Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 10 (10.3.1911)
- Date
- 1911-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
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216 DIE^ELT No 10 Mitteln geeignet sind; desgleichen baut sie Wege und sorgt für Wasser. Für Personen mit noch geringem Mitteln wurde ein Plan ausgearbeitet, der den einzelnen zu einer intensivem Betätigung seiner Arbeitskraft veranlassen soll und ihm eine Gewinnbeteiligung an dem Erfolg seiner Bemühungen geben will. Dieser Plan besteht in der Errichtung einer landwirtschaftlichen Kolonie auf kooperativer Basis, ein System, das bereits in kleinem Umfange in Umdjuni Erfolg gehabt hat und das nun in großzügiger Weise in Galiläa durch die Siedlungsgenossenschaft „Erez Israel" versucht werden soll. Abgesehen von diesen modernen Methoden für die Schaffung der genügenden Arbeitskräfte zur Bewirtschaftung des Bodens, trägt der Zionismus auch zu der notwendigen Aufforstung Palästinas bei. Er hat einen besondern Fonds von über 250000^ gesammelt, der für die Anpflanzung von Ölbäumen in verschiedenen Teilen des Landes bestimmt ist. Der Zionismus hat sich aber nicht mit diesen einzelnen landwirtschaftlichen Projekten begnügt, er hat auch den ersten Ansporn zur Errichtung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Haifa gegeben und hat die Vorarbeiten hierfür geleistet. Die Aufgabe dieser Versuchsstation besteht in dem gründlichen wissenschaftlichen Studium der geologischen und botanischen Ressourcen Palästinas sowie der lokalen landwirtschaftlichen Methoden, um Anregungen für die möglichst beste Ausnutzung der vorhandenen Hilfsmittel und die Modernisierung der veralteten landwirtschaftlichen Technik zu geben. Sie wird junge Agronomen heranbilden, Wanderlehrer aussenden, die Vorträge über Naturwissenschaft und Agrikultur zu halten haben, sie wird populäre Schriften über landwirtschaftliche Angelegenheiten, wie Werkzeuge, Maschinen, Erntemethoden verbreiten, und durch systematische Aufklärung das ökonomische Bild des Landes vollständig ändern. Es ist wohl unnötig, zu sagen, daß die Tätigkeit der Versuchsstation, die einzige ihrer Art in Palästina, nicht nur einzelnen Klassen oder Parteien von Nutzen sein wird, sondern der gesamten landwirtschaftlichen Industrie des Landes. Ein anderer wichtiger Wirkungskreis der zionistischen Initiative ist die Wohnungsfrage. Hauptsächlich durch die Vermittlung des Jüdischen Nationalfonds sind moderne Viertel in Jaffa und Haifa errichtet worden, die mit allem möglichen Komfort und hygienischen Erfordernissen ausgestattet sind und die in einem sinnfälligen Gegensatz zu ihrer jämmerlichen Umgebung stehen. Die Errichtung moderner Häuser ist nur der erste Schritt in dem hygienischen Programm des Zionismus. Für die nächste Zeit steht die Errichtung eines hygienischen Instituts bevor, das sich mit der Unterdrückung und Abwendung infektiöser Seuchen befassensollunddasVolküberdiewichtigsten hygienischen Fragen in populären Flugschriften aufklären will und das auch den Landes- und städtischen Behörden bei allen sanitären Problemen beratend zur Seite stehen soll. Die größte Gefahr der Pestansteckung z. B., die leicht durch die neuen Eisenbahnverbindungen mit Südarabien einerseits und Konstantinopel anderseits nicht nur Palästina, sondern auch für Europa immanent werden kann, zeigt allein schon die Notwendigkeit dieses Instituts. Im palästinensischen Unterrichtswesen hat die zionistische Organisation bisher nicht besonders Großes wirken können. Aber sie kann auf die Gründung einer modernen Mittelschule, des hebräischen Gymnasiums in Jaffa hinweisen, wo 200 Schüler einen gründlichen Unterricht in modernem Wissen, erhalten und wo sie für die Universitätskarriere vorbereitet werden. Ferner haben die Zionisten in Haifa den Baugrund für ein technisches Institut zur Verfügung gestellt, welches einheimische Hörer in den verschiedenen Berufen des praktischen Wissens erziehen und so das heilige Land weniger abhängig von den Ingenieuren und Elektrikern Europas machen wird. Sie haben weiter die Errichtung eines natur-historischen Museums in Jerusalem in die Wege geleitet, in dem die interessantesten und typischsten Arten der Flora und Fauna des Landes gesammelt werden; und das letzte Resultat zionistischer Privat-Initiative ist die Errichtung einer Musikschule in Jaffa. Diese Erfolge zionistischer Tätigkeit, wie sie hier skizziert wurden, sind alle während der letzten sieben Jahre erreicht worden, und die meisten erst innerhalb der letzen drei oder vier Jahre. Sie haben in schätzenswertem Maße zu der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Landes beigetragen, und sie haben den Weg gezeigt, auf welchem weitere Verbesserungen erwartet und in der Zukunft verstärkt erlangt werden können. Sie zeigen, daß die zionistischen Bestrebungen das kommerzielle Leben modernisiert und geschärft, Kunstgewerbe und Handwerk angeregt, rationelle Reformen auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Kolonisation eingeführt, die Wohnungs- und sanitären Verhältnisse verbessert und zu der Förderung des Unterrichts und der Wissenschaft beigetragen haben. Sie beweisen, daß die zionistische Bewegung darnach strebt, den Boden fruchtbarer, die Städte wohnlicher, das Volk gesunder und schaffender und das Land blühender zu machen. Ob solche Tätigkeit den Interessen des Ottomanischen Reiches schädlich sein kann, ist eine Frage, die nur diejenigen stellen können, denen diese Interessen weniger am Herzen liegen als die Befriedigung ihrer Vorurteile. FEUILLETON o □□□□□ P..... B Im Nebel Eine Wiener Purimgeschichte Von Michael Wurmbrand Nach einer Reihe sonniger Frühmärztage ein Morgen, feucht und neblig in den Straßen der Wiener innern Stadt. Die etwas bewegte Luft fächelt einen bald kühlend, bald wärmend an, was etwas verwirrt und zugleich anheimelt. Der dichte Nebel, der Farben und Konturen verwischt, die Töne dämpft, läßt alles rings schattenhaft und unwirklich erscheinen. Man wandelt inmitten all der mannigfachen Bewegung und fühlt sich dennoch entrückt ... Ferne Bilder weben, vage und verworren, in der Vorstellung: Schmale, winkelige