Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Die zionistische Studentenschaft Wiens erachtet es als Ehrenpflicht, dem Abgeordneten Ernst Breiter ihre Anerkennung auszusprechen. In opferwilligster Weise ist dieser Nichtjude in schweren Zeiten unseren verfolgten Brüdern in Gaüzien hilfreich zur Seite gestanden. Er hat sich damit den Anspruch auf unvergängliche Dankbarkeit erworben." Herr Buchbinder besprach den Bericht der „Welt" (Nr. 7), der die Behauptung enthält, daß die Studenten „aus Gaüzien und Bukowina" dem Empfang am Bahnhof beigewohnt hätten. In der Tat beteiligten sich sämtliche zionistischen Studenten an der Arbeit während der Schänkerdernonstration. Unrichtig ist es auch, daß Herr Dr. S. R. Landau an der Spitze des Komitees stand und am Perron eine Ansprache hielt. Herr Böhm erörtert anknüpfend an die Beschwerden des Vorredners die Notwendigkeit, daß der Berichterstatter der „Welt" nur mit Zustimmung der Parteibehörden ernannt werde. Herr Dr. Körner stellt fest, daß der bemängelte Bericht keine Eigenkorrespondenz, sondern ein Zitat aus der „N. Fr. Presse" ist. Sitzung der zionistischen Parteileitung für Böhmen Das Distriktskomitee für Böhmen hatte für den 12. Februar die Parteileitung einberufen. Außer den Mitgliedern des Distriktskomitees erschienen die Herren: Bechert-Teplitz, Dr. Hirsch-Komotau, Steiner-Karlsbad, Dr. Margulies-Leitmeritz, Dr. Kuh-Prag (beide vom Zentralkomitee), Pleischer-Gabloriz, Soudek-Kolin und Leo Herrmann- Prag (die drei letzten vom Preßkornitee); ferner Vertreter: Jüdischer Volksverein-Prag, „Zion"-Karlsbad, Freie Zionistische Vereinigung, Alter Herren-Verband Bar Kochba-Prag, Jüdischer Frauenverein- Prag, Verein jüdischer Hochschüler Bar Kochba-Prag, Verbindungen Barissia-Prag und Jordania-Prag und des „Spolek zid. akad. Theodor Herzl in Prag". Nachdem der Obmann Herr Glaser eröffnet hatte, erstattete Herr Prof. Dr. Engel das Referat über Agitation, wobei er eine Reihe von Leitsätzen aufstellte und über die vorgeschrittenen Vorarbeiten zur Einteilung Böhmens in Rayons sprach. Das ergänzende Referat des Herrn JUC. Goldstein bezog sich auf die Agitation in den tschechischen Gegenden. Nach längerer Debatte wurde empfohlen, ein Rednerbureau aufzustellen. Hierauf erstattete Herr phil. cand.Hugo Herrmann das Referat über Preßangelegenheiten, Es wurde mt Befriedigung das gegenwärtige Verhältnis der „Selbstwehr" zur Kenntnis genommen und die Unterstützung und Verbreitung dieses Organs sowie der „Welt" allen Gg. dringend empfohlen. Herr Dr. Singer erstattete ein Referat über die Vorbereitungen zum Zehnten Kongreß. Herr Dr. Emil Margulies erstattete Bericht über die Neugestaltung des Organisationsstatuts. Entsprechend den Anregungen des Herrn Adolf Böhm, Präsidenten des Wiener Zentralkomitees, wurde es für erwünscht erklärt, daß beim Kongreß eine großzügige Aktion für die P. L. D. C. eingeleitet werde. — Nach dem Referat des Herrn Moritz Löwy über Finanzangelegenheiten wurde beschlossen, die Parteisteuer auf 1 Krone 50 Heller zu erhöhen. Das Referat des Herrn Ing. Slonitz über Parteiangelegenheiten gipfelte in der Forderung nach Respektierung der Krakauer Beschlüsse, die das Verhältnis der zionisfschen und der jüd.-nat. Organisation regeln. Es wurde einstimmig folgende Resolution beschlossen: ,,D:e' böhmische Parteileitung bedauert die Demission des Präsidenten des Zentralkomitees und beauftragt den Vertreter des Distriktskomitees, im Zentralkomitee dahin zu wirken, daß die hervorragende und unersetzliche Kraft des Herrn Adolf Böhm dem Zentralkomitee erhalten bleibe." Die Jahreskonferenz der English Zionist Fedeiation Sonntag den 26. Februar tagte in Manchester die Jahreskonferenz der englischen Zionisten. Die Konferenz wurde von einer stattlichen Anzahl von Delegierten besucht. Außer London und Manchester waren die Vereine in Leeds, Bradford, Newcastle on Tyne, Cardiff, Swansea, Glasgow, Edinburgh, Dublin, Beifort u. a. gut vertreten. Die Vormittagssitzung begann um 11 Uhr. Den Vorsitz führte Mr. I. B. Rubinstein. Der Hon. See. Mr. Paul Goodman verlas den Bericht für das abgelaufene Jahr. In seiner Eröffnungsrede, die etwa 45 Minuten dauerte, besprach der Vorsitzende ausführlich die gegenwärtige Lage des englischen Zionismus und die Ursachen, die zu einer vollständigen Desorganisation geführt haben. Er weist auf die Notwendigkeit einer Verständigung mit dem Order of Anciens Maccabeans und berichtet über gewisse Schritte, die er in dieser Richtung unternommen hat. Er bedauert die Abwesenheit vieler Gesinnungsgenossen, die sich in frühern Jahren durch ihre Begeisterung und Arbeitsfreude ausgezeichnet haben, und fordert die versammelten