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Die Welt · 1911-03-10 · 10 (10.3.1911) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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offiziellen Organ, und ihr könnt versichert sein, daß ich fortfahren werde, mit meiner ganzen Kraft für die Aufklärung der Massen, für die Wiederbelebung unserer Nation, unserer Sprache und unseres Landes tätig zu sein. Kraft des großen Einflusses, den ich wir in meiner 30jährigen journalistischen Tätigkeit erworben hbbe, werden meine Worte von weittragender Wirkung sein, ohne daß es nötig wäre, ein neues Blatt zu gründen." — Auf Grund dieser Versicherungen Frescos wurde der „Tiempo" zum offiziellen Organ der türkischen Zionisten bestimmt und ihm einemon atliche Subvention von 200Franke n bewilligt. Nach erfolgter Auszahlung der ersten Monatsrate waren denn auch im „Tiempo" zionistische Artikel von Sokolow, Nordauusw., eine hebräische Artikelserie von A. Hermoni und wenn wir nicht irren auch von Kobak und Jabotinsky zu lesen. Am meisten zeichnete sich aberFresco selbst durch seine längeren begeisterten Aufsätze über den Zionismus, die Chibbath-Zion-Bewegung in Rußland usw., aus. Ich erinnere mich noch lebhaft seines umfangreichen Artikels über das Odessaer Komitee der Chowewe-Zion sowie seines Panegyrikus auf Ussischkin und die zionistischen Vorkämpfer in Rußland. Den Namen unseres verewigten Herzl erwähnte er niemals ohne Hinzufügung der Worte „el regrettado", „el deftmto", und von Nordau sprach er nie anders als mit dem Zusatz, „der große Meister." Dieser Zustand dauerte acht Monate lang. Herr Fresco erhielt regelmäßig seine monatliche Subvention von 200 Franken, und der „Tiempo" fungierte in der Tat als Sprachrohr der zionistischen Partei in der Türkei. Urplötzlich, mit einem Schlage, änderte sich jedoch die Haltung Frescos von Grund aus. Hin es schönen Tages erschien im „Tiempo" ein flammender, wutentbrannter Artikel gegen den Zionismus, die jüdisch-nationale Bewegung und alle unsere nationalen Güter. Der Artikel war von Herrn Gad Franco (der später Frescos Schwiegersohn wurde) gezeichnet, und darunter stand folgende Anmerkung des Redakteurs: „Ich stimme mit den Ausführungen des trefflichen Rechtsanwalts Franco vollkommen überein." Was war geschehen? Woher dieser überraschende, unvermittelte Wandel in der Gesinnung des Herrn Fresco? Wie konnte ein Mann, der noch gestern begeisterter Nationaljude war, heute schon als extremer Assimilant auftreten? Dies ist fürwahr ein Rätsel, dessen Lösung jedoch in folgendem Umstand zu suchen ist: Als Herr Fresco mit den Konstantinopeler Zionisten das obenerwähnte Übereinkommen traf, wie auch später, als die zionistischen Artikel im „Tiempo" erschienen, war das Oberhaupt der Assimilantenpartei Konstantinopels, Commandorelsak Fernandes, von Konstantinopel abwesend, und erst nach seiner Rückkehr erschien der Artikel von Franco. Weshalb? Weil nach den Vers icherungen gutunterrichteter Kreise Herr Fernandes dem Fresco eine beträchtliche Subvention von antizionistischer Seite versprach, damit er den Zionismus mit allen Mitteln bekämpfe. Die Assimilantenpartei begann damit, daß sie dem Fresco eine neue Druckmaschine zur Verfügung stellte. Und so wechselte denn Herr Fresco seine Grundsätze, wie man ein altes Kleidungsstück wechselt . . . Seitdem verfolgt er den Zionismus, dessen Anhänger in Konstantinopel ihm natürlich die bis dahin gewährte Beihilfe entzogen, in seiner bekannten Manier, und zwar um so wütender, je weiter sich die Bewegung innerhalb der Türkei allen seinen Machenschaften zum Trotz ausbreitet Kennzeichnend für die völlige Gesinnungslosigkeit Frescos ist der Umstand, daß er einerseits immer wieder hervorhebt, die Juden seien kein Volk und keine Nation, sondern bloß eine Religionsgemeinschaft, und müßten deshalb lediglich auf die Pflege ihrer religiösen Güter bedacht sein, daß er selbst aber anderseits die jüdische Religion mit Füßen tritt, indem er z. B. die jüdischen Setzer seiner Zeitung zwingt, am Sabbat zu arbeiten, und es erst in der letzten Nummer des „Tiempo" wieder als Wahnwitz bezeichnet hat, daß die Juden sich nicht mit den Nichtjuden verschwägern. Bald führt er pathetisch die jüdische Religion und die „fundamentalen Grundsätze der jüdischen Ethik * im Munde, bald aber verkündet er laut, das Judentum müsse mit allen seinen alten Traditionen völlig brechen ..." Der Artikelschreiber im „Hacheruth" schließt seine Ausführungen damit, daß die anständige jüdische Presse Herrn Fresco zu viel Ehre erweise, wenn sie sich mit