Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316478--54494-3348309
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

388 DIE 3|gELT Nö. 17 Die Genossenschaft, die auf der andern Seite des Jordans, in Umdjuni arbeitet, wird im nächsten Jahre sich vergrößern und die gesamte Fläche von über 300 ha bearbeiten. Medschdel Die Arbeit ist hier im vollen Gange; auf dem Felde und bei den Gebäuden arbeiten ca. 70 Arbeiter ständig. Der sehr fruchtbare, aber durch schlechte Bewirtschaftung vieler Jahre außerordentlich vernachlässigte, mit Unkraut überwucherte und mit Steinen bedeckte Boden wird noch viele Arbeit beanspruchen, um in kulturfähigen Zustand gebracht zu werden. Ein großer Teil des Landes läßt sich von der Mudauweraquelle bewässern und eignet sich vorzüglich zu intensivem Gemüsebau und zu vielen subtropischen Kulturen. Rosch-Pinah Das letzte Jahr war ein ungünstiges, die Ernte im allgemeinen schlecht. Großen Schaden haben die letzten Winterstürme verursacht. Eine große Plage war die Phylloxera, durch welche die gesamten, ehemals blühenden Rebenpflanzungen vernichtet wurden. So steht auch der Weinkeller, der in frühern Jahren 500 — 600 Hektoliter Wein auszuarbeiten pflegte, jetzt leer, ebenso wie die große Seidenfabrik und eine Mühle. Im allgemeinen herrscht eine viel zu gedrückte Stimmung unter den Rosch-Pinaher Kolonisten. Im Gegensatz zu dieser Stimmung wirkt erhebend die wunderschöne Lage der Kolonie und die heitere klare Luft. Die gute Luft und das schmackhafte, aus drei Quellen im Gebirge stammende Wasser bedingen e;nen erfreulich befriedigenden. Gesundheitszustand der Kolonie. Leider wird nicht in genügendem Maße gearbeitet, jeder Kolonist bedient sich vielmehr einer oder zweier ständiger arabischer Arbeiter aus dem Dorfe Dschauny, selbst nur in beschränktem Maße mitarbeitend. Dieses Dorf liegt in der Nähe der Kolonie und ist geradezu eine Fortsetzung derselben. Die Bewohner des Dorfes waren ursprünglich sehr arm. Nachdem sie aber zwei Drittel ihres Landes an die Kolonie verkauft haben, haben sie, dank den Erwerbsquellen, die Rosch-Pinah den Fellachen erschlossen hat, sich zu einem Wohlstaude emporgehoben, an den sie früher überhaupt nicht denken konnten. Das Erfreulichste in Rosch-Pinah ist eine von einem der besten Pädagogen in Palästina, Herrn Wiikomitz, vorzüglich geleitete Schule. Sie zählt zusammen mit dem Kindergarten ca. 200 Kinder und sechs Lehrer. Imponierend wirkt besonders der von den Kindern selbst angelegte und gepflegte Gemüsegarten. Es ist eine große Kulturarbeit, die die kleinen Gärtner hier durch Wegschaffen der Steine, Düngen und Urbarmachung des Bodens geleistet haben. Die Kinder bearbeiten ihre Gemüsegärten gruppenweise, und ihr Interesse an der Arbeit wird dadurch noch gesteigert, daß sie selbst ihre eignen Erzeugnisse auch auf den Markt bringen und verkaufen. Einen der lebhaftest besprochenen und stets wiederholten Wünsche der palästinensischen Jugenderziehung sieht man hier in schöner Weise verwirklicht. Mehr als viele Artikel und Versammlungen kann dieses lebende Beispiel auf die palästinensischen Schulleiter und Lehrer wirken, wenn sie den Gemüsegarten besuchen und ihn nachahmen wollten. Durch den Dschebel Kenan ist Rosch-Pinah mit Saffed vereinigt. Eine Aufforstung dieses etwa 2000 ha umfassenden Berges würde gewiß zur Stärkung und Hebung von Rosch-Pinah und Saffed beitragen. Die Saffeder stellen, wie echte Gebirgsbewohner, trotz des unsäglichen Schmutzes und der Armut, in der die Bevölkerung lebt, einen gesunden und schönen Menschenschlag dar. Man findet selten unter den Zöglingen der Jeschiwoth so viele stämmige und kräftige Jünglinge wie in Saffed. Leider aber vermindert sich ihre Zahl in rasch fortschreitendem Maße. Aus Mangel an Erwerbsquellen wandern Dutzende und Hunderte von diesen jungen Leute alljährlich aus. Und es ist schade, denn die Saffeder zeichnen sich durch Fleiß aus. Als die Seidenfabrik in Rosch-Pinah arbeitete, hat sie ständig einige Hundert Saffeder beschäftigt. Ebenso gehen sie gerne nach den Kolonien, wo sie ständige Arbeit finden. So findet man in dem neugegründeten Medschdel eine große Anzahl von Arbeitern aus Saffed, zumeist Familienväter, die des Verdienstes halber sich ständig in Medschdel aufhalten und nur auf die Feiertage zu ihren Angehörigen nach Saffed zurückkehren. Neben einigen gewerblichen Unternehmungen ist für Saffed eine gute Elementarschule eine Notwendigkeit. Über die Schule der Alliance wird im allgemeinen geklagt, daß sie zu wenig Kenntnisse und eine zu schlechte Erziehung ihren Zöglingen vermittelt. Man sucht sie nur auf der kleinen Unterstützungen wegen, die die Kinder hier an Kleidung und Nahrung erhalten. Man verläßt sie, sobald man auf diese