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Die Welt · 1911-03-31 · 13 (31.3.1911) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 13 uIEXaXELT 289 Die Kolonie Malbas (Petach Tikwah), die bekanntlich vor der Ansiedlung der Juden eine trostlose Einöde war und allerlei wilde Tiere und Raubvögel beherbergte, liefert seit dem Jahre 1329 (türkischer Zeitrechnung), in dem die Juden sich dort ansässig machten, an Zehnten, Vergho und andern Steuern jährlich 263 000 Piaster an den Fiskus ab und hat sich zu einem Luitkurort und zu einem Mittelpunkt des Touristenverkehrs entwickelt. Die Kolonie Ujun-Karah (Rischon-Le Zionj in der Nähe Jaffas hat dem Fiskus im Jahre 1300 nicht mehr als 3000 Piaster abgeworfen, seit dem Jahre 1328 bringt sie jedoch an Zehnten, Vergho und andern Abgaben 332 000 Piaster jährlich auf." Salahi wendet sich weiter an die judenfeindliche arabische Presse und sagt: „Dies sind einige Zahlen, die uns klar zeigen, was die jüdische Ansiedlung dem Reiche und der Bevölkerung gebracht hat. Habt Ihr demnach das Recht, sie zu bekämpfen? Ein weiteres Faktum: Die jüdische Kolonie Chedera, die vor der Niederlassung der Juden ein Brutplatz für Wüstenvögel war und die im Jahre 1303 23 000 Piaster an Steuergeldern einbrachte, liefert jetzt 110 000 Piaster an Zehnten und 12 000 Piaster an Vergho. Das große Gelände bietet jetzt einen herrlichen Anblick. Die Juden haben dort blühende Gärten, Orangenpflanzungen und Palmenhaine angelegt, außerdem haben sie etwa eine halbe Million Eukalypten angepflanzt, um die Sümpfe auszutrocknen und die Luft von den giftigen Ausdünstungen zu reinigen. Die meisten arabischen Landarbeiter, die früher keinerlei Erwerb fanden, ernähren sich jetzt reichlich durch die jüdischen Ansiedler. Sowohl wir Moslenien als die christlichen Araber ziehen den größten Nutzen aus der Tätigkeit der Juden. Sie sind es, die eine erhebliche Steigerung der Bodenpreise herbeigeführt haben. Während man früher 5 Frs. für den Dunam erhielt, erzielt man jetzt für einen Dunam Boden 60 Frs. und mehr. Die Steuereinnahme aus den drei Kolonien beläuft sich jetzt auf 717 000 Piaster jährlich. Wie hoch die Einnahme aus den übrigen jüdischen 20 Kolonien ist, darüber fehlen mir jetzt die ziffermäßigen Belege. Ich werde darauf in einem spätem Artikel zurückkommen." Der Artikel schließt mit folgenden Worten: „Seitdem Spanien die Juden vertrieben hat, sank es kulturell und wirtschaftlich immer tiefer. Der Sultan, der sie gastfreundlich aufnahm, wußte, daß er an ihnen treue Untertanen gewann. Seither haben sich die Juden als dankbare und anhängliche Bürger des ottomanischen Reiches bestens bewährt." f□□□□□□ o FEUILLETON □□□□DO HO —Jj ß LITERATURBRIEFE Von Dr. tri, Brody, Prag IV. Der zweite Band der „Gesammelten Schriften" von David Kaufmann (Frankfurt a. M., J. Kauffmann, 1910; X u. 434 S. 8°) bringt — nach einem orientierenden Vorwort des umsichtigen Herausgebers, Dr. M. Brann, — zunächst die vortreffliche Preisschrift des leider so früh verstorbenen, ebenso gründlichen wie vielseitigen und produktiven Gelehrten: „Die Theologie des Bachja Ibn Pakuda" (S. 1—98). Im Jahre 1874 in den Sitzungsberichten der phii.-hist. Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien erschienen, war diese ausgezeichnete Abhandlung Kaufmanns nur Fachgelehrten bekannt und auch diesen nicht immer und nicht ohne Schwierigkeit erreichbar; erst durch den Wiederabdruck in den „Gesammelten Schriften * wird sie weitern Kreisen zugänglich gemacht, wofür dem Herausgeber besonderer Dank und doppelte Anerkennung gebührt. Der prächtige Vortrag „Jehuda Halewi", in welchem ein großer und edler Jude von einem großen und edlen Juden ein meisterhaftes Bild entwirft, erscheint hier (S. 99 — 151) durch eine große Anzahl dem Handexemplar des Verfassers entnommener Nachträge bereichert und wird darum auch den Besitzern der ersten Auflage (Breslau 1877) willkommen sein. Als Nr. III erhalten wir den großangelegten, herrlichen Aufsatz: „Der »Führer* Maimunis in der Weltliteratur" (S. 152 — 189), aus dem XI. Bde. des „Archivs für Geschichte der Philosophie". Dem „Jahrbuch für Geschichte und Literatur", Jg. 1898, ist der interessante Artikel „Eine unbekannte messianische Bewegung unter den Juden ums Jahr 1096" entnommen (S. 190—202), worauf die lehrreiche Besprechung von Güdetnanns „Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der abendländischen Juden", aus „Gott. Gel. Anz." 1881 folgt (S. 203—248). Aus der „Monatsschrift für Gesch. und Wiss. des Judentums" 1882 und 1883 werden zwei Artikel: „Das Todesjahr des R. Isak b. Scheschet und „Die Grabinschrift des Isak b. Scheschet" reproduziert (S. 249—256); vier in der „Revue des Etudes Juiyes" erschienene Abhandlungen: „Ein Jahrhundert aus der Geschichte der Familie Jechiel von Pisa", „Zur Geschichte der Familie Pisa", „DieMarranen von Pesaro und die Repressalien der levaniinischen Juden in Ancona", endlich „Die 24 Märtyrer von Ancona" werden hier zum erstenmal in deutschem Urtext wiedergegeben (S. 257- 295'. Es folgen dann noch die eingehende Monographie „Isak Schulhof, der Zeuge und Geschichtschreiber der Erstürmung Ofens" (S. 296---327), aus des Verfassers Buch: „Die Erstürmung Ofens", und die historisch bedeutsame Abhandlung „Barthold Dowe Burmania und die Vertreibung der Juden ans Böhmen und Mähren"(S328—373), die zuerst in der „Grätz-Jubelschrift" erschienen ist. Den Schluß des reichhaltigen Bandes bildet eine Auswahl von „Predigten, Reden und Betrachtungen" (S. 376 — 434), die sich ebenso durch Ideenreichtum und Gedankentiefe wie durch Wärme der Empfindung und Eleganz der Sprache auszeichnen. Die Veröffentlichung der „Gesammelten Schriften" Kaufmanns bildet eine Bereicherung unseres Literaturscharzes, eine Bereicherung von ganz besonderm Werte. Dem gelehrten Herausgeber wird als der großen Mühe reicher Lohn der aufrichtige Dank aller wannen Freunde der Wissenschaft des Judentums zuströmen; Frau Rosa Gomperz aber, die, wie Braun sagt, „dem Sohne ihres Herzens durch die Heraiiigabe der Schriften des Unvergeßlichen m t opferfreudiger Hingebung das Denkmal vollenden will, das ihre verstorbene Tochter Irma dem Gatten zu errichten geplant hatte", sie errichtet durch ihre liebevolle und edle Tat sich selbst ein imposantes Denkmal, dauerhafter als Stein und Erz. Gleichfalls im Verlage von J. Kauffmann in Frankfurt a. M. erschien der dritte Teil von Leopold Steins „Die Schrift des

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