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Die Welt · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 17 DIE^ELT 389 Eine Spende von 5500 Rubel für das Hebräische Gymnasium in Jaffa Der vor kurzem verstorbene Militärarzt Dr. Sachs in Kaluga hat dem Odessaer Komitee der Chowewe-Zion testamentarisch den Betrag von 5500 Rubel hinterlassen mit der Bestimmung, daß diese Summe für das Hebräische Gymnasium in Jaffa verwendet werden soll. Rußland Das Jubiläum Dr. Harkavys Am 30. März d. J. veranstaltete die Petersburger jüdische Gemeinde aus Anlaß des 50jährigen Schriftstellerjubiläums des ausgezeichneten jüdischen Gelehrten Dr. A. Harkavy eine großangelegte Jubiläumsfeier. Die Feier fand im großen Sitzungssaale der jüdischen ^Gemeinde statt und nahm einen überaus erhebenden Verlauf. Über 300 Personen aus den vornehmsten Kreisen der Petersburger jüdischen Gesellschaft hatten sich eingefunden. Außerdem waren zahlreiche Vertreter auswärtiger jüdischer Gemeinden und Organisationen erschienen. Im Namen der Petersburger Gemeinde begrüßten die Vorsteher M. A. Warschawsky und Advokat B. Sliosberg den Jubilar. Dr. J. L. ICatzenelson verlas im Namen der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden" eine Glückwunschadresse in hebräischer Sprache. Auch der Verein „Chowewe Sephath Eber" ließ dem Jubilar eine hebräische Adresse überreichen, die von Herrn Marko 11 verlesen wurde. Ferner gelangten u. a. folgende Glückwunschadressen zur Verlesung: von der Redaktion der russisch-jüdischen Enzyklopädie (Herr M. J. Scheftel), von der Petersburger jüdischen Akademie (hebräisch — Herr Efron), von den jüdischen Studenten der Petersburger Universität (hebräisch). Im Namen der jüdischen Gemeinde Moskau sprach Advokat W. A. Harkavy, im Namen der jüdischen Gemeinde Wiina Herr Schiskin, im Namen der jüdischen Gemeinde Kowno Herr Bramson, im Namen der jüdischen Gemeinde Taganrog Herr M. B. Idelson, im Namen der jüdischen Gemeinde Lida Rabbiner Reines jr. — Fernerwaren u. a. Begrüßungsschreiben eingetroffen von den jüdischen Gemeinden in Warschau, Bialystok, Kiew, Kischinew, Lodz, Minsk, Jekaterin oslaw, Mohilew, Helsingfors usw. Auch sämtliche jüdischen Zeitungen und Verlagsgesellschaften Rußlands, zahlreiche Jeschiwoth und Rabbiner, sowie die jüdische Gemeinde in Jaffa, das Lehrerseminar des Hilfsvereins in Jerusalem und eine Gruppe von 200 Rabbinern aus Jerusalem hatten Glückwunschtelegramme eingesandt. Begrüßungsansprachen hielten ferner der Petersburger Kronrabbiner Dr. M. A. Eisenstadt, Dr. Rappaport aus Lemberg und Nahum Sokolow (hebräisch), Tiefgerührt dankte Dr. Harkavy schließlich für die überwältigende Kundgebung der Verehrung und Liebe, die ihm seitens der hervorragendsten Vertreter der russischen Judenhteit bereitet worden war. Neue Judenausweisungen in Kiew Die Kiewer Polizeibehörde fährt fort, das Wohnrecht der hier lebenden Juden zu „revidieren". Sie hat gegen 200 jüdische Familien einen Prozeß anhängig gemacht, weil diese angeblich nicht ihr Handwerk üben, auf Grund dessen sie hier das Wohnrecht genießen, sondern sich mit Handel beschäftigen. Es steht leider zu befürchten, das der weitaus größte Teil dieser 200 Familien nach dem Ansledlungsrayon abgeschoben und ihr Vermögen konfisziert werden wird. Hiezu meldet unser Petersburger Berichterstatter noch folgende Einzelheiten; WennderFrühlinginsLandkommt,dann pflegen die antisemitischen Maßnahmenbesondersüberhandzu nehmen. Momentanist es wiederum die auf diesem Gebiet erprobte südrussische Stadt Kiew, in der Tausenden von Juden eine schwere Katastrophe droht. Denn infolge neuer lokaler Verfügungen verfallen dort zum 28. April fünfzehnhundert jüdischeFamilien der Ausweisung. In erster Reihe befinden sich unter diesen Opfern etwa dreihundert Pharmazeuten, die laut Informationen der Polizei angeblich ihren Fachbeschäftigungen nicht nachgehen. Damit hat es folgende Bewandtnis: Juden, die nach langen Kämpfen durch alle Prozentnormen hindurch den Grad eines Pharmazeuten erworben haben, verfügen über das allgemeine Wohnrecht im ganzen Reich. Seit einiger Zeit will indes die Verwaltung ihnen dieses Recht nur dann zugestanden wissen, wenn sie entweder Apotheken besitzen oder verwalten bzw. in solchen angestellt sind. Diese Forderung bedeutet aber in den allermeisten Fällen eine p otenzierte Grausamkeit. Der diplomierte jüdische Pharmazeut, der infolge des gesellschaftlichen Judenhasses aus seiner direkten Fachbetätigung auf Seitenwege, wie z. B. auf Gründungen von Drogerien, gedrängt