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Die Welt · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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390 No. 17 der angeklagten Juden endeten. Die Hauptschrift Chwolsons gegen das Ritualmordmärchen „Die Blutanklage und sonstige mittelalterlichen Beschuldigungen der Juden" ist auch in deutscher Übersetzung erschienen (Frankfurt a. M., 1901). Auch sonst verteidigte Chwolson die Juden gegen die von antisemitischer Seite erhobenen Beschuldigungen, so z. B. in seinen russischen Schriften „Die angebliche Separation der Judenu (1880), „Der Charakter der semitischen Völker" (1872) usw. Selbsthilfe in Galizien Am 5. April hat in Wien eine Konferenz der provisorischen galizischen Landeskommission stattgefunden, welche auf Initiative der J. C. A. zur Verbesserung der kulturellen und materiellen Lage der galizischen Juden gebildet wurde. Der Konferenz lag ein Projekt vor, wonach in Galizien ein Verein mit dem Namen „Selbsthilfe", Landesverband für die kulturelle und wirtschaftliche Hebung der jüdischen Bevölkerung in Galizien, gegründet werden soll. Der Verein soll die Hausindustrie fördern, Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaften für Handwerker und Krämer gründen. Ebenso sollen Handwerker¬ und Kaufmannsgenossenschaften geschaffen, sowie Vorschußkassen für Kleinhändler gegründet oder, wenn sie schon bestehen, unterstützt werden. Auch die Jugenderziehung soll durch Schaffung von Kindergärten undFröbelinstituten gefördert werden. Für die allgemeine Volksbildung sollen Lesehallen und Bibliotheken errichtet werden. Es steht zu erwarten, daß auch die Vertreter anderer jüdischer Körperschaften sich dieser großzügigen Aktion anschließen werden. Von zionistischer Seite beteiligten sich an der Konferenz die Herren Adolf Stand, Direktor Eislter, Dr. Thon und Dr. Balaban. Qalizische Toynbeehalle Am 4. April d. J. fand die Schlußsitzung des Ausschusses dieser Institution statt. Dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß diesem Verbände 14 Städte in Galizien angehören. Rechenschaftsberichte liegen vorläufig nur aus Brödy, Stryj, Stanislau und Zloczow vor. In diesen Städten wurden während des Winters insgesamt 60 Vorträge abgehalten. Die Zahl der Zuhörer belief sich auf 7690, davon •53,6°/o Männer und 46,4 ° o Frauen. 35 " o der Referate gehören dem Gebiete der jüdischen und hebräischen Literatur, von den übrigen Vorträgen waren die meisten volkswirtschaftlichen Fragen gewidmet. Was die Vortragssprache betrifft, so sind 26 Referate in jüdischer, 22 in deutscher und 11 in polnischer Sprache gehalten worden. Bedenkt man, auf welch niedrigem Niveau die kleinen galizischen Städte in kultureller Beziehung stehen, so kann man erst recht die Bedeutung dieser so wichtigen Institution, die das Zustandekommen dieser populären Vorträge ermöglicht, einschätzen. Aiisiedlung von Juden in Japan Wie die Zeitung „Rjetsch" berichtet, hat die japanische Regierung kürzlich den Wunsch geäußert, die Juden möchten sich in größere; Anzahl im Inselreiche niederlassen. Die überaus günstigen Erfahrungen, die die Regierung mit denjenigen Juden gemacht hat, die nach dem russisch-japanischen Kriege in Japan zurückgeblieben waren und die sich als ein kulturell und wirtschaftlich wertvolles Bevölkerungselement erwiesen haben, hat die Regierung bewogen, der Ansiediung von Juden ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden. Die Juden auf dem internationalen Rassenkongreß Aus London wird uns gemeldet: Chief Rabbi Dr. Adler ist zum Vizepräsidenten des ersten universellen Rassenkongresses, der hier vom 26. bis zum 29. Juli tagen wird, gewählt worden.: Er hat die Wahl angenommen. Es werden folgende jüdische Gelehrte referieren: Dr. L. Zamenhof (Warschau), der Begründer des Esperanto, über „Internationale Sprache"; Dr. S. Margoliouth (Oxford), über ,.Einfluß der Sprache auf die Bildung von Rassen"; Dr. Felix Adler (Columbia), über „Das Grundprinzip der allgemeinen Rassenmoralu und Alfred H. Fried (Wien), über „Presse". Auf Veranlassung des zionistischen Aktionskomitees werden die Herren Dr. M. Gaster, Sir Francis Montefiore und Dr. Ignaz Zollschan, der bekannte Wiener Forscher an den Verhandlungen des Kongresses teilnehmen. Aus Budapest wird uns berichtet: Wie in jedem Lande, das sich an dem im Laufe des Sommers in London stattfindenden Rassenkongreß beteiligt, sind auch in Ungarn die Vorbereitungen für die Entsendung von Delegierten in vollem