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Die Welt · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 17 DiE^ELT 387 Der „Taswir=i=Efkiar" aufgehoben Die erste Antisemitenzeitung deT Tiirkei, zugleich das Blatt der Zionistenfresserei, existiert nicht mehr. Infolge eines heftigen Artikels, der die auswärtigen Beziehungen der Türkei schädigen konnte, hat das Kriegsgericht das Blatt eingestellt. Wie wir erfahren, hat jedoch Ebbusia Tewfik, der bekannte antisemitische Herausgeber, dieses Schicksal mit Absicht herbeigeführt, da er materiell gezwungen war, sein Unternehmen zu schließen, und ihm daran lag, dies unter quasi ehrenvoller Maske zu erreichen. Nun, wir haben gewiß nichts dagegen, wenn alle antisemitischen Unternehmungen, sagen wir, durch — Selbstmord endigen. Enthüllungen Während in der großen Politik des Landes sich schwere Dinge vorbereiten, sorgten die kleinen Intriganten der Kehiliah dafür, daß das komische Element nicht verschwinde. So ist es höchst ergötzlich, zu sehen, welch possierliche Sprünge der „Tiempo" jetzt aufführt, um in der so gänzlich veränderten Lage in der Gemeinde neue Position zu. nehmen. Er hat schließlich einen furchtbaren Saltomortale exekutiert und sich gegen den Chachambaschi gewendet. Gegen denselben von ihm fußfällig angebeteten Chachambaschi, gegen „das hohe geistliche Oberhaupt", die „Zentralautorität des Judentums", seinen Freund, Schützling und Beschützer zugleich, Haim Nahum Effendi. Wer früher diesen Namen antastete, war Anarchist; jetzt plötzlich ist alles erlaubt und Bürgerpflicht. Was seinen Zorn erweckte, ist die Tatsache, daß Rabbi Nahum schließlich doch nicht gegen den Zionismus protestiert hat, wie Smyrna und wie Saloniki. Er kann es ihm nicht verzeihen; er beschuldigt ihn dafür eines Verbrechens gegen das ottomanische Judentum, macht ihn dafür verantwortlich vor dem Forum der jüdischen Geschichte. Pikant aber sind die historischen Enthüllungen, die Fresco in seiner Rachsucht vom Stapel läßt. „Der Großrabbiner Nahum aber protestierte nicht, und seine Haltung bleibt ein befremdendes Rätsel. Wir wissen, daß der verflossene Medschliß dschismani in einer seiner letzten Sitzungen beschlossen hatte, der Großrabbiner solle einen Pastoralbrief gegen den Zionismus veröffentlichen, und daß der damals anwesende Großrabbiner den Auftrag erhalten hatte, dieses Manifest zu redigieren, das der nächsten Sitzung vorgelegt werden sollte. Allein in der folgenden Sitzung entschuldigte sich Rabbi Nahum, er habe nicht die Zeit zu jener Arbeit gehabt, auch ziehe er vor, die Bildung des neuen Medschliß dschismani abzuwarten. Das Konsistorium ging darüber hinweg, da es auf dem Punkte stand, sich zurückzuziehen, fügte aber hinzu, daß es den Standpunkt Rabbi Nahums nicht teilen könne. . . Sehr interessant! Und nun ist keiner der alten Herren wiedergewählt! Und der Pastoralbrief und der große Protest des Medschliß Umumi ins Wasser gefallen! Wie ärgerlich! Palästina Eine der besten Kolonien unter den von der Ica in dem letzten Jahrzehnt in Untergaliläa begründeten jüdischen Ansiedlungen ist die Kolonie | MiShamie Während in andern Kolonien viele Kolonisten die Kolonie nach kurzer Zeit verlassen haben und ausgewandert sind, hat die Kolonie Milhamie im Laufe der acht Jahre ihres Bestehens nur ein einziger Kolonist unter den 20 Familien, die sie bewohnen, verlassen. Die Kolonie zeichnet sich durch ihren fruchtbaren Boden, durch ihre günstige Lage in der Nähe des Jordanflusses und in der Nähe der Hedschasbahn aus. Sie ist etwa eine Stunde von der Bahnstalion Dschiser-Madscha (Brücke der vereinigten Wässer, weil hier der Jordan mit dem Jarmuk sich vereinigt) entfernt und ungefähr ebensoweit von den Kolonien Jemrna und Kinereth. Seit einigen Jahren besteht hier ein blühender Konsumverein, der zum Muster für andere Kolonien geworden ist. Er zählt 21 Mitglieder mit Anteilen von je 20Frs. und hat in seinen Statuten die Bestimmung, die Dividenden der ersten Jahre bis zur Ansammlung eines Reservefonds von 8000 Frs. nicht zu verteilen. So ist der Reservefonds im Laufe der ersten vier Jahre auf 4000 Frs. angewachen. Das gesamte Betriebskapital des Konsumvereins beträgt 8000 Frs. Trotz der nicht ganz geringen Spesen (der Geschäftsführer allein bezieht ein monatliches Gehalt von 100 Frs.) erzielt der Verein doch einen ganz ansehnlichen Gewinn und bedient seine Mitglieder in bester Weise. Den Hauptprofit hat der Verein allerdings durch Verkäufe an Nichtmitglieder, hauptsächlich Fellachen, aus den benachbarten Dörfern. fc . Ein von den Kolonie vor zwei Jahren unternommener Versuch mit der Anpflanzung von Baum wolle wird trotz der verhältnismäßig günstigen Resultate der ersten Ernte nunmehr nicht