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Die Welt · 1911-03-24 · 12 (24.3.1911) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 12 DIE3§£ELT 267 An unsere Leser! Gesinnungsgenossen! Mit der nächsten Nummer endigt das 1. Quartal des XV. Jahrganges der „Welt". Die propagandistische Tätigkeit unserer Gesamtorganisation steht bereits im Zeichen des X. Zionistenkongresses und das II. Quartal d. J. wird lediglich den Vorbereitungen für den Kongreß gewidmet sein. — Die ernsten und hochbedeutenden Fragen, die diesmal den Kongreß in Basel beschäftigen werden, bilden schon jetzt Gegenstand der Erörterung in den zionistischen Versammlungen und der zionistischen Presse. Unsere hervorragendsten Mitarbeiter haben sich bereit erklärt, in der „Welt" zu den Fragen des X. Kongresses Stellung zu nehmen und dies bereits auch in einer Reihe interessanter Artikel getan. Die Diskussion wird im Laufe der nächsten Monate in erhöhtem Maße fortgesetzt werden. Wie in den frühern Jahren, wird auch diesmal über die Verhandlungen des Kongresses in einer speziellen Kongreß-Ausgabe der „Welt" ausführlich berichtet werden. Die große propagandistische Wirkung dieser Ausgabe hat von Kongreß zu Kongreß an Bedeutung gewonnen und wir geben uns der zuversichtlichen Erwartung hin, daß wir ganz besonders zum X. Kongreß für die Vorbereitungen der Kongreß-Ausgabe auf die tatkräftigste Mitarbeit aller Gesinnungsgenossen rechnen dürfen. Diese Vorbereitung soll möglichst sofort, und zwar mit einer intensiven Propaganda zur Gewinnung neuer Abonnenten für „Die Welt" beginnen. Jeder ab 1. April d. J. neu eintretende Abonnent hat seinerzeit Anspruch auf kostenlose Lieferung der Kongreß-Ausgabe. Unsere Abonnenten deren Bezugszeit am 31. März 1911 abläuft, bitten wir die Abonnementserneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Den Beziehern in Deutschland und Österreich-Ungarn haben wir Zahlkarten bzw. Posterlagscheine zugehen lassen, die wir zur kostenlosen Überweisung der Ab o nne m e nt s b etr äge zu benutzen bitten. Jedes abgelaufene Abonnement, das bis spätestens 31. März 1911 nicht ausdrücklich abbestellt wird, betrachten wir als erneuert. Verlag „Die Welt". Deutschland Berlin. In dem großen Saale der Spichernfestsäle hielt am 2. März vor vielen hundert Zuliörern^ einer Einladung des Neuen Jüdischen Gemeindevereins folgend, der Rabbiner Dr. Emil Cohn- Kiel einen Vortrag über religicse Probleme der Gegenwart. Der geistvolle Redner wies nach, was den sog. Reformbestrebungen unserer Tage fehle, um als Refcrmationsbestrebungen angesehen zu werden. Die Reform der Liberalen unserer Zeit sei Neuerung, Reformation sei Erneuerung. Erneuern setze religiöses Erlebnis voraus. Die Reform unserer Tage sei Anpassung, im besten Falle Apologetik, und es sei eine schwere Selbsttäuschung, wenn angenommen werde, daß in der Tat eine Reform eine Anknüpfung an das Judentum der Propheten bedeute. — Es ist unmöglich, im Rahmen eines kurzen Berichtes die tiefen Gedanken des Redners wiederzugeben. Zu unserer Freude ist dies auch nicht nötig, da der Vortrag vollinhaltlich im Märzhefte der Preußischen Jahrbücher erschienen ist. Wir hoffen, daß er dort viele Leser finden wird. — Rechtsanwalt Dr. Klee dankte dem Redner im Namen des Neuen Jüdischen Gerneindevereins, indem er unter dem brausenden Beifall der Versammlung ausführte, daß man die Berliner Judenheit zwar räumlich von Emil Cohn trennen konnte, nie aber geistig. Frankfurt a. M. Die Zionistische Jugendgruppe