Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316458-3316476--54434-3348221- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
- Pinsk 1× ep/1045440
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
318 £>IE3^ELT No. 14 sfadt bis zu einer Gesetzesreform de facto wirklich eine moralische Wirksamkeitssphäre hat, die über die Hauptstadt hinausreicht. Das schließiiche Resultat ist eine große Überraschung. Es gehen lauter neue Männer aus der Wahl hervor; vom frühern Medschliß dschismani wird nur Abraham Effendi Farchi wiederberufen, der als gerecht und unparteiisch bekannt ist; die meisten Stimmen, 51 von 62, erhält Nissim Effendi Russo. Auch der Präsident der aschkenasischen Kultusgemeinde, Reisner, ist mit beträchtlicher Stimmenzahl in das Konsistorium gewählt. Vom nationalen Standpunkt aus ist die Zusammensetzung der neungliedrigen Körperschaft als nicht ungünstig zu betrachten. Zum Präsidenten des großen Rates, Medschliß Umumi, wurde der Deputierte Faraggi gewählt. Von den gewählten Asclikenasim war außer Herrn Reisner, der ohne Neuwahl aus dem alten Medschliß in den neuen überging, niemand anwesend. Um P'zUhr schließt endlich der Chachambaschi die Sitzung mit neuer Mahnnng zur Einigkeit. D,e Verschiedenheiten der Ansichten können bleiben, sie sind natürlich und gerechtfertigt; aber man muß sie zurückstellen. Bei allem Ideenaustausch ist mit Einmütigkeit zu betätigen: getreue Anhänglichkeit an die Religion, an die Nation und an das gemeinsame Vaterland. Der neue Medschliß Umumi ist konstituiert. Gründung einer Bnd-Brith-Loge in Saloniki Der Vertreter des Ordens Bne-Brith, Herr Sigmund Bergel, langte am 15. März in Saloniki an, um auch hier eine Bn6-Brith- Loge ins Leben zu rufen. Vorher hatte er solche Logen in Belgrad, Sofia, Adrianopel und Konstantinopel ge.ründet. Auch in Saloniki waren seine Bemühungen von Erfolg gekrönt. Die Bne-Brith-Loge, die sich dort konstituiert hat, setzt sich aus angesehenen Männern der verschiedenen Richtungen zusammen. Zum Ehrenpräsidenten wurde Advokat Josef Naar, zum Präsidenten R. Modiano, zum Vizepräsidenten Dr. Leon Modiano, zum Sekretär David Matalon und zum Schatzmeister Jacob Sides gewählt. Palästina Das Jubiläum des Direktors Levontin Am 16. Mai d. J. feiert der verdienstvolle Direktor der Angio Palestine Company, Herr S.D. Levontin, das 10jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit in den zionistischen Finanzinstituten (in London und Palästina). Die Beamten der A.-P. C. und die zahlreichen Verehrer des Jubilars veranstalteten aus diesem Anlaß ein Festessen und stifteten auf den Namen Levon ins eine größere Anzahl Ölbäume, deren künftige Erträgnisse für kulturelle Zwecke in Palästina nach dem Ermessen des Jubilars verwandt werden sollen Johann Kremenezky in Palästina Seit einiger Zeit weilt Herr Johann Kremenezky aus Wien in Pa ästina. In Jaffa, wo er längern Aufenthalt nahm, wurde ihm zu Ehren ein Festabend veranstaltet. Von Jaffa reiste er nach Jerusalem und den jüdischen Kolonien. In einer Versammlung in Jaffa sprach sich Herr Kremenezky sehr lobend über das neue jüdische Stadtviertel Tel-A wiw aus. Dem hebräischen Gymnasium spendete er 3000 Francs zur Errichtung einer Turnhalle. Die Organisation der aschkenasischen Gemeinde in Jerusalem Donnerstag den 8. M'irz fand in Jerusalem eine zweite, von den Rabbinaten der Peruschim, Chassidim und anderer aschkenasischen Gemeinden einberufene Versammlung statt, die die Ausschreibung von Wahlen für einen Waad-Hair (Gemeindevorstjnd) beschloß. Es wurde ein Ausschuß eingesetzt, der die Wahlvorbereitungen durchführen soll. Die Beschlüsse der Versammlung wurden durch öffentlichen Anschlag bekannt gemacht. Die jüdische Bevölkerung Jerusalems Im jüngsten Heft der hebräischen Monatsschrift „Haschiloah" (Odessa) veröffentlicht Josua Barsilai (Eisenstadt) aus Jerusalem interessante Ziffern über dieZahl der jüdischen