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Die Welt · 1911-05-26 · 21 (26.5.1911) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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mag oder auch Verlegenheit; das Lachen des „verrückten Batten''*J in all seiner ernsthaften Art und mit jenem unsichern Klang hallt ähnlich. Es ist die Unsicherheit des Suchenden, die darin tönt. Das ist Perez' Aufklärung, Aufklärung vom Dichter geadelt durch die Erhebung über Räume und Zeiten. In Perez' Schaffen aber werden die Formen seines Volkes, seine äußern Schichtungen weiter. Er sucht, und da werden ihm die Geheimnisse ihrer Seele offenbar. Er löst sie von ihren Körpern^ den vergänglichen Hüllen, und sie wachsen enger ins Reich der Unendlichkeit. Perez erzählt vom „Purimspieler" und vom jungen Pärchen in der „Kellerstube" und vom Melamed und seinem Schüler. Sie alle leben auf Erden. Doch ihre Seele hat der Dichter von der Erde genommen. Sie schwebt in der Höhe, unvergänglich. Und nur von dieser Seele erzählt er und ihrem Weben, nicht von den durch sie beseelten Wesen und ihrem Wandel. Ihre Schwingungen bei den Ereignissen des Tages klingen in Perez' Erzählungen nach, nicht die Ereignisse selbst. Diese Schwingungen bilden die wunderschöne Harmonie seiner vielen Erzählungen von der jüdischen Frau, oder von dem kranken Knaben. Perez lauscht, wie £ie Seele klingt in Allen und bei Allem. Und da erlauscht er ihren Widerklang des Wortes „Gott", den Widerklang der jüdischen Seele in Gottes Wort, im Tun in Gott, im Sang zu Gott. Ihn läßt er widertönen in den stammelnden Sterbensworten des Kabbelaschülers, im Sterbensschrei des von Räubern Überfallenen Greises, dessen Blut seine Erez-Israelerde rötet. Und immer machtvoller tönt das reine Seelenlied im Dichter, alle Zeiten durchtönend und bleibend sich wandelnd, jene Melodie, deren Seelenwanderung Perez uns erzählt. Und in seinem Werden gewinnt der Dichter „alle Macht, zu rühren an Gottes äußersten und letzten Kreis, und aus des Weltalls breitem Bnusen leis ein Lied zu lösen und es hinzuführen durch klarste Stille". Perez, der Dichter, will die Vollendung des Geistes in der Dauer, — und sowie er die Seele der Juden erkannt, sucht er rastlos in ihr, sucht ihre geheimsten Töne zu erhorchen, um sie in ganzem, vollem Erfasser schaffend zu erringen. Denn ihm ist, als müßte das Geheimnis der Vollendung in der Seele sein, die frei ist von Räumen und Zeiten. Ist es da Wunder, daß Perez' Schaffen Mythos und Mystik des Judentums in seine Herrschaft zwang? Mythos ist die zeitlose Vollendung der Allseele. Mystik, jüdische Mystik ist der raumbefreite Wille der Vollendung der Einzelseele in der Harmonie des Alls. Und beider Nachklänge in der Seele der jüdischen Welt sind die Idee des Chassidismus, seine Seele. *) Skizze von Perez. Dem Dichter Perez offenbarte sich die Seele des Chassidismus. Er hört die Urmusik der chassidischen Sphären, denn er ist in der einen Zeit, im reinen Raum, — und sein „Baßgeiger14 singt sie. Er will den Urwillen der Einung des Alls, der Weltenlösung in Gott, in der Liebe. Sein „Rabbi Salomo", sein „Sindiger", sein „Badchen" vollendet des Willens Gebot vor uns, frei von der Erdenzeit. Doch wenn die Erdenzeit, der erdenraurnbegrenzte, kleine Menschenwille an sie tritt, fallen sie über ihrem Werk und zerschellen, — die Tragödie des Chassidismus, Perez' eigene Dichtertragik. Perez ist der Dichter des Chassidimus, des reinen, werdenden Geistes im Judentum, nicht des Seins . . . Galuth eines Dichters .... Und so wird Perez als Schaffender seit fünfunddreißig Jahren, und sechzig Jahre vollenden sich in seinem Leben und er wird unaufhörlich. In zwei Sprachen schafft Perez, in beiden meisterhaft. Sprache ist Form, Form ist Raum. Doch der Geist enträumlicht auch die Form. Perez' Sprache ist herrlich, tönt