Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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^^^^^p^pp!plfl^>t 320 DIE E3DELT No. 14 der betreffenden Objekte und Waren gearbeitet. Prof. Schatz wird unmittelbar nach dem Pessachfest nach Odessa reisen, um die Veranstaltung der Bezalelausstellung persönlich zu überwachen und gleichzeitig in verschiedenen Städten Rußlands für den Bezalel Propaganda zu machen. Neue Judenausweisungen Trotz der Ansiedlungsvorlage in der Duma läßt die Verwaltung mit den Ausweisungen von Juden nicht nach. Sie macht sich auch nichts daraus, daß ihre Maßnahmen oft zugleich die gesamte nichtjüdische Bevölkerung aufs schwerste treffen. Die jüngste Nachricht bezieht sich auf das große Stadtdorf Bessonowka im Gouvernement Pensa, wo die Juden den ungeheuren Export von Zwiebeln und Kartoffeln nach dem Ausland besorgen. Jedes Jahr pflegen sie im Februar und März nach Bessonowka zu kommen, um hier als einem Mittelpunkte dieses Geschäft zu besorgen, und die ganze Bauernschaft empfängt sie gewöhnlich mit großer Zuvorkommenheit. Da erfolgte plötzlich in diesem Jahre ein Verbot, das für die jüdischen Zwischenhändler, darunter angesehene Kaufleute, ebenso wie für die Bauern ruinös ist. Die Gemeinde will jetzt in corpore für die ausgewiesenen Juden ein Gesuch einreichen. Aber was kümmert sich die Administration um die wirtschaftlichen Interessen des Volkes? Eine neue hebräische Jugendzeitschrift Seit kurzem erscheint in Warschau unter dem Titel „Hajarden" eine illustrierte hebräische Wochenschrift für die reifere Jugend mit einer vokalisierten Abteilung für Kinder. Die neue Jugendzeitschrift wird von Sch. Z. Setzer redigiert. Die bisher erschienenen zwei Hefte enthalten Beiträge bekannter hebräischer Schriftsteller, wie M. J. Berdyczewski, M. Braunstein, Dr. N. Slouchz, S. Schneier, J. Fichmann u. a. Der Abonnementspreis beträgt fürs Ausland 2 Rubel vierteljährlich. Adresse: „Hajarden", Warschau, Mila 20. L NACHRICHTEN Die Synodalwahlen in Baden Aus Karlsruhe wird uns gemeldet: Die Wahlen zur jüdischen Landessynode, die vor drei Jahren wegen der Gebetbuchfrage sehr lebhaft waren, vollzogen sich diesmal ohne besondern Wahlkampf. Nur in Heidelberg-Stadt rangen Liberale und Konservative gegeneinander. Der bisherige konservative Vertreter unterlag dem Liberalen. Dagegen siegte mit großer Majorität der zionistische Kandidat Dr. Pf alz er-Weinheim über seinen liberalen Gegner in Heidelberg-Land. Neben Dr. Pfälzer gehören der Synode wieder die beiden zionistischen Vertreter von Karlsruhe-Siadt, Bahr und Dr. Levis, an. Auch unter den gewählten Orthodoxen gehören zwei der zionistischen Bewegung an, Dr. Würzburger-Rappenau und Dr. Simon- Heidelberg. Von den 21 weltlichen Sitzen der Synode sind im ganzen nur sechs den Liberalen zugefallen. Allerdings erhalten sie Sukkurs durch die von den Rabbinern des Landes gewählten fünf geistlichen Mitglieder, die mit Ausnahme des Herrn Dr. Eschelbacher-Freiburg liberal sind. Immerhin bleiben die Liberalen in der Synode auch diesmal wieder in der Minorität. der Lektüre der Jugendliteratur begonnen werden, die allein den Anfänger in die eigentliche Literatur einführen kann. 2. Durch die Literatur und durch hebräische Zeitschriften den Zusammenhang zwischen unserer Jugend und dem allgemeinen jüdischen Leben, der durch bedauerliche Verhältnisse — namentlich in letzter Zeit — gelockert, teilweise sogar durchbrochen ist, nach Möglichkeit wiederherzustellen. 3. Durch Zusammenkünfte zur hebräischen Unterhaltung, gemeinsame Ausflüge, Vergnügungsabende, hebräische Vorträge, Deklamationen aus der neuen und alten Literatur die Gedankenwelt unserer Jugend, die durch so vieles vom Jüdischen abgelenkt und zersplittert wird, einheitlich jüdisch zu gestalten. An unsere Bibliothek wird sich auch ein kleiner Lesesaal angliedern, in dem dem Leser die notwendigsten H indbücher, Lex;ka? hebräische Zeitschriften und die Schriften der bekanntesten hebräischen Schriftsteller zu freiem Gebrauch zur Verfügung stehen. Die Mittel sollen bestritten werden: 1. Aus den jährlichen Mitgliedsbeiträgen (4JC). 