Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 18 (5.5.1911)
- Date
- 1911-05-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 18 - — DIE3 Schekelzahler iher Vereine den Beweis erbracht haben, daß sie als ein Bedürfnis für die zionistische Bewegung zu betrachten sind. Sodann ist von Herrn Keßler mitgeteilt worden, daß die südafrikanische Föderation den Wunsch ausgedrückt hat, wegen der großen Entfernung vom Zentrum davon dispensiert zu werden, die Zustimmung des Präsidiums für die Vornahme der Wahlen zum Kongreß in Anspruch zu nehmen. Wir waren der Ansicht, daß diese Änderung des Statuts nicht nötig ist, da die Föderation in der Lage ist, sich rechtzeitig mit dem Präsidium in Verbindung zu setzen. Ferner ist beantragt worden, daß die Proteste gegen eine vollzogene Wahl von mindestens 25 Mitgliedern unterschrieben sein müssen. Wir haben die Sache reiflich erwogen und beschlossen, eine Beschränkung nach dieser Richtung hin nicht zu befürworten. Es können wohl Mißbräuche mit den Protesten vorkommen. Doch ist der Legitimationsausschuß jederzeit in der Lage, solche Proteste unberücksichtigt zu lassen. Es kann aber auch vorkommen, daß ein Protest Berücksichtigung verdient, der nur von wenigen Personen unterzeichnet ist, weil infolge besonderer Umstände die Erlangung weiterer Unterschriften unmöglich war. Es ist ferner von Herrn Goldberg beantragt worden, festzusetzen, daß das A. C. periodisch tagen soll. So wünschenswert dies ist, haben wir Bedenken, dies im Organisationsstatut festzulegen. Denn es kann sich die Notwendigkeit herausstellen, von einer bestimmten Tagung Abstand zu nehmen. Nach der ganzen Anordnung ist das neue A. C. als kleine Körperschaft gedacht, die so zusammengesetzt sein soll, daß die Mitglieder nahe beieinander wohnen und leicht zu einer Beschlußfassung zusammenberufen werden können. Es soll eben ein wirkliches Actions-Comite sein, das in der Lage ist, zu arbeiten. Der engere Ausschuß soll in der Tat nur die Exekutive dieser Körperschaft sein. Nun noch ein Wort über den Aufbau des Organisationsstatuts. Ich habe schon gesagt, daß als Fundament die Landesorganisation gedacht ist. Aus den Landesorganisationen soll der Zentralausschuß aufgebaut werden. Er soll das jetzige große A. C. ersetzen. Auf den Zentralausschuß baut sich das A. C. auf. Dessen Mitglieder sollen nicht mehr mit Rücksicht auf die Landsmannschaften gewählt werden, sondern es sollen nur solche Personen sein, die in der Lage sind, regelmäßig mitzuarbeiten und an den Sitzungen teilzunehmen. In bezug auf die Frage des Präsidiums war die Kommission einhellig der Ansicht, wie sie im Motivenbericht zum Organisationsstatut ausgedrückt ist, bis auf Herrn Dr. Marguli es. Ich glaube jedoch, daß das- A. C. auch heute nicht in der Lage ist, diese Bestimmung irgendwie zu revidieren, und daß man über die Leitung erst dann Bestimmungen wird treffen können, wenn man über die Personenfrage Klarheit geschaffen hat. Ich möchte Sie aber bitten, Ihre Meinung darüber zu äußern, ob Sie es für notwendig halten, daß außer den vom Kongreß gewählten Mitgliedern noch ein besonderer Vorsitzender des A. C. Sitz und Stimme im Präsidium haben soll und ebenso der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Bank. Wir waren der Ansicht, daß es vollkommen genügt, wenn 5 bis 7 Mitglieder vom Kongreß gewählt werden, und wenn außerdem Vertreter der großen Finanzinstitute mit beratender Stimme zu den Verhandlungen des Präsidiums zugezogen werden. Sie haben gewiß den Eindruck erlangt, daß die Beratungen der Organisationskommission außerordentlich gründlich und umsichtig erfolgt sind. Ich bin wohl nicht unbescheiden, wenn ich sage, daß noch niemals die Frage der Organisation mit solcher Vorsicht und Sachlichkeit behandelt worden ist. Es v/äre eine angemessene Erledigung dieser Frage, wenn Sie sich auf Bemerkungen prinzipieller Art hierzu beschränken würden. Wenn Sie wider Erwarten nicht zu einer En-bloc-Annahme des Statuts mit Ausnahme der Leitungsfrage gelangen sollten, so wäre meiner Ansicht nach der einzige Modus der Erledigung der, daß Sie Ihre Bedenken und Anregungen zu Protokoll geben und daß die Organisationskommission, die ja als autoritative Kommission dem Kongreß zu berichten hat, diese Beschwerden nochmals berät und eventuell die betreffenden Bestimmungen in dem Entwurf revidiert. Ich will noch erwähnen, daß ich eigentlich über die Angelegenheit nicht referieren sollte. Als Referent war Herr Dr. M u n k bestellt worden, der leider krank in Genua darniederliegt. Auch sein Stellvertreter, Herr Dr. Margulies, ist am Erscheinen verhindert." Sodann wird ein Schreiben der Föderation Misrachi verlesen, in dem diese erklärt, daß sie den Neuentwurf ablehnt, da das Verhältnis der Sonderverbände zu den Landesorganisationen in ihm nicht befriedigend geregelt sei. Der Antrag Gronemann, in eine Generaldebatte einzutreten, wird abgelehnt. Daher wird sofort mit der Beratung der einzelnen Paragraphen begonnen. Die meisten