Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 12 (24.3.1911)
- Date
- 1911-03-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Jede Aktie der P. L. D. C, die verkauft wird, bedeutet einen Schritt weiter in der Kolonisation Palästinas durch jüdische Arbeit. Gesinnungsgenossen! Das einzige tragfähige Fundament für den Wiederaulbau eines normalen jüdischen Volkslebens bildet ein starker Bauernstand in Palästina. Die P. L. D. C. ist die Institution, welche dieses Fundament zu errichten imstande ist. Wenn. jeder ideal gesinnte Jude zu dieser überaus wichtigen Arbeit für die Zukunft des jüdischen Volkes nach seinen Kräften beisteuert, wird die jüdische Kolonisation in Palästina in kurzer Zeit in ungeahnter Weise aufblühen. Zionsgruß P. S. Die befreundete Presse wird um vollin- Palästina-Ressort der Zionistischen Organisation haltlichen Abdruck vorstehenden Aufrufs gebeten. Prof, Dr. O. Warburg. Die Sprache der jüdischen Kultur Von Heinrich Loewe Es ist keine Frage, daß das Hebräische, aus seiner Heimat vertrieben, nicht mehr als Volks- und Verkehrssprache in einem freien und frischen Volksleben erklang, sondern sich von Markt und Gasse in die Synagoge und das Lehrhaus flüchtete. Hinter den schwergefügten Mauern, die das betende und lernende Israel einschlössen, fand das vom väterlichen Boden vertriebene und flüchtende Hebräisch eine ruhige Stätte. In den Räumen der Synagoge erklang das hebräische Gebet, erschollen hebräische Lieder und Hymnen, wurde in der alten Weise und in der alten Sprache die Lehre des Mannes vorgelesen, der als der Schöpfer des Volkes, als der Befreier und Gesetzgeber zugleich angesehen wurde. Selbst der alte Ton, die Sprachmelodie des Dialekts wurde sorgsam überliefert und rettete sich in die Vorlesungen der Gemeindehäuser. Diese Synagogen waren Gott geweiht. Sie übernahmen einen Teil der Heiligkeit, die auf dem zerstörten Heiligtume geruht hatte. In ihnen kam die Gemeinde zum Gebet zusammen. Aber nicht bloß zum Gebet, nicht allein zur Vorlesung der Thora. Sie war das Gemeindehaus. Hier fanden die Gemeindeversammlungen statt, ebenso zur Beratung wie zum Gebet. Vor allem aber waren sie die Unterrichtsstätten. Sie waren die Schulen für die Erwachsenen. Daher heißt noch heute in allen Mundarten des Jüdischdeutschen die Synagoge die „Schul". Es ist keinem künstlichen Versuche gelungen, dieses Wort zu verdrängen. Das Wort „Schul" in diesem Sinne ist noch überall dort üblich, wo Jüdischdeutsch gesprochen wird oder früher gesprochen wurde, in Kopenhagen und Stockholm ebenso gut wie in New- York, Sidney oder Berdyczew. In der „Schul" wurde vor allem auch gelernt. In die „Schul" flüchtete sich die hebräische Sprache, als das jüdische Volk aus Palästina, die von ihm gesprochene Sprache aus dem täglichen Verkehr vertrieben wurde. Im Hebräischen wurde schon früher jedes Gebet der Juden gesprochen. Das Hebräische wurde aber jetzt noch mehr zur Gebetsprache, erstlich, weil es im Verkehr verschwand, dann aber noch viel mehr deshalb, weil viel mehr gebetet wurde. Das Gebet war an Stelle anderer Formen des Gottesdienstes getreten und richtete sich nach Tagen und Zeiten ein. Dazu kam, daß die griechische Assimilation der ägyptischen und nordafrikanischen Juden kläglich Schiffbruch gelitten hatte. Ihr Bestreben, ein Griechisch sprechendes Judentum zu bilden, Griechen jüdischen Glaubens zu sein, war gescheitert. Die nächsten Angehörigen ihrer größten Geister hatten im Heidentum geendigt. Dieselben Männer, die auf Grund eines von ihren Führern konstruierten Prophetismus eine allgemeine Menschheit und ein Griechentum mosaischer Konfession als junge Männer erträumt hatten, kehrten als ältere Männer dem angestammten Judentum den Rücken. Zugleich war durch die würdelose Angleichung an das Griechentum der Antisemitismus entstanden. Er war so mächtig geworden, daß er die strenge Gesetzlichkeit des römischen Ordnungsstaates durchbrach. Ägypten und Kyrene sahen blutige Judenverfolgungen. Das war der Bankerott der „Hellenen", die in Moyses ihren großen Philosophen verehrten. Die Proseuche mit dem griechischen Gebet und der griechischen Gesetzesvorlesung, ja mit dem Opfer, das hier auch Angleichung an nichtjüdische Umgebung war, wich der Synagoge, dem Beth hak-knesseth, in dem Hebräisch gebetet wurde. So ist das Hebräische die sieghafte Gebetsprache wieder geworden, die es ursprünglich auch gewesen war. Aber es wäre ein Irrtum zu glauben, daß sie nur Gebetssprache war. Sie ist die Sprache des synagogalen Vortrags ebenfalls. In ihr finden die Gesetzesdiskussionen statt. Nur das Aramäische macht mit ihr zeitweise und zum Teil einen Wettbewerb auf diesem Gebiete. Aber abgesehen von aramäischen Gerichtsprotokollen und Schulüberlieferungen ist und bleibt das Hebräische die alleinige Schriftsprache der Juden. In ihr werden die neuen Kulturschätze niedergelegt wie früher. Sie ist die Schriftsprache, die alleinige Kultursprache. Wer lesen und schreiben lernt, lernt es in der hebräischen Sprache. Da es keine Analphabeten im Volke gibt, so übernimmt jeder im Volke zugleich die Kenntnis der Schriftsprache mit der Schrift. Daher zu allen Zeiten die übereinstimmende Tatsache, daß alle Judensprachen auch später nur mit hebräischen Buchstaben geschrieben werden, wenn man einmal nicht Hebräisch schreibt. Darum stirbt das Hebräische ebensowenig wie das Volk. Man leugnet, daß das Volk noch eine Nation sei. Aber man kann die Tatsache nicht bestreiten, daß es noch lebt. Dieselben Leute sprechen davon, daß es kein jüdisches Volk gibt und reden in demselben Atemzuge von den Pflichten des jüdischen Volkes. Man sagt, daß die jüdische Nation nicht existiert, daß sie aber die Mission hat, den prophetischen Geist der allgemeinen Völkerverbrüderung durch die Welt zu tragen. Der Grund zu diesen Widersprüchen liegt in der anormalen Lage der Judenheit. Das Hebräische gilt als tot. Und Dichter und Denker verfassen in ihm unsterbliche Werke. Es gilt als verschwunden, und Millionen von Kulturmenschen benutzen es dazu, ebenso ihre tiefsten Empfindungen auszudrücken, wie ihre trockensten Geschäftsbriefe zu schreiben. Es soll erstorben sein und zeugt in den Mischsprachen Sprößlinge, die alle die gleiche Ähnlichkeit mit dem jüdischen Vater und der nichtjüdischen Mutter haben. Es ist angeblich tot und verschwunden, wie das Volk, dem das Hebräische