beschäftigte sich an ihrem lelzten Abend mit der Frage: „Was unserer Jugend nottut". In Herrn Dr. Forschmann hatte die Jugendgruppe einen glänzenden Referenten für dieses Problem gefunden. Der Redner machte die heutige westeuropäische jüdische Jugend zum Gegenstand seiner Betrachtungen und spürte den Ursachen nach, aus welchen diese sich jüdischen Fragen gegenüber indifferent, ja ablehnend verhalte. Er kommt zu dem Schlüsse, daß Mangel an positiv-jüdischem Wissen, an idealer Gesinnung und gesunder Ansichten diese Jugend kennzeichne. Den Ausführungen, die ungeteilten Beifall fanden, folgte eine interessante Diskussion. L. Perlmutter und Lehrer B. Stern fordern von der zionistischen Jugend Teilnahme an allen Veranstaltungen, die jüdisches Wissen vermitteln; der erstere fordert Erlernung der hebräischen Sprache. An der Debatte nahm ferner Herr Leo Goldschmidt teil. Köln. Der am 23. Februar veranstaltete vierte Diskutierabend des Frauenkomitees der zionistischen Vereinigung hatte, wie alle Abende zuvor, einen starken Besuch zu verzeichnen. Obwohl die Zeit ziemlich ungünstig war, hatte sich doch wieder eine große Anzahl von Damen der hiesigen jüdischen Gemeinde eingefunden und bewies dad-irch, daß das Interesse für den „Freien Diskutierklub44 und die von ihm gebotenen Referate und Diskussionen ein dauerndes und lebhaftes geblieben ist. Das Referat über „Prophylaxe bei den Juden" hatte Fräulein Dr. med. Hedwig Bloch aus Bonn übernommen. Sie zeigte in fesselnder Weise die Bedeutung der rituellen jüdischen Vorschriften für die Verhütung von Epidemien bei den Juden. Die Referentin behandelte sodann ausführlich die verschiedenen, unter den Juden besonders häufig auftretenden Krankheiten, besprach, die wichtigsten Mittel zur Verhütung derselben und empfahl als beste Prophylaxe die körperliche Ausbildung und Kräftigung durch Sport und Landarbeit. Besonders die Landarbeit, wie sie in den jüdischen Kolonien Palästinas ausgeübt wird, zeige in deutlichster Weise, wie aus den körperlichdegenerierten Golusjuden wiedei starke kraftvolle Menschen werden können. An die interessanten won dem Publikum mit Beifall aufgenommenen Ausführungen, knüpfte sich eine sehr lebhafte Diskussion. Am Donnerstag den 16. d. M. veranstaltete das Frauenkomitee seinen fünften Diskutierabend, der einensehr anregenden Verlauf nahm. Im Gegensatz zu den bisherigen Vortragsabenden wurde kein abgeschlossenes Referat erstattet, sondern es waren aktuelle jüdis-che Fragen ausgewählt worden, 2U denen die Teilnehmerinnen Stellung nehmen sollten. Zu den vorgeschlagenen Themen „Assimilation, Taufe, Emigration und Kolonisation" nahm zunächst Frl. Paula Löb das Wort und leitete damit die Aussprache ein, in deren weiterm Verlauf mehrere der anwesenden Damen ihre Meinitng über die aufgestellten Fragen äußerten. Da die äußerst angeregte Debatte in vorgerückter Stunde noch nicht beendet war, beschieß das Frauenkomitee auf Wunsch der Versammlung die Diskussion am Montag den 20. d. M. fortzusetzen. Auch dieser Abend war stark besucht und verlief sehr interessant. Die Debatte, die von Frl. Nanny Auerbach mit einigen sachgemäßen Erklärungen eingeleitet wurde, ergab einen sehr regen Meinungsaustausch. Durch die Erörterungen über Assimilation und Emigration kam man bald zu der Lösung dieser komplizierten Fragen, dem Zionismus. Auf Wunsch d&r Hörerinnen gab eine der Damen einen kurzen Oberblick über die Grundlagen des Zionismus und seine

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