Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316458-3316475--54414-3348200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 13 DIE Zionisten und Antizionisten, daß diese meine vollständige Billigung hat." Herr Rubenstein versicherte ihm darauf launig, daß die Zionisten aufhören würden, die Ankunft des Messias zu verkünden, da sie als Ersatz seinen und seiner großen Anhängerschaft der Reformjuden guten Willen und Unterstützung hätten. Später bemerkte Rabbiner Dr. Steven Wise, ehemals Sekretär der Federat:on of American Zionists: „Wenn Herr Prof. Kohler den Zionismus in seinem Seminar während einer halben Stunde mit Herrn Rubenstein diskutierte, dann ist die messianische Ära wirklich angebrochen.u ELT 295 Am folgenden Sonntag sprach Herr Rubenstein in einer großen Versammlung, bei der auch viele Studenten des Union Hebrew College anwesend waren. Den Vorsitz führte Herr Dr. Gotthard Deutsch, der eine begeisterte zionistische Rede hielt. So hat in der Hochburg der Reform eine zionistische Versammlung stattgefunden. Nach den Reden wurden mehrere Ölbäume gezeichnet, die auf die Namen der Herren Dr. Deutsch und Rubenstein gepflanzt werden sollen. An unsere Leser! Gesinnungsgenossen! Mit dieser Nummer endigt das I. Quartal des XV. Jahrganges der „Weit'".' Die propagandistische Tätigkeit unserer Gesamtorganisation steht bereits im Zeichen des X. Zionistenkongresses und das II. Quartal d. J. wird lediglich den Vorbereitungen für den Kongreß gewidmet sein. - Die ernsten und hochbedeutenden Fragen, die diesmal den Kongreß in Basel beschäftigen werden, bilden schon jetzt Gegenstand der Erörterung in den zionistischen Versammlungen und der zionistischen Presse. Unsere hervorragendsten Mitarbeiter haben sich bereit erklärt, in der „Welt" zu denFragen des X. Kongresses Stellung zu nehmen und dies bereits auch in einer Reihe interessanter Artikel getan. Die Diskussion wird im Laufe -der nächsten Monate in erhöhtem Maße fortgesetzt werden. Wie in den frühern Jahren, wird auch diesmal über die Verhandlungen des Kongresses in einer spezieilen Kongreß-Ausgabe der „Welt" ausführlich berichtet werden. Die große propagandistische Wirkung dieser Ausgabe hat von Kongreß zu Kongreß an Bedeutung gewonnen, und wir geben uns der zuversichtlichen Erwartung hin, daß wir ganz besonders zum X. Kongreß für die Vorbereitungen der Kongreß-Ausgabe auf die tatkräftigste Mitarbeit aller Gesinnungsgenossen rechnen dürfen. Diese Vorbereitung soll möglichst sofort, und zwar mit einer intensiven Propaganda zur Gewinnung neuer Abonnenten für „Die Welt" beginnen. Jeder ab 1. April d. J. neu eintretende Abonnent hat seinerzeit Anspruch auf kostenlose Lieferung der Kongreß-Ausgabe. Unsere Abonnenten deren Bezugszeit am 31. März 1911 abläuft, bitten wir die Abonriementserneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Den Beziehern in Deutschland und Österreich-Ungarn haben wir Zahlkarten bzw. Posterlagscheine zugehen lassen, die wir zur kostenlosen Überweisung der Abonnementsbeträge zu benutzen bitten. Jedes abgelaufene Abonnement, das bis spätestens 31. März 1911 nicht ausdrücklich abbestellt war, betrachten wir als erneuert. Verlag „Die Welt". Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Der große Plan Als wir vor genau einem Jahre an dieser Stelle darauf hinwiesen, daß die plötzliche Absicht zur Auflösung des bestehenden Medschliß Umumi in Konstantinopel und zur Wahl eines neuen, jeder Logik und sichtbaren Notwendigkeit entbehre, und daß irgendwelche geheime Pläne hinter dem Vorhaben stehen müßten, da entrüsteten sich die hiesigen jüdischen Ortsgewaltigen über eine solche Zumutung, und viele unserer Freunde selbst waren der Ansicht, daß das heiße, sich in Dinge mischen, die uns nichts angehen. Heute liegt's zutage, daß wir wohl wußten, was wir taten, als wir die entstehende Machination ans Licht zerrten, und daß wir es in allererster Richtung sind, die die Sache angeht. Heute liegt zutage, daß man den frühern Medschliß als nicht genug assimilatorisch, sklavenselig und gewissenlos ansah, um ihn als Instrument gegen den Zionismus verwenden zu können. Nun schreitet man unverzüglich ans Werk. Informationen von zuverlässigster Quelle erlauben mir mitzuteilen, daß auf der Tagesordnung der allerersten Sitzung des neuen Medschliß Umumi eine Verdammung des Zionismus und eine in diesem Sinne gehaltene Protestkundgebung des Medschliß an die Regierung stehen wird. Das stimmt vollkommen mit der neuesten Ankündigung des von seinen getreuen Helfern wieder auf die Beine gebrachten „Tiempo" überein, die folgendermaßen lautet: „Gemäß unsern Informationen wartet das Großrabbinat von Konstantinopel die Organisierung seiner Gemeinderäte ab, um sodann eine offizielle Erklärung gegen den Zionismus abzugeben. Man weiß, daß momentan (das währt schon acht Monate. Anm. d. Ber.) in der Zentralbehörde der türkischen Judenheit weder ein Medschliß Umumi noch ein Medschliß dschismani existiert. Sofort wie diese Körperschaften konstituiert sein werden, wird es eine offizielle Deklaration geben und ein Pastoralsendschreiben außerdem, das für die Juden der Türkei bestimmt ist." Darum also nahm man ein volles Jahr, das der Entwicklung jüdischer Kulturgüter hätte gewidmet werden können, und weihte es einem unfruchtbaren, schändlichen Intrigenspiel, veranstaltete man die Farce der „freiwilligen Zwangsdemission", ließ sich auf einen Kampf ein mit den Vororten, verdrehte und beugte das Gesetz, um eine Wahlordnung im Sinne der Großen herauszupressen, eliminierte durch Siebung der Listen nach dem Diktate der Fresco und Crespi möglichst alle für sie unzuverlässigen Männer, ließ endlich im letzten Augenblick noch Geheimmanöver und geheime Pressionen spielen, um so den reindestillierten „Protestanten-Medschliß" herauszubekommen. Behor Effendi, der Senator, ist nicht unter den Gewählten, aber David Fresco und sein Karrenschieber SchekibAdut ist unter ihnen. Wer hat sie gewählt? 206 — sage und schreibe: zweihundert- •M