fortgesetzt. Die Kolonie hatte nämlich mit dem Landwirten Apfelbaum aus Petach Tikwah ein Abkommen getroffen, wonach die Kolonie einige hundert Dunam ihres vom Wadi Fedschas bewässerten Landes hergab und sich außerdem verpflichtete, die von den Kolonisten auszuführenden Arbeiten, insbesondere Gespannarbeiten, zur Hälfte des üblichen Marktpreises zu berechnen, wohingegen Herr Apfelbaum die Barauslagen vorzustrecken hatte. Nach Deckung der gesamten Ausgaben von 32 000 Frs. hat sich im ersten Jahre nach der Ernte ein Reingewinn von 12 000 Frs. ergeben, so daß der Gewinnanteil der Kolonie 6000 Frs. betrug. Dennoch war dieses Resultat für die Kolonie nicht besonders günstig, da, wie^Jbei Baumwollpflanzungen überhaupt, der Boden im ersten Jahre außerordentlich ausgebeutet und geschwächt wurde. Außerdem haben sich Unzuträglichkeiten daraus ergeben, daß der eigentliche Leiter des Unternehmens, Herr Apfelbaum, zu weit von Melhamie seinen Wohnsitz hatte, und so wurde nach einem zweiten, nicht besonders geglückten Versuche die Anpflanzung aufgegeben. Jemma Diese größte Kolonie Untergaliläas wurde in dem letzten Jahr durch Zubau von ca. 20 Häusern wesentlich vergrößert. Leider besitzt die Kolonie noch bis jetzt kein stabiles Kolonistenelement. Ziemlich viele Pächter und alte Kolonisten haben sie in den letzten Jahren verlassen, und einige stehen auch jetzt noch zurAuswanderung bereit. Insbesondere wird dies von einigen bulgarischen Familien behauptet, welche von dem Besitze des Barons Rothschild in dem Hauran nach Jemma versetzt wurden. In den letzten Jahren sind einige junge Leute von der Ica hier angesiedelt worden, die als tüchtige Arbeiter bekannt waren und die auch Kapital besitzen, um etwaige kritische Zeiten zu überstehen. Auch in der Verwaltung derKolonie wurde diesen jungen Kräften ein großer Einfluß eingeräumt. Vor einigen Tagen hat sich hier wieder ein Unglücksfall ereignet. Ein Kolonist, namens Meisel, weidete frühmorgens seine Ochsen in der Nähe der Kolonie und wurde von einigen vorüberziehenden Arabern, die ihm die Ochsen entführen wollten, überfallen und durch einen Pistolenschuß zur Erde gestreckt. Es eilte bald Hilfe herbei. Die Mörder, die sich verfolgt fühlten, verzichteten auf ihre Beute, sie selbst aber entkamen und sind bis heute noch nicht erwischt worden. Zum Glück weilte gerade in Jemma ein vorbeireisender Arzt, Herr Dr. Blöde aus Deutschland, dem allein der Kolonist Meisel seine Lebensrettung zu verdanken hat. Man vermutet, daß die Mörder nicht aus der Nachbarschaft, sondern aus der weiten Ferne stammen. Es ist allerdings erforderlich, daß die Kolonie ganz energische Vorstellungen bei der Lokalregierung erhebt, damit endlich diese Oberfälle ein Ende nehmen. Wenige Tage später gab es eine ähnliche, wenn auch noch unaufgeklärte Angelegenheit. Die Arbeiter Nissanow und Nathan aus dem drei Stunden entfernten Phule waren eines Tages mit einem Wagen in Jemma, um hier einiges zu besorgen. Am späten Abend fuhren sie nach Phule zurück. Dicht hinter Jemma trafen sie auf der Straße zwei Araber, und es scheint, —ganz genau aufgeklärt ist die Sache noch nicht, — daß die beiden Arbeiter annahmen, daß die Araber ihnen die Pferde stehlen wollten. Es kam in der Finsternis zu einem Kugelwechsel, bei dem ein Araber verwundet und der Arbeiter Nissanow getötet wurde. Kinereth Dieser vor drei Jahren noch vollständig wüste Platz bildet sich allmählich zu einer blühenden Ansiedlung aus. In den letzten Jahren haben sich in dieser Kolonie einige tüchtige Kolonisten niedergelassen, die gewiß zum Aufschwung der Kolonie viel beitragen werden. Die Farm der Palestine Land Development Company hat eine große Bewässerungsanlage errichtet, mittels der mit Wasser aus dem Jordan über 30 ha bewässert werden können. Ein Teil dieser Fläche ist vier frühern Arbeitern verpachtet worden in der Weise, daß von der Farm die Gespannarbeit und von den Pächtern die Handarbeit geleistet wird. Wegen der exzeptionell günstigen Lage (in der Nähe des Tiberiassees und der Eisenbahnstation Samach) ist hier ein besonders günstiger Platz für Gemüsebau und andere bewässerte Kulturen gegeben, welche eine große Anzahl von Pächtern und Arbeitern ernähren und der P. L. D. C. beträchtliche Einnahmen bringen könnten. Die jetzigen Pächter wohnen in dem jüngst fertiggestellten Hause, in welchem der Motor untergebracht ist. Der neue Leiter der Farm in Kinereth, Herr Agronom Golde, hat vor kurzem seine Arbeit aufgenommen. Er hat seine Studien an der landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin und im Institut für koloniale Landwirtschaft in Paris absolviert und im Auslande einige große Betriebe geleitet.

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