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Die Welt · 1911-04-12 · 15-16 (12.4.1911) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
15-16 (12.4.1911)
Date
1911-04-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Scholle hat das Drängen und Stürmen etwas in den Hintergrund gestellt und eine mehr besorgte Ruhe und Überlegung tritt hervor. Die gedrückte Stimmung unter den Arbeitern die bestand und in geringem Maße noch besteht, ist bedingt durch die lokalen Verhältnisse. HHHHHH <£ t ' ¥\ :^""'| ..; " ■ ■ ■■ ,1 : . . . ■ i /m1^ - - ■ ' ' Y'- ' | ■ 1 ■;. v; ■ / {; ' -r,: . ■ -:- . ' '• ■■'•*. •. "'V iv/; :- : i Bei der Ernte in Gederah Der jüdische aus Europa kommende Arbeiter kann den Konkurrenzkampf mit dem naturwüchsigen, bedürfnislosen Fellachen nur schwer aufnehmen. Es kommt noch hinzu, daß der besitzende Kolonist zu leicht vergißt, wie er selbst einmal gedarbt, bis ihm ein anderer unter die Arme gegriffen hat. Viele Arbeiter mußten ihren Leidensweg zurück nach Europa nehmen. Ein großer Teil derjenigen, die hier geblieben sind, lebt in der Hoffnung auf Verwirklichung der Siedlungsgenossenschaft. Dieser starke und heiße Glaube wird das Wunder schaffen, trotz und zuwider dem Qekreisch der weisen Raben, mögen sie Lobs oder sonst wie heißen. Auch jüdische Arbeiterinnen habe ich angetroffen, fröhlich bei der Arbeit, aber gedrückt in Qernüt und Stimmung. . . Auch für sie wird ein Haus in der Heimat erstehen!" Die Krise der jüdischen Kolonisation in Argentinien*) Von S. Kaplansky-Kaplan, Wien Dieses kleine Buch ist mehr als die Schrift eines offenbar begabten, scharfblickenden und temperamentvollen Publizisten. Es ist ein Werk. Nach zwei Jahrzehnten jüdischer Siedlungsarbeit im fernen Argentinien zum ersten Mal eine zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der Ica-Kolonisation und der Lage der jüdischen Siedlungen in der aufblühenden südamerikanischen Republik. Man fragt sich verwundert, nachdem man das Buch, von der packenden und farbenreichen Schilderung hingerissen, mit herzlicher Teilnahme lesen mußte, wieso es möglich war, daß dieses groß gedachte und großartig angelegte Werk Baron Hirsch's von der jüdischen Öffentlichkeit so wenig beachtet wurde. Diese Teilnahmslosigkeit der jüdischen Publizistik ist umso bemerkenswerter und erstaunlicher, als dort unten jenseits des Äquators sehr triste, ja unmögliche Zustände herrschen. Dies behauptet auf Grund eigener Anschauung und eines mehrmonatlichen Aufenthaltes im Lande der Verfasser der vorliegenden Schrift. Es ist ein Schrei *) Leon Chasanowitsch: Die Krise der jüdischen Kolonisation in Argentinien und der moralische Bankerott der I. C. A.-Administration. der Verzweiflung, der zu uns dringt,, und das Büchlein des Herrn Chasanowitsch ist, wie er es hervorhebt, eine Anklageschrift gegen die Verwaltung der Ica-Administration. Wir müssen sagen, wenn die Administration der reichen Erbin der Schätze, aber nicht der Pläne des Baron Hirsch die wuchtigen Beschuldigungen dieses Werkes nicht zu entkräften vermag, ist das Wort von dem Anklage" akt keine Übertreibung. Herr Chasanowitsch hat ein reiches Tatsachenmaterial gesammelt und es sehr übersichtlich gegliedert. In einem geschichtlichen Rückblick werden uns die Pläne und Absichten .„des edelmutigen Baron Hirsch, der einen großen jüdischen Traum geträumt und um ihn zu verwirklichen, dem Judenvolke ein fürstliches Geschenk hinterlassen hatte," in Erinnerung gerufen. Im Jahre 1891 wurde die Jewish Colonisation Association (Ica) als Vollstreckerin des Willens des großen Philantropen ins Leben gerufen. Was sind die Ergebnisse ihrer nahezu zwanzigjährigen Wirksamkeit, der argentinischen Siedlungsaktion, deren Kosten freilich der jüdischen Öffentlichkeit niemals bekannt gegeben wurden? Die Ica-Kritik ist so alt, wie diese Wohltätigkeitsgesellschaft; der Höhepunkt dieses Sturmlaufs war der Feldzug Israel Zangwills. Doch alle bisherigen Kritiker der „Jüdischen Kolonialgesellschaft" tadelten vor allem ihre ungenügende Tätigkeit. Es mußte der Eindruck hervorgerufen werden, die Arbeit der Ica sei ein Segen, den man allerorts herbeiwünscht. Man grollt, der großen Geldgesellschaft nicht ob ihrer Taten, sondern weil sie sich nicht beeilt, gleich einer wohltätigen Schicksalsgöttin ihren [sprudelnden Kelch über alle Häupter auszuschütten. Chasanowitsch gehört zu diesen Kritikern nicht. Er greift nicht die Untätigkeit, sondern die Wirksamkeit der Ica, richtiger ihrer Administration, ihrer Verwaltungsorgane an. Was diese in Argentinien verschuldet, geleistet und vernachlässigt haben, bezeichnet er als einen moralischen Bankerott. Die Bilanz der zwanzigjährigen Arbeit in Argentinien, die ungeheure Summen verschlungen haben muß, ist trostlos. Im Jahre 1908 zählte man in den sieben jüdischen Kolonien 2875 Familien mit 15 771 Seelen. Davon waren nahezu 4300 Immigranten, d. h. Landarbeiter, Handwerker, Händler, die also keine Ica-Ansiedler sind. Ferner sind von den 2116 Kolonistenfamilien nur 1678 Farnibesitzer, die andern 440 Familien sind die verheirateten ( Söhne oder Schwiegersöhne, die der Ansiedlung durch die Ica harren. Es bleiben somit bloß etwa 9000 Seelen, die von der Ica angesiedelt wurden. Davon sind etwa 2000 Juden aus den südrussischen Kolonien Ältestes Mitglied der Bilu in Katra die geborene Landwirte sind. Es sind also kaum 7000 Juden, die von der Ica, mit ihren Mitteln, direkt dem Ackerbau zugeführt wurden. Bedeutsamer ist es, daß in den Kolonien Verdrossenheit, Hoffnungslosigkeit, Apathie, ja Verzweiflung herrscht Man sieht Not und Ar-

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