Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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294 DIE 3 Äußerungen des Großyeziers im türkischen Parlamente und wies darauf hin, daß diese Äußerung nur das Resultat jener erbärmlichen Verleumdungskampagne sei, die von jüdischer antizionistischer Seite gegen den Zionismus eingeleitet wurde, um die Staatstreue der jüdischen Einwanderer zu verdächtigen. Man dürfe aber diesen Berichten keine besondere Tragweite beimessen, denn diese Verdächtigungen lassen sich leicht aufklären. Nichts liegt uns ferner als staatsverräterische Pläne, da wir doch nur ein loyales friedliches Kulturelement sein wollen. Minister seien vergänglich, aber was unvergänglich sei, das sei der Wille eines Volkes, der sich gegen alle Hindernisse durchsetzt. Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen des Redners. Es folgte eine sehr interessante Debatte und nach dem Schlußworte des Referenten erklärten sich die Herren Fabrikant Rein ige r und Kultusvorsteher Feld mann durch die Ausführungen des Referenten vollständig aufgeklärt, betonten, daß diese Ausführungen sie vollständig für die zionistischen Bestrebungen gewonnen haben. Insbesondere Herr Fabrikant Reiniger sprach in warmen Worten seine Sympathien für den Zionismus aus. Was nun folgte, war ein glänzender Beweis für die begeisternde Wirkung, welche die Rede des Herrn Bechert auf die Zuhörer ausgeübt, denn eine Reihe von Personen erhob sich um einer nach den andern zu erklären, daß sie auf Grund dieser Ausführung dem Verein „Theodor Herzl" beitreten. Lemberg. Die Ausschußwahlen in der akad. Verbindung „Heatid" ergaben folgendes Resultat: Simon Graf nasi, Adolph Schell sgem-hanasi, Benjamin Mühlbauer maskir. Prag. Der Verein jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" beendete sein 36. Semester, das an Qualität wie Quantität der geleisteten Arbeit keinem der vorangehenden Semester nachstand. Das Hauptgewicht lag auf der innern Arbeit. Allwöchentlich werden von Gästen oder Bb. Vorträge gehalten, an die sich lebhafte Diskussionen anschlössen. Außerdem bestand ein zionistisches Seminar; den größten Wert legen wir auf die Erlernung der hebräischen Sprache; diese wurde in drei Kursen betrieben, die ein von der Berliner hebr. Organisation empfohlener jüdischer Student aus Rußland, Herr B. Frumkin, leitet. Wir veranstalteten in diesem Semester außerdem vier große öffentliche Festabende, an denen Dr. Martin Buber, Felix Saiten, Konrad Löwe und Dr. Ignatz Zoilschan sprachen. Insbesondere unser Bibelabend, der schon öfters Nachahmung fand, bildete einen Glanzpunkt der Prager Saison. Wir liehen unsere Mitarbeit gerne auch den zionistischen Bürgervereinen in Prag und in der Provinz, wo unsere Bb. öfters sprachen. Auch für unsere nationalen Institutionen wurde eifrig gesammelt. Wir vollendeten die Golden-Buch-Eintragung Dr. Bubers und begannen die Felix Saltens; außerdem wurde unser zweiter Ölbaumgarten, der Boris Schatz gewidmet ist, fertig. Von allen Seiten ernten wrir für unsere Arbeit Anerkennung und Zustimmung; die Früchte, die sie trägt, geben uns die Überzeugung, daß unser Weg ein guter ist. Prag. Am 12. März sprach hier Prof. Werner Sombart als Gast des neugegründeten Vereins jüdischer Beamten im Festsaale des Jüdischen Rathauses über die „Bedeutung der Juden für das Wirtschaftsleben". Es gereichte dem Vereine, der durch diese Veranstaltung zum erstenmal vor die Öffentlichkeit trat, zur ganz besondern Genugtuung, nicht nur hervorragende Persönlichkeiten der Gelehrten weit, sondern auch zahlreiche Vertreter der hiesigen führenden Bank- und Finanzkreise bei diesem Vortrage begrüßen zu können. Diese Tatsache mag besonders hervorgehoben werden, da es eine der wichtigsten Aufgaben des Vereins ist, insbesondere das Interesse der kommerziellen Kreise für die Probleme des modernen Judentums zu erwecken. Radautz. Der jüdisch-nationale Frauen- und Mädchenverein „Miriam" veranstaltete am 12. März im Saale des „Hotel Bristol" eine Purimfeier, die einen sehr animierten Verlauf nahm und sowohl einen glänzenden moralischen wie auch materiellen Erfolg aufzuweisen hatte. Die Festrede hielt Frau M. Dubs. In klangvollen, fein durchdachten Worten schilderte sie die Bedeutung des Purimfestes als Freudenfest für die Juden. Sie zog eine Parallele zwischen den Makkabäern und einer Judith, Deborah und Esther. Zum Schlüsse richtete Rednerin an die anwesenden Damen den Appell, sie möchten sich die Esther zu ihrem Vorbilde machen und gleich ihr sich voll und ganz und mit voller Aufopferung in den Dienst der heiligen Sache stellen, da jetzt, wo so viele Hamans die Juden bedrohen, eine einzige Esther zu schwach wäre, um gegen sie mit Erfolg auftreten zu können. Reicher