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Die Welt · 1911-03-31 · 13 (31.3.1911) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No 13 DIE^ELT 297 -hßte im wesentlichen die Frage drr Neutralität und sodarm die Frage des Verhaltens gegenüber der Nsagründung liberaler Jugendvereine. Von sämtlichen Rednern ohne Ausnahme wurde die Separierung eines Teiles der Jugend, die Begründung besonderer parteireligiöser Jugendvereine, aufs entschiedenste verurteilt. Von einer Seite wurde gerügt, daß die Verbandszeitung die Enquete zur Jahrhundertfeier der Emanzipation der deutschen Juden veranstaltet habe, und besonders lebhift wurde von zionistischer Seite getadelt, d.d.) man dabei auch Max'milian fiarden, der doch Antisemit sei,'befragt habe, ein Mann, der doch gewiß nicht kompetent sei, in jüdischen Ange^genheiten ein Urteil abzugeben. Es wurden die folgenden Anträge angenommen: 1) D:e Mitglieder eines Verbandsvereins, die sich vorübergehend an dem Sitze eines andern Verbandsvereins aufhalten, dürfen an dessen nichtgeschäftlichen Veranstaltungen unter denselben Voraussetzungen teilnehmen, unter denen es dessen Mitgliedern gestattet ist. 2) Der Verbandstag empfiehlt den Verbandsvereinen körperliche Übungen, besonders das Turnen ihrer Mitglieder eifrig zu fördern, und beauftragt den Vorstand, in diesem Sinne auf die Vereine einzuwirken. 3) Diejenigen Vereine, in deren Statuten der Passus enthalten ist, daß politische und religiöse Fragen in ihren Vereinen von der Erörterung ausgeschlossen sind, sollen vom Vorstande aufgefordert werden, diesen Passus zu streichen (Antrag Goslar-Berlin). Hiernach wurde zum ersten Vorsitzenden des Verbandes Dr. Apfel persönlich gewählt und als Vorstandsmitglieder des Verbandes 8 Vereine. Der Delegiertentag verlief in vollster Harmonie. NACHRICHTEN^] Das Aufenthaltsrecht der ausländischen Juden in Ostpreußen Wir haben am 17. Februar und am 17. März von einer Verfügung des Oberpräsidenten von Ostpreußen berichtet, welche sich gegen die Ansässigkeit der in Königsberg wohnhaften russischen und österreichischen Juden richtet. Diese Verfügung wurde letzthin im preußischen Abgeordneten hause zur Sprache gebracht. Der Minister Daliwitz bestätigte die Existenz dieses Erlasses, den er verteidigte. Er versprach, sich dafür einzusetzen, daß bei der Durchführung der Bestimmungen, weiche die Ausweisung von Kindern betreffen, mit möglichster Schonung vorgegangen werde. „Eine Roseggersammlung in kleinerem Maßstab" Der „Bund der Deutschen Nord m ähren s" in Olmütz, eine waschecht antisemitische Organisation, überschwemmt die „reichsdeutschen Volksgenossen", darunter zahlreiche Juden, inst Aufrufen zur Zeichnung von Anteilscheinen für einen „Grundkauffonds", der dazu dienen soll, Grund und Boden in den deutsch-tschechischen Grenzgebieten für deutsche Volksgenossen anzukaufen. Zu diesem Zwecke gibt der Bund zwe'tausend Anteilscheine zu 100 Kronen heraus und fordert zur Stiftung von Anteilen auf. „Eine Roseggersammlung in kleinerm Maßstab" nennt er den neuen Fonis. Nun hat bekanntlich die Roseggersammlung des judenfeindlichen Deutschen Schulvereins infolge dei Warnungen der jüdischen Presse glücklicherweise keine Gegenliebe bei den reichen Juden gefunden, obwohl die alldeutschen Herren, die keinen Juden leiden mögen, doch sein Geld gern nehmen, es an Liebesmüh in dieser Richtung wahrlich nicht hatten fehlen lassen. Der Mißerfolg der Baustein-Sammlung scheint jedoch die wackern deutschen Antisemiten Österreichs nicht abgeschreckt zu haben, und so versenden sie denn wieder einmal an die mit den österreichischen Verhältnissen nicht vertrauten deutschen Juden tausende von Bettelbriefen, in denen zu Zeichnungen für ihren Grundkauffonds aufgefordert wird. Demgegenüber ist es Pflicht der selbstbewußten jüdischen Presse, das jüdische Publikum aufzuklären und vor diesen neuen Lockrufen entschieden zu warnen. Die meisten Unterzeichneten des vom „Ernting 1910" datierten Aufrufs sind bekannte antisemitisch e Agi tatoren. Die ganze Tätigkeit des Bundes der Deutschen Nordmährens bewegt sich in antisemitischer Richtung, und der Jude, der diese Organisation unterstützt, fördert mit seinem Gelde judenfeindliche Bestrebungen. Wahlen in der Alliance Israelite Universelle Die „Welt" hatte am 10. März berichtet, daß das Pariser Zentralkomitee der A. I. U. beabsichtige, die längst fälligen Wahlen in das