wird, ist schon durch die Wirtschaftsverhältnisse genügend gestraft. Wenn sich dazu noch die Ausweisung gesellt, so tritt für die Betroffenen der Ruin ein. In Kiew geraten so Hundertedieser Pharmazeuten ins größte Unglück, und etwa 70 Drogerien, an denen die meisten dieser Ausgewiesenen beschäftigt sind, werden geschlossen. Neben den Ausweisunsgsukasen zeichnet sich gegenwärtig die Kiewer Obrigkeit durch zahllose Schikanierungen von Juden aus. Das Institut der sogenannten Oblawa, einer „echtrussischen" Art von Menschenjagden, ist besonders emporgeblüht. Es vergeht in den letzten Monaten kein Tag, an dem die Polizei die Juden unbehelligt ließe. Mitten in der Nacht überrumpelt sie zahlreiche jüdische Familien, scheucht sie aus ihren Betten auf und prüft ihr Wohnrecht, und wer nicht an Ort und Stelle sein Privileg dokumentarisch nachzuweisen vermag, der wandert ins Revier, um mit Verbrechern eingesperrt und per Schub befördert oder andern Widerwärtigkeiten ausgesetzt zu werden. Neuerdings veranstaltet die Kiewer Polizei sowohl am Tage als in der Nacht in den dichtbevölkerten armen jüdischen Stadtvierteln ebenso wie in den belebten Straßen, ja in den eleganten Läden des Stadtzentrums, ihre „Oblawas", und vielfach wird überhaupt keine Scheidung mehr vorgenommen, sondern von dem Überfallenen Orte muß jeder Jude, ob privilegiert oder nicht, unter verstärkter Eskorte ins Revier wandern, wo erst die richtige Untersuchung stattfindet. Diese Zustände haben unter den Kiewer Juden eine Panikstimmung hervorgerufen. Geradezu ein mittelalterliches Bild ist jedesmal das Erscheinen eines von einem starken Polizeikordon umringten Trupps abgefaßter Juden, ein Bild, das die niedern Elemente zu Pogromen förmlich reizL Von der Petersburger jüdischen Akademie. Der Fortbestand der von dem verstorbenen Baron David Günzburg ins Leben gerufenen Akademie für die Wissenschaft des Juden tu ms scheint nunmehr gesichert zu sein. Die Regierung hat die Ernennung des Herrn Dr. J. L. Katzenelsohn zum Leiter der Akademie genehmigt. Die Anstalt hat neuerdings unter den wohlhabenden Juden der russischen Residenz zahlreiche Förderer gefunden, und es steht zu erwarten, daß sie von nun an auf sicherer materieller Grundlage ruhen wird. Auch die Frage des Aufenthaltsrechts der Dozenten und Hörer dürfte in befriedigender Weise geregelt werden. Polizeiliche Hausdurchsuchungen in der Synagoge. In Witebsk drang am 22. April eine Abteilung Polizeigendarmen in den Hof der Synagoge ein. Während der Andacht wurden plötzlich sämtliche Eingänge zur Synagoge geschlossen und die dem Gottesdienst beiwohnenden Personen untersucht. Von 300 Anwesenden wurden 40 verhaftet, die sich nicht über ihrePerson ausweisen konnten. Wie verlautet, soll die Polizei geglaubt haben, daß in der Synagoge verbotene Versammlungen stattfanden. fl^ NACHRICHTEN ^T] Zur Brandkatastrophe in NevvYork. Das ungeheure Unglück auf dem Washingtonplatz in New York, wo bei dem Brande einer Blusenfabrik durch die sträfliche Nachlässigkeit der Fabrikinhaber und der Baubehörde 150 meist dem jüdischen Ghetto angehörige Mädchen ums Leben gekommen sind, hat die gesamte Presse aller Länder beschäftigt. An der Beerdigungsfeier der Opfer des Unglücks nahm die gesamte jüdische Einwohnerschaft New Yorks teil. Die New Yorker Blätter heben in den Berichten über das Leichenbegängnis hervor, daß dieses Zeichen wehmütiger Teilnahme mit den Hinterbliebenen der Verunglückten um so bemerkenswerter sei, als sich die italienische Bevölkerung, die gleichfalls einige Opfer bei dieser Katastrophe zu beklagen hatte, um die Beisetzungsfeier derselben nicht weiter kümmerte. Prof. Daniel Chwolson gestorben In Petersburg ist der bekannte Orientalist und Professor der semitischen Philologie an der PetersburgerUni versität Daniel C h w o l s on im Alter von 91 Jahren gestorben. Der Verstorbene, der jüdischer Abkunft war, hat sich wohl in seiner Jugend taufen lassen, im Gegensatz zu andern Renegaten trater jedoch bei verschiedenen Gelegenheiten mit großer Entschiedenheit für seine bedrückten Stammesgenossen ein. insbesondere wandte er sich in zahlreichen Schriften gegen die wahnwitzige Beschuldigung des Ritualmords, die die russischen Antisemiten aus Deutschland zu importieren suchten. Seinen Veröffentlichungen in dieser Angelegenheit sowie seiner persönlichen Intervention ist es zu verdanken, daß eine Reihe von Ritualmordprozessen in den 1850er und 1870er Jahren mit der Freisprechung

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