Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 10 (10.3.1911)
- Date
- 1911-03-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Lod 1× ep/1045074
- Safed 1× ep/1046078
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No. 10 DIEMKE LT 215 Brde sterben will, sein mag, schien seinen erschlaffenden Einfluß über das ganze Land zu verbreiten. Die Industrie kam nur langsam und schläfrig vorwärts, weil in diesem unentwickelten landwirtschaftlichen Oebiete der ökonomische Antrieb des Kredits fehlte. Es gab allerdings ein gewisses Kreditsystem, das aber nicht darauf aus war, den Unternehmungsgeist zu ermutigen oder den Sinn für Verantwortlichkeit zu schärfen. Ein reicher Großgrundbesitzer lieh einem geplagten Bauern Geld zu Wucherzinsen ohne irgendwelche Sicherheit, und wenn keine Zahlung erfolgte, nahm er ihm mit Hilfe gemieteter Soldaten einige Stücke Vieh weg. Auch wenn diese Exekution unnötig wäre, so konnte doch die Höhe der geforderten Zinsen dem Bauern oder Händler kaum gestatten, in ihren Berufen irgendwelche Fortschritte zu machen. Eine radikale Änderung dieser Verhältnisse trat erst ein, alsim Jahre 1903 die Anglo- Palestine Company durch die zionistische Organisation gegründet wurde. Diese zionistische Bank war die erste, die die Usancen des europäischen Kreditwesens in das Heilige Land brachte und so einen geschäftlichen Aufschwung in allenKlassen der Gesellschaft und allen Zweigen der Industrie herbeiführte. Sie unternahm es, kurzfristige Darlehen gegen mäßige Zinsen an kreditwürdige Industrielle und Kaufleute und langfristige Kredite an Landwirte und Baugesellschaften zu gewähren, deren Zurückzahlung durch die Ernte oder durch die Miete garantiert wurde. Sie förderte die Bildung von kooperativen Kreditgenossenschaften unter den Handwerkern, Kleinhändlern und landwirtschaftlichen Arbeitern, eine Bewegung, die nunmehr ca. 20 Gesellschaften mit 1200 Mitgliedern umfaßt, die sich eines Kredits von beinahe einer halben Million Francs erfreuen. Die Anglo Palestine Company, die mit einem Kapital von nur 215000 Frcs. gegründet wurde, hat jetzt ungefähr sechs Millionen Francs zu ihrer Verfügung, die eine beträchtliche Summe für die wirtschaftlichen Bedingungen in Palästina darstellen. Sie hat Filialen in Jerusalem, Jaffa, Haifa, Hebron und Safed und sogar außerhalb Palästinas, in Beirut, und ihre Geschäfte waren so erfolgreich (wenn man das eigentümliche Feld ihrer Tätigkeit in Betracht zieht), daß in den letzten 3 Jahren eine Dividende von 4ö/o verteilt werden konnte. Man kann vielleicht den Einfluß, den sie auf die Handelslage ausgeübt hat, am besten daran erkennen, daß nach dem Aussprucheines Direktors der KaiserlichenOttomanischen Bank die Verdoppelung des Im- und Exports in Palästina, die in den letzten fünf Jahren stattgefunden hat, der Tätigkeit der Anglo Palestine Company zuzuschreiben ist. Überdies hat sich auch ein Tochterinstitut dieser Gesellschaft,die Anglo-LevantineBankingCompany in Konstantinopel, die gegen Ende 1908 gegründet wurde, als ein erfolgreiches Unternehmen bewiesen. Diese hat in den ersten fünfzehn Monaten ihres Bestehens eine Dividendevon 6 °/o auf ihre geschäftlichen Operationen erzielt. Die Wohltaten, die diese Bankhäuser dem Geschäftsleben des ottomanischen Reiches erweisen, beschränken sich durchaus nicht auf jüdische Kreise; Muselmänner und Christen befinden sich ebenfalls unter ihren Kunden. Und der Erfolg, den sie schon in den wenigen Jahren ihres Bestehens erreicht haben, gewährt zufriedenstellende Aspekten für die