Unterstützungen verzichten kann. Noch weit schlimmer und schädlicher ist die andere Schule, die dann unsern Kindern offensteht, nämlich die Schule der Mission. Was die Kinder in erster Reihe hier lernen, sind die christlichen Gebete und die christlichen Gebräuche. Die Resultate einer solchen Erziehung kann man sich leicht vergegenwärtigen. Seit einigen: Jahren steht die Saffeder Gemeinde mit dem Hilfsverein der deutschen Juden in Verbindung, der die Eröffnung einer Schule bereits in Aussicht gestellt hat. Es wäre sehr zu bedauern, wenn diese Schule noch lange auf sich warten ließe. In wenigen Plätzen Palästinas wird der Hilfsverein ein so gutes und vollständig noch brachliegendes Arbeitsfeld haben wie hier, und wenn irgendwo in Palästina, dann ist hier der Unterricht der deutschen Sprache am Platze, da die jüdische Bevölkerung meistenteils aus Österreich stammt und mit deutschsprachigen Ländern in Verb'ndung steht. Die arabische Sprache in den galiläischen Schulen Es ist bemerkenswert, daß selbst die kleinsten galiläischen Kolonien für einen guten arabischen Unterricht in ihren Schulen sorgen. Selbst eine so kleine Kolonie wie Milhamie hat ihre arabischen Lehrer und auch die entlegenen Kolonien Mischmar Hajarden und Jessod-Hamaala haben, da sich jede eine Kolonie einen arabischen Lehrer nicht leisten kann und die bei.Jen Kolonien ungefähr eine Stunde voneinander entfernt sind, in ihren Schulen einen gemeinschaftlichen Lehrer für die arabische Sprache. Zur Arbeiterfrage in Palästina Der zionistische Verein „Kadimah" in Warschau hat sich an zahlreiche gesinnungsgenössische Vereine mit einem Rundschreiben gewandt, worin er diese auffordeet, der jüdischen Arbeiterfrage in Palästina erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. In dem Rundschreiben wird die Lage der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter in Palästina als sehr unbefriedigend geschildert. Wenn die jüdischen Arbeiter den Konkurrenzkampf gegen die Araber siegreich bestehen sollen, dann muß zunächst für Arbeiter Wohnungen und eine gemeinsame Küche Sorge getragen werden. Zu diesem Zwecke ist es erforderlich, einen Arbeiterfonds ins Leben zu rufen, aus dessen Mitteln die nötigeu Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen werden sollen. Der Verein „Kadimah" regt an, diese Frage auf die Tagesordnung des Zehnten Zionistenkongresses zu stellen. Ausstellung palästinensischer Spitzen in Berlin Montag den 27. März wurde in Berlin auf Veranlassung des Deutschen Lyceumklubs in der Volkskunstabteilung bei A. Wert he im eine Ausstellung palästinensischer Spitzenarbeiten und Arbeiten des Bezalel eröffnet. Der Lyeeumklub war hauptsächlich bestrebt, in dieser Ausstellung neben andern Handarbeiten aus Palästina diejenigen Spit/en zu zeigen, die in den Ateliers des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina hergestellt werden, um das Publikum auf die Tätigkeit des Verbandes aufmerksam zu machen. Die Spitzen fanden sehr viel Beifall; es wurde vielfach von Sachverständigen die Feinheit der Technik bemerkt, die derjenigen der Araberinnen gleichkommt und sogar manchmal übertrifft, trotzdem in den Ateliers des Verbandes erst seit zwei Jahren, in Tiberias gar erst seit vier Monaten gearbeit.t wird. Der Verband beschäftigt in seinen Ateliers in Jaffa, Jerusalem und Tiberias über 100 Mädchen, außerdem arbeiten jetzt schon einige Kolonistinneti bei Jaffa diese Spitzen. Im Namen des Lyceumklubs eröffnete Fräulein Marelie die Ausstellung. Herr Professor Warbtirg wies sodann in einer Ansprache auf die Momente hin, die zur Gründung des Bezalel und des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina führten. Ein Gedenkbuch für die getöteten jüdischen Wächter in Palästina Bekanntlich hat die jüdische Kolonisation Palästinas während ihres nunmehr 30jährigen Bestehens zahlreiche Opfer an Menschenleben gefordert. Die Kolonisten hatten mit der wilden und gewalttätigen arabischen Landbevölkerung manchen blutigen Kampf auszufechten, wobei viele wackere jüdische Pioniere ihr Leben einbüßten. Insbesondere die jüdischen Wächter der Kolonien sind vielfach den Nachstellungen des arabischen Raubgesindels ausgesetzt, und viele von ihnen sind im Laufe der Jahre ihrem Berufe zum Opfer gefallen. Zur Erinnerung an diese Märtyrer des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina bereitet nun eine Gruppe hebräischer Schriftsteller in Jaffa die Herausgabe eines Gedenkbuches mit dem Namen „Jiskor" vor. Das Gedenkbuch wird voraussichtlich Ende Juni d. J. erscheinen und wird eine kurze Lebensgeschichte der getöteten Wächter sowie Erinnerungen an die Gründungsgeschichte der einzelnen jüdischen Kolonien enthalt'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.