oft die größten und kleinsten Klänge der Musik, — und sie ist nie bestimmend, fast könnte man sagen, nicht notwendig für sein Werk. Hat er hunderterlei Geister in sein Werk gebannt, so war es ihm auch vergönnt, den Geist seines Werkes in hunderterlei Art sprechen zu lassen. Der Werdende konnte nie rasten zum großen Werk, das in seine Größe doch dem Raum und der Zeit Untertan ist. Perez schuf keinen Roman, kein Epos. Denn der Geist dauert unendlich, aber sein Walten ist das Werden im Augenblick. Skizze heißt der Augenblick des Schaffens. Die Skizze hat Perez hundertfältig durch den Geist seines Schaffens geformt und hat sie zum Währenden geschaffen. Das Währende der Dichtung aber ist das Drama. Perez' Dramen leben im Allwerden und das Menschensein ist ihnen etwas Zufälliges, Form. Der Dichter, der die Tragödie des Chassidismus gestaltend schuf, hat das Mächtigste in dein Reiche des Judengeistes gebaut, doch es sprTngte die Form, und sie zerbröckelte, zerfloß n das unendlich-unbewegte des Dauernden. Perez ist sechzig Jahre alt und ihn bannt keitie meßbare Zeit im Schaffen. Seines Schaffens Geist ist außer ihr und die Form muß dem Geiste gehorchen. Vor unsern Augen wird er wechselnd und doch während, gestaltend und doch beständig im suchenden Wollen der Vollendung des Alls. Eine lebendige Kraft währenden Werdens. Laotse spricht: „Die lebende Kraft des Werdens ist unvergänglich, sie ist die unfaßbare Mutter. Die unfaßbare Mutter ist Wurzel des All, stetig webend bedarf sie nicht des Antriebs." Perez, den Dichter, treibt sie stetig vorwärts, empor aus Zeiten und Räumen. Wird sie ihm den Himmel eröffnen? Er hat die Erde nicht . . . Wir haben sie nicht . . . Galuth der Schechinah . . . ooooooop Co o o o o o o J AUS DER BEWEGUNG Zum X. Kongreß Gemäß Beschluß des IX. Kongresses veröffentlichen wir nachstehend die Namen der Gesinnungsgenossen, welche sich zur Übernahme eines Delegiertenmandates für den X. Kongreß bereit erklärt haben, in der Reihenfolge des Einganges ihrer Meldungen. Wir verweisen bei dieser Gelegenheit auf den § 13 des Organisationsstatuts, der besagt: „Jeder Schekelzahler hat das aktive Wahlrecht zum Kongresse bei erreichtem 18. und das passive Wahlrecht bei erreichtem .24. Lebensjahr." Zionistisches Zentralbureau. Heinrich Lederer, Wien. — Rechtsanwalt Dr. B. Tannenwald, Hamburg. — Frau Lina Wagner-Tauber, Berlin. — Frau Rechts* anwalt Lachmann, Königshütte. — Rechtsanwalt Dr. H. Epstein, l o o o o o o o X o o o c o o o Duisburg. — Frau Dr. Epstein, Duisburg. — Referendar Erich Cohn Berlin. — Referendar Felix Rosenblüth (V. J. St. Makkabaea), Berlin. — Referendar Isid. Eisberg V. J. St. Berlin), Köln. — M. Gorsky, Nürnberg. —cand. med. Hugo Eben,Wien (Verein „Theodor Herzl"). — Ed. Pool, Hengeloo (0) Holland. — Frl. Fanny Hildesheimer, Berlin. — Dr. Ed. Leszynsky, Berlin. — Frau Betty Leszynsky, Berlin — Max Schatz, Bonn. — D. L. Wolffsohn, Mernel.— Isaac Boschwitz, Berlin. — Dr. jur. M. de Jonge,Köln. — Oskar Fischer, Antwerpen. — Frau Salomö Fischer, Antwerpen.—Willy Nothmarin, Gr. Strehlitz.—Dr. med.EmilSimonson,Westend-Charlottenburg. — Georgriepner, Berlin. — Dr. Julius Löwenheim, Berlin. — D. Hamburger, Frankfurt a.M. — Dr. phil. Raphael Straus (V. J. St. Makkabaea), Berlin. — Bertram Stern, Wiesbaden. — Kurt Nawratzki, Straßburg i. El?. — J. Schnelling, Köln. — B. Sanson, Rotterdam. — Dr. S. Schwarzschild, Frankfurt a. Main. — Dr. W. Münk, Berlin. — Dr. S. Hildesheimer, Berlin. — Dr. A. Hildesheimer (V. J. St. Makkabaea), Hamburg. — Abr. Reinhardt, Köln. — Frl. Paula Loeb, Köln. — Karl H. Baer, Köln. —Julius Kaufmann, Eschweiler. — Laszlo Fürst, Berlin. — Erna Fürst, Berlin. — Simon Bader, Dukla. — Dir. M. Levy, Köln. — A. Hofmann, Köln. — Gaston Brunschwig, Basel.

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