Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 14 DIESaEELT 319. Reisegesellschaften Bekanntlich hat die Redaktion des in Warschau erscheinenden Jargonblattes „Haint" ihren Lesern als Piämij eine unentgeltliche Reise nach Palästina gewährt. Den zwölf Ausgelosten haben sich noch weitere zwölf Personen angeschlossen, und jetzt sind es mit dem Redakteur und andern Führern 27 Personen aus verschiedenen Städten Rußlands, die Palästina bereisen. Die Reise hätte sich nur auf Judäa erstrecken sollen; da aber das Meer den Reisenden nicht gewogen war, konnten sie in Jaffa nicht landen und mußten nach Haifa gehen, wo sie am 2. März anlangten, um von hier aus mit Wagen über Sichron Jakob und Cliedera nach Jaffa zu gelangen. In Sichron-Jakob bheb die Reisegesellschaft von Freitag den 3. bis Sonntag den 5. d. M. Am Vorabend der Abreise nach Sichron brachte ein orthodoxer Teilnehmer der Reise einen Trinkspruch auf Herrn Jatzkan, den Chefredakteur des „Haint" und Leiter der Exkursion, aus, um ihm im Namen der gaii/:en Gesellschaft zu danken, daß er ihr Gelegenheit geboten hat, außer den in Aussicht genommenen judäischen Kolonien noch weitere zwei jüdische Ackerbaukolonien -— Sichron und Chedera — zu sehen. Es wurden dann auch Lieder und ein Gedicht vorgetragen, die von der Sehnsucht nach Palästina sprechen. Wenn auch die Lieder im Jargon vorgetragen wurden, so verfehlten sie doch nicht ihren Eindruck. In Jaffa wurden die Reisenden zu einer im hebräischen Gymnasium veranstalteten PurimVorstellung eingeladen. Sie wurden hier vom Direktor Bog ratsch off herzlich beg'üßt. Dem hebräischen Schriftsteller David Frischmann, der ebenfalls Mitglied der Reisegesellschaft ist, wurden große Ovationen bereitet. Die Reisenden spendeten einen ansehnlichen Betrag für den Jüdischen Nationalfonds. Dienstag den 7. v. M. kam die Reisegesellschaft in Jerusalem an. Donnerstag reiste sie nach Hebron und kehrte tags darauf nach Jerusalem zurück. Herr Jatzkan erklärte im Namen seiner Zeitung, daß diese im nächsten Jahre 200 Reisende nach Palästina zu führen gedenke. An der vom Wiener Informationsbureau für Palästina veranstalteten Gesellschaftsreise nehmen 13 Personen teil. Die Gesellschaft hat die Reise am 24. März in Triest angetreten. Die geringe Zahl der Teilnehmer ist auf das bevorstehende Pessachfest zurückzuführen, da viele Interessent n die Feiertage nicht außerhalb ihres Familienkreises verbringen wollen. Um dennoch den in Betracht kommenden Kreisen Gelegenheit zu bieten, eine gemeinsame Fahrt nach Palästina möglichst billig mitzumachen, hat sich das Informationsbureau veranlaßt gesehen, Bnde April eine zweite Palästinagesellschaftsreise zu arrangieren. Ausführliche Prospekte versendet das Informationsbureau für Palästina, Wien, Türkenstraße 9. Rußland Rabbinerversamrnlung in Warschau Eine größere Anzahl angesehener russischer und polnischer Rabbiner und Chassidimrabbis hit sich in Warschau in den jüngsten Tagen versammelt, um in einer vertraulichen Konferenz über verschiedene aktuelle Fragen des religiösen Lebens zu beraten. Die Verhandlungen und Beschlüsse der Konferenz werden geheimgehalten- Dem Vernehmen nach bildeten die Beschlüsse der vorjähr'gen Petersburger Rabbinerkonferenz betreffs des Biidungszensus der Rabbiner und ihrer Stellung in der Gemeinde, ferner das neue Sonntagsruhegesetz den Hauptgegenstand der Beratungen. Das Jubiläum Dr. Harkavys Bekanntlich wurde im vorigen Jahre die Feier des 50jährigen Schriftstellerjubiläums des bekannten jüdischen Gelehrten und Orientalisten Dr. A. Harkavy infolge des Ablebens von Baron David Günzburg verschoben. Nunmehr hat die Feier am 1. April d. J. in der großen Synagoge in Petersburg stattgefunden. Von der Petersburger jüdischen Akademie Die von dem verstorbenen Baron David Günzburg begründete und geleitete Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Petersburg sieht einer ungewissen Zukunftentgegen. Der Fortbestand der Anstalt hängt ganz von äußern Faktoren ab. Sie hat bisher den Namen des Biröns Günzburg geführt und muß jetzt nach dessen Tode den Namen eines andern Leiters annehmen. Hierzil bedarf es einer speziellen behördlichen Genehmigung, dte'nÖch aussteht. Ferner müßten dje Dozenten und Hörer das Wohnrecht in Petersburg erlangen^ iW waren die Htfrer der Akademie als Handwerker oder als Diener im Hause akademisch gebildeter Juden angemeldet und konnten nurauf diese Weise ihren Studien in Petersburg obliegen. Nunmehr ist man jedoch