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Die Welt · 1911-03-17 · 11 (17.3.1911) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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haben ebenfalls einen Schekelkommissar zu wählen. Der Schekelkommissar ist tunlichst zugleich Obmann der Schekelbemessungskommission. Sämtliche Kosten der Landessammelstellen: Miete, Arbeitskräfte, Drucksachen, Porto usw., werden von dem Schekel-Hauptbureau getragen. Es ist natürlich überflüssig, zu erwähnen, daß die bisher an die einzelnen Landesorganisationen geleisteten Rückvergütungen gänzlich aufgehoben werden. Sollte eine Landesorganisation den Wunsch äußern, ihre Landesbeiträge durch das Schekelbureau einrieben zu lassen, so hat sie eine entsprechende Vergütung an dieses zu leisten. Die Landessammelstellen für N. F. und Schekolim sind streng auseinanderzuhalten, um Mißverständnissen und böswilligen Anfeindungen von vornherein aus dem Wege zu gehen. Die bei den Sammelstellen einlaufenden Schekelgelder sind, ebenfalls auf Kosten des Schekelbureaus, im offiziellen Organ der Landesföderation zweiwöchentlich oder monatlich unter Angabe der einhebenden Vereine oder Vertrausmänner — nicht der Namen der Schekelzahler — auszuweisen. Die Ausweise in der „Welt" wären in der bisherigen Form — unter Wegfall der Detaillierung — beizubehalten. Ich bin fest überzeugt davon, daß eine Schekel-Landessammelstelle, die sich einzig allein mit der Einhebung der Schekolim und höchstens mit der der Landesparteisteuer zu befassen hätte, verhältnismäßig ebenso schöne Früchte zeitigen würde wie der so großartig organisierte Nationalfonds, dessen Organisationsform als höchst gelungen zu betrachten ist und die sich mit einiger Änderung auch auf die grundverschiedene Schekelinstitution übertragen ließe. Die Landesorganisationen werden durch die Errichtung von Schekelbureaus von einer großen Arbeits- und Kostenlast — die Kosten der Einhebung der Schekolim wurden durch die vom E. A. C. gewährte Rückvergütung bei weitem nicht gedeckt — befreit, wodurch ihnen die Möglichkeit geboten wird, ihre frei werdenden Kräfte voll der Propaganda, Aufklärung der jüdischen Bevölkerung und Palästinaarbeit, zu widmen und hierbei Großes zu leisten. Anderseits werden der Zentralleitung durch Einführung der Schekelklassen beträchtliche Geldquellen zugeführt. Die Kosten der Landesbureaus würden diese zwar schmälern, diese beliefen sich jedoch auch im ärgsten Falle auf nicht mehr als 20%, also au einen viel geringem als den bisher an die Föderationen vergüteten Prozentsatz. Sollte vom A. C. dieser mein Vorschlag akzeptiert und vom Kongreß im Statute ratifiziert werden, so wäre — ohne die Abrechnung der diesjährigen Schekolim seitens der Landesföderationen zu erwarten — mit der Aufstellung der Landesbureaus ohne Verzögerung sofort nach dem Kongreß zu beginnen, damit diese zu den hohen Feiertagen, wo auch unsere Zionisten zugänglicher sind, bereits ihres Amtes walten können. Ludwig Batö, Wien. * * * Es ist das wichtigste Kapitel aller unserer Organisationsfragen, das wir anschneiden. Die richtige, vernünftige Lösung der Finanzfrage ist unseres Dafürhaltens zugleich die richtige Lösung komplizierter Probleme der Organisation, denn der Zusammenhang des finanziellen und des Organisationsproblems ist viel enger, als sehr 'viele von uns anzunehmen glauben. Deshalb haben wir uns zur Aufgabe gestellt, beide Fragen im Zusammenhange, in ihrer Wechselwirkung zu betrachten. Des Problems endgültige Lösung wäre die Sanierung der mißlichen finanziellen Verhältnisse der Gesamtorganisation unter tunlichster Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der einzelnen Landesorganisationen und der Inbetrachtziehung der Ausdehnung deren Mitglieder. Die Erfahrungen lehren, daß das bisherige finanzielle System bankrott ist, denn eine die ganze Welt ^umspannende Organisation muß selbstverständlich mit dem Wachstum ihrer Aufgaben stets steigende