Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 12 (24.3.1911)
- Date
- 1911-03-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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266 OIEÄELT No. 12 sind sie doch nicht; und doch sollen wir glauben, daß Menschen, die sonst ziemlich vernünftig sind, mit einem Mal den Verstand verlieren, nur um uns zum Lachen zu bringen. Um die Geschichte mit dem Heiratsschwindler, dem „Bekucker", annehmbar zu machen, mußte das Ganze auf diesen Ton zugeschnitten sein; sollte es schon eine Karikatur sein, dann durften nicht Fratze und halbwegs vernünftige Wirklichkeit zusammengeworfen werden, so daß ein ganz unverdauliches Ragout entstand. Manche Züge aus dem Leben der Juden in Posemuckel aus Anno dazumal sind ja richtig und in humoristischer Art wiedergegeben; aber schließlich werden die Kosten des Humors doch nur von den Ausdrücken in unverfälschtem jüdisch-hebräischem Jargon getragen. Und das genügt nicht, um den langen dünnen Faden der Erzählung zu halten, er reißt ebenso wie die Geduld des Lesers. Albert Katz, Jossele. Aus dem polnisch-jüdischen Jargon nach einer Erzählung von Jacob Dienesohn frei bearbeitet. Leipzig, Gustav Engel, 1910. „Jossele" ist die tränenreiche Geschichte eines armen Ghetto- Chederjungen, der trotz seiner Armut das „Glück" hat, in das beste Cheder seiner Stadt aufgenommen zu werden, und nun als vogelfreier Sündenbock einem unerhörten Martyrium preisgegeben ist. Lehrer, Schüler, deren Eltern und sein eigener Vater vereinigen sich, um ihm das Leben zur Hölle zumachen. Die Mutter, deren Augapfel er ist, die keine Opfer scheut, um ihm den Chederbesuch zu ermöglichen, kann gegen die Tücke der Menschen und des Geschickes nicht erfolgreich kämpfen; sie unterliegt zuerst, und ihr Junge, noch schutzloser als vorher, folgt ihr bald nach, noch nach seinem Tode als „Ganew" verfolgt und verschrien. Der schuldlose, arme begabte Junge und seine treue aufopferungsvolle, ehrliche Mutter unterliegen der scheinheiligen Gemeinheit der „Reichen". Das ist die Moral von der allzu langen Geschichte. Inwieweit diese freie Bearbeitung sich vom Original entfernt, kann ich, da mir dieses nicht zugänglich ist, nicht beurteilen. Komisch klingt das gewählte Hochdeutsch im Munde dieser armen polnischen Juden, das in buntem Gemisch abwechselt mit Redensarten aus dem russisctiTjüdischen Jargon. Es wäre zu verstehen, wenn die hochdeutsche Übersetzung einige besonders charakteristische oder unübertragbare Wendungen aus dem Jargon beibehalten hätte; so aber wirkt es als unerträgliches und unnötiges Kauderwelsch, das dem mit dem Idiom Vertrauten in dieser grotesken Mischung lächerlich erscheint, den Nichtkenner geradezu abstoßen muß. o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG i o o o o o o o I o o o o o o o Wir veröffentlichen heute die erste Liste von Organisationsbeiträgen, die dem Actions-Comite auf Grund einer von Herrn Präsidenten Wolffsohn durchgeführten Aktion von einer Reihe opferwilliger Gesinnungsgenossen zur Verfügung gestellt worden sind. Herr Präsident Wolffsohn hatte sich an eine Anzahl Zionisten mit der Bitte gewendet, ihm einen Betrag von 1000 Jh für die Zwecke der Organisation