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Die Welt · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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bestimmt worden. Eine Ausnahme bildet Ostgalizien, wo die Hauptwahlen auf den 19. Juni angesetzt wurden. Die Wahlen von 1907 Im Mai 1907, als die Reichsrats wählen zum erstenmal nach dem allgemeinen Wahlrecht vollzogen wurden, entfielen auf die jüdisch-nationalen Kandidaten im ersten Wahlgang an Stimmen: Stanislau Dr. Braude ........ 1204 Buczacz Dr. Birnbaum.......2194 Stryj Dr. Salz.........1722 Lemberg 3 Dr. Braude........882 Drohobycz Dr. Zipper •.......1331 Brody Adolf Stand.......1493 Rozdol Dr. Malz.........1269 Tarnopol Adolf Stand (Zählkand.) . .1056 Kolomea Dr. Thon........824 Brzezany Dr. Rappaport......1141 Mielec Schmelkes........1200 Krakau 12 Hilfstein.....• ... 123 Chrzanow Dr. Mahler (Zählkand.) . . .1161 Czortkow-Trembowla Dr. Mahl er.......2712 Buczacz (Land) Dr. Gabel.......2158 Zablotow Weißglaß........1500 Skalat Dr. Braun ........ 1589 Zloczow Löbl Taubes....... 334 . . 23893 Czernowitz Ost Dr. Straucher......3318 Czernowitz 2 Dr. Wender....... 2250 Radautz Dr. Weidenfeld...... 1187 . . 6755 Wien Dr. Schalit........ 592 . . 592 Zusammen an Stimmen: 31240 Palästinaforschung Von Ad. Fr. Was wir heute, nacli Aufgabe der Charterpolitik, in Palästina anstreben, ist etwa identisch mit dem, was die Franzosen mit dem Schlagwort der „penetration pacifique" bezeichnen: die friedliche Besiedlung eines menschenarmen Gebietes, seine wirtschaftliche Entwicklung durch den Arbeitseifer und Handelsgeist eines uralten und doch so lebenskräftigen Kulturvolkes, dem seine Begabung und Anpassungsfähigkeit die Rolle eines Mittlers zwischen Ost und West vorherbestimmt zu haben scheint. Wie seit Jahrhunderten Europa blühte, wo die Juden das Wirtschaftsleben anregten und beherrschten, während geistiger und materieller Rückgang ihr Verschwinden begleitete, so scheinen sie nun berufen, dieselbe Rolle in der Türkei zu übernehmen. Oft folgt die Wissenschaft dem sich entwickelnden Verkehr, sie bahnt ihm aber auch oft den Pfad. Die wechselseitige Förderung beider ist das beste Mittel zur schnellen Kultivierung der Wildnis. Wissenschaftliche Gesellschaften zur Erforschung fremder Gebiete dienen deshalb nicht etwa nur der Liebhaberei weltfremder Gelehrten, sie bringen nicht nur irgendeinen Schößling am großen Baume der Wissenschaft zum Grünen, sondern sie sind verdienstvolle Förderer sehr praktischer Dinge. Die Entdeckungen über Kulturpflanzen und Bodenbewässerung bei den alten Ägyptern, Babyloniern, Assyriern gaben wertvolle Fingerzeige für neu zu schaffende Pflanzungen und Anlagen. Die Erforschung der geologischen Bodenverhältnisse, der chemischen Zusammensetzung der Gewässer und ihrer Gefälle, der Lebensbedingungen von Nutzpflanzen, ist von höchstem kaufmännischem Interesse, und meist überhaupt die Voraussetzung jeder größern wirtschaftlichen Aktion. Hängt doch die Möglichkeit zahlreicher Industrien von der Kenntnis dieser Dinge ab! Palästina ist ein Land ohne Kohlen und Eisen. Man hat deshalb zeitweise an umfangreichern industriellen Möglichkeiten dort erhebliche Zweifel gehegt. Heute wissen wir von Salz- und Phosphatlagern, dem Vorkommen von Asphalt, Brom, Schwefel und vermuten das Vorhandensein von Petroleum. Eine gründliche und systematische Feststellung der Verhältnisse tut not. Wir schicken diese sehr nüchternen und reellen Tatsachen voraus, um den Skeptikern, denen die Gesellschaft für Palästinaforschung auf ihrem noch kurzen Lebenspfade hin und wieder begegnet ist, zu zeigen, daß ein solches Unternehmen sehr schnell und sichtbar Nutzen schaffen