Beifall wurde der Rednerin gezollt. Wien. Bei der am 15. März 1911 stattgefundenen ordentlichen Plenarversammlung der Lese- und Revehalle jüdischer Hochschüler wurden nachstehende Herren in den Ausschußgewählt: Cand. phil. Berthold Hirschl, Präses, med. Leon Kolb, L Vicepräses, exp. Ernst "ELT No. 13 Rosenberger, II. Vicepräses, phil. Simon Braunstein, I. Schriftführer, jur. Hermann Klopper, II. Schriftführer, anch. Hans Sobelsohn, I. Kassierer, jur. Alfred Autal, II. Kassierer, exp. Georg Roland Frank, Zeitungsverweser, jur. Chaim Willner, Hausverweser, jur. und exp. Heinrich Fleiß, Bibliothekar. ü Ungarn Csorna. Den Bemühungen unserer Gesinnungsgenossen ist es gelungen, hier eine zionistische Gruppe ins Leben zu rufen. Bosnien Travnik. Am H.März d. J. hielten die jüdischen Frauen Travniks eine Versammlung ab, auf der beschlossen wurde einen jüdischen Frauenverein zu gründen. Der Verein der den Namen: „Jüdischer Frauen verein „Jeannette Herzl" in Travnik führen wird, vereinigt aschkenasische und sephardische Frauen. Es wurde ein provisorischer Ausschuß gewählt, der Statuten ausarbeiten, solche der Landesregierung zur Genehmigung vorlegen und den Verein konstituiren wird. — In Travnik besteht bereits ein jüdischer Literarischer- und Unterstützungs-Verein „Ezrat-Dalim" mit einer eigenen Lesehalle und einer musikalischen Sektion, der in schönster Blüte steht. England Sitzung des Vorstandes der Föderation Am 21. März fand in London unter dem Vorsitz des Präsidenten Herrn Cowen eine Sitzung des Vorstandes der English Zionist Federation statt. Anwesend waren Frau Liebster, Rabbiner J. K. Goldsbloom sowie die Herren Dr. Melamed, Norman Bentwich, L. Eisen, M. Epstein, Paul Goodman, B. Grad, M. Jacobs, L. Kessler, S. B. Rubenstein, Leon Simon und Henry Snowman. Ein Bericht des Propagandakomitees für den Norden Englands teilte mit, daß die Herren J. L. Loewy und M. Simon vorläufig zum Präsidenten resp. Ehrensekretär ernannt worden seien und daß das Komitee die Propagandaarbeit in diesem Distrikt ins Auge gefaßt habe. Es wurde, beschlossen, daß die angeschlossenen Vereine aufzufordern seien, die Monatsschrift „The Zionist" zu unterstützen. Die Einsetzung eines Komitees zur Revision des Statuts wurde bis zur nächsten Sitzung verschoben. An die Vereine wird ferner ein Manifest gerichtet, in dem ihnen die Notwendigkeit vor Augen geführt wird, sich in tätiger Weise den verschiedenen Zweigen der zionistischen Arbeit zuzuwenden und sich besonders um den Verkauf der Schekolim zu bemühen. Den weitem Gegenstand der Beratung bildeten Mitteilungen des Aktionskomitees bezüglich des Schekelverkaufs und des Nationalfonds bezüglich des in Bälde zu erwartenden Besuchs von Dr. Franz Oppenheiiner in England. Auch wurde die finanzielle Lage erörtert. Es wurde beschlossen, einen speziellen Fonds zu bilden, um die unmittelbaren Bedürfnisse der Föderation zu befriedigen. Vereinigte Staaten Herr S. B. Rubenstein, der Ehrenschatzmeister der English Zionist Federation, weilte vor kurzer Zeit in den Vereinigten Staaten, wo er sich der zionistischen Propaganda in erfolgreicher Weise widmete. Am 26. Januar hielt er einen Vortrag vor einer großen Versammlung von Knaben und Mädchen in der hebräischen Schule zu Louisville und am selben Abend eine Rede in der Synagoge vor einer Versammlung von mehr als 500 Zuhörern, die unter dem Vorsitz von Herrn Allan Shapinsky stattfand. Seine Ausführungen erweckten großen Enthusiasmus, und am Schlüsse wurde für den J. N. F. gesammelt. Am 4. Februar weilte er in Cincinnati, wo es ihm gelang, mit Prof. Dr. Kohl er, dem Rektor des Union Hebrew College, ein Einverständnis bezüglich der zionistischen Arbeit zu erzielen. Im Laufe des Gesprächs bemerkte Prof. Kohler, daß die amerikanischen Juden gute Arbeit leisteten, „indem sie die jüdische Mission unter die Andersgläubigen verbreiteten". Herr Rubenstein erwiderte, daß die wahre jüdische Mission nur von den Juden in ihrer eigenen historischen Heimstätte durchgeführt werden könnte. Wenn die Juden sozusagen das Salz der Nationen seien und Gott sie zur Aufklärung der Völker bestimmt habe, so wäre es vielleicht ebenso richtig, daß ein Teil dieses Salzes im Orient verteilt werden solle, da dieser Weltteil der Aufklärung und der Kultur weit mehr bedürfe als der Westen. Prof. Kohler gab dies schließlich zu und sagte in Anwesenheit mehrerer Hörer seines Seminars: „Glauben Sie nicht einen Augenblick, trotz aller Berichte, die über mich verbreitet werden, daß ich gegen den Zionismus bin. Ich bin nur gegen das Verkünden einer messianischen Ära seitens der Zionisten. (?) Aber was die Kolonisation Palästinas durch die Juden anbetrifft, so mögen Sie allen mitteilen, sowohl orthodoxen und Reformjuden,