Paragraphen werden in der Fassung der Kommission angenommen. Die Bemerkungen der A. C. Mitglieder zu anderen wurden der Kommission als Anregung gELT — 401 überwiesen; eine Reihe von Abänderungen empfahl das A. C. der Kommission durch besonderen Beschluß. Auf Antrag Dr. Bodenheimer beschloß das A. C.: Alle Mitglieder des A. C. sollen aufgefordert werden, weitere Anregungen zum Entwurf des Statuts der Kommission in den nächsten Wochen schriftlich zu unterbreiten; die Kommission wird nach Beratung aller vom A. C. gemachten Anregungen den Neuentwurf des Statuts dem Kongreß unterbreiten. (Schluß der Vormittagssitzung 2ik Uhr.) Nachmittagssitzung Um 4 Uhr fand die Sitzung des Aufsichtsrates des Jewish Colonial Trust statt. Danach eröffnet Herr Wolffsohn die Sitzung des Actions- Coniites und ergreift das Wort zum Punkte Finanzlage: ♦ „Meine Herren, Sie wissen, daß wir der Bank eine große Summe schuldig sind. Ich habe nun versucht von privater Seite Mittel zu erhalten, und es kamen insgesamt caMk. 25000 ein, wovon Mk. 12 000 eingezahlt sind. Herr Rosoff war derjenige, von dem eigentlich diese tdee ausgegangen ist, in anderer Form zwar und mit dem Nachteil, daß auf solche Weise für sofort kein Geld zu erlangen war. Wir brauchen aber das Geld sofort, und nicht erst in spätem Zeiten. Alle diese teils gezahlten Beiträge, teils zugesagten Unterstützungen reichen nicht hin, um die Schuld zu bezahlen, geschweige denn die Lage der neuen Leitung zu erleichtern. Vergegenwärtigen Sie sich noch einmal die Situation. Wir haben eine beträchtliche Schuld an den J. C. T., wir müssen noch bis zum Kongreß leben, wir müssen den Kongreß veranstalten und wir können nicht nach dem Kongreß mit leeren Händen beginnen. Da wir ein Kongreßjahr haben, rechne ich, daß wir mindestens Mk. 100000 für Schekel einnehmen werden. Der vorjährige Schekel betrug ca Mk. 90 000. Wir hatten gehofft, daß wir in diesem Jahre mehr Einnahmen haben wrerden, weil ja nach dem Beschluß der Jahreskonferenz der Schekel unverkürzt abgeliefert werden soll. Es machen sich aber schon gegenteilige Tendenzen bemerkbar. Wie sollen wir aber eine neue Leitung einsetzen, wenn wir unsere Schulden " nicht getilgt haben und ihr nicht die Mittel, die sie sofort nötig hat, zur Verfügung stellen können; denn der Schekel für das nächste Jahr geht erst im Sommer 1912 ein. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Sie müssen berücksichtigen, daß die neue Leitung nicht billig wird arbeiten können. Nun sagt man uns, wir sollen mehr sparen; aber sehen Sie sich doch die Ausgaben an. Ich bin der Ansicht, daß nach all dem, was Sie hier an Wünschen vorgebracht haben, wir noch mehr Ausgaben machen werden. Wir sollen die Presse ausbauen, und Sie wollen eine Leitung zusammensetzen, die doch sicher mehr kosten wird, als die jetzige. Soviel ich gehört habe, stehen mehrere Herren auf dem Standpunkte, daß auch unsere ersten Beamten, d. h. die Mitglieder der Leitung, besoldet werden sollen, um sich vollständig mit all ihren Kräften der Bewegung widmen zu können. Wenn wir nun besolden sollen, so müssen wir dafür die nötigen Mittel haben. Sie werden auch auf dem Kongreß nichts erreichen können, wenn Sie sich nicht heute über die Beschaffung der Mittel klar werden. Die Beschlüsse, die Sie bisher in bezug auf die Finanzfrage gefaßt haben, sind eben nur Beschlüsse, die auf dem Papier bleiben. Ich kann Ihnen das aus Erfahrung sagen. Denn keiner dieser Beschlüsse hat uns bisher das nötige Geld gebracht. Ich wiederhole daher nur, was ich bereits früher gesagt habe, daß wir nur dann zu einer gesunderen Regelung der Finanzen^kommen werden, wenn wir unsere sämtlichen Institutionen besteuern. Wenn z. B. der „Bezalel" — wie ich schon früher einmal dargelegt habe —■ seine Agitatoren nach Südafrika geschickt und dabei ein so günstiges Resultat erzielt hat, so war dies nur deshalb der Fall, weil unsere dortige Föderation ihre ganzen Kräfte in den Dienst des „Bezalel" gestellt hat. Der „Bezalel" hat einen großen Erfolg davon gehabt, und die einzigen, die dabei leer ausgingen, waren wir, die Organisation. Warum soll also der „Bezalel" für die große Arbeit, die wir für ihn leisten, uns nicht entschädigen? Genau so |'| ist es auch mit der Siedlungsgenossenschaft. Herr Dr. Oppenheimer hat sich angestrengt und sehr viel für die Genossenschaft gearbeitet. Schließlich hat aber die Organisation doch das meiste an dem /: Zusammenkommen der Gelder für die Genossenschaft beigetragen. Und wieder genau so verhält es sich mit dem Nationalfonds. (Dr. Bodenheimer: „Nein!") Der Nationalfonds hat seine Sammelstellen, deren Arbeit von Zionisten geleistet wird. Wenn es nun die zionistische Organisation ist, die den Nationalfonds geschaffen hat und für ihn arbeitet, denn auch Herr Dr. Bodenheimer ist ja nur als Mitglied des A. C. der Leiter des Nationalfonds, so sehe ich nicht ein, warum wir betteln müssen, wenn die andern in Geld und Luxus schwimmen. (Heiterkeit.) Genau so verhält es sich mit unsern