Einnahmen verzeichnen. Dies ist jedoch nicht der Fall. — Der Fehler ist im System der zionistischen Finanzen zu suchen. So war und bildet noch weiter die Basis der zionistischen Finanzen der Schekel, der an sich zuerst nur das Moment der Zugehörigkeit zur Organisation dokumentiert hat, und Herzl hat in seiner ihm eigentümlichen Weise auch da ein Symbol einzuknüpfen verstanden. Der „Schekel" des alten Judenlandes sollte den Steuerobolus der nach dem altneuen Judenlande hinstrebenden Juden bilden. Allein, wie schön auch der Herzische Gedanke an sich ist, ist doch der Schekel in der jetzt bestehenden Form, — also als Basis des materiellen Baues der Organisation verfehlt. Wir abstrahieren davon, daß es undemokratiscb und ungerecht ist, die so gedachte Steuer nivellierend wirken zu lassen, indem sie für jung und alt, reich und arm immer und zu jeder Zeit die gleiche ist, —- doch ist das System vom rein praktisch-finanziellen Gesichtspunkt absolut zu verwerfen. — Die Mängel springen jedem in die Augen. So hat es die Gleichartigkeit der steuerzahlenden Massen notgedrungen bewirkt, daß das Herz unserer Organisation mit nicht geradezu fabelhaften Geldmitteln versehen ist, — während die Aufgaben der Organisation von Jahr zu Jahr ins Ungeheure gewachsen sind und die Zentrale sehr oft nicht in der Lage war, allen an sie herandrängenden Fragen gerecht zu werden. Der mißlichen Lage suchte man auf die Weise abzuhelfen, indem man einen Parteifonds geschaffen hat, der sich bekanntlich nicht bewährt hat. — Und nun steht die Zentrale wieder vor derselben eisernen Wand und ringt verzweifelt die Hände. Indes, es gibt Mittel und Wege, die zur Gesundung der Verhältnisse führen können. — Vor allem muß ein System eingeführt werden und das Ganze auf einer vernünftigen Besteuerung der Zionisten der ganzen Welt beruhen, Der Einfachheit wegen und mit Rücksicht darauf, daß jede Gewohnheit sieben Leben hat, — nennen wir die Besteuerung kurz: Schekel. Wir denken uns das System ausgebaut auf Klassenbesteuerung, ähnlich, wie Ludwig Batö esproponiert hat; doch gehen wir in der Ausführung dieses Planes bedeutend weiter, indem wir die Konsequenzen des System wechseis ins Auge fassen. Nach den letzten Ausweisen gibt es in Kongreßjahren etwas mehr als 100000 Besteuerte, in den kongreßlosen Jahren sind die Schekel - eingänge um etwa ein Fünftel geringer. Diese Mittel sind also lächerlich gering, wenn man in Betracht zieht, daß nach oberflächlicher Schätzung die Zahl der Zionisten der Welt zwei Millionen übersteigen dürfte. Die Kräfte und Mittel sind latent, nur muß man sie auszunützen verstehen. Durch die progressive Besteuerung erwirkt man folgendes: Die Einnahmen werden nach unserer Berechnung bei dem gegenwärtigen Stande der Schekelzahler 2 fach steigen. Und zwar nehmen wir an, daß diejenigen, welche 30 Jt zahlen, 5% der Schekelzahler ausmachen werden, desgleichen die Zahl der 10c^-Zahler, hingegen die der 5 «^-Zahler 20%, der 2JC- Zahler 20%, und schließlich werden die am wenigsten Besteuerten den Rest bilden. — Die Gesamteinnahmen werden nach dieser Aufstellung etwa 240 000 JC jährlich ausmachen, wovon die Landesprganisationen und Föderationen 40% erhalten, — was 96000 JC beträgt, so daß die Zentrale 144000 JC erhält. Das ist schon ein Betriebsfonds, welcher eine regere Arbeit der Zentrale stark begünstigen kann. Und nun die Folgen: Die Landesorganisationen werden die Möglichkeit haben, aus dem Zustande der chronischen Labilität herauszukommen und ihre Finanzen zu ordnen, und — was sehr wichtig ist — vielleicht in die Lage kommen, auf ihr Recht, die Landesorganisationen für ihre Zwecke zu besteuern, zu verzichten. Denn aus der Praxis ist bekannt, daß nicht die Höhe des zu leistenden Betrages hemmend ist, sondern die Häufigkeit der vorkommenden Sammlungen, von welchen man betroffen wird. — Diesem psychologischen Moment ist Rechnung zu tragen. Ist nun

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