Zentralkomitee für anfangs Juni anzuberaumen. Es werden im ganzen etwa 40 Herren zu wählen sein. Das Zentralkomitee zählt gegenwärtig 65 Mitglieder. Die Vornahme der Neuwahlen war eine der wesentlichsten Forderungen gewesen, welche die am 22. Februar stattgehabte Generalversammlung des Berliner Lokalkomitees der A. I. U. gestellt hatte. Judenmetzeleien in Marokko Die JerusalemerZeitung „H icheruth" veröffentlicht einen Brief aus UJschda in Marokko, in dem von grausamen Judenmetzeleien in der nahen Stadt Debdo berichtet wird. In dieser Stadt wohnen 300 jüdische Familien, die bisher in ihrer „Mellah" (Judenvierteil ziemlich unbehelligt lebten. Vor kurzem brach nun eine Fehde zwischen den moh:immed:iiiischen Bewohnern des Städtchens aus, und die beiden streitenden Parteien wählten das Juden viertel zum Schauplatz ihrer Kämpfe. Später überfielen beide Parteien die Häuser der Juden, raubten und plünderten alles, was ihnen unter die Hände kam, und richteten unter der jüdischen Bevölkerung ein entsetzliches Blutbad an. In den Straßen lagen zahlreiche jüdische Leichen umher. Kleine Kinder, die von ihren Eltern tagelang verborgen gehalten worden w.iren, ohne daß ihnen ein Schluck Wasser hätte gereicht werden können, kamen vor Durst um. Einer Gruppe von 20 jüdischen Männern gelang es, nach Udschda, das unter französischem Schutz steht, zu entkommen. Hier überreichten sie den französischen Behörden eine Beschwerdeschrift und wandten sich auch an die Alliance Israelite um Hilfe. Wie uns das deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle mitteilt, hat sich das Zentralkomitee telegraphisch an die französische Gesandtschaft in Marokko gewendet mit der Bitte, sich für den Schutz unserer Stammesgenossen zu verwenden. Ferner nahm das Zentralkomitee Anlaß, mit dem in Paris weilenden marokkanischen Minister des Äußern El M o k r i von der Lage der Israeliten in Marokko und namentlich von den Zwischenfällen in Debdu zu sprechen. Der Minister gab die Zusicherung, daß er die Aufmerksamkeit der marokkanischen Regierung auf diese bedauerlichen Vorfälle lenken und das Mögliche aufbieten würde, daß den Juden in Debdu Gerechtigkeit widerfahre. Da El Mokri schon zur Zeit der Algeciras-Konferenz derartige Versprechungen gemacht hat, ohne sie zu halten oder halten zu können, erscheint diese Aktion der A. I. U. wertlos. Achad=Haam in Amerika Der bekannte hebräische Schriftsteller Achad-Haam (Ascher Ginsberg) wird auf Einladung des Dropsie College in Philadelphia im Herbst d. J. nach Amerika kommen, um an der genannten Hochschule eine Reihe von'Vorlesungen in englischer Sprache über „Jüdische Kultur" zu halten. Die Juden und die Landwirtschaft in Amerika Man berichtet uns aus New York: Ein erfreuliches Bild der auf die stete Vervollkommnung der Arbeitsmethoden und auf die Vertiefung der theoretischen und praktischen Kenntnisse hinziehenden Bestrebungen der jüdischen Farmer in Amerika bietet die hri Jargon geschriebene Fachzeitung „Der jüdische Farmer" (New York), das Organ der Jewish Agricul - tural and Industrial Aid Society. Die vortrefflich geleitete Monatsschrift bietet in jeder Nummer eine reiche Fülle praktischer Ausweisungen und nützlicher Fingerzeige für alle Zweige der Landwirtschaft und reiht sich den besten Fachblättern dieser Art würdig an. Wie sehr man in in abgebenden Kreisen Amerikas die Tätigkeit der Juden auf dem Gebiete der Landwirtschaft — auch in wissenschaftlicher Hinsicht — zu schätzen weiß, geht daraus hervor, daß der jüdische Agronom Dr. J. J. Lipman kürzlich zum Direktor der State and College Bxperirnent Station von New Jersey, einer der angesehensten landwirtschaftlichsten Versuchsstationen Amerikas, ernannt worden ist. Die Anzahl der Juden in Bosnien Nach den provisorischen Mitteilungen über die Ergebnisse der Volkszählung in Bosnien und der Herzegowina leben dort gegenwärtig 11 850 Juden. Rituelle Verpflegung auf den Dampfern der russischen Levantelinie Seit kurzem wird auf den russischen Dampfern, die von Odessa nach Alexandrien und Jaffa abgehen, den Reisenden auf Verlangen rituelle Kost verabreicht, deren Zubereitung von einem eigens hierzu engagierten Schächter und Aufsichtsbeamten überwacht wird. Auch auf der Route Jaffa-Odessa der russischen Dampferlinij ist für rituelle Verpflegung Vorsorge getroffen. Schluß des redaktionellen Teiles

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