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Die Welt · 1911-03-17 · 11 (17.3.1911) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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244 D1E3§£ELT Vorläufig aber rufen die Judenhetzer alle iWannen auf die Schanzen und reden eine Sprache, die auch nach anderer Richtung hin gefährliche Folgen haben kann. Ein Zündstoff sondergleichen ist in die Massen geworfen, und Verrückte gibt es genug in Rußland, die einen Markow, einen Schmakow ernst nehmen. Qar zu häufig erinnern diese Männer an Pogrome, und ob der eine von ihnen, Schulgin mit Namen, den Juden mit Pogromen droht, falls die Qärung in der Studentenschaft sich nicht legen sollte, oder der andere, Markow, meint, solange der Verband des russischen Volkes es nicht wolle, würde es keine Pogrome geben, beides ist gleich symptomatisch, gleich gefährlich. Die P. L. D. C.-Nummer der Zeitschrift „Palästina" Die Herausgabe von Sondernummern für bestimmte Zwecke, in der jüdischen Presse zuerst von der „Welt" eingeführt, hat sich propagandistisch außerordentlich bewährt. Dies bewies namentlich der große Erfolg unserer im letzten Herbst erschienenen Palästina- Nummer, die eine gedrängte Übersicht über alle in und für Palästina tätigen Institutionen gewährt hat. In der uns vorlegenden Doppelnummer 1 2 der Monatsschrift .„Palästina* (Wien) findet diese Methode eine dankenswerte Ausgestaltung, indem einer für die Kolonisation Palästinas so wichtigen Institution wie der Palestine Land Development Company*) eine Sondernummer gewidmet wird. Angesichts der vortrefflichen Behandluug aller mit der P. L. D. C zusammenhängenden Fragen drängt sich unwillkürlich der Wunsch auf, es mögen die Herausgeber der Zeitschrift dieses Verfahren auch bezüglich der übrigen zionistischen Institutionen: Be^alel, Hygienisches Institut, Banken, N. F. usw. fortsetzen. Damit würde nicht nur diesen Institutionen, sondern auch dem Blatte selbst gedient sein, das eine überaus wichtige Funktion im zionistischen Blätterwald zu erfüllen hat. Den leitenden Aufsatz „Die Bedeutung der Palestine Land Development Company" von Adolf Böhm haben wir bereits in einer der letzten Nummern der „Welt" reproduziert. Es sei nur nochmals darauf hingewiesen, daß Böhm mit Recht hervorhebt, es sei ein Irrtum, anzunehmen, daß die P. L. D. C. nur als Gesellschaft zur Bewirtschaftung der N.F.-Ländereien in Dalaika und zum Betriebe einer Musterfarm da sei. Die eigentlichen Aufgaben der P. L. D. C. faßt Böhm vielmehr in fünf Punkten zusammen, die darin gipfeln, daß die P. L. D. C. in erster Linie Parzellierungsgesellschaft ist, die Grundstücke für eigene oder fremde Rechnung kauft, sie in wirtschaftsfähigen Zustand bringt, dann parzelliert und an Reflektanten abgibt. Die überragende Bedeutung der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina behandelt in einem sehr lehrreichen Artikel Dr. J. Thon in Jaffa. Im Gegensatz zu mancher neuern Richtung, namentlich den sozialistisch gesinnten Zionisten, weist der Verfasser nach, daß Handel und Industrie in Palästina unter den gegebenen Bedingungen wenig ausdehnungsfähig seien und nur geringe Aussichten für neue Ansiedler böten. Eine bedeutende Ausdehnung des Handeis habe ein energisches und sachverständiges Eingreifen der Regierung zur Voraussetzung, was aber nicht sobald zu erwarten sei. Ähnlich verhalte es sich mit der Industrie, die keinerlei Förderung seitens der Regierung erfahre. „Das an sich an Rohmaterial arme Palästina kann um so weniger an eine Konkurrenz mit ausländischen Fabrikationszentren denken, als der Eingangszoll ein ziemlich niedriger und für sämtliche Produkte, Rohmaterialien, für halb- und ganzfertige Fabrikate ein gleicher ist." . . . Auch das Handwerk sei in dem wenig entwickelten Lande durchaus gesättigt. Im Gegensatz hierzu sei die Landwirtschaft einer großen Ausdehnung fähig. Auch hier gebe es zahlreiche Schwierigkeiten, vor allem rechtlicher Natur. Die Beseitigung der letztern Hindernisse sei aber nur eine Frage der Zeit, da die Fellachenbevölkerung, welche fast durchweg eher zu viel als zu wenig Boden besitze, einen Teil überschüssigen Bodens zu verkaufen bestrebt sei. Noch mehr gilt dies vom Großgrundbesitzer, *) Das Hurcau der P.L.l). C. i Berlin W 15, llleiiitreustr. 