Zukunft. Der Zionismus hat aber nicht nur dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben Palästinas einen Ansporn gegeben, er hat auch ein direktes Interesse an der Förderung industrieller und landwirtschaftlicher Betriebe sowie auch an der Verbesserung der Wohnungsverhältnisse und an der Beförderung des Unterrichtswesens genommen. Er hat eine Institution für Kunst und Gewerbe, den „Bezalel", in Jerusalem ins Leben gerufen, der einen Weg zur Bekämpfung der Armut in der Heiligen Stadt zeigt. Diese Institution hat Abteilungen für Teppichwebereien, Korbarbeiten, Filigranschmuck, Spitzenklöppelei, Tischlerarbeiten, Damaszener Metallarbeiten und Kupferarbeiten errichtet, die alle unter der Aufsicht sachkundiger Handwerker stehen; in Kürze sollen noch andere Abteilungen für Metallziselierungen und Elfenbeinschnitzereien angegliedert und auch eine Gießerei eingerichtet werden. Trotzdem der Anfang in sehr bescheidenem Maße gemacht wurde und den Arbeitern ihr Handwerk erst beigebracht werden mußte, beschäftigt der „Bezalel" heute doch schon beinahe 300 Leute. Und was die Qualität seiner Erzeugnisse betrifft, so kann man sie aus der Tatsache ermessen, daß sich der Erlös für diese Produkte von 20000 Frcs. im Jahre 1908 auf 90000 Frcs. im Jahre 1910 gehoben hat. Seine Teppiche sind so verbessert worden, daß europäische Kenner erklärt haben, daß sie es bald mit den berühmten Teppichen der Türkei und Persiens aufnehmen könnten. Der „Bezalel" hat aber auch Pionierarbeiten für die Einführung einer Hausindustrie auf dem flachen Lande geleistet. Er hat eine Gruppe Jemeniten in Ben Schämen bei Lydda angesiedelt, ihnen Landhäuschen mit Gärten und Werkstatt angewiesen. Diese Leute können so, obgleich sie hauptsächlich mit Filigranarbeiten und Teppichweben beschäftigt sind, doch auch Zeit für Gemüseanbau und Geflügelzucht erübrigen. Der „Bezalel" hat somit gezeigt, wie der wachsenden Überfühung Jerusalems mit allen ihren sozialen und sanitären Übeln in für Volk und Land gedeihlicher Weise abgeholfen werden kann. Die industrielle Kolonie in Ben Schämen ist nur ein Vorläufer vieler anderer, die allmählich das arme und unproduktive Element aus den Städten nach dem Lande ziehen und so in eine schaffende Klasse umwandeln, die auf eignen Füßen stehen kann. Die zionistischen Pläne weisen aber auch auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Industrien praktischen Sinn auf. Das agrarische Problem in Palästina zeigt zwei Merkmale: Das meiste Land befindet sich in den Händen der Großgrundbesitzer, die das System der ausgedehnten Bewirtschaftung vorziehen, und deren Arbeiter kein persönliches Interesse an der Höhe des Ertrages haben; zweitens sind die Ackerbaumethoden meist noch ganz primitiver Natur. Was Palästina braucht, ist ein Stamm gesunder und williger Einwanderer, die ihren persönlichen Stolz in der Bestellung des Landes suchen und die moderne Ackerbaumethoden anwenden wollen. Leider werden aber Ansiedler, die Land für Ackerbauzwecke zu kaufen wünschen, gewöhnlich dadurch abgeschreckt, daß die verkäuflichen Strecken für sie zu groß sind und daß die gesetzlichen Formalitäten, die mit einer Übertragung verbunden sind, einen ganz beträchtlichen Zeitverlust verursachen. Um diese Machteile zu beseitigen, wurde die Palestine Land Development Company unter den Auspizien der zionistischen Organisation ins Leben gerufen. Diese Company erwirbt große Strecken Landes, bereitet sie für Bewirtschaftung vor und parzelliert sie zu kleinen Bauerngütern, die für Landwirte mit bescheidenen 2*