Bevölkerung Jerusalem^, die Seelenzahl der einzelnen Kolelim (Chalukah-Landsmannschaften), den Jahresbetrag der Chalukah, der auf die Angehörigen der einzelnen Kolelim entfällt, die sonstigen Erwerbsquellen der Jerusalemer jüdischer Bevölkerung außer der Chalukah usw. Die Daten des Herrn Barsilai beruhen teils auf eigenen genauen Schätzungen und Beobachtungen, teil-; auf zuverlässigen Angaben anderer, mit den einschlägigen Verhältnissen durchaus vertrauter Personen. Die Anzahl der jüdischen Bevölkerung Jerusalems beziffert Barsilai auf etwas über 44000 Seelen. Davon gehören über 27 000 den verschiedenen aschkenasischen Kolelim und über 13 000 der sephardischen Gemeinde an, die auch Jemeniten, Perser, Bucharer, Maghrebiner usw. umfaßt. Ungefähr 4000 Personen beziehen gar keine Chalukah. Nähere Aufschlüsse über die einzelnen Landsmannschaften bietet folgende Zusammenstellung: Bezeichnung des Kolel Seelenzahl Jahresbetrag der Chalukah pro Kopf Ungarn 2 000 Frcs. 100.- Galizien 3 000 n 40.— Siebenbürgen 100 180.— Deutschland u. Holland 170 n 100.— Rumänien 600 20.— Amerika 1 000 Doli. 100.-- Warschau 2 000 Rbl. 25.— Chabad 2 500 20.— Suwalk 1 200 n 25.— Wilna und Shamut 3 500 10.— Grodno 2 800 8.— Wolhynien 3 000 5.— Reussen 700 6.— Minsk 1 200 n 4.- Pinsk 1200 w 3.— Karlin 600 3.— Bessarabien 200 "n 5.— Shitomir 400 5.— Waad kol Hakolelim *) 1 000 Gesamtzahl der aschkenasischen Chalukahem- 27 170 pfänger Hierzu kommen die Angehörigen der sephardischen Gemeinde, und zwar Spaniolen 6000, Jemeniten 3000, Perser 1200, Georgier (Gurdschis) 1000, Bucharer 500, Maghrebiner (aus Marokko und Algier) 1500, zusammen 13200 Seelen. Bei den Sephardim beziehen nur die Chachamim und Jeschibajünger, sowie Witwen und Waisen Unterstützung durch die Chalukah; die übrigen haben einen andern Erwerb. Aber auch die große Mehrzahl der Aschkenasim kann nur einen geringen Teil ihres Lebensunterhalts aus den Geldern der Chalukah bestreiten. Bloß 3270 Personen, die dem deutschen, ungarischen und amerik tischen Kolel angehören, können mit der auf sie entfallenden Chalukah notdürftig ihr Auskommen finden; weitere 6000 Personen decken etwa die Hälfte ihres Lebensbedarfs aus den Mitteln der Chalukah, während zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung Jerusalems nur ganz minimale Beträge von der Chalukah empfangen und im großen und ganzen auf andere Erwerbsquellen angewiesen sind. Als solche Erwerbsquellen führt Barsilai an: 1. Einkünfte aus Kapital- und Grundbesitz außerhalb Palästinas. 2. „ „ „ in Palästina. 3. Handel, Gewerbe und Handwerk. 4. Unterstützung durch Verwandte außerhalb Palästinas. 5. Gelegentliche Unterstützungen. Nach seinen Berechnungen decken aus der unter 1 genannten Erwerbsquelle etwa 5000 Personen, ebensoviel aus Nr. 2, 2000 aus Nr. 3, 5000 aus Nr. 4 und 3000 aus Nr. 5 ihren hauptsächlichen Lebens bedarf. Diese Angaben schließen jedenfalls eine wesentliche Korrektur der landläufigen Anschauungen über die Erwerbsverhältnisse der jüdischen Bevölkerung Jerusalems in sich. Eine neue hebräische Palästinazeitschrift Soeben ist in Jaffa unter der Redaktion des bekannten Pädagogen und hebräischen Schriftstellers Israel Beikind das erste Heft einer popu'ärwissenschaftlichen Monatsschrift für die Kunde Palästinas, mit besonderer Berücksichtigung der praktischen Kolonisationsfragen erschienen. Die neue hebräische Monatsschrift führt den Namen „Hammeir". Die erste Nummer enthält u. a. interessante Erinnerungen aus der Zeit der Gründung von Rischon le Zion, einen Aufsatz über die Kolonie Chederah, einen Brief von Rabbi Hirsch Kali sc her aus dem Jahre 1868 usw. Der Abonnementspreis beträgt fürs Ausland Frcs. 5.— halbjahrlich. *) Eine von den Vorstehern verschiedener Kolelim gebildete Körperschaft, welche an diejenigen Personen, die keiner der obengenannten Landsmannschaften angehören, -Chaliikahgelder. aus einem speziellen Fonds verteilt.