kann. Aber natürlich ist die Wissenschaft nicht nur dazu da, um das materielle Wohlergehen der Menschheit zu fördern. Sie verfolgt ihrem Wesen nach ideale Zwecke und dient der Erkenntnis um ihrer selbst willen. Wo aber findet sich wohl ein Land, das diesem Streben reichern Stoff bietet als der semitische Orient?! Aus seinem Boden sind in wenigen Jahren die alten Königsburgen der Babylonier und Assyrier vor uns erstanden, am See von Urmia hat man das Archiv der Chetiterkönige entdeckt und ihm die wichtigsten Kenntnisse über die politischen Verhältnisse des frühen Altertums entnommen. Gezer und Jericho, Megiddo und Samaria, die Königsstadt Ahabs, feiern ihre Auferstehung. Die Stele Hammurabis, das Amraphel der Bibel, zeigt uns die Zusammenhänge der Gesetzgebung in den semitischen Staaten, und die Wanderungen Abrahams von Ur nach Haran und weiter nach Palästina werden uns als religiöse Sezession eines Bekämpfers der Lehre des Marduk verständlich. Das alte Israel lebt nicht mehr in der Kindheitsepoche der Menschheit, sondern in einem Lande, das der Oberhoheit großer Kulturstaaten untersteht. Und wenn Jakob in Zeiten der Teuerung nach Ägypten zieht, so erbittet er nur Schutz und Hilfe bei seinem Souverän, dem die Fürsten Kanaans tributpflichtig sind. In Ägypten sucht der Pharao Chuenaten (Amerophis IV.) den Monotheismus einzuführen, und er ernennt einen Statthalter für das Deltagebiet, mit dem Namen Janchaum, dessen Persönlichkeit auffallend an den biblischen Joseph erinnert. So bestätigen sich die Angaben unserer ältesten Stammesurkunden, die sich für den weniger strenggläubigen Teil unserer Volksgenossen bereits in schöne Sagen und fromme Legenden zu verflüchtigen begannen l Das meiste von alledem und vielem andern, das zu erwähnen der Raum verbietet, entstammt den Grabungen eines Jahrzehnts. Welch unschätzbares Wissen mag noch in den „Teils", den Ruinenhügeln unsers Stammlandes, schlummern: direkte Kunde von Salomo, den Propheten, dem Verzweiflungskampfe des Bar Kochba! Se ne alte Veste Bethar, dann Nablus; die Stätte Sichems, Theranach, die Bergabhänge, auf denen das alte Jerusalem lag, und viele andere Kulturstätten harren des Spatens. Aber noch auf einem andern Gebiete, auf dem der Antheopologie, kann der Boden Kanaans uns reiche Lehren geben, und so mancherlei zur Lösung insbesondere des Problems der Entstehung der jüdischen Rasse beitragen. Noch immer ist diese Frage nicht endgültig geklärt, und Hypothesen aller Art bestimmen die Meinungen. Diese scheinbar so theoretische Angelegenheit hat für uns einen tiefernsten Hintergrund. Denn die Rassentheorien, die eine besondere jüdische Rasse nicht indogermanischer Zugehörigkeit annehmen, und ihr mit dem Anschein wissenschaftlicher Begründung Begabungsqualitäten und Charaktereigenschaften absprechen, haben m den Köpfen von Gebildeten und Halbgebildeten wahre Verwüstungen angerichtet und der Politik ganzer Nationen ihren antisemitischen Stempel aufgedrückt. «• Nicht weniger wichtig als die Altertumskunde ist die natur wissenschaftliche Arbeit. Sie hat in der letzten Zeit durch den Agronomen Aaronsohn die Entdeckung des Urweizens in Palästina gebracht und damit das alte Semitenland als die erste Stätte des Getreidebaues, vielleicht damit auch überhaupt als erste Stätte der Gesittung kenntlich gemacht. Der Jerusalemer Zoologe Aharoni hat bemerkenswerte Studien angestellt, Expeditionen übernommen und eine neue Vogelspezies entdeckt, aber noch bleibt viel zu tun Die Feststellung der klimatischen Verhältnisse, die Höhlenkunde und das Senkungsgebiet des toten Meergebiets lassen umfassende Untersuchungen notwendig erscheinen.

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