Zuge. Unier den letzten! befinden sich auch zwei getaufte Juden, und zwar der Titular-Realschuldirektor Franz Keminy, der seine Zugehörigkeit zur arischen Rasse am besten zu dokumentieren sucht, daß er in einem von ihm herausgegebenen Lesebuche die Tapferkeit als christliche Tugend preißt, —ferner Dr. Felix Sornlö, Professor an der Universität zu Klausenburg. Dr. Somlö ließ sich taufen, um eine Professur an einer ungarischen Rechtsakademie zu erlangen. Vor einigen Jahren ist er jedoch konfessionslos geworden, um die Tochter des Direktors der jüdischen Lehrerpräparandie, Dr. Bänöczy, heiratenzu können. Diese zwei aus ihrer Rasse „ausgetretenen" Juden werden nunmehr ihre neue Rasse vertreten. Das Plagiat Cuzas Der rumänische Antisemitenfü'hrer Cuza hatte vor einiger Zeit ein ethnographisches Buch geschrieben. Hierfür war er zum Universitätsprofessor ernannt worden und die Akademie der Wissenschaften hatte ihm ein Ehrenhonorar von 10 000 Lei bewilligt. Nun ist vor einem Monat ein Werk eines jungen Juristen erschienen, das den Titel trägt: „Das Plagiat des Herrn Cuza." Cuza hat nämlich ein ganzes Buch aus den Arbeiten deutscher und französischer Gelehrter abgeschrieben. Trotz der Sensation, die diese Enthüllung hervorrief, ist er weiter Professor, denn er ist der Führer der antisemitischen Hochschuljugend. Orthodoxe Rabbinerkonferenzen Nach dem Beispiele der orthodoxen Rabbiner Englands wollen sich nunmehr auch die gesetzestreuen Rabbiner der nordamerikanischen Union organisieren. Anfang Juli d. J. werden sich zahlreiche Rabbiner der traditionellen Richtung in St. Paul (Alinn.) versammeln, um über aktuelle Fragen des religiösen Lebens in Amerika zu verhandeln und eine Rabbinerorganisation ins Leben zu rufen. Die organisatorischen Bemühungen und 'Erfolge der gesetzestreuen Judenheit in Westeuropa haben auch die Führer der galizischen Orthodoxen bewogen, dem Niedergang des religiösen Lebens, der sich auch in Galizien von Tag zu Tag immer mehr bemerkbar macht, durch den Zusammenschluß und die gemeinsame Arbeit der traditionell gesinnten Kreise entgegenzuwirken. Der bekannte Chassidimrabbi von Czortköw, R. Israel Friedmann, hat dieser Tage einen Aufruf an sämtliche galizischen Rabbiner erlassen, in dem er sie auffordert eine allgemeine Rabbinerversammlung einzuberufen, um Mittel und Wege zur Hebung des religiösen Sinnes der Volksmassen und zur Förderung des Thorastudiums ausfindig zu machen. Rabbi Friedmann sieht in der ungünstigen wirtschaftlichen Lage der breiten Volks - massen den Hauptgrund für den Verfall der althergebrachten Religiosität und richtet an seine Rabbinerkollegen den Appel, dem Volke in seinem harten Daseinskampfe zur Seite zu stehen und au die Stärkung seiner wirtschaftlichen Position bedacht zu sein. Die Zurücksetzung der Juden in der deutschen Armee Die in der zweiten Lesung des Militäretats im Reichstage von allen Parteien eingehend erörterte Frage der Zurücksetzung der Juden in der Armee wird den Gegenstand einer Versammlung bilden, die der Verband der Deutschen Juden und der Zentral verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen Ende April in Frankfurt a. M. veranstalten. Dr. Faitlovitch in Amerika Mitie April trat in Newyork der bekannte Abessinien-Reisende Dr. J. F a i 11 o v i t c h ein, der im Auftrage des italienischen Pro-Falascha-Komitees die Vereinigten Staaten bereisen soll, um im Kreise der dortigen Juden für die Rettungsaktion zugunsten der Falaschas Propaganda zu machen und Spenden sowie Jahresbeiträge für die Schule in Ervthräa zu gewinnen, die das genannte Komitee zur religiösen Belehrung und kulturellen Hebung der Falaschas ins Leben gerufen hat. Ein jüdischer Studentenverband in der Schweiz In Bern hat jüngst eine Konferenz jüdischer Studentenvereine stattgefunden, an der die Vereine „Israel" (Lausanne), „Cheruth" (Genf), „Akademischer Studentenverein" (Bern), „Jüdischer Studentenklub" und „Makkabäa" (Zürich) vertreten waren. Es wurde beschlossen, im Interesse des Rechtsschutzes, der kulturellen Hebung und der wirtschaftlichen Förderung der jüdischen Studentenschaft an den schweizerischen Hochschulen einen Verband mit einem Zentralbureau ins Leben zu rufen. In das Zentralbureau wurden gewählt die Herren cand. med. J. Schwarz (Vorsitzender), cand. jur. J. Kaplan und cand. med. M. Chidekel (Kassierer). Die neue Organisation wird in politischer Hinsicht ganz neutral sein. Schluß des redaktionellen Teiles

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