2. Durch freiwillige Spenden usw. Unser Verein zählt bereits über 100 Mitglieder, ein Zeichen dafür, daß ein wirkliches Bedürfnis vorhanden ist. Wenn wir aber unsern großen Aufgaben gerecht werden sollen, bedürfen wir der Unterstützung aller durch Wort und Tat, die gewillt sind, an der Wiederbelebung unserer Sprache und Literatur tätig mitzuarbeiten. Berlin, im April 1911. Das vorbereitende Komitee /?r=3w SPRECHSAAL Bibliothek für moderne hebräische Literatur in Berlin Allerorten regt sich die Lust, die hebräische Sprache und Literatur kennen zu lernen. Wir erachten es als ein Bedürfnis des Augenblicks, an die Schaffung einer kleinen Bibliothek für die moderne hebräische Literatur zu treten. Diese soll den Anfängern das Erlernen erleichtern und den Kennern unserer Sprache ermöglichen, ihre hebräischen Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen. Das Ziel der Bibliothek ist: 1. Die Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur unter der jungen jüdischen Generation Berlins zu verbreiten, dadurch, daß man sie durch ihrem hebräischen Wissen angemessene Lektüre mit unserer Literatur in lebendige Fühlung bringt, ßesonders soll mit Dr. Heinrich Löwe Flerningstr. 12. Heinrich Reuß, Hauptlehrer a. D. Prenzlauer Alle 1. Bücherbesprechungen Moderne Jugend. Ein Wegweiser für den Daseinskampf. Von Käthe Schumacher. (Verlag Ernst Reinhardt, München.) An die „Suchenden unserer Jugend" wendet sich die Verfasserin, an jene Stillen und Ernsten, die ihre Ideale rein und stark inmitten des brausenden Daseinskampfes erhalten und in das eigentliche Leben hinübertragen wollen. Ihnen zeigt sie mit oft harter, fast brutaler Deutlichkeit die starken Strömungen unseres modernen Lebens, den Kampf der modernen Aufklärung gegen das alte Philistertum, das der Jugend nie ein Recht auf Fi eiheit zuerkennen wollte; besonders geht sie ein auf die schwierige Stellung der Frau, an deren Kraft die größten Anforderungen gestellt werden, ohne daß ihr die Möglichkeit gegeben wird, ihre Fähigkeiten voll zu entwickeln. Das Buch, das mit feinem Verständnis für die schwankenden, unfertigen Ansichten und Ideen junger Manschen geschrieben ist, gibt ein klares BJd all der Klippen und Gefahren des Lebens, ohne doch, wie es in seinem Titel verspricht ein Wegweiser der Jugend zu sein; doch dürfte es kaum möglich sein, einen Weg zu finden, den alle verfolgen können, der für alle der rechte ist. Dieser ist ausschließlich bedingt durch die Veranlagung jedes Einzelnen, durch seine Erziehung und Widers'andsfähigkeit. Der einzige Wegweiser ist in dem jungen Menschen selbst, und die rechte Kenntnis des Lebens um ihn her mag ihm wohl helfen, die drohenden Gefahren zu vermeiden und den rechten Weg zu finden. Und ein Helfer hierzu ist Käthe Schirmachers Buch, und als solcher kann es jedem jungen kämpfenden Menschen wärmstens empfohlen werden. Deutsche Levante-Zeitung. Seit dem I. Januar d. J. erscheint herausgegeben von der Deutschen Levante-Linie, in Hamburg, diese neue Monatsschrift für den Handel und Verkehr mit den Mittelmeer- und Levante-Ländern. Sie soll dazu beitragen, dem deutschen Exporthandel weitere Absatzgebiete zu erschließen und die Interessenten, besonders die Kaufleute in den Mittelmeerlindern, über alles für sie Wissenswerte auf dem Gebiete des Handels und Verkehrs unterrichtet zu halten. Die beiden ersten bis jetzt vorliegenden Nummern geben zu der Erwartung Anlaß, daß die Zeitschrift dieses Ziel erreichen wird. Aus dem überaus reichen Inhalt beider Hefte interessieren uns natürlich vor allem die sich mit der Türkei und besonders mit Palästina beschäftigenden Artikel und Notizen. Der Leitartikel der ersten Nummer mit der Überschrift „Orient und Ok'ident" behandelt die Beteiligung europäischer Mächte, besonders Englands und Deutsehlands, an der Erschließung des Ostens. Die Finanzlage in derTürkei wird nach Sir Adam Blocks bekanntem Memorandum dargestellt. Unter Verkehrsfragen werden die Aussichten des Weiteroaues der Bagdadbahn behandelt. Im Feuilleton interessiert uns besonders ein eingehendes Referat über einen Vortrag des Palästinaforschers Prof. Hermann G u t h e (Leipzig), den dieser in der Geographischen Gesellschaft in Hamburg über