Delegierten, auf, die English Zionist Federation zu reorganisieren und leistungsfähig zu machen. Die Zwistigkeiten und Reibereien, die im vergangenen Jahre jede Tätigkeit unmöglich gemacht haben, müssen dem Frieden und einer erneuten Anstrengung aller Kräfte Platz machen. Er erwähnt zuletzt die guten Dienste, die der letzte Präsident der Föderation, Dr. Charles Dreyfus, der Sache des Zionismus in England geleistet hatte, und beantragt, an ihn ein Dankschreiben zu richten. Erschlägt auch vor, ein ähnliches Schreiben an die Herren Joseph Cowen und L. J. Greenberg und einen Brief mit dem Wunsche baldiger Genesung an den Haham Dr. M. Gaster, der krank ist, zu richten. Die Anträge wurden angenommen. Der Bericht des Sekretärs, der auf den frühern Konferenzen Gegenstand erhitzter Debatten zu sein pflegte, wurde ebenfalls ohne weiteres angenommen. Den wichtigsten Gegenstand der Debaiten und Beratungen bildete die Frage, ob der Sitz der English Zionist Federation in London verbleiben oder nach Manchester verlegt werden solle. Ein Teil der Delegierten glaubte nämlich, daß der Zionismus in England nur dann gesunden werde, wenn die Föderation London nicht mehr zu ihrem Sitze haben werde. Sie traten für Manchester ein, da es zentral gelegen ist und da sie dort die geeigneten Personen, die E. Z. F. zu leiten, zu finden glaubten. Die Erörterung dieser Frage nahm längere Zeit in Anspruch. Zuletzt kam man jedoch zu dem Kompromiss, daß der Sitz der Föderation auch fernerhin in London verbleiben solle, in Manchester jedoch soll ein Subkomitee zur Leitung und Regulierung der zionistischen Arbeit in seiner Umgebung errichtet werden. Die Nachmittjgssitzung befaßte sich mit den Wahlen für die neue Exekutive der E. Z. F. Die folgenden Herren wurden gewählt: Sir Francis Montefiore (Ehrenpräsident), Josef Cowen (Präsident), Dr. Ch. Weitzmann und Ingenieur L. Keßler (Vizepräsidenten), Paul Goodman und Norman Bentwich (Schriftführer), S. B. Rubenstein (Schatzmeister), L.Eisen, A.Eppstein, J. K. Goldbloom, B. ürad, Mrs. Liebster, Dr. Melamed, H. Sacher, Dr. J. M. Salkind, Leon Simon und H. Snowman (Mitglieder für London), J. Vassilevsky, M. Simon, J. J. Loewy, S. Goldberg, Mr. Levy, M. Jacobs, Ettinger, N. S. Burstein, S. Golombon und Wigoder (für die Provinz). Sollte Herr Cowen nicht geneigt sein, die Leitung zu übernehmen, so übernimmt dieselbe Dr. Weitzmann, der erste Vizepräsident. Nachdem noch einige Anregungen und Vorschläge angenommen wurden, darunter die Übernahme der von den Gg. H. Sacher und L. Simon seit einem Jahre edierten Monatsschrift „The Banner of Zion," und der Vorsitzende das Schlußwort gesprochen hatte, wurde die Jahreskonferenz, von der die Hebung des Zionismus in England zu erwarten ist, mit dem Absingen der Hatikwah geschlossen. Abends fandfein gut besuchtes Massenmeeting statt, auf welchem die Gg. Dr. Weitzmann, H. Sacher, L. Simon und S. B. Rubenstein begeisterte Reden hielten. Brief aus Konstantinopel Von unserm Berichterstatter Erschreckende Bilanz Unter diesem Titel geißelt die „Tribuna Libera" in Saloniki das Treiben der antizionistischen Dunkelmänner. Das Blatt schreibt: „Indem ich mir die Ereignisse der letzten Tage vor Augen führe, frage ich mich: Wo sind wir? Ja, Juden von Saloniki, wo sind wir? Der „Hak" schreibt einen Artikel, der die zionistische Bewegung als antipatriotisch erklärt, und die Türken sagen, ein Jude habe ihn. geschrieben, die Schulen des Hilfsvereins werden geschlossen, der Direktor der Talmud Torah wird verleumdet und den Behörden als Zionist denunziert, die Leiterin des Ganjeladirn wird in einem Schmutzblatt angegriffen und durch anonyme Pamphlete feig beleidigt, anonyme Briefe wurden gegen einen ehrbaren Geschäftsmann an die hiesigen Banken eingereicht, indirekte Drohungen wurden an Personen gerichtet, deren Ideen nicht mit denen anderer Leute übereinstimmen. Die Angeberei arbeitet im Großen. Wenn wir über die Straße gehen, so dringt der Argwohn in unsere Seele, ob nicht violleicht die Person, gerade die, die wir eben grüßen, der wir eben freimütig und loyal die Hand reichen, der infame Urheber jener Niedrigkeiten und Schändlichkeiten sein mag . . . „Alles ist möglich! Die Gerüchte, die umlaufen, sind geradezu unglaublich. Wir können kaum Versicherungen anständiger, einflußreicher Persönlichkeiten Glauben schenken, die uns sagen, daß die Pamphlete und die anonymen Briefe, die Verleumdungen und Denunziationen nach der Art, wie sie abgefaßt sind, beweisen, daß sie von Leuten mit Bildung geschrieben sein müssen, von Leuten mit Beziehungen, die diese freilich nur dazu ausnutzen, um ihre giftigen Instinkte, Übles zu tun, befriedigen zu können.