entschlossen, die Akademie aufzulösen, wenn es nicht gelingen sollte, für ihre Hörer das legale Aufenthaltsrecht in Petersburg zu erwirken. Die Emigrationskonferenz in Kiew Vor einigen Wochen fand in Kiew ein Vertretertag der russischjüdischen Emigrationsgesellschaft (Ito) statt. An der Versammlung nahmen über 120 Delegierte des Lokalkomitees in den verschiedenen Städten Rußlands teil. Die Konferenz wurde von Prof. M. Mandelstamm (Kiew) eröffnet. Erwies auf die mannigfachen Fortschritte hin, die in der Organisation des Auswanderungswesens sowohl in Rußland wie in den westeuropäischen Ländern im Laufe der letzten Jahre erreicht worden sind. Im weitern Verlauf seiner Rede verlas er ein Begrüßungsschreiben der Ito- Zentrale in London, worin die russischen Genossen zur Überwindung der Hindernisse, welche der jüdischen Einwanderung nach Texas entgegenständen beglückwünscht werden und die Hoffnung ausgesprochen wird, daß die Emigration nach Galveston sich nunmehr ungehindert vollziehen werde. Gegenwärtig gebe es kein geeigneteres Einwanderungsgebiet für die osteuropäischen Juden als den Südwesten der nordamerikanischen Union, der noch Zehntausende von Einwanderern, insbesondere Handwerker, aufnehmen und ernähren könne. — Die Versammlung schickte ein Begrüßungstelegramm an die 150. Auswan Jerungsgruppe, die die Emigrationsgesellschaft vor kurzem nach Galveston befördert hat. Nach Verlesung eines Rechenschaftsberichtes über die Tätigkeit der Ito im verflossenen J ihre und nach Vorlage des Kassenberichts referierten Dr. Bloch und Ing. P. Loew über „Die Enquete unter den Galveston-Emigranten". Dr. Epstein besprach die gesetzlichen Beschränkungen der Einwanderung in den Vereinigten Staaten und schlug die Gründung einer Versic herungskasse für zurückgewiesene Einwanderer vor. Herr Brotmann (Kiew) berichtete über die häufigsten Krankheitserscheinungen unter den Emigranten. Die Versammlung sprach nach längerer Debatte der Leitung der Emigrationsgesellschaft ihr volles Vertrauen aus. Auf Vorschlag des Herrn Rechtsanwalts Margolin wurde beschlossen, einige Punkte der Satzungen zu ändern. Mit der Wahl eines neuen Vorstandes schloß die Delegiertenversammlung. Zur Aufhebung des jüdischen Ansiedlungsrayons Die mit der Prüfung des Antrags zur Aufhebung des Ansiedlungsrayons beauftragte Dumakommissian hielt am 15. Mär; ihre erste Sitzung ab. Von den 22 Mitgliedern hatten sich 16 eingefunden, darunter 9 oktobristische und oppositionelle Abgeordnete, die den Antrag unterzeichnet haben, 3 neutrale Oktobristen und 4 Nationalisten und Rechte. Der Konimissionspräses Dmitrjukow (Okt.) proponierte die Einsetzung einer fünfgliedrigen Subkommission zur Sammlung und Sichtung des Materials. Der Abg. Nisselowitsch erklärie sich gegen e ne Subkommission und sprach sich für die sofortige Wahl eines Kommissionsreferenten aus, dem er und wahrscheinl ch die andern Mitglieder das in ihrem BesiU befindliche Material zur Verfügung stellen werden. Außerdem möge die Kommission das Mimsterium des Innern um Überlassung des in seinem Besitz befindlichen Materials angehen. Diesem Vorschlag schloß sich der Abg. Matjunin (Okt.) an. Der Progressist Sokolow brachte eine dreigliedrige Kommission in Vorschlag, bestehend aus je einem Anhänger und Gegner der Vorlage und einem Neutralen. Der Nationalist Zitowitsch erklärte sich sowohl gegen eine Subkommission wie g-gen die Wahl des Referenten, da ja alle Kommissionsmitglieder sich ihre IVleinung bereits gebildet haben. Man könne zur Abstimmung schreiten. Der Antrag auf Einsetzung einer Subkommission wurde mit erdrückender Majorität abgelehnt. Nachdem die Abg. Baron Meyendorff und Dmitrjukow die Wahl zum Referenten abgelehnt hatten, wurde der Abg. Andronow (Okt.) einstimmig zum Berichterstatter gewählt. In Anbetracht dessen, daß die Duma der Kommission eine einmonatliche Frist gestellt hat und seitdem bereits drei Wochen verstrichen waren, wurde beschlossen, beim Plenum eine Verlängerung der Frist nachzusuchen. Bezalelausstellung in Odessa Im Mai d. J. wird in Odessa eine allgemeine Industrie- und Kunstgewerbeausstellung eröffnet werden. Der Vorsitzende des Odessaer Palästinakomitees, Ing. M. Ussischkin, hat nun einen eignen Pavillon zur Ausstellung der Erzeugnisse der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem gemietet und für diesen Zweck bei der Leitung der Schule Ausstellungsgegenstände im Werte von 20 000 Francs bestellt: lm> Bezalel wird jetzt fieberhaft an der Herstellung