Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 15-16 (12.4.1911)
- Date
- 1911-04-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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heit hatte, da ich meist Reben- und Obstkolonien besucht hatte. Aus dem bisher Gesehenen habe ich entnehmen können, daß wir es hier vorläufig mit einer Zwei-> felderwirtschaft zu tun haben, bei der Sommerfrucht mit Winterfrucht alterniert und wobei es sich vorwiegend um Qerste und in geringerm Maße um Hafer und Weizen als Winterfrucht, — Sesam, Durra und Melonen als Sommerfrucht handelt. Der Stand der Saaten wäre als sehr.günstig zu bezeichnen, wenn nicht der regenkarge Winter — bis jetzt sind 40 mm Regen gefallen — Brandstellen und trockene Spitzen gezeitigt hätten. Diejenigen Saaten, die mit Kunstdünger behandelt wurden, sind trotz mangelnder Niederschläge von schöner dunkelgrüner Farbe, und die Bestockung wie auch das Blattvermögen läßt nichts zu wünschen übrig. Als Düngermittel kamen in Betracht: Superphosphat, Chili, Ammoniurnsulphat und Ätzkalk. Die leichten Böden verlangen eben alles, da die Bevölkerung des Landes bis jetzt einen höchst intensiven Raubbau getrieben hatte. Oberhaupt ist die Düngerfrage von eminenter Bedeutung. Der Futterbau ist vorläufig nur ein frommer Wunsch und bis jetzt ist noch nichts geschehen, um diesem Übel abzuhelfen. Hand in Hand damit geht das Ausbleiben einer genügenden Viehhaltung, womit auch der Stalldünger, die belebende Kraft des Pflanzenwachsturns, ausbleibt. Der für teures Geld von den Arabern angekaufte Tierdünger kann meiner Ansicht nach nur von minimalem Werte sein. Der Araber wirft die Exkremente seiner Tiere irgendwo auf freiem Felde hin, wo sie unter strahlender Sonnenhitze dem W7ind und Wetter ausgesetzt, allmählich zu einem nährstoffreien Material werden. Der Stickstoff verwittert, der Phosphor und das Kali werden zum größten Teil ausgewaschen. Die trockene Masse, die zurückbleibt, kann nur in sehr geringem Maße für die Ernährung der Pflanzung in Betracht kommen. Ihre Wirkung wird mehr in physikalischer Verbesserung der Bodenkonsistenz zu suchen sein. Es wäre also rationell, diesen Dünger für schwerere Böden und weniger für leichtein Anwendung zu bringen. Es ist natürlich kein ■ / p*p? illMHIIHLi W „ „S/^fe m&iS^w /;::V;y-'^>''::-A-^ W^^M^rl^ >'.-'• S'r^ <T \" .• . -'-v ■ * £*?Ait tc^ r'~ ' . iVPf) '» ~* f *t \\ mA ••-•-*<*£*..».* " ■■yry * N ~v " , v « *&*fBfed;f^>w^-H € i. '-W ^^^ß^J^T:;f , , *' - /^'■•'if, \t-*/. ■ l' vrt- „ *Z'm J-V'f »x V T - „ - .*•,« ^*tr'-. > V* : >>■-':, i' *T ä. 'dtf. *-\ Z - fig^ < '* *?\V ->\*vV»\ >-v , *-> \ v?]> '■' ' '* ^V^'^vJl^ ^»i -fV * \ , * *' K'\ * i Im Weinberg Fehler, wenn auch der leichte Boden diesen Dünger erhält. Es fragt sich nur, ob es ökonomisch ist. Kommt es aber auf Nährstoffzufuhr an, so ist hier es meiner Ansicht nach besser, chemischen Dünger zu zuführen. Nun scheint es hier auch damit sein Bewenden zu haben. Die hiesigen Düngerhändler verkaufen nur selten unter Garantiegehalt, und beim Mangel an Untersuchungsgelegenheit wird der Käufer zu leicht geprellt. Der Ankauf müßte eben genossenschaftlich organisiert Weinkellereien in Rischon le Zlon werden, dann könnte bei Großhändlern unter Garantie des Nährstoffgehalts gekauft werden. Aber wie gesagt, die Düngerfrage ist zum großen Teil eine Folge der Futterfrage und die Lösung der letztem scheint absolut nicht etwas Unmögliches zu sein. Man sieht hier die schönsten Lupinen, die nebenbei bemerkt, schon jetzt vielfach zu Gründüngung angebaut werden, in Sarona und Wilhelma gut gediehenen Klee und gelungene Luzerne. Es werden auch in letzter Zeit Futterrüben angebaut, die sich sehr gut entwickeln und im zukünftigen Fruchtwechselsystem von größter Bedeutung sein werden. Mit dem Trocknen der Rübenschnitzel werde ich, sobald ich nur dazu Gelegenheit haben werde, einen Versuch anstellen. Die Kartoffel, die bis jetzt nur gemüsegärtnerisch angebaut wird, kann ohne weiteres in Fruchtwechsel aufgenommen werden, nur ist zu erproben, ob sie nur als Winterfrucht oder auch als Sommerfeldpflanze angebaut werden kann. Meine derzeitigen Eindrücke über den hiesigen Ackerbau möchte ich dahin zusammenfassen, daß alles technisch so gemacht werden kann und schließlich gemacht werden muß, wie in Europa. Es handelt sich im großen und ganzen um eine Zeitverschiebung, und wo Schwierigkeiten in der Beschaffung von Wasser bestehen, dort steht man vor einer rein ökonomischen Frage. Zur Arbeiterfrage übergehend, will ich bemerken, daß ich bis jetzt nur wenige Arbeiter angetroffen habe. Es waren dies meist Aufseher und Vorarbeiter in den Bojaren und Packer beim Orangenexport. Die wenigen, die ich getroffen habe und zwar die landwirtschaftlichen Arbeiter, sind Männer des Berufs und der angeborenen Intelligenz. Was mich persönlich am meisten bei diesen jüdischen Arbeitern gefreut hat, war die Wahrnehmung, daß dies Leute sind, die an- und zufassen können. Sie verstehen und lieben ihren Beruf und ist ihrem sozialen Streben, auf eigner Scholle als freie Männer arbeiten zu können, die Aussicht auf Verwirklichung gegeben, dann sind sie das beste Menschenmaterial für Ihr grandioses Problem. Die Arbeit in der freien Natur auf geliebter