Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-03-24 · 12 (24.3.1911) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316474--54390-3348175
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

268 DIE3 bisherigen Leistungen in Palästina. Das Interesse der Versammlung für zionistische Dinge äußeite sich in vielen Zwischenfragen, die bewiesen haben, wie angebracht und notwendig ein ausführliches Referat hierüber ist. Der nächste Vortragsabend wird darum diesem Thema gewidmet sein. Mainz. Im Jüdischen Jugendverein sprach Herr Julius Simon- Mannheim über den „Zionismus". In der Begrüßung verteidigte der Vorsitzende Dr. jur. Simon, selbst kein Zionist, das Bestreben des Jugendvereins, jüdische Fragen der Gegenwart zur Diskussion zu bringen. In meisterhafter Weise gab dann der Referent ein klares Bild der zionistischen Bewegung. Dem formvollendeten Vortrage folgte starker Beifall. Dann entwickelte sich eine lebhafte und angeregte Diskussion. Auf die Fragen der einzelnen Diskussionsredner antwortete der Referent und, da er früher abreisen mußte, L. Perlmutter-Frankfurt a. M. An der Debatte nahmen ferner teil H. Bloch, Dr. Simon, Referendar Seelig, Lehrer Rosenberg und B. Stern-Wiesbaden. Im Schlußworte betonte der Vorsitzende den außerordentlich harmonischen Verlauf der Debatte, der den besten Beweis für die Richtigkeit der vom Mainzer Jugendverein beobachteten Vereinspolitik abgegeben habe. — Hoffentlich gewinnt dieses Beispiel Nachahmung bei den andern jüdischen Jugendvereinen, die noch die altmodische „Neutralität" bewahren, jede Diskussion über jüdische Fragen auszuschließen, anstatt diese in wirklich neutraler Weise durchzuführen. Mittweida. Verein Jüdischer Techniker. Restaurant Felsenkeller, Burgstädterstraße. Der Verein ist gern bereit, genaue Auskunft über das Technikum und die örtlichen Verhältnisse zu erteilen. Adresse: Restaurant Felsenkeller. Rees a. Rh. Am Sonntag den 12. er. sprach im hiesigen Literaturverein Herr cand. med. Leo Klauber aus Bonn über „die Lösung der Judenfrage". In 1 Västündiger Rede entwickelte der Referent die Gründe der Judennot und die verschiedenen erfolglosen Versuche, sie zu beheben, schilderte dann den Zionismus als das einzig vernunftgemäße und ideale Mittel zur Abhilfe und gab einen kurzen Überblick über die Geschichte dieser nationalen Bewegung in Verbindung mit den praktischen Ergebnissen, die sie bereits gezeigt hat. Die Zuhörer folgten den Ausführungen mit sichtlichem Interesse und bewiesen besonders in der regen Diskussion, daß der zionistische Gedanke auf fruchtbaren Boden gefallen war, Herr Levisohn glaubte den Zionismus von dem Standpunkte des Religionsjudentums aus bekämpfen zu müssen; ihm traten außer dem Hauptredner besonders die Herren Louis Wolff, Siegfried Marcus und Louis Marcus entgegen, die sich rückhaltlos zum Zionismus bekannten. Herr Louis Marcus wird die Gründung einer Schekelzahlergruppe in die Hand nehmen. Wiesbaden. Der von der Zionistischen Ortsgruppe veranstaltete jungjüdische Abend hatte sich eines überaus zahlreichen Besucheszu erfreuen. Nach einigen sehr eindrucksvollen Worten desden Vorsitz führenden Herrn S. J. Rosenberg, der besonders darauf hinwies, daß nun in der zionistischen Idee die Quelle der jungjüdischen Literatur läge, gab Herr L. Perlmutter (Frankfurt a. M.) ein anschauliches Bild von der Renaissance der jüdischen Literatur und Kunst, von dem Leben und Schaffen der modern jüdischen Dichter. Die besten Gedichte von Tony Rosenfeld u. a. wurden von Frl. Cilli Rapp und Herrn Sally Rosenheimer (beide aus Frankfurt a. M.) meisterhaft zu Gehör gebracht. Frl. Jenny Rapp (Frankfurt a. M.), die in liebenswürdiger Weise für einen am Erscheinen verhinderten Herrn in letzter Stunde eingesprungen war, erntete für den Vortrag einiger Lieder stürmischen Beifall. Am Schlüsse der Veranstaltung forderte Herr L. Perlmutter in begeisterten, das Publikum hinreißenden Worten zum Eintritt in die zionistische Organisation auf. Mehrere Mitglieder wurden gewonnen, eine große Anzahl Broschüren verkauft. Allen Mitwirkenden sei nochmals an dieser Stelle unser herzlichster Dank ausgesprochen. Österreich Aussig. Der Jüdische Volks verein „Theodor Herzl", hat als Vereinslokal das „Dampfschiffhotelu gewählt, wo jeden Donnerstag abends die Vereinsmitglieder gemütlich beisammen sind und auch die „Welt", „Selbstwehr", „Jüdische Zeitung" und „Palästina" ständig aufliegen. Das Hotel wird der geneigten Beachtung aller reisenden Gesinnungsgenossen empfohlen. Bielitz. Am Sonntag den 5. d. M. veranstaltete der zionistische Bürgerverein „Haschachar" im Festsaale des jüdischen Gemeindehauses eine öffentliche Versammlung, in der unser Gg. Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. Julius Reach einen instruktiven Agitationsvortrag zugunsten der Palestina Land Development Company hielt. Die Versammlung war aus allen Kreisen der hiesigen Judenschaft sehr gut besucht. Von Seiten der Kultusgemeindevertretung, die den gELT —= No. 12 Saal unserm Verein bereits zu wiederholten Malen unentgeltlich zur Verfügung stellte, waren etliche Vertreter erschienen, so auch seitens der Lipnik-Bialaer Kultusgemeinde. Das Auditorium lauschte den lichtvollen Ausführungen des temperamentvollen Redners mit gespannter Aufmerksamkeit und spendete ihm dankerfüllten Herzens lebhaften Beifall. Der Vortragende knüpfte an die Anfänge der zionistischen Bewegung an, wo die Türkei noch zu den absolutistisch regierten Staaten gehörte und der unserm verewigten Führer vorschwebende Charterismus noch seine volle Berechtigung hatte. Die Umwälzung, die sich infolge der Einführung einer Verfassung im ottomanischen Reiche vollzog, hatte zwar keine Änderung des Baseler Programms zur Folge, an dem wir zu allen Zeiten festhielten und festhallen werden; wohl mußte aber die ursprüngliche Charterpolitik aufgegeben und den geänderten Verhältnissen Rechnung getragen werden. Redner berührte die in den letzten Tagen im türkischen Parlament abgeführte, uns Zionisten schmerzlich berührende Judendebatte, deren Gegenstand unsere Bestrebungen bildeten. Die bei dieser Gelegenheit von den betreffenden Rednern verratene falsche Auffassung, die unserm Programm böswillig unterschobenen Tendenzen weisen mit aller Deutlichkeit auf dkselbe Quelle hin, woher alle lügnerischen Behauptungen herrühren, mit der offenkundigen Absicht, damit unserer Bewegung den Boden abzugraben. Demgegenüber verwies der Vortragende auf die authentischen Informationen unseres in Jaffa bestehenden Palästinaamtes, wonach die Türkei der Einwanderung und Besiedelung Palästinas durch Juden keine Hindernisse in den Weg legte, derselben sogar sehr sympathisch gegenüberstehe, sofern nur die bestehenden Gesetze respektiert werden und die Naturalisation angestrebt wird. Der Redner hob in ausführlicher Weise alle jene Momente hervor, welche geradezu und ausschließlich Palästina als jenes Land prädestiniert erscheinen lassen, das als Einwanderungsland für unsere bedrückten Brüder in den osteuropäischen Ländern in Betracht kommt. Im weiteren Verlaufe des Vortrags wurden die verschiedenen Kolonisationsmöglichkeiten entwickelt, die in Anbetracht der den Einwanderern zur Verfügung stehenden mäßigen materiellen Mittel bestehen, sowie die Hindernisse, die sich jenen Elementen entgegenstellen, die in der Landwirtschaft geringe Erfährungen besitzen. Um nun einerseits dem immer unerträglicher werdenden Drucke, der auf den Juden Rußlands, Rumäniens, Galiziens und der Bukowina lastet, wirksam begegnen zu können, anderseits um in der allernächsten Zeit eine Erfolg versprechende, großzügige Kolonisation zu inaugurieren, wurde die Palestine Land Development Company gegründet. Redner setzte in klarer und leichtfaßlicher Weise die Ziele und Zwecke dieser auf Aktien basierenden Gesellschaft auseinander, deren Aufgabe darin besteht, in Palästina große Landstreifen zu erwerben, den erstandenen Grund und Boden zu ameliorieren, für eigene oder fremde Rechnung zu parzellieren, kurzum in einen derartigen Zustand zu versetzen, der den eingewanderten Kolonisten in den Stand setzt, bei Übernahme einer solchen Bodenfläche dieselbe sofort nutzbringend bewirtschaften zu können. Mit einem von Herzen kommenden und tief zu Herzen dringenden Appell an die Versammlung zur Zeichnung von Aktien für diese Gesellschaft schloß der Redner seine fast einstündigen gediegenen, von Begeisterung getragenen Ausführungen. — Die Wirkung derselben war auch eine nachhaltige. Unter dem Eindruck der durch den formvollendeten Vortrag ausgelösten Begeisterung wurden bereits im Versammlungssaale eine erhebliche Anzahl Aktien gezeichnet. Czernowitz. Verbindung „Zephirah". Chargenwahlen: cand. phil Zeinwel Bretschneider, Präses, cand. iur. Heinrich Kudisch, Vizepräses, cand. iur. Itzig Quecksilber, Schriftführer. Die Verbindung veranstaltete im Wintersemester einen Zyklus populär-wissenschaftlicher Vorträge, an dem folgende Redner mitwirkten: Dr. Martin Buber über »Die Erneuerung des Judentums"; Prof. Abraham Heuinann über „Die Falaschas*4; Prof. Dr. Leon Hoff mann über „Uriel Acosta in Dichtung und Geschichte"; Dr. Samuel Rappaport über „Die Entstehung des Chassidismus"; Abgeordneter Dr. Arthur Mahler über „Die Psychologie der Juden"; Universitätsprofessor Dr. Leon Kellner über „Das Rassenproblem"; Dr. Daniel Pasmanik über „Der Sinn der jüdischen Geschichte"; Dr. Ignaz Zollschan über „Taufe, Rasse, Zukunft; Dr. Severin Gottlieb über „Leben und Kunst." Graz. Der Verein „Zion" veranstaltete am 11. d.M. anläßlich des Purimfestes eine Akademie mit Tanz. Der Abend nahm durch die Mitwirkung einiger Mitglieder des hiesigen Stadttheaters einen glänzenden Verlauf. Als Konferenzier wirkte Herr Regisseur Egon Brechor, der auch das Gedicht „Sulamith" von Schönaich-Carolath wirkungsvoll zum Vortrag brachte. Herr Max Mensen sang mit seinem klangvollen Baß einige Lieder und erntete reichen Beifall. Herr Fritz Becker sorgte durch seine humoristischen Vorträge für die richtige Purimstimmung. Um den Abend machten sich noch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.