ihm ernstlich auseinandersetze. Jeder urteilsfähige Leser des „Tiempo" müsse sich sagen, daß ein Mann, der in dieser krankhaften Weise alles Edle und Erhabene begeifert, der tagtäglich die Gesetze der Logik, des guten Geschmacks und des journalistischen Anstands mit Füßen tritt, geistig abnormal sei und unverkennbar alle Anzeichen der moral insanity an sich trage. Abberufung eines englischen Diplomaten aus Konstantinopel Wie Konstantinopeler Zeitungen berichten, ist der erste Dragoman der englischen Botschaft Fitzmaurice von dort abberufen worden. Fitzmaurice, der diesen wichtigen Posten seit vielen Jahren innehatte und unter dem neuen Regime in enger Verbindung mit Kiamil und der sogenannten liberalen Union stand, war oft bestimmend für die antijung türkische Politik der englischen Botschaft. In unterrichteten Kreisen ist man dem „Berliner Tageblatt" zufolge der Meinung, datt die antisemitische und antizion ist ische Neigung gewisser Parlamentarier auf seinen Einfluß zurückzuführen sei. Palästina Eine neue Zuwendung Mosers für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem Der Verwaltungsrat des hiesigen Hebräischen Gymnasiums hat am 1. Februar ein Schreiben von Lordmayor Jacob Moser in Bradford erhalten, worin der hochherzige Förderer der palästinensischen Gymnasien mitteilt, daß er, gleich wie im vorigen Jahre, auch für das laufende Schuljahr der neuen Lehranstalt 5000 Francs zuwende. Diese neuerliche Kundgebung der starken Sympathie, die Herr Moser für die Jerusalem er Schule hegt, hat hier in allen national gesinnten Kreisen Befriedigung hervorgerufen. Mit um so größerer Anerkennung begrüßte man hier dieses andauernde Interesse für die Entwicklung des zweiten Hebräischen Gymnasiums in Palästina, als Herr Moser gerade im laufenden Jahre durch seine Würde als Lordmayor von Bradford notgedrungen von den palästinensischen Angelegenheiten abgelenkt wird. Unwetter in Palästina Am 11. und 12. Februar hat an der Küste Palästinas ein Südweststurm von einer Heftigkeit getobt, wie man sich ihrer nicht erinnern kann. Hier in Jaffa wurden 56 Leichter vernichtet oder schwer beschädigt und drei Segelschiffe aus dem kleinen Hafen an den Strand geworfen und vernichtet. Zwei italienische Fischerboote scheiterten auf der Fahrt von Port Said. Die Bemannung konnte sich retten mit Ausnahme von zwei Matrosen, die ertranken. Dazu kam Schneefall und Kälte in ganz Palästina und Syrien. In Jerusalem herrschte einige Tage hindurch ein furchtbarer Schneesturm. Auf den Straßen und Dächern erreichte der Schnee eine Höhe von einem halben Meter. Viele Bäume wurden entwurzelt, auch stürzte unter der Last der Schneemassen ein baufä'liges Haus ein und begrub zwei junge Moslemin unter seinen Trümmern. Der Straßenverkehr stockte vollständig, und die meisten Läden waren geschlossen. Die Telegraphenverbindung war mehrere Tage lang unterbrochen, selbst die Bahnlinien von Jaffa nach Jerusalem sowie von Beirut nach Aleppo und Damaskus mußten den Verkehr einstellen. An der Strecke von Damaskus nach Haifa stürzte ein gewaltiger Felsbiock auf einen Zug und zertrümmerte die Lokomotive und einen Güterwagen. Drei Beamte wurden schwer verletzt. Es fehlte nicht viel, daß der von 400 Menschen besetzte Zug die 20 m steile Böschung hinuntergestürzt wäre. Überaus groß sind die Verwüstungen, die das Unwetter in den Orangengärten Jaffas und der jüdischen Kolonien angerichtet hat. Infolge des Sturmes fielen unzählige Früchte ab und gingen zugrunde. In Pethach-Tikwah haben die Mandelpflanzungen glücklicherweise nicht gelitten, dagegen wurden die Orangengärten sehr hart mitgenommen. Man beziffert den Schaden i n Pethach-Tikwah allein auf 50000 Frcs. In den Bojaren von Jaffa und Umgebung soll sich der Schaden insgesamt auf 4—500000 Frcs. belaufen. Von der galiläischen Kolonie Magdala Im Jahre 1909 kaufte eine Gesellschaft wohlhabender jüdischer Palästinafreunde aus Moskau die deutsche Besitzung Magdala (Medschdel) am Tiberiassee in der Absicht, dort eine Baumwollpflanzung anzulegen. Seit dem Sommer 1910 werden nun die für die Anpflanzung notwendigen Vorarbeiten, wie Beseitigung des Geröils, Umbruch und Tiefpflügung des Bodens, Anlage von Feldwegen usw. durchgeführt. Demnächst soll mit dem eigentlichen Anbau begonnen werden. Gegenwärtig arbeiten in Magdala 70 jüdische Landarbeiter, hauptsächlich Aschkenasim, doch auch eine Anzahl Scphardim. Unter den Aschkenasim gibt es auch einige Handwerker: Maurer, Schmiede, Schreiner usw., die aus Safed und Tiberias nach der

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