34,35) liefert Gesinnungsgenossen und Vereinen die Sondernummer zum Preise von J(; 0.30 pro Exemplar bei einmaliger Abnahme von mindestens 10 Exemplaren gegen Vorausbezahlungen des Betrages oder per Nachnahme. Adresse für Geldsendungen: ImmobiliengeSeilschaft „Palästina", Berlin \V 15, Bleibtreustr. 34/35. No. 11 der an seinem meist durch Wucher gewonnenen Boden nicht hängt. Immerhin sei das Geschäft des Bodenkaufes ein ziemlich kompliziertes und könne nur von einer kapitalkräftigen Gesellschaft besorgt werden. Dies hat sich auch die Palestine Land Development Company zur ersten Aufgabe gestellt. Nicht allein zum Kauf des Bodens, sondern auch zu seiner Vorbereitung müssen derP.L.D.C. angemessene Mittel zur Verfügung stehen. Sehr interessant ist, was Dr. Thon bezüglich der Frage sagt, ob Acker- oder Pflanzungsbau für die Juden vorzuziehen sei. Man lese am besten die auf * mehrjähriger praktischer Erfahrung beruhenden Beobachtungen des Verfassers selbst nach. In anziehender Weise schildert Dr. Eugen Katz, Hannover, einen Besuch der von der P. L. D. C. auf N. F.-Land errichteten Farm Kineret am See Genezareth. Der an die fortgeschrittenste Landwirtschaft in Deutschland gewöhnte Fachmann findet über die Wirtschaft in Kineret nur Worte des Lobes. Die Überfälle der hungrigen Wüstensöhne verständen die jüdischen Kolonisten ganz anders abzuwehren als der Fellache, der gedankenlos alles als Schicksal hinnimmt. „Es war gerade ein Ruhetag, und die jüdischen Arbeiter der Farm waren in ihrem Aufenthaltsraum versammelt. Einer von ihnen las aus einem Buche vor, und hierauf wurde diskutiert; in einer Ecke stand eine artige Zahl von Gewehren, — ein notwendiges „landwirtschaftliches" Inventarium am Jordan. ..." Unter dem Titel: „Die französische Kolonisation in Nordafrika.' Ein Beispiel und eine Warnung", beginnt Aaronsohn, Haifa, einen vielversprechenden Aufsatz. Leider schließt derselbe nicht in der Sondernummer ab, so daß wir mit unserer Meinung über seine Thesen vorläufig zurückhalten müssen. Diese sind aber schon an sich derart interessant, daß man den folgenden Nummern mit Spannung entgegensehen muß. Sehr erfreulich ist der Bericht über „die Arbeiterschaft in Umdj:ini". Der wiedergebene Vertrag zwischen den Arbeiternder ersten, erfolgreichen Arbeitergenossenschaft und der P. L. D. C. ist vielleicht ein Dokument von großem historischem Wert. Das erste Wirtschaftsjahr ergab einen Reingewinn von 4437.80 Frcs., wovon die sieben Arbeiter die Hälfte erhalten, die ihnen außer dem ihren Unterhalt deckenden Monatslohn als Reingewinn verblieb. Was wir in diesem Berichte vermissen, ist der Umstand, daß auch diese Genossenschaft mit Hilfe eines dem N. F. gewährten Darlehens von 12000 Frcs. zustande gekommen ist. Schließlich sind von Artikeln über die P. L. D. C. noch erwähnenswert: ein ausführlicher Bericht, den der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Warburg, bei der letzten Generalversammlung erstattet hat, ferner ein Bericht Dr. Ruppins über „die Anlage von Pflanzungen in Palästina" und ein instruktiver Aufsatz über „die Ziele der P. L. D. C." Trotz dieser Fülle von belehrenden und interessanten Artikeln über die P. L. D. C. sowie einer Anzahl fesselnder Bilder aus dem Farmerleben brachte die Zeitschrift „Palästina" noch eine Reihe allgemeiner, andere Fragen der Kolonisation betreffender Mitteilungen und Notizen. Hoffentlich wird den Herausgebern sowie der P. L. D. C. ihre mühevolle Tätigkeit dadurch gelohnt werden, daß jeder ernste Zionist das schöne Heft nicht nur liest, sondern sein Möglichstes für dessen Verbreitung tut. fgf" FEUILLETON ^T] Aus der synagogal-musikalischen Literatur Von Jacob Beimel, Berlin Eine musikalische Komposition kann nur dann als gut bezeichnet werden, wenn sie den Anforderungen des vornehmen musikalischen Geschmackes in melodischer, harmonischer und formaler Beziehung entspricht. Ist die Komposition auf einen Text gesetzt, so muß sie denselben sozusagen erläutern, illustrieren. Wenn aber das betreffende Musikstück für den synagogalen Gebrauch bestimmt ist, so muß es auch den liturgischen chasanisehen Stil bewahren. Betrachten wir die synagogalen Gesänge für Kantor und Chor von Herrn A. Z. Idelsohn aus Jerusalem*) aus *) .Synagogale Gesänge für Kantor und Chor, komponiert von Kantor A. Z. Idehohn, Jerusalem. Heft I. Verlag von M. Poppe lau er, Berlin.

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