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Die Welt · 1911-04-12 · 15-16 (12.4.1911) · page 20

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
15-16 (12.4.1911)
Date
1911-04-12
Page
– (sequence 20)
Language
German
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TO? J^^^^^^^P^^^^^^^^^^^^^g^a^^^^^^^ 352 DIE^ELT No. 15 Bus dem Hohen hiede. Kehr um, kehr um, o Sulcimit, noch einmal lafj dich Gehauen! 6s Mi wie Tanz dein holder Schritt, Wie Canz auf Hirnmeisauen- Zum blauen Himmel wird mein Herz, Sieht's deiner Holzen Iienden Grhab'ne Wölbung, wie aus Erz Geformt von Künftlerhänden. Du goldner Krug voll füijeni Wein, 0, neig' didi meinem munde, Dafj alle Sterne feiig lein Huf meinem Seelengrunde l £s gleicht dein Ixeib im holden Ccinz Der goldnen Weizengarbe, Umrankt von Rofenblütenkranz Hn feltner Sonnenfarbe. Die Brüftlein wie zwei Rehlein lind, Die lieh im Klee uerltecken — 3ch will fie aus dem Schlafe lind mit meinen Händen wecken. Dein Hals: ein Curm ron Elfenbein, Die flugen: Hesbons Ceiche — man blickt hinein und wähnt zu fein 3m klarften Himmelsreiche. Dein Baupt ilt wie der Karmelhain Um Purpurfdiwarz der hocken: 3n foldiem Hetz gefangen fein 3ft feiiges Frohlocken. Es gleicht dein Wuchs dem Palmenfchaff, Die flippen reifen Crauben. Den Baum erklimme meine Kraft, Die füfje Frucht zu rauben l Und trink* ich deines Odems Wein, Wie Duft von Hpfelblüfe, Dann ftrömt mir fanft ins Herz herein Ein Illeer von 6nadengüte... m. Scheriag. Moderne deutsche Dichtungen altjüdischer Stoffe (Nach dem 10. Erscheinungsjahr von Börries Freiherrn v. Münchhausens „Juda") Von Dr. Oskar F ran kl, Prag Beim Semestersteigen in der Festkneipe, welche die Prager Verbindungen „Barissia" und „Jordania" jüngst zu Ehren ihresGastes, des Freiherrn v. Münchhausen, veranstalteten, erhob sich als „29. Semester" der Dichter. Man kann sich darnach leicht ausrechnen, wie alt dieser ist, auch wenn es nicht heute schon alle Literaturgeschichten kündeten. Börries ist jung, beim ersten Anblick scheint er noch jünger als seine Balladen mit ihrer Kraft, ihrem sittlichen Ernst und ihrer Eigenart glauben lassen. Er ist jung berühmt geworden. Es sind gerade 10 Jahre her, als er, wenn ich von den 1896 erschienenen Jugendgedichten absehe, zum erste Male vor eine größere Öffentlichkeit trat: mit „Juda". Als ein fast Fertiger stand er damals vor uns. Was später kam und in seinen schönen „Balladen und ritterlichen Liedern" gesammelt erscheint, ist im Ideenumfang reicher, im Stoffgebiet weiter, in den „Liedern" subjektiv-lyrischer und mitunter von humoristischem Anschlag, mystisch vollkommener, besonders im „Todspieler", aber niemals von bedeutenderem Stoffe, einer volleren, herrlicheren Sprache als das Buch „Juda". Wenn er in seinen neuen Balladen das Stoffgebiet Dahns mit Fontanes gewaltiger Kraft der Darstellung und dem schmetternden Ton der Liliencron'schen Bailadensprache vereinigt, so bereicherte er in „Juda" die deutsche Ballade mit einem neuen Inhalt, mit Stoffen aus der jüdischen Heldengeschichte, der Bibel. Er mußte diesen Weg dichterischer Entwicklung durch die Bibel gehen wie viele deutsche Dichter vor ihm, ihr hohes Pathos lag auch ihm schon in seiner Qymnasiastenzeit, wie er selbst in einem angeregten Gespräch bekannte; es war aber auch gut für ihn, daß er diesen Weg ging. Er wird sich vielleicht gegen diese Annahme wehren, es ist aber so: Wenn heute der Name Börries v. Münchhausen geläufiger ist als sonst der Name eines Balladendichters, der ja schon zu einem literarisch vorgebildeten und deshalb auserleseneren Publikum spricht als ein Dramatiker oder gar ein moderner Romanschriftsteller, so ist er es vor allem als Dichter des „Juda". Und auf dem Wege über dieses Werk kommt man erst zum richtigen Verständnis seiner anderen Lieder. „Juda" ist seine eigenste Note. Natürlich ist er nicht der erste gewesen, dem die Bibel schöne Anregungen gegeben hat. Aber wie unser Dichter die biblischen Motive modern gestaltet hat und wie er doch an die Tradition solcher Bearbeitungen anknüpft, das zu erkennen, ist ebenso lehrreich für uns wie charakterisch für ihn. Deshalb möchte ich vorerst bei einigen andern biblischen Dichtungen in deutscher Sprache einen Augenblick verweilen. * * * Ich sagte schon: die jüdische Bibel war dem deutschen Dichter immer eine gern benutzte Fundgrube. Qanz besonders aber dem Dramatiker. Sie muß schlecht und recht für die oft fast wörtlichen Übertragungen der seit Hans Sachs beliebten, auch lateinisch geschriebenen Dramen des 16. Jahrhunderts wie nicht minder für die Stoffe der belehrenden Schuldramen des 17. Jahrhunderts herhalten und die Themen von Saul, David, Abraham, Kain und Josef wiederholen sich dort schon ganz schablonenhaft. Den Klassikern war die Bibel ein Handbuch,, an dem sie ihre Kunst immer wieder belebten und unzählige Wendungen in ihren Gedichten und Dramen künden von der fleißigen Aneignung ganzer Sätze und Gedanken dieses Buches. Auf dem Gebiete des biblischen Dramas zeigte vor allem Klopstock seine gänzliche Abhängigkeit und dramatische Unfähigkeit, während Goethe das Estherspiel im „Jahrmarktsfest zu Plundersweilen" nur dazu dient, literarische Kämpfe seinerzeit satirisch zu behandeln, jm übrigen schließt sich auch seine Estherbearbeitung zu einem Puppenspiel bis auf die Hineinziehung des Kasperle an die Bibel an. Nur an einer Stelle klingen moderne Ansichten an, einer Stelle, die ich als ein Beispiel für die Verquickung von Bibelstoff und Zeitverhältnissen hierher setze. Goethe läßt den König zu Haman, der sich gegen die dem

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