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Die Welt · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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^«Sfsw^wssw^^ 310 DIEE^ELT No, 14 Die Palästinaforschungsgesellschaft ist demnach eine Gründung, der große und mannigfache Aufgaben bevorstehen, und sie wird nur zu sorgen haben, daß sie ihre Kräfte nicht zersplittert, sondern systematisch arbeitet. Eine Gewähr für weise Beschränkung besitzt sie in ihrem wissenschaftlichen Ausschuß, dem e'ne Reihe namhafter jüdischer Gelehrter angehören. Zunächst hat sie die Absicht in jüdischen Kreisen aufklärend und anregend durch Vorträge und Schriften zu wirken, zugleich ist sie bereits durch das Interesse das sich in zahlreichen Beitritten bekundet, in den Stand gesetzt worden, auch mir praktischer Arbeit beginnen zu können. Die chemische Erforschung der Gewässer Palästinas, insbesondere auch inbezug auf heilkräftige Eigenschaften, soll noch im Frühling des Jahres durch einen von der Gesellschaft beauftragten Herrn begonnen werden, und im Herbst wird sich an diese Arbeiten eine gründliche und systematische Untersuchung des Toten Meeres anschließen, die ein bekannter Gelehrter auf dem Gebiete der Meeresforschung zu leiten übernommen hat. Sobald die notwendigen, nicht unerheblichen Mittel vorhanden sind, wird dann eine größere Grabung folgen. Die Palästinaforschungsgeselhchaft wird die Ergebnisse der geplanten Expeditionen baldmöglichst veröffentlichen. Der Beitrag für die ordentlichen Mifglieder mußte ziemlich hoch bemessen werden. Es ergab sich leider keine andere Möglichkeit, große Jahreseinnahmen zu erzielen, da auf einen Beitritt bereitei erKreise nach Ansicht aller Kenner der Verhältnisse nicht in allzu hohem Umfange gerechnet werden konnte. Die Herabsetzung des Mindestbeitrages wird erst möglich sein, wenn sich die erforderliche Anzahl ordentlicher Mitglieder gefunden hat, um den Zwecken des Unternehmens genügen zu können. Die Gesellschaft ist aber nach Kräften bemüht, Anregungen und Wünschen auch aus der Zahl der außerordentlichen Mitglieder entgegenzukommen. Die Palästinaforschungsgesellschaft löst eine alte Ehrenschuld der jüdischen Gesamtheit ein, möge ihrem Wirken reicher Erfolg beschieden werden. Insbesondere sollte sie in zionistischen Kreisen, die ja sonst so warm für Palästina fühlen, allseitige Interesse und kräftige Unterstützung finden. *) Liberale Wandlung Von Georg Hecht, Leipzig Auf eine Tatsache, die sich ganz leise bemerkbar macht, sei einmal deutlich hingewiesen. Schon in der Monatsschrift „Liberales Judentum", die unter der Redaktion von Herrn Dr. C. Seligmann in Frankfurt a. M. erscheint, konnte man im Laufe des ersten Jahrganges eine Diskussion über die Frage „Wer ist Jude"? verfolgen; eine Diskussion, in der man neben einigen naiven Ergüssen doch auch Anschauungen begegnete, die einen recht nachdenklich stimmen konnten, weil in ihnen die Sehnsucht nach einem „neuen" Judentum um Ausdruck rang, einem Judentum, das jenseits aller Religionsvorschriften noch Gehalt hätte, ja mehr als dies: noch persönliches Erlebnis sein oder werden könnte. An unsere Leser! Gesinnungsgenossen! Hit der vorigen Nummer endigte das erste Quartal des X\7. Jahrganges der „Welt". Die propagandistische Tätigkeit unserer 6esamtorganisation steht bereits im Zeichen des X. Zionisten-Kongresses und das zweite Quartal wird lediglich den