel, die wir brauchen, zur Verfügung haben. Aber ich habe es leider erlebt, daß die meisten von Ihnen auf dem Kongreß nicht dafür eingetreten sind. Und wenn wir jetzt zum neuen Kongreß mit der Sache kommen, und Sie sich hier nicht verpflichten, dafür einzutreten, so wird die Besteuerung mit Hurrah abgelehnt. Ich frage Sie nun, was soll aus der Organisation werden? Sind Sie in der Lage, so schaffen Sie andere Mittel, aber nicht mit solchen Plänen, wie sie hier vorliegen. Schaffen Sie andere Pläne, die besser sind. Nicht aber so, wie Sie es in Berlin gemacht haben, daß Sie eine Kommission einsetzen. Denn Sie haben ja eben gesehen, daß der Aufsichtsrat der Bank sämtliche Pläne der Kommission abgelehnt hat. Können Sie sich dazu entschließen, eine Resolution zu fassen, und dem Kongreß vorzuschlagen, sämtliche Institutionen zu besteuern, so ist die Sicherheit vorhanden, daß wir unsere Finanzen ordnen werden. Das ist alles, was ich Ihnen über die Finanzlage zu sagen habe. Es wird ein Schreiben des Lord-Mayor Moser-Bradford verlesen, in welchem Herr Moser unter genau formulierten Bedingungen einen Beitrag von Mk. 10 000.— für die Organisation in Aussicht stellt. Jean Fischer: Ich bin heute, wie auch schon früher, gegen jede Besteuerung der Institutionen. Wenn wir unsere Finanzinstitute besteuern, so würde das nur als ein Zeichen aufgefaßt werden, daß wir keine Lebenskraft besitzen, unsere Organisation weiter zu erhalten. Ich frage, weshalb kommt in einem kongreßlosen Jahre nur ein Drittel des Schekels ein, der im Kongreßjahre eingehoben wird? Wir in Belgien führen den Schekel voll und ganz ab, wir haben keine Spesen, und wir bringen für alle Institutionen Geld auf. Es gibt keine Sammlung, bei der wir zurückbleiben. Wenn das alle andern tun und so arbeiten wie wir, anstatt kleinliche Politik zu machen, so bringen wir zehnmal so viel Geld auf. Unsere Lage hat ihren Grund in den Fehlern, die die Leitung begeht. Ein Ratschlag, der nicht aus Rußland kommt, wird nicht gehört. Wenn nicht eine große Zahl von Schekelzahlern hinter einem Antrag steht, so fällt er unter den Tisch. Es kann auch einmal ein guter Rat vom Norden kommen. Ich habe Ihnen oft gesagt, das Defizit ist nur aus der Welt zu schaffen, wenn Sie Jahresbeiträge einführen. Mit welchem Recht wollen sie Geld nehmen, das andern gehört? Mit welchem Recht nehmen Sie Dividenden der Bank oder Geld des N. F.? Trotzdem die bisherige Sammlung für den Organisations-Fonds durch die Veröffentlichung verdorben wurde, rate ich Ihnen nochmals, energisch zu versuchen, die Sache durchzuführen. Ich bin fest davon überzeugt, wenn Sie von hier mit dem Entschluß fortgehen, das nötige Geld aufzubringen, werden Sie es auch aufbringen. Genau so, wie ich überzeugt bin, daß meine Nachfahren einmal in späterer Zeit in Palästina leben werden. Aber wenn Sie nichts tun wollen, dann wird auch kein Geld eingehen. Mit der Veröffentlichung hat man der Sache sehr geschadet. Ich habe meinen seinerzeitigen Antrag dahin aufgefaßt, daß die Beiträge nicht als einmalige Spenden, sondern als Jahresbeiträge gelten sollen. Ich bin der Ansicht, daß wir auch heute hier einen dahingehenden Beschluß fassen sollen. Einen andern Weg zur Regelung der Finanzen gibt es nicht. Boris Goldberg: Die Verhältnisse in einem kleinen Lande wie Belgien können keinen Maßstab für den Zustand unserer ganzen Organisation abgeben. Sie dürfen nicht vergessen, daß, wenn Rußland versagt, die ganze Sache nicht weitergeht. So weit ich die Verhältnisse in Rußland überblicke, wird sicherlich auch etwas in der Richtung, wie sie Herr Fischer angedeutet hat, geschehen, aber das wird nicht ausreichend sein zur Regelung der Finanzen, und deswegen schlage ich nochmals vor, sämtliche Institutionen mit 10% zu besteuern. Rosen bäum: Ich glaube, daß die Erfahrungen, die man beim Parteifonds gemacht hat, uns belehren sollen. Deshalb kann der neue Antrag auf Einführung von Jahresbeiträgen die Lage der Leitung nicht sichern. Deswegen möchte ich den Herren, die sich so viel Mühe geben, eine neue Leitung zu schaffen, die Frage vorlegen: Was wird im nächsten Jahre werden, wenn die Leitung sagen wird, wir haben kein Geld und wir können nicht arbeiten? Ich glaube nicht, daß eine Leitung unter den gegebenen Verhältnissen zustande kommt. Dr. Marmorek: Die Frage ist genügend erörtert. Stimmen wir doch ab. Wir können hier beschließen, daß jede Landsmannschaft pro rata ihre Delegierten so und so viel Geld bezahlen müsse, sonst sind ihre Mitglieder nicht Mitglieder des Kongresses. Dr. Levin: Wir können Körperschaften nicht haftbar machen, sondern nur Einzelpersonen! Dr. Bodenheimer: Ich meine, daß gerade die Rede des Herrn Rosenbaurn gegen die Besteuerung der Institutionen spricht. Bedenken Sie doch, daß man für den Parteifonds, für den doch fast ausschließlich nur im Westen gesammelt wurde, in zwei Jahren 90 000 Mk. aufgebracht hat. Ich finde, daß das neben dem Schekel eine sehr bedeutende Summe ist. Ein Fehler war es vielleicht, daß man dies einen Parteifonds genannt hat. Hätte die Parteileitung die Parole ausgegeben, einfach Jahresbeiträge zu sammeln, so wäre nicht weniger für den Fonds eingegangen. Ich möchte beantragen, daß man hier beschließt, jeder wohlhabende Zionist habe einen großem Jahresbeitrag zu entrichten. Ich glaube, daß wir jetzt damit einen noch bessern Erfolg als beim Parteifonds erzielen werden; denn die Zwistigkeiten in der Organisation haben aufgehört, es kommt eine neue Organisation und Leitung, und für die wird man die Mittel aufbringen. Die neue Leitung wird auch schon dafür sorgen, wie sie weiter bestehen soll. Sehen Sie nur auf Österreich. Es gibt in Galizien mindestens 30 000 nationaljüdische Wähler, und wir haben nur 3000 Schekelzahler in Galizien. Woher kommt es? Weil unsere Organisation nicht richtig ist. In jedem Lande kann man arbeiten. Ich beantrage also, daß zur Deckung der Auslagen jeder Zionist außer dem Schekel einen jährlichen Beitrag an die Gesamtorganisation zu entrichten hat, und daß das A. C.es für eine Pflicht der Landesorganisationen erklärt, die Sammlungen sofort einzuleiten. PräsidentWolffsohn: Ich wäre mit dem AntragBodenheimer einverstanden, wenn folgender Zusatz hinzugefügt würde: Wenn die Jahresbeiträge nicht eingehen, so wird das A. C. zur Besteuerung der Institutionen schreiten. (Widerspruch.) Ich bringe also den Antrag des Herrn Dr. Bodenheimer zur Abstimmung. Der Antrag wird angenommen. Über die Lage in Rußland erstatteten nunmehr die russischen Mitglieder des A. C. Bericht. Bezüglich des nächsten Punktes der Tagesordnung Palästina schlägt Herr Wolffsohn vor, den Bericht des Herrn Dr. Ruppin den anwesenden Mitgliedern des A. C. schriftlich zu unterbreiten und das Referat über Palästinasammlungen mit Rücksicht darauf, daß Herr Prof. War bürg verhindert ist, an der Sitzung teilzunehmen, von der Tagesordnung abzusetzen. Das A. C. erklärt sich mit diesen Vorschlägen einverstanden. Herr Wolffsohn: Wir kommen zum nächsten Punkt, X. Kongreß Das E. A. C. macht Ihnen folgende Vorschläge bezüglich der Tagesordnung des Kongresses: 1. Die ersten beiden Tage, Mittwoch und Donnerstag, sollen den gewöhnlichen Agenden unserer Kongresse gewidmet sein, und m t