zu überweisen. Diesem Ersuchen haben einige Gesinnungsgenossen entsprochen; andere haben sich zur Zahlung dieses Betrages in Raten verpflichtet, und eine ganze Reihe haben statt dessen einen festen Jahresbeitrag gezeichnet. Alle diese Spender waren von der Erkenntnis durchdrungen, daß eine gesunde Finanzlage der Organisation die erste und vornehmlichste Voraussetzung für ein Gedeihen aller unserer Arbeiten ist. Sie alle haben den Widerspruch gefühlt, der darin besteht, daß die Zunahme der Schekelgelder der rapiden Steigerung unserer Spendensammlungen so wenig entspricht. Die Veröffentlichung der ersten Liste wird hoffentlich die Erkenntnis von der Wichtigkeit einer gesunden Finanzlage der Organisation in alle Kreise unserer Gesinnungsgenossen tragen, und wir dürfen wohl die Überzeugung aussprechen, daß der zweite Ausweis der Organisationsbeiträge, der in der ersten Mainummer der „Welt" erfolgen wird, durch eine vermehrte Liste von Namen und Beiträgen den Beweis erbringen wird, daß sich unsere Gesinnungsgenossen die Sicherung unserer Finanzen zur nächsten und dringendsten Aufgabe gemacht haben.*) I. Ausweis: Einen einmaligen Beitrag zeichneten: D. Wolffsohn, Köln..........Jt 1000.— J. H. Kann, Haag..........„ 1000.— *) Geldsendungen wolle man an das Zionistische Zentralbureau, Köln, Karolingerring 31 (deutsches Postschekkonto Nr. 6207) oder oder an den Jewish Colbnial Trust, Brook House, Walbrook, Lohdon E. C. überweisen. \ S. Barbasch, Odessa....... . *M 1000.— J. Co wen, London......... „ 1000.— Dr. N. Katzenelson, Libau ..... „ 1000.— J. Krernenezky, Wien . . •..... „ 1000.— Sir Francis Montefiore, London . . . „ 1000.— Dr. A. Neufeld, Warschau...... „ 1000.— Frau E. Perutz, Teplitz....... „ 1000.— A. S., 's Gravenhage........ „ 1020.— J. N. Schulhof, Esseg........ „ 1000.— Dr. H. Spitzer, Esseg ■........1000 — J. Fischer, Antwerpen........ Frs. 1000.— N. N., Antwerpen........... „ 1000.— B. Hamburg, Berlin......... Jt 500.— S. Hepner, Berlin.......... „ 500.— Dr. S. Scbwarzschild, Frankfurt a. M. „ 500.— F. Sondheimer, Frankfurt a. M. . . . „ 500.— S. Hirsch, Messing werk....... „ 300.— Dr. D. Alcalay-, Belgrad....... Frs. 250.— Kais. Rat C. Hirsch, Wien...... Jt 200.— Dr. E. Kalmus, Hamburg....... „ 100.— Dr. A. St raus, Depenau....... „ 100,— Dr. Victor, Wandsbeck....... „ 100.— M. S. Wolf, Hamburg........., 100.— K. Resek, Prag........... Kr. 100.— A. Glaser, Prag.......• . . . „ 100.— N. N., Hamburg........... Jt 50.— Einen festen Jahresbeitrag zeichneten: M. Feldstein, Warschau....... Jt 200.— R. Lichtheim, Berlin........ „ 200.— J. Simon, Mannheim......... „ 200.— Dr. J. L. Magnes, New York..... % 25.— L. Dinesmann, Königsberg i. Pr. . . . £ 5.—.— Dr. M. J. Bodenheim er, Köln . . . . Jt 100.— Frau Gust. G. Cohen, Hamburg ... „ 100 — G. Schwabe, Varel......... „ 100.— M. Klein, Pisek ........... Kr. 100.— H. Leder er, Wien.......... „ 60.— Dr. A. Elias, Mülhausen i. E...... Jt 50.— •cand. phil. G. Straus, München .... „ 50.— Dr. J. Straus, München....... „ 50.— A, Glaser, Prag (s. o.)........ Kr. 50.— R.-A. B. David, Hamburg...... Jt 30.— Die Summe der auf diese Zeichnungen bisher eingegangenen Beträge beläuft sich auf «^9251.96.