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Die Welt · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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312 DIE3^ELT No. 14 umgeben erscheint. Der große, in der ganzen Judenheit berühmte „Tausfaus Jomtob" (R. Lipman Heller) ist um die Verheiratung einer Tochter besorgt und schreibt diesbezüglich an seine in Wien wohnende Schwägerin in der schlichtesten Weise, Allen Briefen ist eine Herzlichkeit eigen, und diese zeugt jedenfalls von der Stärke des Zusammengehörigkeitsgefühls, von dem natürlichen Pflichtbewußtsein der Hilfeleistung an Verwandte, das den Ghettojudeti beseelte. Die Briefe verraten uns eine Menge von Einzelheiten aus dem privaten Leben ihrer Schreiber, ebenso wie deren Angehörigen, für die sie bestimmt waren. Auf welche Weise sie in das Wiener Archiv gelangt sind, ist unbekannt. Jedenfalls bedeuten sie einen glücklichen Fund für die „Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch- Österreich", die von der historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde herausgegeben werden. Gleich den ersten zwei Bänden: „Das Judenbuch der Scheffstraße" von Dr. Artur Goldmann und „Das Wiener Ghetto" von Dr. Ign. Schwarz hat auch dieser dritte Band das Glück gehabt, tüchtige Bearbeiter zu finden. Dr. Landau, der bekannte Folklorist und Kenner des Jüdisch-Deutschen, hat die Sprache und den Stil der Briefe in gründlicher Weise behandelt. Seine Noten gestalten sich beinahe zu einer vollständigen Geschichte des jüdischen Briefstils im Zusammenhang mit dem allgemeinen deutschen Briefstil jener Zeit. Dr. Wachstein dagegen, der seit Jahren genealogischen Studien obliegt und in seinem groß angelegten Werke über den Rossauer Friedhof, von dem bereits ein Probeheft erschienen ist, sich als origineller Forscher bewährt hat, fand in diesen Briefen eine außerordentliche Gelegenheit, seine genealogischen Kenntnisse zu verwerten. Anderseits verstand er es auch, das reichliche Material, das in diesen Briefen in bezug auf Wiener und Prager Familiengeschichte enthalten ist, zu Ergänzungen und Berichtigungen von bisher geltenden Details zu verarbeiten. Nicht ein Wort oder ein Satz ist seinem Forschergeist entgangen, aus dem er nicht Schlüsse gezogen hätte auf das gesamte geistige und seelische Leben jener nun fast 300 Jahre zurückliegenden Zeit. Nur eine einzige Tatsache blieb in der Publikation der Briefe ungelösl, die inzwischen in einem besondern Nachtrag gelöst würde. Für mich als Referenten ist dies nicht ohne Interesse, da ich dazu die Anregung gegeben habe und deshalb in dem Nachtrag auch genannt werde. Zwei Briefe (Nr. 28 und 29) enthalten nämlich mehreie Sätze in einer geheimen Schrift, deren Entzifferung den Herausgebern nicht gelungen war und offen bleiben mußte. Beim Durchlesen der Briefe fiel mir im Briefe 28 e;n eigentümlich langes Wort auf, das mich zur Lösung des geheimen Alphabets anregte. Nach einigen Versuchen gelang die Lösung. Ich machte davon dem Herausgeber Dr. W. Mitteilung. W. versuchte nochmals die Lösung, und sie gelang aucrf ihm ganz unabhängig von der meinigen. Beide Lösungen wurden bei Hofrat Müller in Wien hinterlegt, der auch das System des geheimen Alphabets entdeckt hat. Da W. in seinem Nachtrag nur Mitteilung macht von dem Worte, das ihm als Ausgangspunkt für die Lösung diente, möchte ich einige Worte über meinen Lösungsver^uch der Vollständ gkeit halber hinzufügen. Das lange Wort lautet in hebräischer Schrift: j/'DSnnDrfin- ^a ^er ganze Brief jüdisch abgefaßt ist, konnte ich nur an ein jüdisches Wort denken, in dem ein Buchstabe vorkommt, der doppelt geschrieben wird. Das ist bekanntlich das ri. Die Wiederholung dieses doppelten Buchstabens sowie die Wiederholung des o an vierter Stelle brachte mich auf das Wort ^yn^l wohlfeil. Diese drei erkannten Buchstaben setzte ich nun in einige hebräische Wörter des Briefes 29 ein, und die Lösung war bald gelungen. Diese Geheimschrift bietet ein interessantes Detail, da man trotz des warnenden Verbotes j'S~im (mit dem Banne des Rabbi Gerschom) auf der Adresse sich noch* einer Geheimschrift bediente. Es handelt sich nämlich in dem einen um ein Darlehen und im zweiten Briefe um eine Heiratsvermittlung, um Dinge also, die strenge Diskretion erfordern. o o o o o o o 1 VSo o o o o o o T AUS DER BEWEGUNG Zum X.Kongreß Gemäß Beschluß des IX. Kongresses veröffentlichen wir nachstehend die Namen der Gesinnungsgenossen, welche sich zur Übernahme eines Delegiertenmandates für den X. Kongreß bereit erklärt haben, in der Reihenfolge des Einganges ihrer Meldungen. Zionistisches Zentralbureau. Heinrich Lederer, Wien Rechtsanwalt Dr. B. Tannenwald, Hamburg Frau L. Wagner-Tauber, Berlin Frau Rechtsanwalt Lachmann, Königshütte Rechtsanwalt Dr. H. Epstein, Duisburg Frau Dr. Epstein, Duisburg Referendar Erich Cohn (V. J. St. Makkabaea), Berlin Referendar Felix Rosenblüth (V. J. St. Makkabaea), Berlin Referendar Isid. Eisberg (V. J. St. Berlin), Cöln M. Gorsky, Nürnberg cand. med. Hugo Eben, Wien Ed. Pool, Hengeloo (O) Frl. Fanny Hildesheimer, Berlin. Sitzung des Großen Actions-ComitSs Die ursprünglich auf den 28. März und die folgenden Tage anberaumte Sitzung des Actions-Comites, die, wie wir in Nr. 10 der „Welt" mitteilten, bis nach den Pessach- Feiertagen verschoben werden mußte, wird am 27. April und den folgenden Tagen in den Räumen des Zionistischen Zentralbureaus zu Köln (Karolingerring 31) abgehalten werden. Gleichzeitig werden Sitzungen der Banken und des Jüdischen Nationalfonds stattfinden. o o o o o o o 3 o o o o o o o The Anglo Palestine Company Limited Bekanntmachung Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die zehnte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Anglo Palestine Company Limited am Freitag den 28. April 1911, um 10 Uhr 30 Min. vormittags, im Zionistischen Zentralbureau, Köln a. Rh., Karolingerring 31, mit folgender Tagesordnung stattfinden wird: 1. Entgegennahme des Berichts des Direktoriums und der Bücherrevisoren und Rechnungsablegung für das Jahr 1910. 2. Beschlußfassung über Verwendung des Reingewinns pro 1910. 3. Wahl von Direktoren und Bücherrevisoren. 4. Durchführung der gewöhnlichen Tagesordnung und Eventualia. Statutengemäß bleiben die Zessionsbücher und Mitgliederregister der Gesellschaft vom 15. April bis zum 28. April 1911 (beide Tage inklusive) geschlossen. Im Auftrage des Direktoriums H. Neumann, Sekretär. Brook House, Walbrook, London B.C., den 3. April 1911. The Anglo-Levantine Banking Company, Limited Es wird hierdurch zur Kenntnis gebracht, daß die dritte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Anglo-Levantine Banking Company Limited am Freitag den 28. April 1911, um 10 Uhr 45 Min. vormittags, im Zionistischen ,Zentralbureau,

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