Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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288 DIES^ELT fv<.. 13 durch Belehrung der im Leben stehenden Landwirte eine weitere Vertiefung des Stoffes anbahnt, dann ist Aussicht vorhanden, daß die nächste Generation nicht aus Bauern, sondern aus Landwirten bestehen wird. Voralle-tn tut es not, landwirtschaftliche Unterrichtsbücher nach einheitlichein System methodisch angeordnet, den Verhältnissen der Landeskulturen Rechnung tragend, herauszugeben. Auch die Bearbeitung eines auf palästinensische Betriebsweise zugeschnittenen Lexikons würde viel Segen stiften. Auch die Redaktion einer fachlichen Jugendzeitschrift wäre in Erwägung zu ziehen. Der Fachunterricht im Handwerk dürfte sich nach obenskizzierter Methode, die sinngemäß auf den betreffenden Berufszweig zu übertragen wäre, gestalten. Nur müßte naturgemäß die Basis von der praktische;! Arbeit gebildet werden, die durch theoretisches Wissen vertieft wrrden soll. Durch diese Art des Fortbildungsunterrichts ist es z.B. Kerschensteiner in München gelungen, die relative Zahl der ungelernten Arbeiter auf 6 % herunterzudrücken. Das sind die Maximen, nach welchen m. E. die Frage der sozialen Erziehung zu lösen wäre. So gehandhabt führt letztere zu einer Ve'geist'gung der Materie, schafft ideale Werte, durchdringt alle Schichten des werktätigen Volkes mit Liebe zum Beruf und zur neuen, doch so alten Heimat. Die jüdische Kolonisation Palästinas in der arabischen Presse In der vorigen Nummer haben wir bereits erwähnt, daß die in Beirut erscheinende arabische Zetung „Kilamat El Hak" und die Jaffaer arabische Zeitung „Philistin" in langem Artikeln für die jüdische Kolonisation in Palästina eintreten und die Verdienste der jüdischen Einwanderer um den kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung des Landes in begeisterten Worten preisen. Im nachfolgenden geben wir die interessanten Ausführungen der beiden arabischen Zeitungen auszugsweise wieder. Das arabische Tagblatt „Kilamat El Hak" in Beirut schreibt in einem „Die Juden in Palästina" betitelten Artikel u. a.: „Alle Völker des Altertums haben ihren alten Glauben vertauscht, Israel allein blieb mit unlöslichen Banden an die göttlichen Bücher geknüpft, ließ sich weder von den Dichtungen der Hellenen noch von den Rechtssatzungen der Römer betören, sondern blieb allezeit dem mosaischen Gesetze treu, das ihm stets als die erhabenste aller Lehren galt. Und in der Tat, die Worte, die Israel am Sinai vernommen, sind erhabener als die Gesänge Homers, auch die Psalmen Davids und die Weissagungen Jesaias erheben sich über die Poesie Pindars. Alle Weisheit und Philosophie eines Plato und Sokrates reicht nicht an die göttliche Weissagung Salomos heran, und wer hätte für seine Leiden und Schmerzempfindungen jemals gleich ergreifende Töne wie der Prophet Jeremias gefunden? Selbst Victor Hugo steht weit hinter ihm zurück. Jedes Volk hat seine Heimstätte, in der es lebt, bloß der Jude hat keine Heimat und kein Reich. Aber mag er nun in China oder in Amerika leben, er bewahrt treu den Namen seiner Väter. . . . Ein ungewöhnliches, wunderbares Volk! Wo es sich auch befindet, überall wohnt ihm die Eigenschaft inne, das Geld an sich zu ziehen, wie der Magnet das Eisenteilchen, und wenn es auch kein eigenes Reich hat, so herrscht es doch im Reiche der Finanzen. Kraft seiner Energie und seines wunderbaren Scharfsinnes nimmt es eine hervorragende Stellung ein auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit. Die Juden sind Kaufleute, Gewerbetreibende, Künstler, sie sind die Seele aller öffentlichen Arbeit. Die Eisenbahn, die die Erde umspannt, die großen Dampfer, die den Ozean durchfurchen, die Bergwerke, die riesigen industriellen Betriebe, — sie alle bedürfen der jüdischen Tatkraft und des jüdischen Kapitals. Die wunderbare Erscheinung jedoch ist folgende: Nach 20 Jahrhunderten der Verbannung und Zerstreuung hat sich dieses Volk wieder des Landes erinnert, das seinen Vätern verheißen worden war und das die Söhne Jakobs einst emsig bebaut hatten. Der Jude, der bisher in allen Berufen außer der Landwirtschaft tätig war, zieht mit einem Male freudig in das Land seiner Väter, greift zum Pflug und zur Sichel, urn die Gefilde Boas zu bestellen, auf denen einst Ruth Ähren gesammelt hat, und den Boden, der einst von Milch und Honig überfloß, von neuem zu bearbeiten. Allein in welchem Zustande fand der Jude den Erbbesitz der zwölf Stämme? An Stelle der Städte und Dörfer, an Stelle der alten jüdischen Gemeinwesen fand er Dornen und Disteln, anstatt der Lobgesänge . der Pilger, die einst zu den Festen nach Jerusalem wallten, vernahm er das Geheul der Schakale und der Wüstentiere. Doch kaum hatten ihre Füße die geheiligte Stätte betreten, da vollzog sich ein Wunder: Freundliche Wohnstätten erhoben sich an der Stelle, die früher von Trümmerfeldern bedeckt war. Die Erde kleidet sich in saftiges Grün, blühende Dörfer entstehen, wo früher trostlose Einöden waren. Es fanden sich mißgünstige und übelwollende Menschen, die die neuen wackern und betriebsamen Ansiedler beneideten und Lärm schlugen. Ihre Klagen erfüllen die ganze Presse, die sich zum Echo dieser Angstrufe hergegeben hat. Allein alle diese Klagen sind vollständig grundlos. Der Jude wird nur gesundes Leben ins Land bringen. Es ist eine lächerliche Besorgnis, daß alle Juden sich in unserm Lande ansässig machen werden. Eine große jüdische Einwanderung kann dem Lande, das einen Einwanderungsstrom dringend benötigt, nur 2iirn Segen gereichen. Wir müssen die Söhne Jakobs in allen ihren Aufenthaltsorten einladen, die Diaspora zu verlassen und sich" hier anzusiedeln, um ihr Kapital im Landkauf anzulegen. Die europäischen Gesellschaften beuten uns aus; anders die Juden, die ein starkes Interesse an dem wirtschaftlichen Aufschwung unseres Landes haben. Darum ist das Einwanderungsverbot zu beklagen, das die Juden hindert, ihr Kapital in dem Lande anzulegen, das so sehr von Erinnerungen an ihre alte Geschichte erfüllt ist." In der neuen arabischen Zeitung „Philistin" (Jaffa) veröffentlicht einer der angesehensten mohammedanischen Bürger von Jaffa, Selim Effendi ei Salaki, einen Artikel über die jüdische Kolonisation in Palästina in dem er u. a. folgendes ausführt: „Unsere Regierung weiß sehr wohl, daß die jüdische Kolonisation in Palästina dem Staate und der Bevölkerung großen Nutzen gebracht hat. Durch dieses Kolonisationswerk sind wüste Stätten der Kultur erschlossen worden. Der Sandboden in der Nähe Jaffas, der die ganze Gegend verunzierte, wurde in ein prächtiges Wohnviertel mit gefälligen Häusern und Gärten umgewandelt, und so bringt denn diese noch vor kurzem ganz unfruchtbare Stätte dem Steuerfiskus jetzt eine beträchtliche Summe ein.