Vorbereitungen für den Kongreß gewidmet sein. — Die ernsten und hochbedeutenden Fragen, die diesmal den Kongreß in Basel beschäftigen werden, bilden schon jetzt Gegenstand der Erörterung in den zionistischen Versammlungen und der zionisiischen Presse. Unsere hervorragendsten Mitarbeiter haben sich bereit erklärten der „Welt" zu den Fragen des X. Kongresses Stellung zu nehmen, und dies bereits auch in einerReiheinteressanterArtikelgetan.DieDiskussion wirdim Laufeder nächsten Monate in erhöhtem Maße fortgesetzt werden. Wie in den frühern Jahren, wird auch diesmal über die Verhandlungen des Kongresses in einer speziellen Kongreß-Ausgabe der „Welt" ausführlich berichtet werden. Die große propagandistische Wirkung dieser Ausgabe hat von Kongreß zu Kongreß an Bedeutung gewonnen, und wir geben uns der zuversichtlichen Erwartung hin, daß wir ganz besonders zum X. Kongreß für die Vorbereitungen der Kongreßausgabe auf die tatkräftigste Mitarbeit aller Gesinnungsgenossen rechnen dürfen. Diese Vorbereitung soll möglichst sofort, und zwar mit einer intensiven Propaganda zurGewinnung neuer Abonnenten für „Die Well" beginnen. / Jeder ab 1. April d. 3. neueintretende Abonnent hat seinerzeit Anspruch auf kostenlose Lieferung der Kongreß- Ausgabe. / Unsere Abonnenten, deren Bezugszeit am 31. März 1911 abgelaufen war, bitten wir, die Abonnemenfserneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blaites keine Unterbrechung eintritt. Den Beziehern in Deutschland und Österreich-Ungarn haben wir Zahlkarten bzw. Posterlagscheine zugehen lassen, die wir zur kostenlosen Überweisung der Abonnementsbeträ' ge zu benutzen bitten. Jedes abgelaufene Abonnement, das bis spätestens 31. März 1911 nicht ausdrücklich abbestellt war, betrachten wir als erneuert. Der Verlag „Die Welt" *) Zuschriften sind an den Vorsitzenden, Herrn Dr. J. Ginsberg in Berlin, Am Karlsbad .7 zu richten. In diesem Zusammenhang gewinnt ein Vortrag-, den zu Beginn des Jahres Herr Professor Gold stein (Darmstadt) in Leipzig in der Vereinigung für das liberale Judentum hielt, symptomatische Bedeutung. Dem Vortrag folgte lauter Beifall, der ehrlich war. Zwar darf man glauben, daß Lobsp rüche und Beifall nie oder doch nur selten einem wirklich innigen Verständnis für das Gehörte entspringen. Dem einen gefällt die Weste des Redners, dem andern die Tonfarbe, diesem die Geste, jenem der schöne Satzbau. Indessen ist der Beifall, den jener Vortrag fand, doch interessant infolge der Zusammensetzung des sehr spärlich erschienenen Publikums. Ein Drittel waren Orthodoxe, Zionisten und andere Gegner der Liberalen; das zweite war eine Auswahl aus der liberalen Mitgliedschaft, die — Berichten zufolge — bei den Christusvorträgen des Herrn Drews viel zahlreicher erschienen war; das driite war das gewöhnliche Zufallspublikum, dessen Prozentsatz um so höher steigt, je geringer die Zahl der übrigen Teilnehmer ist. Dem Beifall dieses Publikums folgte wiederum vom Vorstand der liberalen Vereinigung ein justizrätliches Nachwort, das ein volles Einverständnis mit den Ausführungen des Redners verkündete. Und dies mit vollem Recht; denn ein sozialistischer Zionist sagte: „Wenn ich nicht ein Antiliberaier wäre, möchte ich fortan ein Liberaler sein". So war der Vortrag in der Tat. Mann kann aber, um alles Persönliche zu vermeiden, von dem Vortrag selbst absehen und

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